Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2759 (31.10.1926)
- Date
- 1926-10-31
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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N r. 2759 Wie», Sonntag Wiener Morgenzettrms St. LLKcher tm> 2*me41 eingesetzt. Die Christlichsozialen, die von dem Dringljchkeitsantrag förmlich überrascht wurden, hatten für diesen Fall nicht vorgesorgt und mußten sich deshalb statt der hei solchen Anlässen sollst sehr beliebten Kindertrompeten und Ratschen mit Seu Puitdeckel.'! begnügen, die denn auch zum größten Teil in Fransen gingen. Obztvar Stadtrat W c b c r, der den aufreizenden Antrag ciugcbracht hat, nicht in be.it Verdacht kommen kann, ein Jude zu sein, war doch das beliebte -Schlagwort bald zur Hand. „Haust du meinen Juden, fo *')au ich deinen Juden" dachten sich die Antisemiten von hüben und drüben. '„Ab .: r bach! A b e rba ch! Gottes m a lt n! Gottes in a u'u!" tönte es' von sozialdemokratischer Seite, während die Christlichsozialeu. , Inden" und „Sa:: jndcn" riesen. Dabei tat sich insbesondere der christliclsoziale Geiueinderat Stöger hervor, der den Antrag des Stad!rates Weber als v -ine srecku'. jüdische Erfindung" vezeichnetc. Als dieses-neckische Spiel bereits über zwanzig Minnlen eingedanerl hatte, ivollie der Bürgernnnster, der dem Treibert. bischer hilflos zngesehen halte, endlich die Fortsetzung der Sitzung veraulasseu. Er forderte den Schriftsührer trotz des Spektakels gnf, den .Antrag.zn perj lesen. Die SoZiaivemotrate.lt scharten sich um die Rcvner--- tribüue, aus der Siadtrat Weber erschienen war, um seinen Antrag zu begründen. und ilatschteu Bei fall. Dies gab abermals das Signal für bie- Optzosüron, ih" 'Obstruktion noch lärmender zu gestalten. Mittlerweile Wales bereits 1 llhr nachts geworden uns der Büegevuleiner der keinen anderen Ausweg mehr -sah/ gab das 'Glocken Zeichen, das den Schluß' dkr Sitzung bedeuten sollte. Er ' bcries dueii Stegog'-a; '-icu und diktierte ihm ins Proeoiotl, daß die Sit'.uug.geschlossen 'inerden mußte, weil' in '.dem herrschenden Lärm ein Weiterveehaudcln unmöglich war. Jetzterst beruhigtensich die , Christlichsozialen, deren Srintmittd schon ziemlich abgebraucht waren, ein wenig. Als sich die Sozialdemolraten anschickten, den Saal zn verlassen, riesen um-.? die Ehrisllichsozi-alcn noch nach. Ei-inge ck iue-eiebesncher, die bis in di. späte Siachtstunde . aüsgeharrt.. hatte lt — rvas bei den sonst ziemlich öden und inhaltslosen Re.dercreu, die im Wien,er Gemeinderat vom Stapel gelassen wer-xu, immerhin als Leistung 'zu qualifizieren ist -- riesen iu den Saal: „Hoch Breitner! Nieder mit den EhriftUchsvzialcn!" .Abermalsbrach -depf Lärm arlf. Seite der Opposition auch der chich .. -:--:..l aber bald legen mußte, weil die Lichten des Sitzungssaales einfach aügedreht wurden. So hat-zur Abwechslung einmal auch der Wiener Gemeinderat seine Sensation gehabt, die - die Steuerträger werden bezahlen müssen, wenn .auch Stabtrat Sieg! sich geäußert hat, daß er für die Reparatur her, verwüsteten Sitzbänke keinen Groschen chergeben - werde. Sozialdemokraten und Ehristlichsoziale gelangten wieder einmal zu