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Wiener Morgenzeitung · 1926-11-06 · Heft 2764 (6.11.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2764 (6.11.1926)
Date
1926-11-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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ixite 2 Wien, So'.nsta^ Wierrsr Movgenze'itmg ficV'rtvt r W6 Nr. 2764 Mit eingerollter Fahne. Von Robert Stricker'.' t Der Präsident der zionistischen Orgamfaiüfl:. Dr. Weizinann, ist in Anrerika angekominen. Er »will seinen vom tctzten Zionistenkongrest genehmigten Plan der „Er Veiterung der Jewish Agency" dmchführen; da^ heißt, den Pickt forschen Zionismus und den reichen'AssimMionSjutmsÄmerikaS Kmn Wfchluß bringen. Dr. Weidmann fuhr mit ganz kleinem programmatischen Gepäck htnübet »nd mit eingewlller zionistischer Fahne. Es handelt sich beileibe nicht dämm, den mnerikanischen Geldleulen Zugeständniffe oder gar Opfer moralischer oder intellektueller Natur abzuringen, etwa dte Anerkennung der JudenstaatZDee, das Bekenntnis zur jMschen Nation, das Bekenntnis Kur jüdischen ZchtcksÄSgemeinschaft. Nein, nicht ein halbes Prornille ihres hundevtpwzentigen Eerikanischei: NotionaliZmaS und ihrer chmdettpvozentigen satten Ruhe, nicht ein Quentchen ihrer Seelen, nur Geld wird verlangt. Auch Acht gar zu viel von ihrem Gelds. Wenn sie dem nation^le^ Aufbauwerke in Palästina, an welchem SHveiß, Hirn urch Blut einer 'Monistischen Generation klebt, auf ihrer Geldverteilungsliste ungefähr den Rang einer Sportschule oder einer Kleinkinderbewahranstalt tverden etnräumen wollen, wen!» sie etwa die Hälfte der Baukosten einer Reformsynagogr oder ein Zwangzigstel des Budgets der KriMkolonisation versprechen oder gar geben, wird man dankbarer als dankbar sein und die Begeisterung über das gelungene große Eintgungsiverk hinausjubeln. Und man wrtt>ihn:n beherrschercken Einfluß auf das Schicksal der Zionistischen Organisation einräumen, Ms das Schicksal Palästinas und fei-' uer jMschen Kämpfer und Arbeiter, beherrschtem Einfluß auf das Schicksal der zionistischen BeweMngl' also auf das Schicksal des jMschen Volkes, welchem sie sich nicht einmal zugehörig fühlen. Für ihr Kleingeld bricht mün dienstfertig dem Zionismus das Rückgrat, beraubt ihn seines Hauptinhaltes, seines jMsch-revvlutionären Programmes, das vom jüdischen Menschen alles fordert und ihn ganz haben will. Die Amerikaner können bleiben, rvie und was sie sird, man schneiet den Zionismus nach ihrem Format zurecht, damit er sie nicht beenge und daran behindere, ihr Leben werterzuleben wie bisher. ' * Vor der Abreise Dr. Weizmanns wurde in London eine Wivtschastskonferenz, eine SachverstärängenkonfereNz abgehatten, zu welcher nichtzionistische Findnz'größen, Bankdivekwren, Industrielle und sonstige Vertreter des Großkapitals geladen waren. Die mit größter Lungenkraft als „^scheidendes Ereignis" ausgerufene Könferenz hat ohne Restlttat geendet, es sei denn, daß man' das nachfolgende Frühstück und die den Teilnehmern vor und nachher gespendeten Lobhudeleien als „Ergebnisse" 'werten will. Was als Ergebnisse veröffentlicht wurde, kann wirklich nicht ernst gekommen werden. Zur Feststellung, daß Nationalfonds und Palästinaaufbaufonds gute und notwendige - Einrichtungen sind, brauchte man die Herren wirklich flicht über den Kanal zu bemühen, auch nicht zur Feststellung, daß für eine Palästinaanleihe, wenn "sie unter 'Ausschaltung, aller politischen und nationalen Garantien betrachtet wird, den Konferenzteilnehmern genügende geschäftliche Unterlagen nicht gegeben erscheinen. Wie soll man aber? dick Faküim bezeichnen, daß eine unter dem Vorsitze Sir. Herbert Sa- Müels tagende Konferenz, den Zionisten anrät, von der Palästinaregierung die Zuweisung von Swaisländereien unl'> Zoll- und Steuererleichterungen zu fordern? Der Umstand, daß auch diese Mitteilung von der zionistischen Presse mit enthusiastischer Freude