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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-27 · Heft 2755 (27.10.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2755 (27.10.1926)
Date
1926-10-27
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Wien. Mittwoch Wistter Morgsuzsikung 27. Oftofior 1926 Bette n T WWWVW>W>GW»M>WlWW>».lM^M»««W»»»MW»»M>M»W>>W>WW>WWW>>W>>WWWWWWWW II w ii ml.Ml K1»»> » ■m<n ril l < ■«is#uWL«.*wmWiini'i JÜDISCHE WEIT Wie Amerika sie Mische« Wanderer dehavdett. Mir berichteten bereis tvre.derho-lt über >die NeueinDhmmg der Erteilurig der Reisevi-sa für A u s w a n d er et nach A ut c r ft B ct. Das antcrifcursche EitnvanÄevuugsamt hat in den wichtigsten europäischen AuAwandevmtgszen'lren a-nf Gmmd vorheriger Abmachun-gen mit den bet reffe irden Rog'ievmMn eig-erre Korrtrolltornrniss-ionen staibl'ievt, so m Warschau, Berlin, .Hamburg, Bremen, Köln, Stuttgart, Kopenhagen, Bergen, Oslo, Stockholm mb Göteborg. Diesen Kommissionen obliegt die Aufgabe, fcfo rnMM'ische und juribische Kontrolle der Atrswanid-erer durchzuführen. Jebe Kommission besteht aus dem a m e r i k a n i s ch e n Konsul der betreffenden Stadt und zwei Beamten aus Washington. In dem Abkommen mit den «inzestnen Regiiernngen würbe aus>d-r!üicklich festgelegt, Latz die Kontrolle in Europa den Auswanderer nicht unbedlingt von einer zweiten gejinndhettsamtlichen Kontrolle bei seiner Ankunft in den Vereinigten Staaten befreit. Diese zweite Kontrolle .hat jedoch nicht mehr rät Ellis Island, sondern auf dem Schiff zu erfolgen und ist nicht mehr so gründlich wie «die erste. Nun haüerr sich in -der kurzen Zeit des Bestandes dieser K-ontrollkom- Missionen wiiederholt Fälle ergeben, die den jüdischen Emigranten Grund zur Klage darüb erboten, datz ihnen gegenüber, mit besonderer Strenge und Parteilichkeit Vorgängen werde. Es genügt der leiseste Veudaichjt, mm einem jüdischen Enrig rau- 'ten ba§ Visum zu verweigern. Ueberdies wird .mit dom jüdischen Auswanderer ein Examen vorgenommetr, das in den lEinwandevuirgsbestimmungerr!dst Vereinig-ten Staaten überhcvuipt nicht vorgesehen ist. So z. B. soll es wiederhol vorgekommen sein, datz Auswandever aus Polen im Veirlaufe der ,/Prüfung" befragt wurden, wer der jetzige Präsident der polnischen Republik sei und datz Emigranten, -die keine richtige Antwort geben konnten, >daS Visum nicht erhielten. Das ZentraKmvsau für jüdiifches Atüsnxmderungswesen in Berlin „Emigdirekt" ivairdte sich ntit Rücksicht auf die Häufung solcher Fälle an das amerikanische Generalkonsulat in Berlin mit der Anfrage, ob gegen abweisende Beschlüsse der europäischen Kontrollkommissionen ein Rekurs an das Emwalchevlmgsdspcvr-. ' 'Hchfihimgldon!' möglich' ünd^ sulaM seit. Inseiner ^schriftlichen ErlediMNg erklärte per Bevlinar amerikanische Generalkonsul, datz die BeschMsse der Konbwllkommisfton als endgültige anzuschen sind und 'daß Bemrsikingen 'in Washington völlig unbeachtet bleiben. Den jüdischen Aus-vaNderern nach Amerika wird deshalb nahsgelogt, sich mit - besonderer Gena>u.'ligMt für diese Prüfungen durch Beschaffung von allen erforderlichen Dokumenten sowie durch private strenge Untevsuchullg ihres Ges'undbeitSzilsi'audes vo-rginsehen. Ae Jude« im flataifdjen EiiSen. Von Hermann Wendel. Auf dem Gebiet des heutigen Südslatvcnstaätes fmrdeu sich vermutlich schon vor der Zerstörung Jerusalems Juden vor. Des Paulus Brief an die Thessalonicher läßt auf eine bedentettde Jndengemerä:de in Salvnik schließe^ bereit Beziehmrgeu sicher weit in das südslawische Hinterlnud dieser Hafetlstadt rcichterr. Aus den