Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2758 (30.10.1926)
- Date
- 1926-10-30
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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30. My E S M. SM Mm, GKkM»s Tagesbericht. Ser Delegiettlntag -er WemW« fchen Zionisten. Heute abend tritt in den Räumen des Ingenieur- und Mchttektenvercines (1. Bez., Eschenbachgasse 9) der Delegier te nt ag der österreichischen Zionist en zusammen. Die Beratungen dürften bis Montag nachmittag dauern. Das Programm des heutigen Abends umfaßt die folgenden Punkte: . 1. Eröffnung durch bcn Präsidenten der Zionistischen Landesorganisation, Dr. Desider Fried mann. 2.° Wahl des Präsidiums und des Bureaus sowie der Permanenzkommission. 3. Referat des Herrn Rechtsanwaltes Dr. Felix Rosenbltth, Mitglied der Zionistischen Exekutive, über die allgemeine Lage des Zionismus. 4. Bericht über die Tätigkeit des Zionistischen Landeskomitces jn der abgelaufenen Periode, Referent Dr. Desider Friedman n. Die Eröffnung wird präzise 8 Uhr abends erfolgen. Sie Süden Wlem*). Eine statistische Studie von Dr. Leo Goldhammer. BerufSverhAltnisse (2. Abschnitt). Wir wollen hier 'die Bonnfs-tüti-gÄri und i-hro B.e-, c,uf s z u,g e h ö r igke it in Wien int Jahre 1910 imrsrhM der einzelnen B e r u f s k I n s -s e n nnEersuchen. Jn der nachfolgenden Zusainmenstettung g-cken wir die absoluten Ziffern rvieder. Berufstätige im e n gere n S i u n e Jltdcn Nichijuden Land- und Forsbvirlschlaft .... 130 8.084 Industrie und Gewerbe .... 26.56<- «80.269 Handel und Verkehr .40.6C» ' 18.740 Oeffentliche Dienste u. freie Berufe 7.859 97.110 Dien st bo t e n Juden Nichijuden Land- und Forstwirtschaft .... 2 1.501 Industrie und Gewerbe .... 185 28.620 Handel und Verkehr . 472 81.251 Öffentliche Dienste u. freie Berufe 310 44.014 Mithe 1 sende Familienmitglieder Juden Nichijuden XLu.hü* und Forstwirtschaft .... — 1.109 Industrie urtl> Gewerbe .... 349 3.137 Handel und Bevkebr ^. 1.074 6.324 Oeffentliche Dienste u. freie Berufe 3 72 Vom je 100 der Berufszug e >h örigen j n-ckenftLhen-den Berüfsklassen waren: Berufstätige im engeren Sinne Juden Nichijuden Land- und Forstwirtschaft .... 98,49 76,87 Industrie uu> Gewerbe .... 98.02 94,72 Handel und Vorkehr .96,50 86,87 OeffenAiche Dienste n. freie Berufe 96,06 68,77 *) Siehe ,/Wiener Ddorgenzeituny" vom 25. Juli, 1., 8., 28. und 29. Augulst, 12. und 28. Soptontber, 6. und 21. Oktober 1926. 2km Dr. Robert Weber. Der soeben erschienene Goethe-Kalender auf das Jahr 1927, herausgogeben von Dr. Karl, dcincmann (Dieterichsche Verlagsbuchhandlung. Leipzig) enthält eine längere, sehr bemerkenswerte Studie Gebers icher Goethe als Wohltäter, der wir nachstehende Stellen entnehmen. Als nach Goethes Tod sein Geburtstag zum erstenmal wiederkehrte, feierten ihn feilte Getreuen bei dem Oberbau-, direktor Coudray. Der Kanzler von Müller trug ein Schriftchen vor, „Goethe in seiner ethischen Eigentümlichkeit", bei Tische wurde ein Gedicht Rieners verlesen und man erzählte sich „Anekdoten, charakteristische Geschichten, Einfälle, Gedenksütze, Bvmno-ts und dergleichen von Goethe". „Besouders auffallend und neu war mir," berichtet Riemer in seinem Tagebuch, „was Dr. Vogel und Schnchardt von seiner gar nicht gekannten Mildtätigkeit im stillen erzählten, tvie er Arme unterstützt. Handwerker, Subalterne usw., wie er lieber ans seiner Tasche gegeben, als sich zu einem Vorschuß aus der Kasse verstanden." Trotz des vertrauten Umgangs mit Goethe war Riemer diese im geheimen geübte ausgebrei-tete Wohltätigkeit