ausgenommen wurde; beweist, wie tocttig Sinn für Selbstachtung, aber auch tob wenig Sinn für HUmor dieser Presse geblieben ist. War doch Sir Herbert Samuel fünf Jahre Chef der Palästinaregierung und hat während dieser fünf Jahre den hundertmaligen Forderungen der Zionisten nach Zoll- und Steuerreform uns> Staatsländereien ein hundertma-iges, starres „Nein" entgegcngesetztt Jetzt, wo er in London sitzt,-geben er und seine Freunde den guten Rat, recht fleißig zu fordern. Unernst wurde d'eft „Wiotschaft?koiifermz" b gönnen und ruck unernst hat sie geendet. Wem es ehrlich um das Erkennen der Wahrheit zu tun ist, der zieht ohne viel Aufhebens Sachverständige heran, berät mih ihnen fein säuberlich still, weitab vom Tageslärm, ohne Preßfanfaren und Redepauken und Bankette. In die Ordentlichkeit geht man daun, tvenn nach strenger "Prüfung WgestM worden ist, daß die Berhaudlungsresultale ggeimet sind, der Oefsentlichkeit neue Anregungen zu bieten. Alles andere ist Schaumschlägerei urck Rek'aiuegeschrci, nur solchen Menschen ziemend, die eine Schundware an den Mann bringen müssen. Der Zionismus ist keine Schundware. Die Art der Einberufung der sachlich absolut bedeutungslosen Londoner Wivtschastskonferenz, der überlaute Frcudenruminel, weil betitelte und unbemittelte jüdische Herrn sich zu einer unverbindlichen Aussprache mit Zionisten. begUemten, läßt den Eindruck entstehen, daß es nicht um,'Resultate, sondern um Reklarue ging, um eine effektvolle Einleitung der Amerikareise des Präsidenten Weizmann. Die Zeichen Herren überm großen Wasser sollen sehen, baß Zionisten auch salonfähig sein können. Sanfte Begleitmüsik zur Amerikareise besorgte die zionistische Majoritätspresse. Das Organ der amerikanischen Zionisten schreibt, daß eigentlich Aar nichts, aber Ichon gar nichts vorgesallen ist, was eine harmonische Zusammenarbeit mit deil reichen Nichtzionisten hindert! kömrle. Es ist 'felsenfest — gestern war es ebenso felsenfest vom Gegenteil überzeugt es ist felsenfest überzeugt, daß das edle Werk der Bereinigung gelingen wird.Mit-einem strengen Seitteublick rrtif die Opposition fügt es hinzu, es möge niemand srevelhafte Hoffnung hegen, daß gewisse kleine Unftimmigl.Iiv,onsrsni>i»nn»«sln mit Menthol wirkt schmerzstillend, belebend und erfrischend auf daa Hervensystem, üeberall erhältlich. Sohatttn&rke. ___ feiten aus der Vergangenheit das heilige Verbrüeerungswert noch stören können. Die ,LMsche Rundschau", das Organ der deutschen Zionisten, macht es noch gründlicher mH stellt die heftigen Kämpfe, welche bis vor drei Wochen zwischen den amerikanischen Zionisten mb den Assimilairten getobt haben, als unbedeutsame Folgen des kleinlichen UeberelferS der beiderseitigen Bureaukratien dar. Wenn schon geschminkt wird, dann dick! Herr Louis Marshal, der Führer der amerikanischen Herren und Vertragspartner Weizmanns, hat eS rundweg und für alle Zukunft abgelehnt, dem Palästinawerke den Vorrang vor irgend einer jüdischen Gammel- und Hilfsaktion zuzuerkennen, weder in materieller noch in moralischer Hinsicht. Er und seine Freunde haben die erste Gelegenheit benützt, um die in schwacher Stunde den Zionisten gegebenen Versprechungen und Erklärungen für Palästina zu verleugnen, und haben sich einem neuen Ideal, der Krimkolvnisation, zugewendet. Ihren ganzen Einfluß, ihre ganze Kraft und alle Mittel haben sie der Ärimsache gewännet. Unbekümmert darum, daß die Krimfache ihr Entstehen lediglich dem Antizionismus der Bolschewiken dankt. Unbekümmert um die grausame Leichtfertigkeit des Planes der Verpflanzung von jüdischen Massen auf fremden, konfiszierten Boden in eine haßerfüllte Umgebung. Ern Unternehmen, das aller menschlichen Voraussetzung noch mit der barbarischen Vertreibung oder der Türsfchlachtung der Juden enden wird. Den Protest der amerikanischen Zionisten gegen diese treulose Wendung haben die Marshal-Leute damit beantwortet, daß sie höhnend