komnrenden Jahrhimdevtm ist, Unter der Römcrherrschaft, die Awoesenheit vor: Judetl im slmmschen Süden, itr Pawlvina Savia, bezeugt: der Grabstein, den ein jüdischer Steuereinnehmer Cos mos seinem 235 verstorbenen Sohn Mcxander gesetzt hat, spricht ebenso dafür wie im Agranrer Museum die Gmftplatto eines Anrelius Dionysius Judaeus Tibcriensis. Jedenfalls gab es Juden im slawischen Süden, ehe es ein slawischer Süden war, das ist: ehe im sechsten Und siebenter: .Jahrhundert die Slawe:: den Südosteu Europas von den Alpen bis zum Porttus und der Adria überströmteu. Zum Teil übtet: sie sogar An'ziehungskrast üus die Einwanderer aus; die „Responfa ad eorrsuliLa Bulgawrmn" des Papstes Nikolaus Wender: sich 865 au jene Bulgaren, die zum Judentum übergetreten waren. Arabische Quollen überliefern uns, daß unter der Gesandtschaft des Königs Kreschimir von Kroatien an den Kalifen Abdul-Nachmann III. von Kordova im Jahre 952, wahrscheinlich als Dolmetscher, die Heiden Juden M a r Saul und M a r I o s e p h waren. It: den sloweinschen Alpenlärchevu Krairt-. Miruten und Siidsteiermark spielten die Jttden als Weüt-, Pferdeuttd Holzhändler rvie als Geldverlerher im WivtschastsleVen eure große Rolle, so daß sie 1213 in Laibach eitle herrliche Synagoge errichteten. Auch im tnittelalterlichen Serber:staat rvar die Bedeuttmg der Jtlden rncht gering, so daß sogar das berühmte Gesetzbuch des Z a r e n D u s a n sie erwähnt. Aber während die Judetl uulev den: habsburgischeu Szepter so wenig Schutz faudeit, daß sie 1496 ans Steiermark, Kärnten ünd Kraut ausgetrieber: uiD 1729 des Niederlassungsrechts in Kroatien beraubt winden, wandelten sich die unter den Halbmond geratenen südslawischen - biete im 16. Jahrhundert für die aus Spanien verjagten Sephardim-Judei: in eine ztveite Heimat. Dannt becMtt der glänzendste Wschnitt ihrer südosteuropäisch-tt Geschichte. Bald waren Städte nüe,Belgrad, Skoplje (Ueskiib) lurd Bitolj (Monastir) wichtige Mittelputrkte ihres Handels und Wandels, aber atrch außerhalb des türkischert Machtbereichs setzten sie sich im der slawischen Adriaküste durch. Die Archive der Kausmannörepublik Nagusa, die Juden gen: it: ihren Gesandlschaftetr an fremde Höfe vertvatrdte, strotzen vor: unausgebeutetem Material über ihre Lage, und auch zur Belebung des Handels von Split (Spalato) trugen die Juden viel bei. Wer stärker als die Jrrdenheit aller dieser Städte zusammen war die Gemeinde in Sarajewo, das ein Kulturzentrum ersten Ranges für die Sephardim des ertropäischen Südostens wurde; hier wirkte von 1765 bis 1781 als Haham ein Mann wie David Pardo, der als ausgeprägteste jüdische Persönlichkeit des 18. Jahrhunderts auf dem ganzen Balkan gilt mtd dern auch ein Artikel des in diesem Jcchr zunt erstenmal votr denr „Rabbinerverband des Königreiches S. H. S." veranlaßtett „Devrejski Almanach za goditm 6686", herausgegeben von Oberrabbmer Dr. Leopold Fischer in Brsac und Rabbiner Mojsij Marge! in Zagreb, gewidmet ist. Itr bat habsburgischen Landen war jenseits der Leitha auf südslawischem Boden lange Z emutt (Semlin), in der Mlitärgrenze gelegen, die eützige Judengemeind«, die auch 1739 die nach Wiederkehr der Türken aus Belgrad geflüchtetett Sephardim gastlich ausnahm. Später lockerte Joseph II. die den Juden auferlegtcn Beschränkungen etwas, aber erst sim 19. Jahrhundert kamen sie im Habsburgerreich lmtgsam Uttd lückenhaft zu dent gleichen Recht, bas sie iu dem vom Osntattenjoch sich befreienden Serbien v v u v o ruhe r e i n besaßen; sinnbildlich, daß in Belgrad, wo sich bis 1880 nach vrietttalischem Brauch ein eigenes