verborgen geblieben. Als er aber neun Jahre später seine „Mitteilungen über Goethe" veröffentlichte, stellte er ein besonderes Kapitel über Goethes Wohltätigkeit zusammen und leitete es mit den Worten ein: „Da es nicht genug bekannt und noch weniger hervorgehoben ist, wie Goethe auf eine nicht gemeine Weise mannigfaltige Wohltaten ansübte; da ferner der böse Wille sogar in den offenkundigen Belegen nur einen Akt des EigeunutzeS oder eines feineren Egoismus hat sehen wollen : so müssen jetzt Tatsachen ans Licht gezogen lverden, die Goethes Bescheidenheit zwar verborgen Hai, unsere Pietät Und Dankbarkeit-aber nicht verschweigen darf." Dann zählt er elf Personen ans. denen Goethe feilte Wohltätigkeit zugewendet habe. „2V v i Ir, die apenmäßig belegt wecken könnten," und sc/i/p: „Auch, sogenannte Hausarme erhielten Wohltaten, ohne daß es andern als den Teilneh- 'OnwnwT wiuiyviijjviuiuy D ienstbyt« n Juden Nichkstrden Land- und Forstwirtschaft.... 1.61 14,03 Industrie und Gewerbe .... 0.68 4,66 Hanföl und Verkehr ..... 1,1t 10,94 Oeffentliche Dienste u. freie Berufe 3,89 31,17 MtthelfenL> e Fa>mHienmi tgliede.r Juden Nichtjuden Land- und Forstwirtschaft .... 0,00 10,67 Industrie und Gewerbe .... 1,28 0,61 .Handel und Verkehr .LH4 8>S0 Oeffentliche Dieniste u. freie Berufe 0,(V 0,06 K>sr Anl-sil der Personen, welche in den betr-effonden Berufen mittätiig sinh, ist ein verhältnismäßig geringftiiM-rr nn'd zwar sowohl bei den Judm. als auch «bei den Nichtjudem. «U-m zu ermitMn, w >i e viele B e r ar f s z ü -g ehörig e v -o n ,d e n B e r u f s «t ä t rg e n e r h a 1 te n wer «den, Haben wir «die nachfolgende ZusammenMkung gemacht. Es entfielen auf fri« -nobensEndkm ' Bo'-itfsklassen von je 100 Berufs ta t ig e n Juden .. Lacknck Forstwirtschaft . . . . 0,13 0,97 Jntdmstri-e und Gewerbe . . . . 38,19 60,48 HünM und Verkehr . 49,33 26,01 HäuÄichcr Dienst uni'. Lohnarbester 19.83 6^48 Ocffent«i-iche Dienste u. freie Berufe 8,68 14,18 B e r u fSg'U ge«h ö rigem Juden Nichijuden Land- und Forstwirtschaft . . . . 0.1« 1,16 Jndu.stn-2 und Gotver'öe . . . . 28,94 51,87 Handel und Verkehr ...... 52,88 . 29,53 Häuslicher Dienst und Lohnarbeiter 0.01 0.04 Oeffentlichc Dienste ». freie Berufe 18,01 17,41 Di'ininach waren bei Äsn - Fü'den im Ha nldel 13.23 Prozent tätig, gegen 28.01 Prozent «bei den Nicht'jnden, somit um n-ngefähr 60 «Prozent mehr als bei den Nichts Udon; -dagegen waren chn der I n d >u st r i c und im Gttiveribe bei den Inden 38.19 iProzent, bei den Nichtj-uiden 50.42 Prozent berufstätig; es ergibt sich also in dieser Kategorie beinahe das nmgekcihvte Verhältnis wie in der vorhergehenden; immerhin aber noch eine sehr hohe Zähl, die itt gar keinem Verhältnisse zu dem Anteile der Juden an der GesanchbevMevung steht. Die geringere Auteilnah-me der Juden in der Berufskategorie „Oeffentliche Dienste >un,d freie Ber u f e" (8.62 Prozent gegenüber,14.12 Prozent) ift vor allem darauf zurückzusühven, daß ein großer Teil der Nichijuden ini Staatsdienst steht, .während solche Stellen den Inden fast ganz verschlossen find. Berücksichtigt man diesen Umstand, so ist dierelative Anteilnahme der Juden an den freien Berufen elbeMlls a b n o rm hoch. Aeußerst lehrreich ist die Untersuchung darüber, wieviel von je 100 Bevufskätigen in den einzelnen Berufs- Kassen Männer waren. Hierüber gi»bt die -Tabelle, die folgt, Aufschluß. Bon je 100 Berufstätigen der nebenstehenden Berufsklassen waren Männer: Juden. Nichijuden Land- und Forstwirtschast . . . . 89,40 70,38 Industrie und Gewerbe . . . . 