dern armen, kleinen Palästina die große, reiche Krim entgegenstellten, das fette russische Larck, wo vielen. Hunderttausend rasch und für immer geholfen werde, ohne den unsinnigen und gefährlichen jüdischen Nationalismus. Sie haben eine heftige antizionistische Hetze geführt, mit allen Argumenten aus dem allen assimilatorischen Arsenal. Aber für die zionistische Leitung und ihre Presse sind das „vorübergehende Verstimmungen", bedeutungslose Zänkereien übereifriger Buveaukraten. Diese Kurzsichtigkeit, diese Schwerhörigkett ist erheuchell. Man Will nichts sehen und nichts hören, will die Einigung um jeden Preis. Man tvill nicht mehr kämpfen, man will kapitulieren, man hat die Fahne eingerollt. Dr. Weizmann hat beim Betreten des amerikanischeil Bodens erklärt, daß er den Weg zur Vereinigung vollkommen geebnet vor sich liegen sieht. Richtig, vollkommen geebnet, man hat alles Zionistische, alles Nationale weggeräumt. Wenn sich nicht im letzten 'Momente Hindernisse persönlicher Natur ergeben, dann dürfte der Patt geschlossen werden. Einige Millionen bar oder auch nur in Aussicht gestellt, einige zu nichts verpflichtende freundliche Phrasen der Marshal-Leute werden hinreichen, und ein Feuerwerk längst ausgedachter Festreden und Leitartikel wird emporprasseln. Die Propheten, der Psalmist, Theodor Herz! und noch andere, die tot sind und sich nicht wehr.cn können, werden als Zeuger: angerufep werden, daß der große Tag, der größte Tag des Judentums herangebrochen ist. Groß wird der Tag nicht sein, aber bedeutsam, ein schwarzer Tag schwärzester Ordnung. Er wird die jüdische Front nicht erweitern, er wird sie auseinanderreißen. Und Jahre schwerster Kämpfe werden vergehen, ehe die Spuren des unseligen Tages getilgt sein werden. Re verwalt««» des «e«e» Rftrllt» gerusalrm. Major Ketth-Roach GoUvermur. Jerusalem. Ü. November. (J.T. A.) Die Zeitung „Meraat el Shark" weiß zu melden, daß Major Keith- Roach, früher Vize-Hauptsekvetär der Palästina-Regierung und später der Palästina-Abteilung des Kolonienministeriums in London zugeteilt und vor kurzem zum Bizegouverneur des Norddistrikts ernannt, nunmehr zum Verwalter des JeruMemer Distriktes ernannt worden sei, der, wie vor kurzem berichtet, von dem Süddistrikt abgetrennt und zu einem selbständigen Verton*.gshistrikt ausgestaltet werden soll. Colonel Wedgwood in Palöstma. Jerusalem. 5. November. (I. T. A.) Das Mitglied des britischen Unterhauses und ehemaliger Minister Colonel Josiah Wedgwood, dermtt seiner Gattin gegerMrtig in Palästina wellt, hatte hier Zusammenkünfte mll dem Oberkommissar Lord Plumer, dem Chefsekretär Colonel Symes, den Mllgliedern der zionistischen Exokutive und der Verwaltung des Jüdischen Nationalsonds. Er stattete auch der Hebräischen Universität eimn Besuch ofc. Rücktritt deS Tran-jdrda«rsche« Premier». Jerufalenq, 5. November. (J.T.A.) Die arabische ZeUung „El Carmrl" teilt mit, daß der Premier von Transjordanien, H,a s s a n E h a r l e Pascha, der im Juni d. I. dom vop Abdullah entlassenen Premier Rtkaba Pascha gefolgt war, mmmehr auf sein Amt Verzicht l c t hat, und zwar als Protest dagegen, daß dte britischer: Behörden den nach Ammen geflohenen syrischen Rebellen Scheik Khalili verhafteten und zur Aburteilung vor einen palästinensischen Gerichtshof nach Jerusalem brachten. Die transjordarüsche Regierung bestand darauf, daß der Schelk durch transjordanische Behörden vernommen werde:: sollte. Dieser Wunsch ivurde aber rücht erfüllt. -er Slttetleftreit tat polnische« Sejm. Warschau« 5. November. Nach langen Verhandlungen ist der Etikettekonflikt beigelegt, der zwischen der Regierung Pilsudsk: :md demjParlament ausgebrochen war, da dem Sejm zugen:ntet wurde, das EröffnungSreflcipt des Staatspräsidenten stehend anzuhören. Die neue Session wird am 13. November nicht im Parlamentsgebäude, sondern im Königlichen Schloß von Warschau von: Präsidenten der Republik Moseiski