Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2756 (28.10.1926)
- Date
- 1926-10-28
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2979076-2981549-2981843--27994-3015986- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. SM Mm, DomrerSkas Et abarflüflAlt durch sein Renommee, seine riesige Wirkung der echte DIAN A- FRANZBRANNTWCIK HIT MBNTM0I. sämtliche ausländischen Erzeugnisse und Hausmittel A» NarvosIMH und Koprschmarien Leidende wenden m eine Massage an, um sich zu erfriseften und Ihre ermüdend Tdgesarbeit fortsetzen zu können. Ueberall erhaiillch. Ae „ . / “ des Judentums". Von Dr. Nah um Goldmarm. Herr Tr. Nahum. Goldman«, der aemeinjlanr mit Dr. Jakob Klatzkin für einige Tage nach Wien gekommen ist, macht einem unserer Mitarbeiter die folgenden Mitteklungen, über die von den genannten Herren geleitete „Enzyklopädie des Judentums" : Die Enzyklopädie des Judentums soll in drei Sprachen erscheinen: deutsch, hebräisch und teiltveise auch englisch. Die deutsche und die hebräische Ausgabe werden je 15 Bände zu zirka 700 Seiten pro Band enthalten, die englische Ausgabe ist als Ergänzung zu der vor 86 Jahren in Amerika erschienenen „Jewish Encykkopedia" gedacht und wich zirka vier bis fünf Bände umfassen. Die Notwendigkeit einer treuen jüdischen Enzyklopädie wich schon seit v'ielen'Jahren von allen jüdischm Gelehrten und auch von der jüdischen Oeffentlichkeit lebhaft empfunden. Die alte „Jewish Encyklopedra" hat alle Mängel eines erstmaliger: Berfrlches ltnd ist außerdem sowohl was viele Ergebnisse der jüdischen Forschungen der letzten 26 Jahre betrifft, als arrch insbesondere hinsichtlich der Darstellung des modemen Judentums seit langem liberholt und veraltet. Zudem ist sie irr sehr vielen Angaben ungenau und unvollständig. Das Stichwörterverzeichnis der neuen Enzyklopädie en'thält mehr als doppelt so viele Artikel, als die „Jewish Encyklopedra" besitzt. Mit den Dorbereitrlngen zur neuen Enzyklopädie wuchs vor drei Jahren begonnen. In Berlin arbeitet ein Redaktionsstab, bestehend aus 14 bekannten, jüdischen Gelehrten, U, a. Prof. Ellbogen, Prof. Gotthold Weil, Dr. Tvrczyner, Dr. Wischnitzer, Prof. Guttmann in Breslau und andere mehr. Die Zahl der 'Mitarbeiter, zu denen all« bedeutenden jüdischen Gelehrten und ancheme große Zahl von nrchtjüdischen Forschern gehören, beträgt zirka 200. Nach dreijähriger Arbeit ist das Werk so weit gediehen, daß nunmehr mit der Drucklegung des ersten Bandes begonnen werden kann. Das ganze Werk soll in zirka zehn Jahren erscheinen. Eine der amerikanischen Eigenarten der Neuen Enzyklopädie wich darin bestehen, daß sie neben den tausendesa einzelnen Artikeln auch systematische Astonographim eMMen wird, in denen die Grunderscheiirungea: der jüdische,r Geschichte irr der Gegenwart im Zusammenhang dargestellt sein werden. Diese Monographien werden auch sepamt erscheinen. Was die finanzielle Organisation der Enzyklopädie betrifft, so ist es klar, daß große. Summen notwendig sind, insgesamt zirka zwei Millionen Mark. Nm dieses Geld auszubringen, haben sich in den verschied, um Ländern Komitees gebildet, denen führende jüdische Persönlichkeiten aller Richtungen angehören. Solche Komitees bestehen in Frankreich, England, Hollmid, in der 'Schweiz und in Amerika- Ein großer Teil der notwendigen "Summe "ist bereits gesichert durch die Uebernahme von Anteilscheinen seitens jüdischer Financiers, großer jüdischer Gemeinden, Logen usiv. IJn Deutschland allein sind bisher Über 200,000 Mark für das Werk aufgebracht worden. Ich war mit Dr. Klatzkin im letzten Frühjahr in Amerika, wo es uns gleichfalls gelungen ist, größere Beträge für das Werk zu erhalten. Ich werde noch in diesem! Winter