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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-29 · Heft 2757 (29.10.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2757 (29.10.1926)
Date
1926-10-29
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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SevbeS Men, FpMrg Vvk . 2787 Nur Botschaft Muffolinis an die Schwarzhemden. Mt. der lalchWchen Aedolntkon. — Sk Periode des Glanze». Dienstag, den 2. November 1926, findet um halb 3 (Ihr abends in den Ölympiasälen, I., Rothgasse, ein Zioaftlstffsclies «» PfiasseaameeMlng statt Redner: Herr Oberrabiner Dr. H. P. CHflJES, Mitglied des Zionistischen Aktionskomitees, Herr Rechtsanwalt Df. FELIX ROSENBLÜTH, Mitglied der Zionistischen Exekutive, Herr M. D. GROSS, Misrachi, Herr Dr. HEINRICH GLANZ, Poale Zion, Herr SflUL WEINREB, Hltachduth. Es kommen wichtige Probleme des Zionismus r«r Sprache Regiebeitrag 1 Schilling gggg—//.i nimmm Böttifch und international —y Men, 29. Oktober 1S26. Am Mittwoch Hat ein braver Forstarbeiter, der der sozialdemokratischen Partei als Mgcordnetcr angehört, iin Nationalrat einen Artikel seines Zentralorgans auslvendig anfgesagt. Der Mann hat ein gutes Gedächtnis und ist auch sonst gesimrungs-tüchtig, so daß seine Jungfernrede vor dem hohen Hause ihm viel Beifall mtb Häirdeklatschen brachte. Wir haben diese Rede gestern mitgeteilt, und ztvar genau nach dem anrtlichen Bericht. Es ist nicht unnötig, dies zu vermerken, denn die, sagen wir, interessanten Ausführungen sind vott der Wiener Presse unterdrückt worden. Es war doch gegen jiidische Gutsbesitzer aus der Tschechoslowakei eine-Anklage erhoben worden, die neu in ihrer Art ist, und deshalb kriegten es die Judenblätter wieder einmal mit der Angst. Das sozialdemokratische Zeucralorg.m strich diesen aus die Juden bezüglichen Teil und reduzierte den Herrn Schnceberger, eben jenen Forstarbeiter, auf eine sehr scharf sachliche Betrachtung. Das christlichsoziale Negierungsorgan fand den Antisemitismus etwas seltsam und nahm die mit Namen genannten G'ntsbesitzer in Schutz, da sie „nachgenn-senermaßM für die Erhaltung des Deutschtums in den bekannten Gebieten große materielle Opfer gebracht und ihre Gesinnung durch die Tat jedenfalls und unvergleichlich besser bewiesen haben als die heut-gelt Schreier aus den Bänken der -Opposition." Das ist nicht hübsch von dem christlichsozialen Blatt, daß es derartige Kritik übt. Sie ist ungerecht und der,, österreichischen Sozialdemokratie darf man Mangel an nationalistischen Gefühlen nicht vorwerfen. Wir wünschen uns aber irr diesen Streit nicht einzumengen. Wir Konstatieren lrnr, daß sich die beiden Zentralorgane Um die Juden balgen, und daß ihre Rauferei je intensiver wird, fe näher die Neuwahlen kommen. Die Unterha'ltung wird mit jedem Tagelauter und sie eriveist, daß die beiden Zentralorgane recht eingehend mit der Sanierung beschäftigt sind. Sie besteht darin, daß die antisemitische Glocke geläutet witt», und daß jeden Tag irgend etwas neues dieser Märke in die so ausgiebige Schnmtzwasche gerät. Alle moralischen Energien sirch aufgebvten, alle Phantasie kreist um die Synagoge. Wie immer ist die Sozialdemokratie auf diesem Gebiet .beispielgebend. Sie hat entdeckt (und durch ihren Schneeberger hersagen lassen), daß erstens der nationale Charakter von Groß-sieh-dich-für in Niederösterreich bedroht ist, daß .zweitens tschechische Juden tschechische Expansion betreiben und Güter.kaufen, und daß. sie drittens slowallsche Arbeiter .'beschäftigen. Die.Antwort des Ministers für soziale Verwaltung ließ diese dritte Beschwerde