Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2764 (6.11.1926)
- Date
- 1926-11-06
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Men, Gamstvs Wiener Morgenzeitung 6. Mvsmiber'Mv Gerte 8 . 27Si Ar mörderische Telephon. Aus New York wird berichtet: Frau Margret Auersvn hat die Newyork Telephone Company auf Bezahlung von 75.060 Dollars als Schadenersatz fiir eit durch das Verschulden der Teleph'ongefollschaft erfolgten Tod 'ihres Gatten Robert Anderson geklagt. Der Klage liegt folgender Tatbestand zugrunde: In einer Nacht läutete in der Wohnung des Ehepaares Anderson das Telephon, als aber Anderson ans dem Bette stieg und zu dem Apparat ging, stellte es sich heraus, baß eine falsche Nummer verlangt worden war. Zehn Minnten später läutete das Telephon abermals, Herr Anderson sprang noch einmal aus dem 'Bett und es war Mieder eine Fehl Verbindung. Als nun, so behauptet die Mwe in ihrer Klage, Herr Anderson in hellem Zorn, denn war 2 Uhr früh, das Telephon verließ und in fcin 'Schlafmimer eilen wollte, stolperte er auf den Stufen, die vom Arbeitszimmer zu dem Schlafzimmer führten, stürzte und war auf der Stelle tot. Frau Anderson verlangt 76.000 Dollar Schadenersatz boit"bcr Tclephongesellschaft, wöll bitV die Nachlässigen oder Ungeschicklichkeit ih'res Personn* ihr Gatte verunglückt sei. Die Acrzte haben dieser ungewöhnlichen K^age ein Gutachten beigelegt, aus dem hervorgeht, daß Herr Anderson an einem Herzschlag und einer Lungenblutnvsg gestorben ist. Der Prozeß gelangt demnächst vor Allem "Newyorler Zivilgericht zur Verhandlung. M Londoner SensatlonsaffLre. . ^er SelbstiMrd des Ehepaares Brunner. Aus London wird uns berichtet: Der Selbstmord des Chefs der Firnra Brunner, Mond u. Co., Rosooe Brunner und seiner Gattin, der bekannten Schriftstellerin Ethel Houston, bildet das Tagesgespräch von London. Das Motiv des Doppelselbstmordes ist noch immer nicht völlig geklärt, findet aber durch eine Mitteilung des Arbeiterorgans „Daily Herald" eine eigenartige Beleuchtung. Das Blatt berichtet, Frau Houston- Brunner habe 24 Stunden vor der Katastrophe in der Redaktion des Blattes vorgesprochen und in erregter Weise sich über die gemeldete Verschmelzung von vier der größten Unternehmungen Englands ausgelassen. Sie habe erklärt, es sei ungerecht, daß der Name des früheren Präsidenten der Brunner-Mond-Gesellschnft bei der Ankündigung der Verschmelzung fehle und daß die Fusion dm Arbeitem der Werke zum Schaden gereichen werd?. Auch in anderen Blättern sprach Frau Brunner mit ähnlichen Klagm vor und versuchte mit dem Hinweis darauf, daß die gute Geschäftslage der Firma Brunner, Mond u. Co. den Anschluß an den von Srr Alfred Mond, den früheren Sozius der Firma, geleiteten Chemietrust nicht rechtfertige, eine Kampagne gegen den Trust zu veranlasse». Es scheint sich also hier um das Motiv gekränkten Ehrgeizes zu handeln. Es soll auch'in letzter Zeit Unstimmigkeiten zwischen beiden Ehegatten gegeben habm, da Frau Houston-Brunner über dm Verzicht ihres Gatten auf den Vorsitz in der Brunner-Mond-CompanY enttäuscht war, während sich wieder dieser mit ihrer Einmischung in geschäftliche Angelegenheiten nicht einverstanden gab. (Sitte Zeitlang soll es außerdem infolge angeblicher Extravaganzen der Frau Zwistigkeiten gegeben haben. Frau Brunner hatte gesellschaftliche Ambitionen, die von ihrem Gatten nichts geteilt wurden und die bei der vor mehreren Monaten erfolgten Trauung ihrer Tochter mit einem — übrigens damals stellenlosen Prinzen Liechtenstein besonders zum Ausbruch kämm. Me Tochter der Eheleute Brunner trug