67,64 69,12 Handel und Verkehr ..... 78,43 - 41,88 Oeffentliche Dienste u. freie Berufe 53,33 46,23 im Durchschnitt aller Berufstätigen 72,30 56,99 mem bekannt war; demd. ber alte Heide, der Gutes tat, rein ans des Guten Liebe/' ließ christlich die Linke nicht unssen, was die Rechte tat." . Die Aufzählung der elf Fälle erschöpft aber bei weitem nicht das reiche Material Goethischer Wohltätigkeit, das uns jetzt bekannt ist. Das frühste Beispiel dieser durch das ganze Leben geübten Hilfsbereitschaft bietet Goethes .Leipziger Stubennachbar Limprecht, jener arme, aber fleißige Theologe, von dem Goethe in „Dichtung und Wahrheit" erzählt, daß er sich „durch übermäßiges Lesen bis in die tiefste Dämnrerung, ja sogar, um das wenige Oel zu sparen, bei „Mondenschmi," die Augen verdorben hatte. Goethe unterstützte ihn noch von Straßbnrg aus, anscheinend durch einen regelmäßigen Beitrag. Er schreibt ihm am 13. April 1770: „Lieber Limprecht! Ich zweifle nicht einen Llugenblick, haß Er jetzo Geld brauchen wird; denn es ist mir heute sehr quer eingefallen, Ihm die Louisd'or zu schicken. , Es ist doch mehr als nichts, denk ich, wenn's gleich Nicht viel ist; nehm Er's wenigstens als ein Zeichen an, daß das Vergangene nicht vergessen ist." Limprecht hatte Goethe in seiner Krankheit in Leipzig liebevoll gepflegt. Der arme Kandidat kam später in bessere Verhältuisse. Ein in Goethes Nachlaß erhaltener Brief des Buchhändlers Paul Gotthelf Kummer vom 19. Dezenibcr 1812/des Eottaischen Konrmissionärs in Leipzig, erzählt von Limprechts spÄeremSchick« sat: „Es war mir sehr erfreulich mit einem Schreiben von Ihnen beehpt zu lverden, ich habe immer an Ihrem Befinden den.lebhaftesten Anteil genommen. Als Knabe wucka ich von meinem Lehrherrn Heinsius zu Ihnen geschickt, um mich nach Ihrem Befinden M erkundigen, als Sie, den heftigen Blutstnrz gehabt hatte«, ich fand Ihnen in einer solchen Verfassung, daß ich nicht geglaubt hatte, daß nach länger als 40 Jahren noch an mich schreiben wückenv Ich kann nicht umhin, Ihnen ein paar Worte über denj in ihrem Leben erwähnten Kandidaten, nachherigen M. Limpvecht zu sagen, von dessen ferneren Schicksalen Fhnel', wahrscheinlich weiter nichts bekannt geworden ist; er eckte Wlpcord-Anzug B S120.- Raglan,s 20. HEINRICH WEIHBEREER f. sintferstrafte o iaa Schon die früheren Untevsuchu.ntgLn haben ergeben, daß bei den Juden bedeutend mchr Männer als Fvauen vorhanden sind. Außerdem besteht «bei den Juden noch imimer die alte, allerdings infolge der wickschastlichen Verhältnisse heute immer mehr adneihmenöe Gepflogenheit, daß die jüdische Fvcm-, zumindest nach ihrer .Heirat, seltener einem Berufe nachgeht, als die nLchtjüdvscho Krau. Wähvend also bei den Juden im Durchschnitt aller Bevusstätigen 72.20 Prozent Männer -tvaven, waren es >bei den Nichtsiuden lediglich 46.90 Prozent. lieber die soziale S chi ch t u n g innerhttkb /der einzelnen BerufMassen können wir das Notwendige ans der unt-en angeführten Zusam-menstell'ung lernen. . Von je 100 Berufstühlige-n der nobenstei^mdm Berufsklassen waren: V e, d e n Jude n selbständig -itnsMständig Landnuo Kooftwirtjchaft .... 68,12 " 37,88 .Industrie und Gewerbe .... 38,11 61,99 Hci nidel und Veckehr . 29,52 70,48 Oeffentliche Dienste u. freie Berufe 96,73 4^7 Häusliche Dienste und L-^hniarbeltcr —_100,00 im D-rrckschnstt afftt Bennsstätigen 46,09 64,91 Bei den N i ch t j u 5> e n 'sel'ö'stän-d-rg unsMständig Land-- und Forstw-irlschaft .... 38,45 71^6 Industrie und Gewerbe .... 80,64 69,36 Handel und Verkehr , . . . . 