billigen Argumenten, mit denen sie als nette- „Schlager" in Wählerversammlungen außmrten können. Ballins Vaterhaus Soeben ist bei der Verlagsanstalt Hermann Klemm, Berlin-Grunewald, das in letzter-Zeit mehrfach angekändigte Buch von Senator Dr. Peter Franz Stub- - m.a n u mit dem Titel „B a l li n, L eb e n u u d W e r f e.i .n esdeutsch e,n Nee d e r s" erschienen. Der stni 1-- . XicTje, mit zwölf Abbildungen. und drei Faksimiles und. - graphischen Darstellungen aupgestattcte Baud ist ein Quellenwerk von höchstem..Wert. Neu sind bei Snwmann die auf Archivstndicn beruhenden'Angaben, über B n ll i ns Vater, erschöpfend ist das Verhältnis Ballins gl dem früheren deutschen -Kaiser Wilhelm II. dargcstellt, sowie Ballius Bemühungen, seinem Vaterlande Deutschland einen Frieden zn sichern, der ihm den wirtwirtschaftlichen kulturellen Aufstieg'- ermöglicht. Ter Vater Albert- Ball ins war der am 10. März 1804 in H o r s c h v, einem kleinen föafenod an der Westküste Jütlands, . j geborene Sam ne l Joel Ba-ll'iu, der 1-832-'in Hambnog j -msässig gelvorden sein nmß. Nach den im Hamburgischen Staatsarchiv ivohlverwahrten Papieren-beschäftigten sich nüt ihm verschiedene. Hamburg ische: Amtsstellen. - Die Firma S. Ball in!!. (5.0:, die. ihm-gehörte, unterhielt in dem damaligen, vor den Toren südlich Hamburgs gelegenen Billwär der eine Decken ier-An-stalt, gegen deren Tätigkeit die sogenannten „Wandbereiter" Einspruch erhoben. Schließlich siegte Dalli w Am, 20. November .1830 richtete. Saninel Joel Ballin au den Senator .S)<; c rck eine Eit:gäbe, in der er bittet, daß ihm ein iu Biliwärder für 0500 Marc erworbenes- Grundstück aus eigenen Namen ungeschrieben werde. Denn .Israeliten durften »ach der damaligen Rechtslage wohl Grun-dbe.sttz erwerben,, aber die Zuschreibung loar ihnen „nicht verstattei"; sie mußten vielmehr einen ch r i st l i ch c n B ekan n t e n als Träger des Gr-Ultdhesitzvermerkes stellen. Daß Ballin in wenigen vier - Jahren geschäftliche Erfolge erzielt' haben.,mutz,..ergib?sich aus - der Tatsache, daß er tn -dieser Eingabe 'in' Aussicht stellt, 20 bis - 30 Menschen zu beschäftigen, und zwar „n ur C h r i st e n,a I 8 , Arb eiter" einZustellen verspricht. DiesesEingäbe wurde aö- , schlägig beschieden. Einer der Enkel dieses Senators Merck, der 'Ballius Gesuch z-tirückwics, arbeitete' später' als,-feiner,, der Tire'liorei!' der Hanrbnrg—Amerika-Linie' itiiici: der Führung - eines genialen Sohnes des armen Schächers, der da vor ihm demütig um ein heute natürliches.bürgerliches Anrecht bat. Am 2-2. Juni 1837 erhielt die Firma die Erlaubnis, eine Wvllfärb er ei zu betreiben. Inzwischen hatte Samuel Joel Ballin 1833 geheiratet. Seine erste Frau starb 1840., nachdem sie vier Kindern das Lüben geschenkt hatte. t841 heiratete der Witwer zum ztveitenmale, und zwar die Tochter des begüterten. Handelsmannes Joseph Meyer. Anrabba Mayer war damals 16 Jahre alt und brachte nach der Heiratsurkunde 7000 Mark Kurant als Mitgift in die Ehe. Samuel Joel Ballins zweite Ehe brachte ihm eine große Familie: zu den vier Kindern aus erster Ehe kamen neun weitere, deren letztes aiu 16. August 1867 geboren ivurdv: Albert