gemeinsam nnt Dr. Svkolow, der Geuevalsekretär der Enzyklopädie ist, wieder nach Amerika fahren» nm die Aktion zn Ende zu führen. Das im Sommer erschienene Probeheft, das ausgewählte Artikel aus den verschied neu Gebieten enthält, hat in der jüdischen, wie auch in dev großen nichtMisch n Presse sehr lebhafte Beachtung und Anerkennung gefunden. . Ich bin gegenwärtig in Wien, nm auch hier einige führende jüdische Persönlichkeiten für das Unternehmen zu interessieren. GS ist nnö bereits gelungen, Baron Louis Rothschild dafür zu gewinnen und wir hoffen, daß noch eine Anzahl von anderen Herren sich an der Förderung dieses großen Werkes aktiv b.telligen werden. Der Sinn des Merkes ist, die gesamte zerstreute jüdische Literatur in den verschiedenen Sprachen rntd Ms bm verschiedenen Jahrhunderten zu sammeln und in einem autoritativen Objekt in unbedingt zuverlässiger Form die Gesamtergebnisse der jüdischen Kultur und Wissenschaft der großen jüdischen und nichtjüdischen Oeffentlichkeit zu übermitteln. Gerade in diesen Jahren, in denen die Judenfrage aktueller geworden ist denn je, ist das Erscheinen eines solchen Werkes, das'erst wirklich den Zugang zur jüdischen Kultur- und GeisteSgescb'chte vernutwln wird, unabweisbare Notwendigkeit geworden. 'Nach den bisherigen "Erfahrungen zweifle ich nicht daran, daß es uns geliirgen wird, das Werk zu Ende zu führen und damit einem großen, seit 'Jahrzehnten empfmldonen "Bedürfnis zn gmügett. ♦ötenw wi9rgen3etmng 28. Oktober IW8 Sekte« Si» salimualichtt llrleil. Ei« HM« Begrvenhett mrs dem alten RikolSVttrg. Bon Dr. Bertholb HM«. Nicht immer tragen die Erzählungen und Legenden, die um die Gestalt des Wundermannes Mottche Wenett aus NikolSburg emporranken, den düstern, übersinnlichen Charakter. Manche ist darunter, die «ns mit ihrem unversöhnlichen Humor anlacht. Es liegt ein Stück Heues unverwüstlichen Optimismus darin, der das Volk, dem Mottche Benett angehörte, durch die Flucht der Jahrhunderte begleitete. Mit viel Behagen erzählt bte Ueverlieferung von einem sonderbaren Kauz, der damals als Mottche Benett lebte, seinen Unterhalt dadurch fand, daß er durch 'die Gassen der Judenstadt lief und auf einer riesigen -Eisenpfanne Gänsegriefen zum Verkauf anbot. Viele vorzügliche Gaben dürfte dieser sonst ehrerrwerte Mann gehabt haben, vielleicht war er ein ausgezeichneter Familienvater, ein liebender Sohn, vielleicht sogar ein Frommer,?der irr den Pfaden Gottes wandelte- Aber eine Gabe war ihm sicherlich versagt, die des schnellen und sicheren Rechnens. Was aber verschlug das, wem: Man sich.mir »zu Helfer: verstand? Er besiegte die böse Mathematika «dadurch, daß er zu jedem Häufchen Griefen, das er -verkaufte, auch gleich den gelösten Betrag hinlegte. Das ^ergab dann eine einfache Rechnung. Es wäre alles recht schön gewesen, wenn es «nicht Menschen gegeben hätte, die angehäufte kleine Münzen nicht seherr können. Ich rneine damit die verehrlichen Mitglieder der langfingrigen Zunft. Während unser Kauz die Straßen auf und ab' Iföef und fleißig Häufchen neben Häufchen legte, da tauchte aus dem Dunkel eitler Seitengasse ein Manu guf, dem es ebenso fleißig iit den Fingern juckte. Um »das Jucken loszuwerden, trat er au unfern sonderbaren Kauz heran und strich mit einer kühnen Bewegung seiner jHand isämtliche Häufchen von Münzen ein. Dann juckterr ihn zlvar nicht mehr dis Finger, «aber nur so stärker die Füße voll dem gewaltigen Galopp, der rrotwendig war, um seine Beute in Sicherheit fcu Dringen. Der arme Bestohlene jagte ihm' nach und &8 gelang Hm, seiner habhaft zu werden. , Der Dieb setzte die unbefangenste Mine der Mett auf, die er beibehtelt, als beide vor den Richterstuhl ,R-eb Mottches traten. j Dieser