sofort als unberechtigt erkennen, da für. die Anbau- und Erntearbeiien keine inländischen Arbeiter zur Verfügung stehen. Der Forstarbeiter warf hier, ein: „Darüber besteht kein Streit!" Wenn er das früher bedacht hätte, so hätte er sich das Auswendiglernen ersparen können. -Für Beschwerde zwei wurde kein Beweis, geführt, es sei denn der, daß eben. Juden Boden kaufen. Das ist aber für die deutsche Sozialdemokratie das. rote Tuch. Für. sie ist es eine selbstverständliche Angelegenheit, daß der Jude pauperisiert wird, daß er in die Großstadt wandert und dort, wenn er nicht vom Er- - laß des Herrn Sever derglengt werden will, treue Stimm- und Wahlgefvlgschaft für die Sozialdemokratie zu leisten hat. Der jüdische Bodeubefitzer ist eine Durchlöcherung des völkischen Programms dieser Partei, die ihre programmatische Stellung schon seinerzeit beim Wiederbesiedlungsgesetz ausgedrückt hat, als sie dafür stimmte, daß für die Vergebung des' Bodens..nur Personen deutscher Abstammung in Frage kommen können. .... Und da nun jüdisches Kapital aus dem Ausland kommt, hier produktive Arbeit und Beschäftigung schafft, so begibt sich das Zentralorgan allsogleich auf die Wacht am Rhein. Wie könnte es denn besser seine nationale Gesinnung, seine bodenständige Sitte und seim arische Mimikry LÄveisen, wie könnte es besser auf die Instinkte der Wähler wirken, als indem es Juden und Tschechen zu einer gefährlichen Einheit verbindet? Und wie könnte es die Wahlkampagne besser einleiten, als indem es sich her völkischen Garde ans'* ließt? Nebenbei bemerkt zeigt sich aud) in diesem Falle die Tragik des jüdischen Äbens. Diese jüdischen Gutsbesitzer sind in der Tschechoslowakei durch die nationalistisch-tschechische Bodenreform in Schaden gesetzt worden. Drühen gelten die Juden sämtlich als Deutsche. Sie tragen nun ihre Arbeitsweise, ihren Schaffensdrang und nicht zuletzt ihr Geld nach Oesterreich Hier aber denunziert sie das Zentralorgan der deutschen Sozialdemokraten sofort als Tfthechisiever. Ätnti, 28. Oktober (Stefam). Die heute hoi den Festlichkeiten, die in gang Italien anläßlich -des Jahrestages der faschistischen Revolution statigefunLen haben, von den Mitgliedern im Regierung und «den faschistischen Führern verlesene Botschaft Mussolinis hat folgeivden Worttaiut: „Schwarzhemden! Die Feier des vierten Jaihvestages des Marsches nach Rom fmLet das Regime in einer getva'ltigen <Äell«uny der Macht im Innern und des Ansehens in der WÄt. Sämtliche Kräfte des Regimes von der Regierung vis zur Partei, von der Miliz bis> zu den Gewerkschaften, von den Kräften der Jugend bis 31t jenen der Kultur stehen m einer iPeriodedes Glanzes. Das Regime ist f e st wie ein G r a n i t f e I s e n, gegen den d've Rachsucht der Mgesetzten, die Verschwörung der Verbrecher und die Verlenndung der Ohnmächtigen vergeblich ist. Das Regime hat in 'dem Jahve vom 28. Oktober 1926 bis zum 26. Oktober 1936 die -unerschütterlichen Grundsteine -seines Baues gelegt und ist mit dar gesamten Nation eins geworden. In dm .gegenwärtigien Zeniten verläuft das Leben dvr Jnvidum und der Völker allzu rasch,.aber es ist heute notwendig, einen kurzen Halt zu machen, wie bei einer Etappe, eines noch 'lanigm Marsches, um die im Laufe eines einzigen Jahres geleistete Arbeit ins Ge- 'dächtnis zu rufm. Ich erkläre ohne jeden Schatten von Rhetorik, daß der Umfang dieser Arbeit imposant ist. Die Tätigkeit des Regimes hat sich a n f allen G ebieten des nationalen Wirkens belobend geltend gemacht. In der Politik hat dos Regime in wenigen Monaten einige grundsätzliche Forderungen unserer Lehre durch 'Gesetze verwirklicht. Ich