damals eine goldene Toilette und hat seither den Beincmrm „die goldene Braut". Die Blätter wollen übrigms aitch wissen, bah Brunner in der letzten Zeit bedeutende Geschäftsverluste erlitten hätte; seine Bermögsnsverhältnisse wurdm dadurch wohl nicht zerrüttet, doch ist es nicht ausgeschlossen, daß hier psychotische Furcht vor etwaiger Berarrnung das Tatmotiv war. Wwenrucht. In neuerer Zeit ist ein starker Bedarf an Löwen entstanden; Zoos, anrerikanische Riesenzirkusse und Filmge- ° sellschaften benötigen zusammen eine stattliche Anzahl dieser Tiere, so daß die Jagdexpeditionen nicht mehr genügend fangen können. Deshalb ist ein findiger Amerikaner auf den Gedanken gekommen, eine besondere Löwenzucht anzulegen, aus der in Serienproduktion das benÜtiAe Quantum an Löwm geliefert wird. In Kalifornien ist zu diesem Zweck, wie die „Naturwissenschaftliche Umschau der Chemiler-Zeitung" berichtet, eine über 8OOO Quadratmeter große Farin eingerichtet, in der gegen 7ö Löwen gehalten werden. Da sich die Tiere Mimal im Jahre paaren, und jedesmal drei bis vier Junge geworfen werden, erhält dev Farmer eine erkleckliche Anzahl junger Löwen. Freilich ist die Bewirtschaftung der Farm nicht leicht, und auch nicht gerade ungefährlich. Die Jungen werden mit der Flasche aufgezogen; jeden Tag toi*b zur Fütterung ein ganzes Pferd verbraucht. Dafür find auch die Preise fo hoch, daß die Zucht sehr gewinnbringend ist: für ein Junges werden 1000 Mark gezahlt, für ein ausgewachsenes Männchen bis zu 200.000 Mark. Außerdem verdienen sich manche der Löwen noch ihren Unterhalt außer durch Erzeugung von Nachkommen auch durch Auftretm bei Filmaufnahmen; eine besonders talentierte Löwin erhält z. B. für ihr Auftreten jedesmal 8000 Mark. Solange also keine Konkurrenz Ueberproduktion in diesem Artikel schafft, dürfte das ^schüft sehr rentabel sein. Sin Mnttermörder. Aus Bvzen wird uns gemeldet: Die 40jährige, sehr vermögende Witwe Hedwig Ob er rauch wurde heute in ihrer Wohnung tot anfgefunden. Die Untersuchung ergab, daß sie erivürgt und die ganze Wohnung durchstöbe r-t worden war. Der Tat verdächtig ist der Sohn der Ermordeten, der 17jährige Student Albert, der loiederholt an die Mutter mit Geldfor derungen hergotreten war. Er ist flüchtig. Sie MrgermeisterwM in Laden. Kollmann gewählt. Aus Baden wird unterm 5. d. M. uns berichtet: Heute nachmittags trat der Gemeinderat abermals zur Wahl des Bürgermeisters zusammen, nachdem in der letzten Sitzung (wie bereits gemeldet, d. Red.) die Sozialdemokraten durch einen Exodus die Bürgermerflerwahl verhindert hatten. Die 14 sozialdemokratischen Mitglieder des Gemeinderates hatten sich heute abfentiert und es um* ren nur die 27 Mandatare der bürgerlichen Parteien anlvesend. . Vizebürgermeister Zein er eröffnet« die Sitzung und erklärte sie nach Paragraph 48 der Geschäftsordnung des Gemeinderates für beschlußfähig. Bei der Wahl wurden 27 Stimmen abgegeben, davon lauteten 20 für den gewesenen Finanzminister Kollrnann. Die Deut.schnationalen und der rt^ t oi cäl-sozialistische Genremderat gaben l e e r e "S t i m m z e!? c l ab. Kollnmnn erklärte, er nehme die Wähl an. " Vereinfachung bei der Aenerzadlnug. Gemeindesteuern iäm#n bei der Nationalbank »nd beim Giro- und Kafieuvcrein eingezahlt werden. Der Wiener Magistrat teilt mit, daß die Gemeinde einKonto beiderNationalban k und beim Wiener Giro- und Kassen verein eingerichtet hat. Auf dieses Konto können sowohl sämtliche Gemeindesteuern, als auch alle staatlichen Abgaben, mit deren Einhebung die G emeinde Wien betraut ist, eingezahlt werden. Es sind