Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2759 (31.10.1926)
- Date
- 1926-10-31
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. AW ÄÄM, SoMÄÜA >1. A)ftoicr 19556 Sette S schen Volkes in seinen Wohnländern, 2. die Durchführung der nationalen Minderheilsrechte und 3. darüber htnausgehend die sonstige politische akti-v-stnatMürgerliche Be-, tätigung, vornehmlich die Cinflustnoüms auf die Gesetzgebung und Dermaltimg des Staates and die Beteiligung au Wahlen tu die öffentlichen Vertretungskörper zum Gegenstände. In ihrer im März 1926 ergangenen Entscheidung der Exekutive in dem OrganisattonskonfliU mit der freien, zionistischen Bereinigung wird ausdrücklich sestgestellt, daß di« österreichische zionistische Landesorganisation, welche die Landespolitik in dem hier angegebenen weitesten Umfangt, bisher zum Gegenstände ihrer Tätigkeit gemacht hat, sich absolut aus dem Boden der Konstitution und des geltenden zionistischen Rechtes befindet und datz das Mitglied eines zionistischen Landesverbandes, der als solcher zugleich kos Organ für innerpolitische Betätigung bildet, verpflichtet ist, Uut Landesverband in den, Bestrebungen für die Durchführung und den Schutz des allgemeinen Prinzips der nationale» MinderleitSrechte 3» unterstützen. Das Problem kann daher nur dahin abgestellt werben, ob und inwieweit ein Mitglied des Landesverbandes verpflichtet werden kann, an anderen als aus di« nationale Anerkennung und den Minderheitsrechtsschutz abzielenden politischen Aktionen des Landesverbandes sich aktiv zu beteiligen. Eine Frage, welcher bei der nach der geltenden Konstitution den Landesverbänden auf innerpolitischem Gebiete zugestandonen Autonomie neben der grundsätzlichen Bedeutung auch die Bedeutung zuloinmt, ob und inwieweit in diesem Belange das sonst unbestrittene Majoritätsprinzip zu gelten hat, das heißt, ob aus Gründen der Parteidisziplin von jedem Mitglied der Organisation verlangt werden kann, daß es sich den das Ausmaß und den Umfang der politischen Tätigkeit sestsetzenden Beschlüssen der zuständigen Parleiinstanzem unterwirft. Redner besprach sodann die Frage der kulturellen Aufgabe», deren Förderung durch den empfindlichen Mangel an Geldmitteln verhindert wurde; dagegen war die Vortragstätigkeit in den einzelnen Sektionen außerordentlich intensiv. Die in mehrfachen Besprechungen versuchte engere Verbindung der Jugöndorgauffattonen ... ,.■...■■111 I ■I..1...III. ... ..... mit dem, Landesverband konnte nicht erreicht werden. Die Befürchtung, daß durch eine, organisatorische Zusammenfassung der Jugendverbände deren Autonomie beeinträchtigt <und datz durch eine festere Einordnung in unserem Landesverband die freie Entwicklung der einzelnen geistigen, und sozialen Richtungen beeinflußt werden könnte, ist noch immer in einem so starken Maße vorhanden, daß auch nur dieHeIstellung einer losen Gemeinschaft untereinander und die organisatorische Festlegung des Verhältnisses Zer Jugendverbände zur Organisation anscheinend unüberwindlichen Hindernissen begegnen. Wir glauben, daß es eine der wichtigsten Aufgaben der zukünftigen Parteileitung sein wird, die nicht abgebrochenen Fäden der Verständigung wieder aufzunehmen. Der vom Landeskomitee unternommene Versuch, die akademischen Vereine und Verbindungen ln einem einheitlichen Verbände zu vereinigen, blieb ohne Erfolg. Die akademische Studentenschaft ist . nach wie vor in zwei Lager gespalten. Die Verbindungen werden gegenüber der Organisation durch ihren Soniorenkouvent repräsentiert, während die Vereine sich im akademischen Landesverbände zusammengeschlossen habend Wir registrieren diese Tatsache mit außerordentlichem Bedauern. Die Gründe, die von den Verbindungen für die Aufrechterhaltung der bestehenden Trennung ins Treffen geführt werden, erscheinen bei Anlegung des nach unserer Uetzerzeugung allein in Betracht kommenden zionistischen Maßstabes in keiner Weise b e g rü n d e t, und wir können auch in diesem Zusammenhänge die bestehende separatistische Tendenz nicht als berechtigt anerkennen. MU unserer Exekutive ln London standen wir in dauerndem und regen Kontakte. Wir haben stets außerordentlichen Wert darauf gelegt, unser Verhältnis zur Exekutive