erinnere an die Schaffung de s'Gnbe rni u ms von Rom, das der Hauptstadt mdlich jene Priorität gegeben hat, «die ihr historisch und ihrem Ursprung nach gebührt." Die Botschaft beschäftigt sich sodann mit dem AuSwawderungSwese» sowre mit 'der Entwicklung der Kolonien, in welchen taus-mide Schwarzhemden mit «der Waffe ober. als friedlich; Pioniere tätig sind, und schließt nach einem Hinweis auf die Beziehungen zu den iiibrigen Staaten: Die Parole für -die Partei, für -die Miliz, für die Gewerk- Untersuchung gegen Bekeffy. Forda gegen eine Kaution von 69.000 Schilling Ms der Hast entlassen. Wie wir erfahren, ist gegen den früheren Ehesredak teur der. „Stunde" Emmerich Bekessy die gerichtliche Untersuchung wegen Verdachtes der Erpressung eingeleitet worden. . Die schon seinerzeit beim Straflandesgericht 1 geführten Erhebungen hatten bisher keine Grundlage zur Einleitung eines solchen Verfahrens ergeben. Nun hat wie das „Neue Wiener Abendblatt" meldet, ein Faktum das in jüngster Zeit der Staatsanwaltschaft zur Kenntnis gekommen ist, den'Anlaß zur Durchführung dieses Verfahrens geboten. Bekessy befindet sich schon seit längerer Zeit in Paris und ist dort kürzlich wegen eines schweren Nierenleidens operiert worden. Der frühere Abministrationschef des „Kronos"-Verlages, Eugen Forda, der unter dem Verdachte der Erpressung in Haft war, ist vorgestern auf freien Fuß gesetzt worden. Forda hat die von der Ratskamnrer wegen Fluchtgefahr geforderte Kaution von 60.000 Schilling erlegt. Bekanntlich hat die Ratskammer auch die Enthaftung O'Brie ns gegen Erlag einer hohen Kaution bewilligt, doch hat O'Brien bisher die nötige Sumnre noch nicht aufgebrack Dar sozialislerle Arsenal. Abgeordneter Kunschak bestreitet die Gegenoffensive gegen die Sozialdemokraten, idie sich ihr AngrifsÄmaterval audem Zewro'lbankunters'uchungsousschpß holen, jetzt mit Angaben des ehemaligem HauptvertrouenSmcmnes «der ArsenMrb erberschaft Steiner. Der gememwirtschaiftlichen Anstalt wurden, wie Ku«nsch a k in zwei Persaimim'lungon nach Steine r zitierte, vom Bmrde 160 Gebäude auch ehr Grundbesitz von 657.386 Quadratmeter sowie.die sämtlichon im Avsenai befiMiichen Maschinen, Rohstoffe, Halb- und Fertigfabrikate im Werte von über 360 Millionen Gold krönen.ober vund 8K Bi ll ronen Papiertronen überlassen. Der Bund hat außerdem über 70 M i 11 i 0 n e n Barkredit Mebe-n. Heute stellt das Arsenal pvoduktions- und finangpolttisch eine Ruine dar. In der WaffönaHteilung wurden Pistolen erzeugt. Hauptabnehmer dieser Pistolen war der Republikanische Schutzbmvd, dem sie um dem Dr^chschniftspreis von 6 Schilling per Stück verkauft wurden, während schäften ist ein und ÄiesMe: Disziplin, Emtvacht, pMti'sche und moMische UnnachgiebigkLÜt. Nach Acndevuug der Gesetze müssen wir die Sitten reformieren. Die Reste des alten, Keinen, denwkratlsch-'liberal'en Jtaliieit müssen erbarmungslos ans den G emlüte-rn entfernt und ftir immer vernichtet werden. Alle, die sich von jener alten Krankheit befalleil zeigen, müssen aus >uns'ereu Reihen enitferitt werden Heuite noch -vre vor vier Iah reu steht Ihr zu hunderttallsenden in Waffen. Eure Bajonette schützen nicht nur >das Regime, sondern das ganze italienische Volk. Dieses unser Regime ist — ich fühle es —unverletzlich trotz aller -menWichen WechsÄfälle. Der Welt muß die Wahrheit verkündet werden: Die faschistische Revolution, die das moralische Gut des italienischen Volkes geworden ist, ivivd Italien in jeder Weise -nnd allerorts und «gegen jodet: großmachen. Auf dem wirtschaftlichen und sozialen Gebiete sei dew Faschismus erneuernd und erlösend vorgc-gangen. Die