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Wiener Morgenzeitung · 1926-11-06 · Heft 2764 (6.11.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2764 (6.11.1926)
Date
1926-11-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Men, GamÄas M-E Wokgs«SettM»S zur Technik der zlouWchen Propaganda. Vön Walter Tur«owsky, Jerusalem. Seit mehreren Jahren ivird inaner wieder von neuem versucht, in die zionistische Propaganda und in die Propaganda für die zionisiischen Fonds eine neue Rote hereinzubringen. Jedenfalls ist das Gefühl für dir NoNvcndigfoit einer Aenderung nuferer Propaganda allgemein und wird, be iallen Gelcgenhciterr von neuem betont. Wenn man jedoch die verschiedenen Ausrufe, Beschlüsse und die damit zusainrnenhängenden Sitzungen verfolgt ,so kann man sich des Gefühls nicht erwehren, daß hier eine mehr öder minder gut funktionierende Maschine immer aufs neue auf dieselbe Gangart angekurbelt wird. We!« auf idevlogischenr noch auf technischem Gebiete wurden in den letzen Jahren neue Wege beschrvtten, und wenn schon eii ige Stkmmcit mtf die Notwendigkeit einer Erneuerung der zionistischen Ideologie Hinweisen, so bischä'tigten sich nur ganz n>eüige mit der Be:besserung unserer technischen Pro- Mgmida-Mvthoden. Unsere Propagandisten find im wesentlichen nur'imstande, ein Pwpaganda nnttel —'das Wort — zu verlanden, »vLH'reiid heute ^ede politische Betveglmg den ganzen moderne« Apparat, den 'die Pwpagcmdatechnik in den letzten 'Jähen geschaffen hat, ständig verwertet. Unnütz da aas hinzuweisen, daß die Zersplitterung in verschiedenen Propichandastellen es mit sich bringt, daß niemals die Möglichkeit zu eine.; wirklich großen Kräfteanspannung vorhanden ist. Verschiedentlich umritt auf die Notwendigkeit einer zentralen Propagandastelle hingewiesen, dennoch besteht noch heute in dieser Richtung. die Konkurrenz der Fonds und Propagändastelleu der Zionistischen Organisation weiter. Dies hat zur Folge, daß ein jeder auf die Fehler verfällt, die der andere schon Unter sich hat, und daß es keine Stelle ^ibt, die, gespitzt auf die ganze Macht der Organisation, imstande ist, das Auge auf sich $tt ziehen, und vor allem, was vielleicht das EnLscheideM ist) werden eine Menge Dinge drei- und viermal getan, die zN tun rmr einmal notwendig wäre. Ms eine der Kernfragen des technischen Ausvaiues der zürnistischen Propaganda erscheint die ungleich ftä k re B enn'H'ung der großen Oe'ff entlichkeit. Der'Zionismus treibt Pwpaganda nur in öffentlichen Versammlungen oder durch Besuche. Er versucht, nirgends dauernd eine zentrale Arbeit dnrchzufLhrerr, und verwendet dadurch nicht das wesentlichste Propagandamittel, das es gibt, nämlich ,st)as dauernd Erinnert-- werden". Während jedes Land durch einfache und jedem Menschen verständliche Darstellung, durch Plakattoirkung, durch Lichtreklame, durch Auskunstsbureaus die Kenntnis über sich in die breite Oesfentlichkeit kragt, ist bei uns in dieser Hinsicht fast nichts geschehen. Unsere D ucksachenpropaganda ist nur auf einen'kleinenTeil der jüdischen Welt zugeschnitten. Jede Feinheit der indirekte» Pwpaganda ist uns unbekannt. Was veavenden wir als Propagandasubjekt? Was haben wir getan, um die Jaffa-Orange berühirtt zu machen? Wo existiert ein Prospekt, ein Plakat, das die Schönheit Palastiiräs zum Inhalt hat? Wer setzt sich im Ausland für irgendein Erzeugnis Palästinas ein? Während andere Länder mÄ Mühe und ungeheuren Kosten Handelskammern und Propagandastellen aufbaueu, besitzen wir von Natur aus keinen solchen Apparat. Welche Landesorganisation hat sich jedoch für all das intrr- Die Gründung von Fremdend erkehrs-Worhuugsstellen. die Einrichtung von Propagandastetten Pr palästinensische Erzeugnisse sind eine Voraussetzung für jeden Allsbau einer Pwpaganda. Unsere Fonds müssen dies benutzen. Me jüdische Welt verlangt Tjcule, das Resultat der Arbeit zu sehen, deshalb die ungeheure Bedeutung der Resultate unserer Arbeit in Palästina für die Propaganda. Man versucht, Statistiken und gelehrte Abhandlungen über die Resultate zu verwenden. Kein Mensch in der Welt macht so Propaganda. 