ließ sich die ganze Angelegenheit vortragen, hörte, überlegen seinen langen Bart streichend, sowohl dem Kläger als auch dem Angeklagten zu, fragte dann den letzteren, ob er irgerch ein Geld in der Tasche hätte. Worauf dieser mit großartiger Gleichmut ein paar Münzen hervorhylte. Dabei erklärte er mit einer Sicherheit, die einem wrr ein gutes Gewissen gibt, er hätte das Gelb auf ehrliche Weise, und zwar durch den günstigen Verkauf von Korn verdient. Der Rabbi hörte aufmerksam zu, ließ sich tzocher durch das Gejammer des Klägers, noch die illnschuldsbetenerungen des Angeklagten ans seinem Gleichmut bringen, sondern rief seinen Diener zu: „Perez, Dring mir ein Glas Wasser!" Ms der Diener das Geforderte gebracht hatte, ersuchte er den Angeklagten, näher zu treten. Als dies geschehen war, sagte er ruhig: „Mein Sohn «tu die Münzen in das Wasser!" Diesem Befehle wurde nichtsahnend entsprochen, aber ebenso nichtsahnend stieg in dem Wasser ein iFettauge nach dem andernauf, daß bald das 'ganze Wässer das Aussehen einer Fettsnppe bekam. Darauf stellte der weise Richter dem Angeklagten die lustige Frage: „Seit wann ist Korn fett? Seit wann kann man aus Korn eine Fettsuppe bereiten?!" v Ms der Dich sah, daß er überführt sei, bekannte er reuig seine Tat, Übergab das gestohlene Geld dem »Rabbi und gelobte Besserung. Dieser aber sagte mit einem feinen Lächeln: „Wen« einer nicht rechnen rann, so folgt noch lange nicht daraus, daß ein anderer stehlen muß!" «nsimdims Kr schwache Herzenr Das Herzhormon. Aus Innsbruck wird gemeldet: Der außerordentliche Professor der Physiologie an der hiesigen Universität Dr. Haberlandt hielt im naturwissenschaftlichmedizinischen Verein einen Vorträg' über säne in den letzten Jahren ausgeführten Untersuchungen über das von ihm entdeckte Herzhormon, einen Erregungsstoff, der in Fwschhorzen pulsMslösend, pulsbeschleunigend und pulsverstärkend wirkt. Die tvetteren Untersuchungen ergaben, daß der Erregungsstoff den Herzschlag auszulösen und auch zu unterhalten vermag. Der SW ist also in gewissem Sinne als die Ursache der Herzbewegung zu betrachten. Vollkommen schkaglose Froschherzen, die bereits zwei bis dreieinhalb Tage Ms dem TMörper entfernt waren, begannen »vieder zu Wägen, wenn man ihnen eine Lösung dieses Stoffes zuführte. Die Entdeckung des Herzerrequngsstoffes kann hr Zukunft für die praktische Heilkunde von Blutung werden, wenn es der Technik gelingt ihn in genügender Menge und Reinheit, etwa aus %n Herzen großer Schlachthaustiere, zu gewinnen. Es tvürde damit die Therapie der Herzkrankheiten auf eine neue Bahn gelenkt werden. Sie Setllttsenma hei Sentialfianfmoia. tttiMM. Haftbanirachuiig der Derwattungsrätc. Im Fmonza-usschutz des Natiorralmtes wunde gestern beschlossen, die Pcwagmpihe 4, 6 -und 0 des Zentralbankgesetzes in ihrer Wirksamkeit bis z u nt 30. N o* üerntet zu erstreckett. Die Pamgraphe 4 mb 5 eMMten die Vestimmnnyen iiber das Morato v t» nt, der Pavagmph 9 die Ermächtigung an die Regie rung aus den Mitteln «des Bundes die Feylbeträge zur Bezahlung der fälligen Gehalte, jPenstonen und Mferchigungen und anderer Regien zur Verfügung zu stellen. Das Gesetz wird heute noch vom Mttionalvat angenommen werden. Mit der ZoniravbcmkaMre deschästvgke sich gestern auch eine Konferenz, an der die Mtgli>e«der der Regierung und der Vorstand des fozialdsmokratrschen Klubs teilnahmen. Hinsichtlich 'der Haltbarmachung der V e r w a l t u n g s r ä t e nach dem B a n k e n h a ftungsgesetz wurde festgestellt, ldatz die GntscheiiduUlg hierüber dem Ku>ratorium zuftehe. Die Regierung erklärt, daß sie die E n t s ch e i d rr u g des K u r ato r iu m s nicht zu bee infIuffe n beabs i ch 1 i g e. Statt des zum