Ball in, das dreizehntel Als dieses letzte Kind mitten in einer schweren Hamburger Wirtschaftskrise zur Welt lainstvar der Vater 63 Jahre alt. Das Leben hatte ihm inzwischen übel mitgespielt. Sein -Unternehmen war zwar zur „Fabrik" gelvorden, 1833 war er zum D ampfb eirie-b übevgegaugeik, aber die englische Konkurrenz setzte die Preise herab. Das Ballinsche Unternehmen wankte. Da entschloß sich Samuel Ivel Ballin, selbst nach Englan-d zu gehen. In Manchester gri'mdeic er eine Tochterfirma, mn selbst Halbfebrikate nach Deutschland bringeil zu können. Er mußte aber dennoch dem Handelsgericht die Insolvenz der Firma S. I. sabrikate nach 'Deutschland bringen zu könuen. Er mußte Äer gewickelt, und zwar mit Hilfe des Erbes seiner Frau. Eine nclie Firma S. I. Ballin cntstano, die sich mit Kohleny a n d c l beschäftigt, aber auch dcu Betrieb einer Eisenu n d M e s s i n g g i c ß c r c i plante. Auch diese Geschäfte gingen nicht gut. S. I. Ballin gründet znsamnten mit Samuel Nkoritz Hirsch 1852 die Firma Aiorris «. Eo., die sich als A u s w anderer- E x p e d i c n t i n bcsisiigte. Erfolge haben sie selbst kaum erzielt. - Am 17. September 1.87-1. schließt der Vater Albert 'Ballius nach-.- mühevollem und, wie cs scheint, erfolglosean Lebcnskanchfe in dem kleinen preußischen Vorort Hamburgs, Marient-hal, die Augen, nachdem er ein Testament uiedeogelegt hat, in toelchem er anssprechen kann, daß er alle seine Gläubiger befriedigt habe und daß Ansprüche an seine Erben nicht - in ehr herantreten dürften. Seine wesentlichste Hinterlassenschaft war sein Anteil an der unbedeutenden'ELpedrerrkn Firma Morris n. Co., in die nunmehr seine Witwe als Teilhaberin eintrat. Die Söhne Joseph und Albert erhielten Prokura,- letzterer im Alter von 18 Jahren. Da Joseph aus der Firma austrat, fiel alsbald Mbert die Hmiptarbeit zu. Der Achtzehnjährige, versehen mit einer durchaus einfachen, wenig über die gewöhnliche Volksschule hruansgehende Schulbildung — er hatte die Goldmannsche Schule besucht — hatte Pflichten wie ein Fa-m ili e-uvaber. Denn er mußte seine Mntrer'und seine jüngeren Schwestern aus den Ertragnissen des Geschäftes erhalten. Was Wunder,- meint Stubmann, daß er bei- Ingends-pielen- und Vergmigmigen selten oder nie gesehen lvnrde. 7W«V«S» MWÄvMM bt&n:8':6ßs VS Mts*: yHitoBiet B?aao -Völoujfa, Cotobmen, halb und ganz auf Seide gefüttert, ^auzBUacbe __ gefüttert, mit’Pelz verbrämt, Einheitspreis 8 FrauzBßlache Hayfi-Valonro, Ottomane, Ranz auf Solde ALMM _.x ---- . . Einheitspreis 8 OTS».—" MrZBE Jaohon in vvrsoh!osisgvLH»Nareon,, MiMWtiDdfil von S ms AE MtoK: Mosi&me f-'6-,-ove ongliaoba Soatümo, ganz auf Seide gel&rtTte — futtert, .Einheitspreis S «P«r# SostöiQc, l5tstmoaerno Fassons, reich mit Pelz ver- SRbÄfc brämt,, - . i.. . . . Einheitspreis S —1|~J T7...!■■■■ _L_U wsn 8 ms AE AkSs».. Sottlairöobe aus Ia franziisischem Flanell . ■ v a Ehihoitspreis S ikiblafrSobo aus Ja Cord-Samt, "r d e n hVfrlichstöh^Phro en? ».90 «Ä® f&90- ®o}mmstts& «.»-»'-GM, z« ^.im -ViÄ'sohloflftustien Sehhto^uiid moderneIfassonp .. . . iTMbiBltfafM und jKbpndMeWhP tMQriglnal-aiodelieiff. i . . 3Tn Diiiijeu-aiantol-autrla-Plaiai.Äi