Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2765 (7.11.1926)
- Date
- 1926-11-07
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr.'2?66 gMtt, SomMg Wi ener Msrsenzeituns ^MVöMer KW <S«8&B Tagesbericht. 2r. Wellisch gestorben. Ein Vertrauensmann Herzls. ' v,n der Nacht auf gestern ist hier .Herr Dr. W elbis ch im 60. Lebensjahre plötzlich gestorben. Er war von einem Besuch gegen Uhr zurückgekehrt uird stürzte auf. der Treppc zu seiner im Hause Tandlergasse 1 gelegenen Wohnung bewußtlos zusammen. Stoch vor dem Eintreffen der herbeigerufenen Rettungsgesellschaft erlag er einem. Herzschlag. Dr. Wellisch war im Jahre 1866 in einem ungarischen Städtchen geboren. Er studierte in Wien Medizin und trat am Ausgang der neunziger Jahre in die Dienste der I nt e r n cht i o n a l e n Z a n it ät s k o mm i ssio n in der Türkei. ^Nach kurzer Verwendung in Konstantinopel wurde Dr. Wellisch wegen seiner Kenntnis der arabisch e'n Sprache Mit der Kontrolle der sanitären Verhältnisse in Anatolien betraut. Aus weiten Reisen, auf denen ihn seine Frau begleitete, lernte er das Land und die Bewohner dieser Gegenden leimen und seine Fahrten tvaren sehr oft Entdeckungsreisen in eine unbekannte Welt. Seine Erfolge in der Bekämpfung der Cholera und, der Pest verschafften ihm hohe Autorität und er erhielt schließlich den Auftrlrg, den. Quarantäne-Dienst in D s ch i d d a, dem Hasen von Mekka, , zu organisieren. Er löste seine Ausgabe in solcher Weise, daß er mit dem Rang eines Sektionschefs.nach Konstantinopel berufen wurde. Hier schuf er sich in Prinkipo ein-behagliches Heim, das von der. türkischen Gesellschaft und von Europäern, gerne ausgesucht wurde. So kam Dr. Wellisch in Berührung mit den Hofkreisen und mit allen hervorragenden Persönlichkeiten, die Konstantinopel'berührten.' Seine ausgobreiteten Verbindungen stellte er gerne Theodor Herzl zur' Verfügung, als dieser mit dem Sultan Abdul Hamid in Verhandlungen über Palästina cintrat. Der Budapester Gelehrte Bamberg hatte Herzl aus Wellisch aufmerksam gemacht und der Arzt widmete sich mit Begeisterung der Mission, . die ersten Schritte Herzls ' auf dem heißew Boden des Jildiz vorznbereiten. Dr. Wellisch hat in der „W teuer M o r g c n g e i t u n g" über -seine Gespräche mit Herzl, W o -l f f s o y n und Marmore! eingehend berichtet. Nach dem Siege der jungtürkischen Revolution wurde Dr. Wellisch . .ins Ministerium des Innern berufen und trat hier an die.Spitze des Sanitätsd ep arteurents. Cr blieb über den. Krieg auf diesem Posten. Der Einmarsch der Ententetruppen in Konstantinopel vernichtete seine Existenz. Me aus. den Mittelstaaten stammenden Personen wurden ausgewiesen, und so mußte Dr. Wellisch mit seiner. Gattin und seiner Tochter sein.Haus .verlassen, von seinen reichen und wert¬ VORM. MUOWAN & FRAtft . WIEN,!., OPfiRNRtNG-lj bringt für die heürige' Herjast* und Wintersaison ROCKE .iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiliniiiiiiiiiiip in Herrlichen Dessins und Farben auf Seide f 1011 gearbeitet, rum Preise von. » 1ÖU*"" HAARHUTE (iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiir in den modernsten Fassons, durchwegs mit E OR Seide gefüttert, dazu passend, zum Preise von 4 Mi“ vollen Sammlungen Abschied nehmen. -Ohne Pension ging er in die Ferne. Er kam nach Wien und. blieb hier. Seine Rastlosigkeit duldete-aber, keine Muße. Er stellte sich wieder der zio nicht: scheu .Organisation zur Verfügung und wirkte ins- , besondere dank seinerMednergabe für den.Ker en Hajechsod. In den letzten Wochen schloß er sich der Wiener Liga der Zionist e n - R e v i s i o n i st e n an. Er hatte sich' ein. umfassendes Agitationsprogramm zurechtgelegt- Da ereilte ihn der Tod. .Die jüdische Sache verliert