korrekt und übereinstimmend mit den Satzungen der Weltorganisation zu gestalten. Wir haben es jedoch im Gegensätze zu einer aNerding? vereinzelten Meinung nicht als unter unsere P sticht fallend erachtet, die Kritik der Tätigkeit der zionistischen Exekutive oder anderer Instanzen unserer Bewegung irgendwie ex offo zu beeinflussen. Wir glauben, daß der Grundsatz der freien Meinungsäußerung unter allen Umständen gewahrt werden muß, und daß es auch nicht in den Intentionen der Exekutive gelegen ist, die Freiheit der Meinungsäußerung in Wort und Schrift innerhalb der Organisation irgendwie Eisern Stark Mkchtis Wird jeder Säugling und jedes Kind, das mit echtem DIANA 9« FRANZBRANNTWEIN MIT MENTHOL massiert wird. Bestes häusliches Schutzmittel des Kindes. Ständig als Mundwasser zu benützen Diana - Franzbranntwein ÜB EJRALK ERH AtTKlCH! einzuschränken oder gar ihre Angehörige auf bestimmte Richtlinien in der Diskussion über aktuell zionistische^ Probleme festzulcgen. Die Schekelaktion gestaltete sich im' abgelaufenen Jahre nicht günstig. Die Einführung des einheitlichen Schekels hat sich, soweit die bisherigen Erfahrungen reichen, weder in Oesterreich noch anderswo bewährt. Besonders hinderlich war für einen entsprechenden Absatz der Schkalim die späte Könstitui crung der Schekelko m m issi on, die ebenso wie ihre wenig intensive Propagandatätigkeit, vornehmlich ihre Erklärung in der geringen Bereitwilligkeit einer einheitlichen Zusammenarbeit der einzelnen Föderationen mit unserem Landesverbände findet. Als charakteristisch wollen wir in diesem Zusammenhänge mr hervorheben, daß auch hier Frattlonsgeist in einem solchen Maße vorhanden war, daß nicht nur von einer gemeinsamen Werbetätigkeit Abstand genommen werden mußte, sondern daß nicht einmal eine Einigung über einen gemeinsamen Ausruf erzielt werden konnte. Die-Erhaltung und Sicherung des Fortbestandes derWiener Morgenzeitung" haben das. Landeskom'ttee in vielfacher Weise in Anspruch genommen. Wir haben einen Pressehilssfonds begründet und anläßlich unseres Organisationsdrive in allen Bezirzirken auch Wonncnterrw erbringen für die „Wiener Morgenzeitung" veranstaltet und ihr unsere Intervention bei der Exekutive in London zur Verfügung gestellt. Wir glauben, daß die eingeleitcten Aktionen, verbunden mit den von der Verwaltung der „Morgenzeitung" ausgehenden Akquisitionstätigkoiten im In- und Ausland« den Erfolg haben werden, der zionistischen Oeffentlichkeit in Oesterreich oaoneeaaaeoeoeeoeeflooeag. Mmpni&’s fonderan&e&ote fürs Mindf Kleidchen aus gutem Veloursbarchent, reiz. Muster, in allen Größen lagernd . . . ....ab S Fesche Crepe de Chine-Tanzkleidehen, sehr schick, in allen Farben .. 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Komödie am Deutschen Volkstheater gestern zur Uraufführung gelangte, bucht gleich zivei derartiger Fälle, die auf dem nämlichen Holz gewachsen sind. Der Professor Landmann überfiedelt »ach dreißig harmonischen Ehejahren zu einer Tänzerin. Der namHj aste Arzt Dr. Wigand kündigt ihm tvcgen dieser Gemeinheit die Freundschaft, geht aber hin irnd tut desgleichen. Die schöne Claudia, eine reise, kultivierte, alleinstehende und ansonsten sorgenlose Frau erklärt ihm ihre Liebe, weist ihm nach, daß seine kleinliche pedantische Gattin (mit der er ganz so wie jener mit dem Seitensprung befleckte Freund schon dreißig Jahre einwandfrei, glücklich und zufrieden lebt), ihm in jcher Weise abträglich ist, seines Geistes Flug hemmt, sein ivissenschaftliches Lebenstverk nicht ausreifen läßt, ihn an ein dumpftS, gräues, gezirkeltes Dasein schmiedet, statt ihm ein Milieu von Schönheit und Freude zu bereiten, usw. Man kennt das schon ... Da fällt es dem alten Doktor wie Schuppen von den Augen, und jüst in der lltacht nach der Feier seines 60. Geburtstages brennt er aus dem geheiligten ehelichen Schlafzimmer zu Claudia durch. Beide Greift, der Professor wie der Arzt, der in des Professors Fußstapfen tritt, nehmen die ersten Anzei§ . schwerer Arterienverkalkung bitter wahr, just da sie sich i den strapaziösen Ltebashandel cinlasftn. Das weitere Schicksal des Professors vernachläsfigt der Autor. ES ist anzuuehmen, daß er von der rassigen Tänzerin rasch und