dies vor allein die Einkommen-, die Erwerb-, die Körperschafts- und die Rentensteuer. Nach wie vor kann auch die Postsparkasse für Steuerzahlungen benützt werden. Mit dem Wasserstrahl gegen Gewalttäter. Wüste Exzesse in Favorite«. Wüste Szenen haben unter dem Einflüsse des Alkohols) Vorgestern zwei junge «Burschen "in Favoriten amgeführt. Gegen 4 hrU nachmittags zechten der 24jährige auieitslösel- Tischlergehilfe Franz Seidel und der 18jährige Hilfs-r arbeiter Franz Brosch in einem Gasthause. Als es Mp Bezahlung'der ganz ansehnlichen'Zeche kam, 'liefen'sie davon. In seinem Uebermut riß Brosch von dem Geschäfte einer Gemischtwarenhändlerin eine Kiste mit Spinat zu Boden. Hierüber zur Rede gestellt, stürzten sich die Burschen auf 16 andere mit Obst tttib Gemüse gefüllte Kisten, schütteten sie auf den Boden, und zertraten dann das Gemüse. jEm Wachmann versuchte, die bewen Exzedenten fest zu nehme»; Seidel wehrte sich aus Leibeskräften und versetzte unter wüsten Schimpfwörter: dem Wachebeamten einen Faustfchlqg. in das Gesicht; erst als Sukkurs kam, konnte Seidel mit einen 'Polizeiauto z'um Kommissariat gebracht werden. Brosch war inzwischen in seine Wohnung geflüchtet, Hatte die Türe versperrt und drohte den ihm folgerten Wachebeamten mit dem Geschießen. Gleich darauf warf Brosch aus dem Fenster verschiedene Möbelstücke auf die Straße. Die Feuerwehr wurde berufen und legte eine Schic- Seleiter an das Fenster der Wohmuck im 2. Stockwerk an. Während ein Wasserstrahl in die Wohnung gesendet wurde, erbrach die Sicherheftswache die Wohnung. Brosch wurde im Bette liegend, mit Schnittwunden am Halse, Mfgefunden, die er sich selbst hergebracht hatte, jckwch so vorsichtig, daß kaum die Haut geritzt wurde. Es tvurde festgestellt, daß Brosch und Seihel wohl angeheitert, jedoch vollkommen zurechnungsfähig waren. Sie wurden zunächst polizeilich mit 14 Tagen Arrest bestraft und werden nachher dem Landesgerichte eingeliefert werden. -er Wiener Palststknavortrag Schönaich». lieber Einladung der Oeestrreichischen Keren-Hajessod» Kommission >vird am 17. November 1926, a/48 Uhr abends, Ün Bortvagssaale des Militärkasinos, Wien, 1. Bez., Schwar- Mbergvlatz 1, der Führer der Deutschen Friedensgescttschaft, Generalmajor a. D. Dr. h. c. Freiherr v. Schönaich, über „P alästina-Reise-E in drücke ciues Pazifisten" sprechen. Freiherr von Schönaich zählt zu den markantesten Persönlichkeiten der deutschen Friedensbewegung und hat vor kurzen: die jüdischen SiedlungLN in Palästina besucht. Freiherr von Schönaich wird in feinem Vortrage über seine Reise-Eindrücke schildern und die aktuellen Fragen des jüdischen Aufbaus in Palästina erörtern. Kartenvvrmerkungen im Bnrean des Keren Hajessod, Wien, 1. Bez., Kärntnerftraße 28, Telephon 77-1--85/86, Kartenburean „Aida", Wien, 2. Bez., Taborstraße 5, und in der Buchhandlung R. Löwith, Men, 1. Bez., Rotentirrmstrahe 22. Ne öfterrelchische Keren Hafeffad-Konferenz. Im Rahmen des Delegiertentages der österreichischen Zionisten faiw am 1. November l. I., um 10 Uhr vormittags, eine Keren-Hajessod-Konferenz statt, an der die Delegierten, die Mitglieder der Oesterreichischen Keren- Hajessod-Konrmission sonne die Keren-Hajessod-Reserenten der einzelnen Bezirkssektiomu und Provinz-Ortsgruppen teilnahmen. Die gutbeschickte Konferenz, wurde von Kommerzialrat Max Markus, mit einer längeren Ansprache eröffnet, in der er die Aufgaben der Konferenz kennzeichn liete. Sodann erstattete der Leiter des Hajessod-Bureans, Herr Dr. N. M. Gelber, ein eingehendes Referat und schlug eine Reihe von Richtlinien für die