in Dr, Wellisch, der aus dom spcrn i o l i s ch e.n tamm gekonmien war, einen treuen und ergebenen Mitkämpfer, von dem die zionistische Organisation tief bewegt. Abschied nimmt. , . * Tag und Stunde des Leichenbegängniffes.wird'uoch'beknnntgegeben werden. o ch. HllMtreNz-Bersammlüug ilmversM. der Die abgesagte Kundgebung der deutschvölkischen Studenten 'fand gestern mittag auf der' Rampe der Universität statt. Die Belange' sind wieder einmal in Gefahr, und so zog man' ans. zum Hroftst gegen die Wahl eines jüdischen. Rechtsgelehrten zum 'Dekan. Professor Hupka wehrt sich gegen die beschimpfende Photographie- ' Ausstellung. Das ist eine Schädigung des Deutschtums. 'Mit Phrasen, wie: die irredenta germazua verlangt es, und Statistiken, die gegen sie selbst' sprächen, wettern sie gegen das Judentum und stellen in Wirklichkeit nur sich selbst bloß. Ander medizinischen Universität gebe es 24 jüdische Professoren: das soll ein Argument gegen, die Juden sein! Wir sind stolz darauf, daß die begabten, fleißigen und errtfiÄ Juden so zahlreich gesät sind. Kann man,, diesen Studenten vom geistigen Wettstreit der Völker-sprechen, wenn sie mit so blödsinnigen .Gemeinplätzen ayfwarten, wie: „So lange in PaVflftra kein Deutscher zum Dekan gewählt wurde, kann bei uns kein PaÄstinenstr Dekan tuenden!" Das ist das Niveau dieser Mgüincntation, so imrd die Generation erzogen, die dAn Staat kn naher Zukunft seine Führer fiesten soll, z :* M einem fafchifüschen . Bottrag. Eine nichte'iu^iehaltene Bereinbavnnq. — Edir angekiindigier diplomatischer Schritt des italienischen Gesandten. Im Festsäal des Jndustriehauses ivar für gestern abends ein Bövtrüg des italienischen Abgeordneten Ermlw Bodrero aSs Hadna unter dem Titel „Der Geist des F a s ch i s m u s" angesagt. Veranstalter des Abends warder OesteLteichifche Knltnrbrcnd. Als der Vortragende das Podium betrat, wurde er von dem zahlreich erschienenen Publikum lebhaft akklamiert. Es stellte sich jedoch bald heraus, daße dieser Beifall trügerisch ivar. Als sich Bodrero bedankte, erschollen von den Galerien, die von A n t i sa s ch ist e h-' und Sozialdemokraten gefüllt waren, Rufe: >,Mätteotti-Mürder!" „Abzug Mussolini!", „Was ist mit, Südtirol?". Es entstand im Saal ein großer T u tu u l t/ so das; der Vortragende seine Rede nicht beginnen konnte, ,-x; ■ Der Vorsitzende leitete Verhandlungen zwischen der italienischen Kvloliie, die in den ersten Reihen placiert waKr, und. den 'Demonstrmnen ein, die zu den: Ziele führten, daß dse Sozialdemolvateu gegen das Versprechen, daß' der Vor t vÄ g n i ch t st a 11 f. t u Ke,itiu-etbe, den Saal zu ränmeü verspräche»i. Vorher hatte bereits P o l i z c ich interveniert' und Einige Rnhestörev aus dein. Saale entferut. Die SöKsMenwkraten verließen hierauf korporativ den Saal, ch Als miedet Riche. eingetrcteu war, erklärten die Mitglieder der i t a l i e u i s ch e n Kolonie, daß sie an die getroffene..Vereinbarung nicht gebunden seien, und verlangten die Abhaltung des Vortrages. Mich der im Saale anwesende italienische Gesandte Auriti bestand auf die Abhaltung des! Vortrages und kündigte wegen'der Storiingsversuche d i hl o m a t ische SchrrpH an. Dem Dräkgeil der italienischen. Kolonie wurde nachgegeben und der Vortragende konnte feine R ede nach,' einer zweistüMgtzn Verspätung ungestört zu Ende MB Eine Sensation Wiens? node-DoabK für HERREN RAGLANS 140 cm breit, früherer Preis S 13,— S 9» z EPE Wk.Jk l*lode-l*lanlel> Velour 140 cm fcrceSfo früherer Peters S Zch— S 12f/« de Cldne!NN«8 § T90 * acrrenwisdic 1 U>V» Vaf AAihftf*;J - |OIOI n icinenwiiren I icppkhe. vofMBtc!1 IN ALLEN ABTEILUNGEN "sEnSATIONS - ANGEBOTE i Um den Andrang zu verteilen, bitten wir auch vormittags za kaufen. 13. tt )