'Das leicht 'Fa'ß'li che i^nb 'Sichtba.re muß in ben Vordergrund. Unb dazu'konM die Propaganda für die Schönheit des Landes. Auf diesem Gebiete ist nichts geschehen, während alle anderen Länder alles versuchen, den Schönheiten des Landes im Rahmen ihrer Propaganda einen einen ersten Platz einzuräumen. Unsere Bureaus befinden sich im allgemeinen an einer Stelle, die möglichst abseits vom Verkehr liegt, unsere Filme und alle unsere Propaggudarnittel lverden 'im tvesentlichen in der Angst hergestellt, daß sie irgend etwas zu'stark aü'stragen, übertreiben, nicht fein genug siltd, kurz, unsere ganze Arbeit wird > f von einer gewissen Arsthrtik und ideologischen Empfindsamkeit geleitet, wie sie dem Geiste des 20. Jahrhunderts nicht entsiuitz . Es ist unmöglich, daran vorbeizugehen, das; ^ropagarida in jedem Zeitalter rr i: v "i m Z « f a m m e :.*> a itg mit dessen Metshoden gemacht werdtzn kann. M»S Wss ztt WeMtz MtzmW kff, ist das real« Palästina, die Darstellung seines Fortschrittes, die Sichtbarmachung seiner Verhältnisse. Unsere Broschüren erreichen nicht die breite Masse, und eS ist jedem, der jemals für den Zionismus gearbeitet hat, bekannt, daß die primitivsten Schilderungen über Palästina nicht an die breite Oesfentlichkeit gedrungen lind. Es gibt keinWureau zum Zwecke der JnfvrmarionJü'' den weniger*Jiüercssierten,'das auffallend ur8» sichtbar mltlen^n der"GrvH'st'a'dt an Pakäürna erinnert. E-elche Veränderung tft vieler Hüisicht Mrde ss mit sich bringen, wenn heute'irgendeine zionistische Landes organisation ihre Bureaus vom obersten in das unterste Stockwerk verlegen und in einer der großen städtische« Berkehrsstraßen ' iv, einige große Schaufenster besitzen würde, die in verschiedener Form über Palästina Auskunft geben könnten. Jeder Zionist, der mit einem Nichtzionisten vorbeigeht, würde sagen, „das ist unser Bureau" und konnte dies mit einem gewissen Stolz sagen. Eine Menge'Leute, vor allem'sicher auch Nichtjuben, würden dieses Bureau benutzen, um Auskunft über das Land zu bekommen. Die jüdische Oeffentlichkeit würde vielleicht im Anfang gegen eine solche Sache protestieren, in Mi llichfeit aber foetlben’bte erleuchtet«'» Schaufenster'die ses wirllichen Palästina-Amtes ein dauerndes Merbewit * sein. Genau das gleiche kann von "den übrigen "Dingen g^.<gt werden, von dom Palsisrinaplakat, das heute in der ganze'.^elt ffehlt, uüd jimtüfe* fuche von Palästina avffordevt, und von allen andr en Mitteln öffentlicher Propaganda. Aegypten wird Von Hundevttau senden von Touristen in jedem Jahr besucht. Keine Stelle der zionistischen Organisation ist bis heute auf die Ideegekommen, dort in irgend einer'Form, sei es durch Plakate, fei es durch Eröffnung eines! Bureaus öder durch andere 'Mittel eine Werbung für Palästina zu entfalten. Bor kurzem hat eine Keren-H aj essod-Konferenz im Anschluß au die Aktionskomiteesitzung gesagt. Aus den Berichten, die darüber veröffentlicht wurden, ist zu ersehen, baß alle Länder eine Steigerung der Einnahmen. versprächen.xUeber die Technik der Sammlungen jedoch und neue Versuche ist. soweit die