LandesHauptmamr von Steiermark gewählten Abgeordneten Dr. Gürtler hat der Nationalrat gestern den Abgeordneten Heini in den Zentto^ bank-UntersuchrmgsaiuKschuß entsendet. „Die Reinigtrug." Graz, 27. Oktober. Die steiermärkische Landesre-- gievung 'hat in ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, gegen Hofrat Hans Schüller und Rochnungsdirektor Hans Stradner wegen 'der anläßlich der Untersuchung des Zentrakbanvausschusses gegen sie erhoberren BeschnVdigungen über ihr Ersuchen die Disziplinarnntersuch n n g einzuleitsn und sie bis zu Ende deses Jahres zu bourlauben. Ferner wurde dem gleichen Ansiuchen der übrigen Beamten, gegen die im ZentralbankanAschrch Anwür?fe erhoben wurden, gleichfalls stattgsgeben. Dar Arbeitsvrogramm des Ratlonalrate». Auf Einladung des Bundeskanzlers fand gestern »ach der Haussitzung des Nattonqlrates eine Bespreäiung zwischen der BundeSreareruna Präsidium des BerbMdes der sozial-demokratischen Mgeordneten statt. Zunächst wurde das Arbeitsprogramm des Natronalrates für die nächste Zeit erörtert. Die «Regierung iiviltje mit, daß der Bundesvorauschlag in der heutigen Sitzung des Natronalrates eingehracht werden ivird; »außerdem beabsichttgt die Regierung, die 9. Novelle zunü pW valideneutschädigungsgesetzrn bet nächste!: Woche einzubringen. Die Regierung rrrgierte die parlanrentarische VerhaMung des Gesetzes über die K o st e rr d e ck um g de r. Arbeitslosenversiche rung, des Soldatenversorgungsgesetzes, einiger dem ParlameMe schon vorliegender Schulgesetze und des Gesetzes Wer sdas Jugendstrafrecht. Die eVvtreter des soziäldemokrcrtkschen Verbandes sprachen den Wrrnsch Ms, daß die Paoteienverhandlungen über die Arbeiterversicherung, die Angestelltenversichemng tmd das Krankassen-OrgMisationsgesetz ehestens wiederMfge- ' uommen werden. Die Verhandlungen über die Anyestelltenversicherung beginrren heute, die über die Mers- und Invalidenversicherung der Arbeiter und über das Krankenkassen-OrgMisationsgesetz werden für die nächste Woche in Aussicht genommen. Ferner wurde vereinbart, daßMchstv Woche der Unterausschuß zur BeratMV des PtWMassen- Gesch'es zusammenitritt'. Sttettgesahr bei der Wiener Freiwilligen Rettnngsgesellschast. Bei her Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschaft ist, wie uns mitgeteilt wird, «ine Streikbewegung der Chauffeure und Sanitätsgehilfen ausgebrochen, die sich in erster Linie gegen den Chefarzt Obermedizinalrat Dr. L amberg richtet. i Dr. Lamberg hat nämlich verfügt, daß die Sanitätsgehilfen an ihrem Ruhetag einen Samariterkuvs besuchen müssen, wobei ev angedroht hat, bei einer Weigerung mit Disziplinarstrafen Vorzuges Hiezu wird uns von der Leitung der RettungsgefeUschaft folgendes nntgeteilt: Nach den neuen, im Jahve ^988 erlassenen Dienstvorschriften, welche im Einvermhmen mit den Betriebsräten beschlossen worden sind, besteht jfür die Sanitätsgehilfen die Verpflichtung, einmal im Jahre an einem in dev Gesellschaft abznhaltenden Kurse für erste Hilfe an dienstfreien Tagen teilzunehmen» das ist an acht Tagen zu je zwei Stunden. Es ist klar, daß diese Verfügung nur zur besser en Ausbrldung der Sanitätsgehilfen und im Interesse der Bevölkerung getroffen wurde, wenn auch bei jeder Intervention ein Arzt anwesend ist. Drei Sanitätsgehilfen haben sich geweigert, an dem eben vegonueiteu Samariterkurse teilzunehinen. Zur Wahrung dev Disziplin hat nun der VettHltMsMsschuß den Beschluß gefaßt, gegen die drei SaniMgehilfen das tD-sziplinarverfah ren einzuleiten. Dieser Beschluß wurde mit der Androhung des Streikes beantwortet. Zur Beilegung dev Differenzen finden zwischen dem Präsidium der Gesellschaft und der .Gewerkschaft V erhan-dl nngeu statt. ^97564