9,76 90.26 OÄsfcrrLlicke Dienste n. freie Berufe 78,90 26,10 Häusliche Dienste und Lohnarbeiter —_100.00 im Durchschnitt aller Berrrfstätig>err WM 71,45 Die Bernfs-klosse mit dem klÄnst-en Anteil an Nicht s e 1 b ft ä n d i g e n i ft unter «den Juden die de-r „Oieffentlichen Dienste und freien Berufe", ganz entgegengesetzt -dem N'vsult>at, das toir bei den Nichtjuden konstatieren können; auch darin liegt eine Verstärbmig unserer schon fi«'i«her gemachtmr Aussührunigen, daß der g'rößte Teil der Juden d!«eser Berufskategovie in freien Berufen, wie als Aerzte, Anwälte, Ingenieure tätig ist, ivo naturgemäß die meisten selbständig sind. Jn der Industrie und im Ge wecke sind bsi den Jud en 38.11 «Pro zent Berufstätige sMstä-ndig. bei den N'lchtj.uiden 30.64 Prozent. Auch daraus läßt sich der Schluß ziehen, daß in dieser Kategorie mehr seWständige Handwerker (Schitster, Schneider, Spengler usw.) vorhand-en sind als Personen, die in der eigentlichen Industrie tätig sind, weil in «den letzteren naturgemäß die Anzahl der Selbständigen -nicht so groß sein kann, wie im Gewerbe. Das schon seit je überall konstatierte Bestreben der Indien^ eine. selbständige Stellung, also eine höhere soziale @htfe zu erlangen, wird durch die oben angeführten Ta>bellen vollkommen bestätigt. Ini Durchschnitt aller Berufstätigen loa von bei «den Juden 45.09 Prozent selbständig, währcmd es bei den Nichdj>uden 28.56 Prozant waren; es gab also -nm zirka 40 Prozent weniger Selbstän'dige bei den IÜ«chtjuden, als voll der Witwe, bei tvelcher er wohnte, einen ansehnlichen Anteil an dem Srllzbergrschen Haiirs^ in der Grimmische» Gasse und durch mehrere Glückssällenmd Eckschjaften konnte er endlich dieses ganze gwße Haus au sich kaufen, welche« er aber bei zunehmendem Mer, gerade zu der Zeit, als die Häuser hier in hohem Werte starcken, um L(aubthlr.) 13.000 -teurer wieder verkaufte und so komrte er ein sW j^mächlich Leben führen. Er stack erst diesen!Monat September, es tat nur leid, daß er nicht den zweiten iDeil Ihres Lebens noch zu lesen, bekam. Ich hqtte mein Gewölbt, und Wvhmmg in seinem Hause, da er mir denn sehr oft Von 'Ihnen erzählte Und alles mit Begierde las, was von Ihnen erschien." In ganz hervorragender Weise hat Goethes Frankfurter Landsmann Maximilian Muger Goethes Wohltätigkeit erfahren. Es hat sich das Fragment eines Briefes hon ihm an Lenz erhalten, das Lenz für Frau Stein« .abgeschrieben hat. Darin erzählt Klinger Von seiner entbehr rungsreichen ^Jugend, wie es die Mutter aber doch erreicht habe, ihn in die Lateinschule zu schicken. Dann heißt es: „Nun. wollte ich auf Akademien gehe«, hatte aber keine 100' Grrlden. Ich tvack mit Goethe bekannt. Das tvar die erste frohe Stunde meiner Jugend. Er bot mir seine Hrlfa an. «Ich sagte nicht alles Und ging so, tveil ich lieber sterben wollte, als unveckient was annelstneu. Me 1-00 Gulden waren bald all. Dev große Goethe drang in «mich, nmHe mir Borwürfe, und nun leb' ich schon ein ganzes Jah'v Von seiner Güte. €' Lenz, ich bin Ihnen nicht verächtlich? «Ich wäre tausendmal lieber geworben, kann ich Ihnen sagen, was michs kostete. Aber Goethe! O, weim ich seiner'wert würde! Wenn ich ihm erstatten könnte, wiift froh zu stecken!" Unter die Abschrift hat Lenz geschrieben: ,Lassen Sie Goothen nicht merken, gnädige Fra«, daß ich Ihnen das verraten habe." Goethe emMchl Klinger an seinen Freund, den Professor der JUrisprndeNz Höpftwr in Gießen: „Lieber Höpfner, da schick ich Euch einen Frarrkfuvter, der ein braver Mensch ist, wie Wr ihm «Wen müßt. Er ist Eures Beistandes wert, und er Hcharf fSn.