Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2759 (31.10.1926)
- Date
- 1926-10-31
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Wien, Sonntag Wiener Msrgenzettnng 31. Okto^r 1926 Nr. 2789 Der zionWsche Delegiertentag. Der Sröffaungsabend. — Das Pköstdlam- — Der Bericht der Leitung- ,Mnvn nomhaMi DÄl Euerer UrDÄt nahm -dsr zur Zeit unserer AmisüibLmcchme bereits bestehende, Ihn Saale 'des Ingenieur- und ArchitektenveremeS bcMMN gestern abend der Delegiertentag der Zionisten Oesterreichs mit seinen Arbeiten. Die Tagung war autzerovdenükich stark 'besucht. Der gwße Saal u>nd die Galerien waren überf Li l l t. MiMiode-r der ingenid, lichon Organisationen lvistcten dc>u Ordnerdicn-st. In der ersten Reihe des Parterres hatten die Mitglieder' des zionDischen Aktionskomitees D r. C h a j e s und Oberbaurat Stricker Platz genommen. Der Vertreter der Londoner Exekutive, Herr Dr. Felix Rosenblüth, der von einer anstvengenden Reise aus Juigoslawien vorgestern hier eingeiroffon war, hatte sich wegen Un'pnhtickkeit ermtfchutdigt und wird seinen Bericht wahrschoirBich heute erstaiien. Am 8 Uhr eröffnete der Präsident des zionistischen Le.'n'deZnolN'itees D r.' D e s i d e r F r i a d m a n n? der »ut den Mitgliedern des Direktoriu'NlS Dr. Leo G yl'dh a m m e r und Kommeyziailwt Max Markus auf der Tribüne Platz genormten hatte, den Dcli-cgierten-i^g mit einer herzlichen. Begrüßungsansprache, in der er die erschienenen Mi-tglirder des Klon«'.st»schon Mtionskonvitces Professor D «r. C 'h a j e s und Oberbau rat Stricker, ferner den Vnosessoc Fodor der hebräischen Universität m Jeruseivm sowie die Vetroter des MM r a ch i -begrüßte. Hrevauf erfolgte die Konstituierung des Delogserterrtages. Z.u Vorsitzenden wurden -naiät/it dde Herren Dr. Josef Löwen herz (Men).- Karl S ch w a r 8 (Graz) unid Max S ch i f s nr a n n (Men). Zu Schriftführern die Herren Arthur Holzer llud Wer n st o ck. In den PevmanelM'rlsschuß, der aus nenn Mitgliedern D-esteht, wurden g/ec-vähli: Döar.5us B a r >t f -e I d, Jngenierrr Siegfried Berger (Innsbruck), Dr. Max Bernhardt, Frau Margit B uchb tnder, Landau (akademischer Landesverba'nd). GamÄndamt Dr. Leopold P >l a s ch k e s, Bruno R a b i n o w i e z, Jchuda S ch m i d und Saul Weinre >b. Den Wah'lvorsichlag erstattete Delegierter Dr. Bernhardt. Die Wschl erfolgte einstimmig. He.rr Dr. Josef L ö w e n h e r z übernahm sodann dm Vorsitz. Er hielt zunächst folgende>i>m letzten Jahre 'verstorbenen .Angehörigem des österreichischen Landesverbandes einen Nachruf, der stehend anM-hört wurde: Hofrat Dr. Rudolf Ta u ssig, Nathan Ta r La ko wer, 'dom Redakteur der „Wiener Mwvssnzoitunig" Dr. Max N o s e n b e r g, Max K l a p p h o l z, Frau Professor Zimels, Frau Hosvat Amelie R a p -p a p o r t, Dr. Fritz S i n g e r, Ernst P a p ip, Felix B e -r d a ch, Erwin R e i ch m a n n, Dr. Jakob Kohn u-n>g Dr. Max Diamant. Er gedachte ferner der dahingeschiedenen Freunds der zionistischen Bewegung Hofrat Professor Dr. Swlam-on Ehrmann und Bernhard G o I >d st e i m. Begrüßungsschreiben waren oingiÄangt van der zionistischen Exekutive in London, von der zionistischen Vereinigung für Deutschland, vom Zionistenverband Jugoflawiens, von der zionistischem Organsation für Klempolen. Mit stürmischem