Jndetrviertel erhaltet: hatte, 1907 König Petar den erstert.Hammerschlag zur Grundsteütlegung her neuen Synagoge tat. .Heute zählt man im südslaivischen Staat unter etwas mehr als zwölf Millionen Einwohnern 73.267 .Juden, von detten 21.810 <urf Kroatien, 21.349 auf die Vojvodina, das frühere Süduttgartt, 13.701 auf Bosnien, 7800 auf das ehemalige Königreich Serbien und 6216 aus Makedonien enifallcu; Sloivetnen beherbergt 1038, die Murinsel 921, Dalmatiet: 412 uttd Motttenegro tmr 17 Juden. JHre GesanÄheit verteilt sich auf 1'11 organisierte Knlttisgemelnden, vvt: oetten "die größten A g r a nt mit 12.000, Belgrad mit 9250 und Sarajewo mit 8300 Seelen sitck». Nicht eine einzige Gemeinde weist das tvivtschaftlich Hoch enttyickehte Sloweitien auf, das vielleicht gerade deshalb, tveil es die Judet: kaum kennt, an: ehesten unter allen südslawischen Landen etwas von der antisemitischen Erbschaft d e r ö st e r r ei ch i s ch e n C h r i st l i H so z i alen übernoinrnetl bat/ __ Jn§ jmdisfiae Mams das ßü&isdfae S © eben e r s c bien I in neaer Bearbeitung und künstlerischer, Ausstattung SIPPURIM Prager Sammlung jüdischer Legenden Herrlicher Ganzieinenband nur 9 Schilling Dieses 400 Selten starke Buch bietet eine Fülle kostbarer Schatze Ein Jahrtausend jüdischer Volksdichtung, Sage, Märchen u. Legende aus dym sonnigen I Spanien, dem märchenfrohen Orient, den gesegneten Ufern des Rheins, aus Böhmen, Mähren und der Slovakei, aus den engen Ghetti Polens und Rußlands Gerden hier in sorgsamer Auswahl vorgeführt Reichhaltigkeit des Inhaltes — anziehende Abwechslung des Stoffes gestalten dieses Standardwerk, das hohen literarischen und künstlerischen Wert repräsentiert, zu einem beliebten Volksbuch für Jung und Alt Verlag S. LBwIt / Wien »■ Rot«nturmstraAe Nr. 22 Bühne und Kunst. kröffnung de» jüdischen Lhenters in ftntfM. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitnng".) Die Bemühilngen um die Schäftung eines jiddischen Theaters in Krakau, au deren Erfolg nur die unenMMgten Optiinisten glaubten, sind doch tncht fruchtlos geRieben. Vor einigen Tagen komtte das Theater von s»i«m eigentlichen Schöpfte, dem Kritiker Dr. Käufer, ftierlich eröffnet werden. In seiner Eröffnungsansprache hob Dr. Käufer die große Bedeutung der neuen Knnststätte für die breiten jüdischen Massen und insbesondere für den jüdischen Gebildete:: hervor. Zur Aufführung gela::gte das vieraktige Drama von A. K a e i z n a, „D:: k u s", das in der Inszenierung T u rkow>s bei den: sehr zahlreich erschienenen PubMmr eine': stürtnischen Erfolg errang. Das Drama behandelt die alte jüdische Legend« vom Graftn Pvtocki, der durch einen Zufall den inneren t^ehali des Judentmns kennen lernt, Jrrde wird rmld schließlich den Märtyrertod am Scheiterhauftn erleidet. Diese Legende wurde schot: oft von jüdischen Dichter:: und Schriftstellern bearbeitet; es muß nur auf die Dichtung Frischmanns: „Ger-Zodek" hingewiesen tverdeu. Zu dieser.! Hauptthema gesellt sich eine Reihe von Episode::, so die Gestalt einer Dirne, die sich vo« Judentum lossagt unö den Lebensanspruch der Sünde innerhalb der jüdischen Geftllschaft symbolisieren soll und der Kampf der Mutter mit Gott, die in: Namen ihrer Mutterschaft für ihren am Scheiterhauftn sterbenden Sohn hadert. Die Aufführutrg hatte Nidearu Der Eröffnungsvorstellung wohnten die bedeutendsten Persönlichkeitet: bfet literarischen und künstlerischen Welt Krakaus bei, die im Namen zahlreicher kultureller Zkuitttuttonen Glückwünsche der Theaterleitnng ausdrückten. Im Zwischenakt wurde eine gat:ze Reih» von Glückwunschtelegrammen aus allen