angenehm ins Jenseits beordert wird. Arzt aber nimmt Chlumberg rmfS Korn. Claudia baute zwar für sich uno für ihn ein wohliges Liebesnest, aber die Kapitalsanlage trägt ihr — begreiflicherweise — nicht die erwarteten Zinsen und sie gibt dem alten Herrn plötzlich und recht grausam den Abschied. Wohin soll er sich jwnben in seiner großen Not? Natürlich nach Hause. Er kommt gottlob noch rechtzeitig heim, um mit seiner ärztlichen lbrnst die Gattin zu retten, ihr nach einem Selbstmordversuch taugliche Gegenmittel zu verabreichen. Die Sache geht also.gut aus. Nicht so.gut wie Alexander Engels „Der ewige Jüngling", beim dieser Arzt hat keine so gute Konstitution wie jener AristoTrat und dann ist es kein Lustspiel, sondern eine Komödie. Zum Schluß Philosophiert das versöhnte Ehepaar. Es entwickelt sich (ungefähr) nachstehender Dialog: „Hast du schon den Sinn des Lebens ergründet?" frägt sie ihn. — „Der Sinn des Lebens ist der, den man ihm gibt." — „Welchen Sinn gibst du ihm?" ~ „Mit dir alt zu werden, mit dir zu sterbest." * Der junge Autor, den man hier um die Sexualnot greiser Väter bekümmert sicht, ist sympathisch. Ec sucht uns nicht mit verlogenen, verstiegenen Unverständlichkeiten Sand in die Augen zu streuen, er hat den löblichen Mut, nicht zu „ballen". Er läßt, seine Gestalten einfach sprechen (leider streckenweise auch simpel). Und er hat ztveifellos die Gabe, bewegte flüssige Szenen zu formen, zuzuspitzen und duvchzusühren. Einiges gelingt ihm prächtig, anderes hingegen jetzt noch nicht. Die Gestalt der Gattin in ihrer gutartigen Beschränktheit und braven Betriebsamkeit ~ eine, die den Haushalt des Ehemannes hinauf^ aber seine Nerve» hinnnterhringt — ist bemerkenswert geglückt. Gut gesehen, unaufdringlich, also eindringlich gezeichnet, wie solche opferfähige, schuftende, um den Mann mütterlich bemühte und daher von ihm gut gehaltene alte, reizlose Ehe, raum spitzig, gehässig, unerträglich wer-' den, wenn fiy weibliche Konkurrenz wittern. Nicht gut zu verdauen, daß dev Autor dieser Frau, bevor sie zum Wasserglas mit dm Beronalpulvern greift, einen Monolog von rmmdAcher Dauer auftrlegt, ße rocht atte Brieft, recht Vergilbe Lebentserinnerungen auskramen läßt. Gut geformt die Gestalt des Ehemannes, der, ohne seine Schuld, ohne eigentlich etwas dazu zu tun, von der feschm Claudia sozusagen in alle Himmel gestürzt wird. Mißglückt hingegen dies« Claudia. Sie wird als weiblicher Schöngeist von Anmut, Bildung, Eigenart angekünigt und eingeführt und entpuppt sich später als ganz oberflächliches, ganz ordinäres Weibchen. Die Szene, in der sie ihn entläßt, ist von konventionellster Prägung und — Verzeihung — läppisch geraten. * ' Es ist eine große Freude, daß ein junger, bisher unbekannter Autor sein erstes anfgesührtes Werk so bedeutenden Künstlern und einem so fürsorglichen Spielleiter ((Direktor Beer) anvertrauen durste. Albert Basserm a n n verschwendet seine ganze Gestaltungskunst an diesen Dr. Christian Wigand, dem der Johannestrieb so arg mitspielt. Man sieht einen feinen, schlichten Gelchrtm unter dem Schicksal, das ihm so angenehm und doch so hart müspielt, gar sehr leiden. Die innere Sauberkeit, die Vornehmheit des alten Mannes setzt sich entrüstet dagegen zur Wehre, daß seine Geschlechtsnerven ihn überwältigen. Es geht uns nahe. Und Else Bassermann leistet den: neuen Dichter nicht geringere, ja, bejvundernsiverte Beihilft. Eine bezwingende Porträtstudie, diese ebenso brave und tüchtige als trockene, penetrante Doktovssrau. Selbst der Monolgo vor. dem Selbstmord, mit großer Kunst disponiert uiU) gesteigert, wirb erträglich. Erika Wagner tut für die Verführerin das Menschenmöglich«? sie gibt ihr das angenehme Aeußeve und bringt noch — Frau Wagner ist Line Sängerin von Geschmack — in der Gese.lschaitsszene ein Lied mit Klavierbegleitung. Mehr kann man nicht. In zwei Episodm sind zwei bedeutende Kräsie des Bolkstheaterensembles, Viktor Kutscher« und Lina L o o s> einfach erschütternd. Die Jugend — es ist jene, welche erkmnt und unbekümmert zum Ausdruck bringt, daß sich die Wege der Generationen scheiden und die Alten keinerlei Anspruch auf die Jungen haben —- ist bei Cäeilie Lvovskv und HanS Jarah Mt aufgehoben. Otto