Bo'r-fiall wurde die folgende Bo- «zrüßungsdepesche der Grazer KultubgcmeindL oufgenvmmen: Die Kultusgemeinde Graz begrüßt den Delegiertentag der österreichischen Zionisten und wünscht seinen Beratungen besten Erfolg zum Wohle unseres Aufbauwerkes in ErezJsrael. Unsere Gemeinde, eine der ersten in Oesterreich mit einer zionistischen Mehrheit, hofft, daß ^«baldigst auch die anderen österreichischen Gemeinden zu einer gleichen Entwicklung kommen und daß dadurch endlich die Einheit der jüdischen Repräsentanz in religiöser, nationaler und kultureller Beziehung hergestellt werde. Jüdische Kultusgenreinde Graz: Der Präsident Dr. Sonnenwald Der Sekretär Dr. Lemberger. » Präsident Dr. Destder Friedmann erstattete sodann den Bericht des Landeskoiwltees. Sr gab zunächst eine Uvbersicht über die organisatorischen Arbeiten in Wien, erwähnte «den im Februar durchgefüHrtön O rgami sa tio n sd r i ve, der 'dann in -der Jjaraktion erweitert wurde, und besprach die inneren VechAtrüsse in dem österreichischen Lcmdesveckband, wobei er auAMrte: PELZ WA REN m JEDER ART IN FEINSTER 513 AUSFÜHRUNG BILLIGST BEI GEBRÜDER BRAIHIN WIEN, II., GLOCKENGASSE 8 TEL. 45433 durch die Bildung der fteien zionistischen Berermgttttg entstandene organisatorische Konflikt in Anspruch. Wir haben in einer Reihe motivierter Zuschriften an nnsere Exekutive den Grundsatz der Einhsit und Ilnteiilbarkeit der Lmrdesorganisationen verfochten, und können zu unserer Befriedigung konstatieren, daß, wenn auch erst in einem ziemlich späten Zeitpunkt, Misere A-nschanung von unserer obersten Leitung im ihrer Entscheidung als richtig und zutreffend befunden wurde. Wir können weiters Mit Genugtuung fe-ststelle-n, daß die bestandenen Di ff ernten dm r ch beiderseitiges Entgegenkommen in loyaler Weise ihre gütliche und befriedigende Austragung gefunden haben und daß auf Grund der abgeschlossenen Vereinbarung, die der freien zionistischsn Deromigung ungehörig gewesenen Gesinmmgsgonossen unter Anerkem inmg der OvgaNisaLionse'inlhöiL den. We g z u u ns z u rü ckge f um de n und ihre Tät-Iigkoit im Rahmen unseres Landesv.:Kibamdes wieder aufgenommen haben." Der -RÄmer schilderte sodann die Schlvierigkoiten der organisatorischen Tätigkeit: „Wenn die von uns ger organisatorischen Arbeit Mgewendete Bemühung nur einem zugestandenernraß:>n bescholdenon Erfc'lg gebracht hat, so liegt nach unserem Erachten die Schuld darin, daß de,r Zcitmunr eines Jahres zu kurz und die zu lei st ende Arbeit zu vielgestaltig und unrsaugire-ich ist, mn sichtbare Erfolge einer erst im Werden begriffenen R eo r g a n -i s a t i o n z.u erzielen. Sicherlich wenden auch die Schwierigkeiten der organisatorischem Arbeit dad'Uvch außerordentlich vermehrt, daß die Ueberzeugung von der LOMBARDIERTE PELZE Herren-, Damenkonfektion und Rauhwareit ln größter Auswahl billigst abzugeben bei 124 JOHANN WISCHNiTZER « JAK03 SCHWARZ KQreohnermelster Wien,». Bez., Ertlgasae 4 Zugang: Bauernmarkt t4 Notwendigkeit ein-e-r t r a g f ä h igen m n d k r ä ft i,g e m Q r g a >n i f.a t i o n, hie sich das Ziel setzen muß, alle lebendigen .Delle des JudentumZ'.. im sich ’ eiip schließen, bei uns verblaßt ist uud «daß eme falsche und dem. Zionismus wesensfremde ' Ideologie, die % unseren Reihen G'MMng gesungen