nächste Arbeit vor, die sich hauptsächlich auf eine Erhöhung der Keren- Hajessod-Zahlungen beschränken soll. Die Zahl der Keren-Hajessod-Zahler in Oesterreich sei mcht unansehnlich. Doch jedenfalls zu gering im Vergleich zu den großen Aufgaben, die der Palästina-Aufbaufonds gerade jetzt, angesichts der schtoeren Krise in Palästina zu leisten haben tvird. Der Referent entwickelte zuin Schlüße ein ausführliches Arbeitsprogramni für das nächste Jahr. Men, den 6. November 1926. * Das Wetter. Die Südströmung der warmen Luft über Europa dauert noch an und beschert uns ein frühlinghaftes Herbstwetter. Die Vorhersage lautet: Nordalpen meist heiter, stellenweise Morgennebel, tags übe rmild, a u ffrischende Südwestwinde. Südalpen neuerliche$$1* bring mit Regen. , > . * Das heldenmütige Dienstmädchen. Die Gemeinde Well hat der Hausgehilfin Margarete Maar Hardt, die vor zwei Dagen beim Uüberschreiten der AuAstellungsstraße von einem Merwagen erfaßt wurde und hiebei die zwei Kinder ihres Dieniftgcibers rettete, aber selbst getütet wurde, ein Grab auf einem becorzugten Platz gewidmet. Auch für die Erhaltung des Grades wird.die Gemeinde" Wien Sovge tragen. * Ein großer Diebstahl im der Ntariacka-Kixjche in Kra- Au. Aus Krakau wird uns gemeldet: Aus der Mariaeba- Kirche wurde das große Bild der heiligen Theresia mit vielen sehr teuren Fresken gestohlen. Den Diebstahl mußten Aachleute verübt haben, denn die minder wertvollen FresVen tvUrden nicht berührt. Den Wert der gestohlenen Gegenstände Konnte nmn bisher noch, nicht ge- Mu ermitteln. Tie BMioHeV der ismelitischen Kultusgemeinde, Wien, 2. Bez., Feroinandstraße 83, rst ab Sonntag, den 7. November 0. I. wieder» fiir den Parteienverkehr geöffnet. * Zionistisches Lmtdeskorrritee für Oesterreichi. In der Veröffentlichung der vom Parteitag gewählten Parteirichter wurde Herr Meier Henijch irrtümlicherweise genannt, während der wirklich gewählte Parteirichter Herr Jsak Bruckonstein nicht genannt tvurde. * Die Frauen kür den, Keren KajemeH. Dienstag, den 9. November, 6 Uhr nachmittags, finde nur Bureau des Zionistischen Bureaus, 1. Bez., Kärntnerftraße 28, eine Zusammenkunft der in die Landeskommission des Keren Kajemeth gewählten Frauen, der Nattonalfonds-Komissiwinnen, sowie einer Reihe anderer Frauen statt. Tagesordnung: Anteil der Frauen an der Arbeit für den Keren Kajemerh. Dienstag, den 9. November, um 7 Uhr abends, findet im Bureau des Zionistischen Bureaus, t Boz., Kärntnetttraße 38, die konstituierende Sitzung der Landeskommisfion des Keren * Fünf»ehttte österöeichischie KlafsenloLterie. Bei der am 6. November IGSß «rSgehaitenen Ziehung ^des 16. Datzes der 6. Klasse gewannen: 9000 Sö-iMng das Los Nr. 7SM6; 7000 Schilling das Los Nr. 1.800; je 4000 Schilling die Lose Nr. 47.860, 76.810, 96.017* 8.000 Schilling das Los Rr.h6.601.: je 2000 Schilling die Lose Nr. 18.644. 84.648, 83.406, 69.486; je 1000 Schilling die Lose Nr. 48.767, 68.171, 89,870, 98.967; außerdem wurden A66 Gewinne zwißchew 600 Schilling und 160 Schilling ausgelast. E Die Hälfte aller Lose gewiuntt Wöyleu Sie d-ch« sofort im Mückskalender 1687 —. welcher der. Aufiago beWegt — diejenigen GlückSnmmnsrn. mit welcher Eie 766.000 SchÜling oder Ä0.000 Schilli-ng, 260.000 Schilling- oder 100.000 Schilling u'sto. gewinnen tvöllen. bei der Geschäftsstelle Brüder Beermann, Men, 1. Rotentnnnistvaße 18. Nouo 5000 Koren Kajemeth-Büchsen müssen im Jahre 5687 in Oesterreich aufgestellt werden. Gesinnungsgenossen und Freunde, gebt uns Adressen an, bei denen wir unter Berufung auf Euch Büchsen auf stellen könnend ,