persönlich eröffnet tverden. Me mMche« Bersügunge« in Pole» avsgehoben. Warschau, 4. Novsmiber. In BeanÜvvrimng emeS Schreibens des Al>geordnetsn Hartglvj^ im dem er gegen die Entscheidung des Bez'l rVshauipdmamres von iPollawv lprotestiurt hatte, der die WaU eines Jrvden zum Schuilcheitz unter Bevufung auf ein altes Gssetz annullierte, erklärte der Minister des Innern, Slawo-j- Sladkow.'ski, daß die Gesetze, die .der Derfassuns widersprechen, ails automatisch ^uifgeholbsn und iwtexisttflt" zu betrachten sind. Auf Grund dieser prinzipiellen Entscheidung des Ministers sind alle zaristischen Am s nahm sg eso tz e gegen die Juden aufgehoben. Die.Wahl des AWsche-u Schulllheißen wird damit anerkannt. Ketae ungarisch-rvmSnische Perso«alMion- Bethlens Erklärmig in der Nationalverfammlung. Budapests 5. November. (U. T. K. B.) In der Debatte über die Oberhausvorlage ergriff heute Ministerpräsident Graf Bothlen das Wort, der sich zunächst mit den gestrigen Ausführungen des Abg. Vinze:^ Nagy beschäftigte. Der Abg. Nagy habe seine Anwürfe auf gewissen ausländischen Zeitungsattikeln aufgebaut. Es sei sonderbar, daß ein ungarischer Abgeordneter, der Über die Lage und die Möglichkeiten besser informiert sein müsse als ein ausländisches Blatt, einen aus dubioser Quelle stammenden Tratsch in der Nationalversammlung auftische. Er habe auf die Rede des Mg. Nagy bloß die eine Bemerkung, daß seine Anschuldigungen vom Anfang bis zum Ende Unwahrheiten enthalten. Sodann setzte sich Ministerpräsident Graf Bethlen mit den im Verlaufe der Debatte vorgebrachten Theorien über die Rechtskontinuität auseinander. Im Sinner der historischen Verfassung gibt es keine königlich e Macht, die nicht aus dem Willen der Nation hervorgegangen ist. Die Rechtskontinuität wurde unterbrochen, als der König das Land verließ und in der Erklärung von Eckartsau auf die Ausübung seiner Rechte verzichtete, als ferner das alte Abgeordnetenhaus sich als aufgelöst erklärte, das Magnatenhaus sich vertagte und die Nationalverfammlung einberufen wurde. Viel kommentiert wird die Stelle in der Rede Bethlens, in der er sich gegen einen oppositionellen Antrag auf Einräumung eines Sitzes im Oberhause an den Reichsverweser Horthy wandte, well das Staatsoberhaupt nicht zugleich Mitglied des Hauses der Gesetzgebung sein könne. „Sobald der gegenwärtige Reichs- Verweser aufhören würde, Reichsverweser zu sein, wird die ungarische Nation ihm gegenüber ihre Pflicht kennen." Aus dieser Erklärung Witt) der Schluß gezogen, daß die Gerüchte von einer Abdankung des Reichstterwesers Horthy nicht der Grundlage entbehren. Re Mische Vertretung im ungarischen Sberhaus. Budapest, 5. Nvivsmber. Bor einigen Dagsn erschienen der Präsident der orthodoxen Lmrdeskanzlek Dr. AöoLf Frankl und der VigeprÄsident Dr. Hartstein Leim Jwstisminlster P e st h y, und Laten ihn, daß in das neue ungarische Obechaus, in das Lskannttich zwei Vertreter der ungarlündischsn Judenschast entsendet werden sollen, ein orthodoxer und ein nwLoger RvLbiner delegiert werden mögen. Die Delegierten der Trennung sorthodoxie stiüitzten ihre Forderung auf die van Hnen vertretene Llheorie von zwei, van einander streng gefchiedenen Konfessionen. JuistMninistsr Pesth y wies in feiner Antwort diese Auffassung entschieden zurück. Er erklärte, das ungarische Geisetz kenne nur einejüdifche GlauLenSgemeinschaft und von diesen: Grundsatz könne unter keinen Umständen abgewicher: werden. Er wolle jedoch trachten, bei Durchsichrnng des Gesetzes den Wünschen der Orthodoxen Rechnung zu tragen. Re srauMche Kammer. Wiederzlffanrmentr'ltt an: 12. November. Paris, 6. November (Havas). Der Mi-mftercat hat >den WiederMsammentritt der Leiden Kammern auf den 12. November festgesetzt. Er genehmigte weiter etoistimmig den Bericht des Mlnisterpräfidenten Briand Wer die Zwischenfälle vor: Ventigm'Äia und in Tripolis.

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