hat, Organ-rsationsproblemen eine.unterMordnete Bedeutung bermrßt. Die richtige Eünschätzrrng des Wertes der Organisation droht ums aus d'iese Weise abhanden zu kommen, desdie in unseren Reihen Eingang gofunden hat, Organ'd sativin ohne Idee, auch eine Idee ohne Orgamisatiion nicht zu böstehen vermag^ Es wird eine -der wichtigsten Aufgaben dieses Döleig'ievtentvges sÄn, den Organisationsfragen sein Augenmerk zrrzrüocrd'M. Er wird hiebei an der am der Größe unserer BeweMUg in Oesterreich gemessen unbestreitbar bestehendem " . Hypertrophie von einzelnen Gruppen und Grüppchen nicht vorbeisehen können und wird sich darüber einig werden müssen, auf welchem Woge eine st r a m m e r e Z n s a m m e nf a ss u n g und Z e n t r a I i s i e r u n g zu erreichen ist, wenn -unsere Bewegung der fortbestciheniden Gefahr der Atomisier-umg und Zersplitterung ausgesetzt werd>en soll. Es wird auch die Frage zu ventilieren soin, im welcher Weise der bis- 'her nicht bestehende Konnex zwiWn unserem Landesverbände und den zahlreichen auf nati-omalvr Basis bestöhen'dsn fachlichen und beruflichen Verein i g u mg e n hergestellt werden könnte." Dr. Friedmann kam hierauf auf dse innere politische Arbeit zu sprechen. „Wir haben" — führte er aus- — „während der 'Zeit unserer Amtsfunktiom keinerlei landespolitische Aktion zu verzeichnen. Der beliebte Vorwurf, daß unsere Bewegung in Oesterreich zu wenig palästinozentrifch eingestellt ist und daß unsere Kräfte durch die Landespolitik absorbiert werden, kann uns somit kaum gemacht werden. Trotzdem wäre «s verfehlt, aus der Tötsache der mangelnden landespolittschen Tätigkeit im Berichtsjahre einen Schluß in der Richtung zu ziehen, daß die Lage der Juden in Oesterreich als zufriedenstellend bezeichnet werden könnte. Die Geld- und Wirtschaftskrise, die über unseren Staat zu Beginn des Jahres 1924 hereingebrochen ist, uyd die sich in einem von Tag zu Tag steigenden Maße fühlbar macht, hat zu einer Erstarrung des politischen Lebens, die Parlamentarischen Verhältnisse haben zu einer allgemeinen Jnteressenloflgkelt gegenüber Poltttschen Vorgängen geführt, ein Zustand, der nur gelegentlich durch Äufrüttlung der öffentlichen Meinung bei Aufdeckung von MÖBEL' AUf Qualität«* JAHRESKREDIT rabwb.f ... - - — WEINBERGER & HOFFMANN II., Praterstraße 50. Besuch lohnend. Kostenlose Einlagerung. politischem Korruptionsfällen eine Aenderung zu erfahren Pflegt. In diesen Zustand allgemeiner Apathie fügt sich auch stilgerecht das Abflauem der exzessiven hakenkreuzlerischon Bewegung, die durch das Ausbleiben auswärtiger Geldmittel und Parteispaltungen nach außenhin in ihrer Aktivität nachgelassen hat. Nach wie vor ist in der Gesetzgebung, noch mehr aber in der Verwaltung, die fast mtsschließlich in antisemitischen Händen ruht, die judenfeindliche Gesinnung merklich zu verspüren. Bei dem Tiefstände imscres öffentlichen Lebens und der österveichischen fast ausschließlich Parteiinteressen dienenden Presse hat . der gegenseitige Borwurf der Berjudung eine durch nichts zu überbietendo Bedeutung erhalten. Die einzig programmatisch freiheitliche Partei in Oestereich, die Sozialdemokratie, wetteifert mit den antisemitischen Koalrtionsparteien um den Vorrang in der Betonung ihrer feindlichen Einstellung in jüdischen F r a g