Botschaft verweist Labei aus d.ie großartige Entlvicklung der öfsontlichen Arbeiten, 'insbesondere in Südiw'lien. Die 'italienische Handelsflotte nehme nnter den j europäischen Flotten den zweiten rend nnter den Motten der Welt den Viett-vn Rang ein. Unter den Meli 0rüt'i 0 n sar >b e i t e n sei insbesonders die T r o kk e n l e g n n g d «e r P 0 n t i n i 's ch e n S iü m P f e hervorguheben. Die' Degststernnig der landwirtschastlichen Bevölkerung ftir die vom Fasckjismns organisierte Getremesch'lacht nehme ständig zu. Die 60 Millionen Zentner betragende Ernte zeige, daß der Sieg in dieser Schlacht erreicht wenden wird. Die Botschaft verweist sodann ans die finanzielleir Maßiw-Hmen. Die Lira werde 'hartnäckig vereidigt worden. * Diese Botschaft Mussolims erhält einen eigentümlichen Beigeschurack dadurch, daß der Kammer zur gleichen . Zeit ovn Bericht über die Aus Wanderung .. .a iti ItaI't« n. vorgelegt wurde, die sthl hauptsächlich mach Zentraliaimersika nnd Australien wendet. sich die Erzeug'ungskosten einer Pistole auf 3H Schilling stellten. Der Betrieb hat sonach bei dem Pistolengeschäst mit dom ReprMiikan'i'schen Schutzbund 30 S ch i 1 l i n.g per Stück an Selbstkosten verloren. Die Rechlshrattikanten verlange« Vas Gehalts- Minimum der Beamten. Eine Deputation der Rechtspraktikanten überreichte . gestern dem Viz-ekansler D r. D i n g h 0 f e r ein M emorandnm, in dem unter anderem gefordert wird, man möge ihnen zunächst das für die Bnndesangestellten vorgesehene Mindestgehalt gewähren. D r. Ding Hof er versprach, er wer^de alles daransetzen, um den jungen Juristen ihre Situation zn erleichtern. Er hoffe, schon in der kürzesten Zeit die Vertreter der Rechtspraktikanten m mevitorischen Vorhandl-uinigen einladen zu können. Generalversammlung der rkonistischen Sektion Landstraße. Aut Samstag, den 2. Oktober, fand die oi-^Sjährige ordentliche Generalversammlung statt, die sehr zahl-- reich besucht war. Der Vorsitzende, Herr Dr. Schisfmann, erstattete den Jahresbericht und konstatierte, daß die Sektion, trotz der nicht einheitlichen Gesamtorganisation und der damit verbundenen Schwierigkeiten auf eine erfolgreiche Arbeit zurückblicken kann, nur in der Arbeit für die Jugenderziehung, ftir die Verbreitung der hebräischen Sprache nnd für die Heranziehung der jüdischen Frau konnte der gewünschte Erfolg nicht erreicht werden. Dagegen llrlar die allwöchentliche Veranstaltung von Tischaesellschastsabenden, an denen Männer aller Bemfe und Geistesrichtungen zum' Worte kamen, dem Zusamenhang unter den Mitgliedern und Freunden der Saclie fördernd und erhaltend. Auch an allen größeren Aktionen der Organisation hat di- Sektion regen Anteil genonrnren. Durch Veranstaltung von GesettschaftSavenden und würdiger Föier der jübischen Festtage kamen sich die Mitglieder auch gesellschastliä) rräher. Me Tätigkeit für den Keren Kajemech und Keren Hajessod bewegte sich im Rahmen des vorangegangenen. Jahres. Hierauf erstattete Herr Wechsberg ven Kassabericht, aus dem yervorgeht, daß trotz eines Ausgabeetats von beinahe 2850 Gänllingen noch eine aktive Bilanz der Generaldersannnlung vorgelegt werden kann. Die Versammlung etteilre hierauf ohne Debatte sowohl dew Ausschuß, als auch insbesondere dem rührigen Mitglied desselben, Herrn Dr. S e i d n e r, den Dank und das Absolutortum. Aus Vorscl)lag des abtretenden Ausschusses wurde hieraus zunk Vorsitzenden, Herr Bruno Nabinowitzzum Stellvertreter Herr Dr. Seidner, zum Kassier §err We ch s b e r g und zu Beisitzern Iran Schwitzer lind err G l 0 g a u gewählt. \

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