Presse unterrichtet hat, nichts gesagt worden. Es ist sicherlich Nneder! beschlössen worden, 'daß das Hauptbureau möglichst viele Delegierte.in die vinzolnon Länder sende» soll, rnü> daß Professor W er z m a n n ganz 7§uwpa uui Amerika bereisen soll, und daß kein Land imstande sein wird, ohne mehrere Delegierte des Hauptbureaus erfolgreich die Arbeit fortzuführen — kein neuer Weg! In wenigen Wochen wird das Hcmptbureau des Keren Hajessod nach Palästina übersiedelu und dann werden sich die beiden Hauptstellen für Pwpaganda, der Keren Hajessod und der Keren Kajemeth, in Palästina befinden. Lürs diesem Grunde scheint es augenblicklich der günstigste Zeitpunkt zu fein, um inrt einer Diskussion über die Technik der zionistischen Pwpaganda zu beginnen. Nach dem Master de« österreichische» Reich»- rate«. Prag, 6. November. Die ,Moihemia" berichtet: In der 'heutigen Sitzung des BrrdgetauSschusses sollte das Kapitol ,Justiz und Oberstes Gericht" zur Vevhandlung kommen, doch wurde dieses Kapitell plötzlich aibgesetzt und erst in den Nachmittagsstynden bei FerMeibon des JuistiMinl'sters Dr. Mayr-Harting in Angriff genommen. Uelbor die Gründe dieser sonderbaren Verschiebung wurde van den Mtgliedern des Budegetuusschusses folgende Darstellung gegeben: Der JustiKminister erschien gestern früh im Parlament «mit dom in deutscher Sprache gehaltenen Expose und begab sich in dem Ausschuß. Ws der Vorsitzende Brvdae das deutsche Expose bemerkte^ kam es zwischen ihm und dem Justizminister zu evner Auseinandersetzung, da Bradae unter Berufung auf die Geschastsordnmig die Verlesung eines deutschen Exposes nicht Massen woMe, während, der JustizmiN'-ster auf droser Msicht bestand. StMieUich einigte man sich dahin, daß der JuishrAminister bei der Verhandlung seines Expvs.es nicht anwesend sein, sondern sich durch seinen Sektion s che f vertreten lassen solle. In der Sitzrmg des Budget« rrSschusses verbuchte der Vovsttzende Vradac den Zwischenfall mit dein deutschen Justizminister cckznschwächsn, indem: er erklärte, der Juftizminiister sei nicht gehindert worden, im Ausschuß zu erscheinen. Auch JustrMinrster D r. M a y r- Harting stellt den Konflikt in Abrede. Andererseits ist es Tatsache, daß der Mmiisterrat sich mit der S p r a ch o n f r a g'e befaßt, mAbssondere mit der Frage, ob deutsrhe Mmbstsr oder Abgeordnete in den Aus¬ 8. MBmEer WSß 27B4 schüssen ihre Referate in deutscher Sprache vvrtvagen können oder nicht. Dieser Zwischenfall entbehrt nicht des irontschem Charakters. Die Logik der Geschichte wird zur Revanche. Genau «das, was 'hier gafchohen ist, ge'hövte in der gebotenen Modifikation zu den «derrischen Dolangen imr Wiener Reichs rat. G'me n ichtdoutsche Rode durfte nicht ins Protokoll und ein Minister durste >mn Gottes willen nur deutsch sprechen. Was in Wien eine Dummheit war, wird natürlich in Prag keine Klugheit. Aber die Deutschen müssen lernen, wie es einer Minorität ums Herz ist. Re Sttttttiqtra Staaten verweigern Ne 8u rch. reise enlst^cher Livlomateu. Nckv-Iork, 4. November. Nach einer Mitteilrmg der ^Associated Preß" aus Washington, ist der neu ernannten Gesandtin der Sowjetunion Mr Mexiko, Fva>u Mexandra Kollontaj, die auf dam Weg nach Mexiko durch die Vereinigten Staaten reisen wollte, durch den amerikanischen Genemtkonsul in Berl'in im Einverständnis mit dem Staatsdepartement das Durchreisevisum verweigert worden^ weil Frau Kollontaj Beziehungen zur rusiischen kommnn'istischen Partei unterhalte und Mitglied der Dritten komnnm'istischen Internationale sei. Starke« Erdbeben ln Rkrarasn n. Managua (Nicaragua) 5. November. Hier