ein. Der Zutritt zu öffentlichen Aemtern ist uns überall, insbesondere auch in den von den Sozialdemokraten geleiteten .Verwalt u n g s k ö r p c r n verschlossen. Das Lehramt an den öffentlichen Hochschulen wird bei dem Geiste, dc-r an diesen Stätten herrscht, füi Juden allmählich unerreichbar. Bei der Bejahung unserer Existenz und ihrer Berichtigung in der Diaspora halten wir dafür, daß der Schutz der politischen, bürgerlichen und sozialen Rechte unserer Volksgenossen aus den Jntercssekreisen und dem Tätigkeitsgebiete einer zionistischen Landespartei nicht ausgeschaltet werden kann. Ohne uns auf die in dem bekannten Beschlüsse des 12. Kongresses niedergelcgte Auffassung, daß die Landespolitik einm integrierenden B e st a n d t e i l der z i o n ist i s ch e n Arbeit bildet, zu berujen und ohne der Meinung des Delegiertentages, welcher sich mit der prinzipiellen Seite dieser Frage, zumindest aber mit den Methoden und dem Ausmaß der Politischen Landesarbeit zu. beschäftigen haben wild, vorgveifen zu wollen, geben wir unserer Meinung dahin Ausdruck, daß ems Vervegung nationalen Charakters, welche den jüdischen Menschen in seiner Gänze erfassen und für sich den Vorrang vor allen anderen, die Totalität der Judsnsrage nicht erkennonden jüdischen Strönmn- - - gen in Anspruch nehmen will, auf die Geltendmachung -'; des der Zahl der kulturellen und wirtschaftliche» Bedeutung der jüdischen Bevölkerung angemessenen Einflusses auf die öffentlichen Angelegenheiten ihres 1 Landes nicht verzichten kann. Ein solcher Verzicht wäre unserer Meinung der Abdizierung vom öffentlichen Leben in Oesterreich gleichzuhalten, da wenigstens derzeit keine der ln der Republik bestehenden außerjüdischen politischen Parteien die Vertretung der jüdischen Rechte und der Allsprüche, welche wir gestützt auf die Besonderheit unserer nationalen, geistigen und,kulturellen Individualität gegenüber der Gesamtheit und unserer nichtjüdischen Umwelt uns zu erheben für berechtigt halten, zu übernehmen bereit wäre. Die Ablehnung der Landespolitik würde aber auch das Aufgeben des in seiner Richtigkeit wohl nicht anzweifelbaren Grundsatzes bedeuten, daß spezifisch jüdische Interessen eine Vertretung durch Juden erfordern. Der seelische Zwiespalt in unserem Volke, den die. zionistische Idee durch Konzentrierung des Einzelnen und der Gesamtheit aus den Wiederaufbau des Landes und die Erneuerung unseres Volkstums zu beseitigen sucht, könnte unserer Meinung nach nur vergrößert werden, wenn in Angelegenheiten der inneren Landespolitik unsere zionistische Organisation die Führung zurücklegen und hiedurch^ jener Tendenz Vorschub leisten würde, die letzten Endes dahin geht, den Zionismus zu einer reinen Angelegenheit des Privatlebens zu verkleinern. Die vielfachen Dtver,--in den Meinungen über die Notwendigkeit oder Entbehrlichkeit der politischen Landesarbeit für die zionistischen Verbände-gehen nicht zuletzt aus Unklarheiten des Begriffsi-nhaltes zurück. Der gegenständliche Fragenkomplex hat 1. die Anerkennung des jM- _ Am besten sind doch die Ceschka-hote VM.» KalsarstraBa 129 WIEN UL, AlsertfraBo Hr. 6 wirken vorbeugend und lindernd die ärztljch erpiobten und empfohlenen BBasHflvcan ■ Knoblauchtropfen. 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