Teilen Bnlrns verlesen. b. r. Georg Brande» begeht ein Jubiläum. Es sind sechzig Jahre seit dein Erscheinen seines Wer^s ^.Der Dualismus in unserer neuesten Philosophie" verstrichen. Schon eine kurze Spanne Zeit nach der Drucklegung dieses Buches wurde Brandes weit über Vaterland hinaus berühmt, besoiüiers als seine „Haupr8s»nmngen in der Literatur des 19. Jahrhunderts", sechs Bände, Verlagen, von denen Brandes selbst eine deutsche Ausgabe veranstattete. Dieses Werk, it: welchem sc die Romantik «Mehnte und der: nwdernen ftanzösischen Radikalismus bejahte, erweckte «ne leidenschaftliche Diskussion. Nach längerem Aufenthalt in Berlin, wo er ständiger Mitarbeiter dar „Deutschen Rundschau" war, kehrte Brandes nach Kopenha-en zurück, wo er seit dem Jahre 1883 feinen ständigen Wohnsitz hat, aber durch zahlreiche Reisen, die ihn ebenso nach Rußland und Polen, wie nach Marokko und Aegypten ftchrten, den Stoff für seine Werke sammelte. Brandes, der gegenwärtig in: 85. Lebenswahre fleht, hat die überaus große Zahl jeiner Monographien und Kritiken erst jüngst durch zwei Schriften: „Die Jesus-Sage" und „Petrus", bereichert, Vorarbeiten ftir sein im Entstehen begriffenes Werk über die Mythe. Die genannten z^vei letzten Publikationen Brandes' hatten gehässige Kundgebungen zur Folge, in denen Brandes auch loegen seiner jüdischen Abstammung angegriffen wurde. Wie kräftig Bratüws diesen Angriffen begegnete, haben wir erst vor einigen Taget: an dieser Stelle mitgeteilt. Au» den Thenter». O p e r u t lj € c t c r: Morgen halb 8 Uhr „T u ra it d ol". Burgtheater: Morgen halb 8 Uhr „Basantaseua"!(Aüom:ement, 4. Gruppe). — Montag, den 1.?tovember, nachinittagS 3 Uhr, „Die Braut von Messina". ' Akademietheator: Morgen halb 8 Uhr „Die Dnrchgäl^erin". — Montag, den 1. November, nachmittags 3 Uhr, „Der Zerrissene". Deutsches Volkstheater: SarnSiag, halb 8 Uhr, Uvalrfsnhrung der Komödie „Eines Tages!" von Han§ Chininbevg, mit Albert und Glse Bassermanu. Freitag „Das Ätäoel aus der Vorstadt". — Sonntag und Montag, nachmittags 3 Uhr, „Die Brüder von St. Bernhard". — Dienstag „D-er Müller und sein Kind". Lustspieltheater: Morgen ErstauMhruug des Schauspieles .„Die Warschauer Zitadelle" von Gabryela Zapolska. Theater in der Josefstadt: Harald Kreuzberg und Elifabech Grube, Solotänzer der Berliner Staatsopch:, geben Samstag, I/4It Uhr abends, ihren ersten Wiercer Tanzabend. Modernes Theater: Ms lEchste Paemiere geht Freihiß das Lustspiel „Das Fräulein ohne Namen" in Szene. Die Wiener BokkSaper eröffnet Sonntag, den 31. Oktober die Mnterspielzeit mit einer Nachmittagsvorstellung „Carmen". Sonntag abends „Rigoletto". Verein schaffender T-rckünftter. Die österreichischen Komponister: ernster Richtrmg l^ben sid) zu einer Bereini- S zusamtnengefchlosseir, die ohne Unterschied der Richihren wirtschaftliche,: und künstlerischen Jntevesftnschutz übernchlnen soll. Diese neue Bereinigung führt den Namen: „Verein schassender Tonkünstler". De« Ehreuvorslü hat Dr. Richard Strauß übernommen. In de» Vorstand lourden gewählt: Staatsopernkapellmeistcr Robert teger, Präsident, Marco Frankl, Vizepräsident, sowie die erren Alban Berg, Dr. Hans Gal, Dr. Wilhelm Groß Paul v. Klenan, Dr. Paul A. Pisk, Hofrat Pros. Dr. Springer, Dr. Egon Welleß, Tr. Karl- Weigl und Frau Lio Hans. Verein für neue Alufik. Freitag, haw 8 Uhr «bendS im Kammerfaal des Musikvereinsgebäudes, 2. Kammer» musikabend mit Werken von HindemW, Toch iM« aufführung), Jemnitz und Milhaud (Erstaufführung). M>s führende: Das ..Wiener Streichquartett".

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