hat eine starke Erderschütterung stattgefunden, durch die mehrere Personen getötet und großer Materialschaden .angerichtet wurde. Lar furchtbarste Gift der Weltgeschichte. Gifte lhabon >in der Kriminalg.schichte der Mensch, hett die siurchtbarists und graUsigiste Rolle gespielt. Es hat gemdegu Epidemien von Verg-iftung«svevbvechen gegeben, die in manchen Zeiten wie eine Svr«he wüteten. Bei den geringen chemischen Kenntnissen war es in früheren Zeiten s«chwer, ja ganz unmöglich, die" bei einem Mord oder S.lbstmovd' verwendete Gtftart festzustellen. Man ist daher über die bei den Berbrechan ve-rwendeten Gift lange im Dunkeln gewesen, und erst die Forschungen des bekannten Doxikolagen Professor Louis L e w i n haben hier An'Märng gebracht. De>r Gelehrte «hat nachgewiesen, daß ,/die in -der Weltgeschichte bekanntMvordenen systematischen Vergiftungen kleinen und großen Stils fast immer irtüt Arsen-Verbindungen, vor allem dem Hüttenrauch, dem Arsenik, bewerkstelligt worden" sind. ' Die Kenntnis des Arsens als Gift ist uralt; sie rsi wahrscheinlich aus dom Orient zu den Menschen des klassischen Altertums gekommen. Professor Lcwin behan>dcü«t auf Grund neuester Forschungen noch einmal die viel erörterte Frage nach der Dodesursache deS Papstes Alexander VI. Der Papst «imd sein Sohn Cäsar erkrankten 'beide bei einem Bankett in den Gärten des Kardinals von Cornete und lagen ei-nige Tage an einem schweren Fieber darnieder, das bei «dem Papst zum Tode führte. Die glaubwürdigsten Berichte der Zei-tgenosfen stimmen nun darin überein, daß diese Erkrankung durch ein Gift hervovgerufen wunde. Man kann mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit beihaitpttn, Alexander VI. und sein Sohn seien durch Arsen vergiftet worden. Dieses während der italienischen Renaissance pdie berümtesten Giftmörder der Weltgeschichte waren die Borgia, deren Fcvm'ilie auch Papst Alexander VI. angehörte) so vicikfach verwendete Gtst kam dann mit Mt'harina von Me>dioi nach Frankreich. Hatte doch diese Königin einen ß e soldetan Berg ister", der nach ihrem Auftrag unliebsame Persönlichkeiten aus dem Wege räumen mußte. Sogar die Republik Venedig ließ solche Arsen-Vergilftungen von ihren Beauftragten ausführen. Drs berühmten Gifte der WeibtgeschWe, daS ,Meq niescat in paoe", mit dem «König PWiPP seinen Sohü Don Carlos vergiften ließ, die verschiedenen „Aqua Tofana", das ,ßoai mirable" der Marquise von DrinviMers, der berüchtigten Gistmischerin am Hose Ludwigs XVX — es sind alles arsenhaltige Präparate, linker Ludwig XVI. hatten die Vergiftungen an Zahl und Bedeutung so zugenommen, daß ganz Frankreich ein Schrecken ergriff, aber auch die härtesten Strafen konnten die Verwendung des Arsens nicht verhindem. Be», sonders Frauen «haben sich dieses Giftes bedient.^ So wird aus dem Jahre 1680 von einem Weibe berichtet, daß sie 4 Ehe,männer, 4 Stiefkinder und 5 andere Menschen „mit Mäusegift vevMot habe". Die 1831 Hingerichtete Giftmischerin Gottfried tötete mit A-rsen-ik 16 Menschen und machte 16 Mvvdvers.uche; eine andere berüchtigte Gistmischerin, von «der Linden, tötete in 14 Jahren von 1869 bis 1883 33 Menschen «und machte 89 Mordversuche mit Arsenik. Gerade in noueister Zeit hat sich ein «nheiMches Steigen der Arsenverg if t un gen bemerkhar gemacht, trotz aWr Erschwerungen des Besuges, twtz der schwersten Strafen und trotz den Fortschritten der Mssenschast, die das Gift noch nach Jahrzchntm in d^. Leiche Nachweisen kann. So wird das Arsen WM imch noch weiterhin das «fmchtbavste GDt der WeftgHHWe WDon.

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