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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-26 · Heft 2754 (26.10.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2754 (26.10.1926)
Date
1926-10-26
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. S784 Wien, Birnstag Wiener Morgsrrzettitng 2d. LMy-er tm 0tfffc S «chalo« «sch an fHifttUffl» Tin Dffflttt Brief. Am Warschmer,OvM" veröffentlicht SchMnr Afch einen offenen Brief an Marschyll Piksudski, in dem es lnrter anderem heißt: „Wenn man mich fragen würde, was in Polen an erster Stelle reformiert rverden müßte, würde ich, ohne zu zögern, sagen: Vas polnische Steuersystem!" Asch wendet sich gegen ein Steilersystem, das dem Aernrsten das Letzte nimmt und Millionen Existenzen vernichtet. Auch gegen di« Zerstörung des jüdischen Handels tritt Asch auf. Nicht die Zerstörung des jüdischen Handels soll das Ziel Polens sein, sondern sein« Mrmalisierung, die man nur durch die Zulassung der Indeu zu allen Aemtern und Klt den produktiven Bernftn erreichen kann. Die Welt erwarte von Pilsus.'i die Lösung des Problems des jüdischen Handels in dieser Richtung. gue Geschichte der Pogrome I» Rußland Tie Telegraphett-Agentur der Sowjetunion meldet aus Kiew: Bei der ukrainischett Akademie der Wissenschaften ist eine Kommission zum StMum der Geschichte der jüdischen Bewegung in Rußland uild der Ukraine geschaffen worden. Die Kommission hat bereits interessantes Material überden Beilis-Prozeß, über den Kiewer und Schitomirer Pogrom vom 190Y und besonders reichhaltiges Material zur Geschichte her Pogrome und Ritualinordprozesse in Rußland »me auch zur Geschichte der russischen Gesetzgebung in bezug auf die Judell gesammelt. Die Materialien über die Ritualmordpvozesfe ilnd den Pogrom in Schitomir werden deinnächst tu russischer utld ukrantischer Sprache erscheinen. Lmdestovlkre«, d«. WHea Ratiaualver. «aase« AeveabSrgeor. Für den 7 bis 8.. November 1926 ist eine Landeskonferenz des Sieheubürgischen jüdische» NationalverkuideS angesetzt, die in Oradea mare (Grostvardein) stattfindet. An der Konferenz wird ln Vertretung der zionistischen Exekutive Herr Doktor Felix RosenbN'lth teilnehmen. Ter Ehrenpräsident des Berbaitdeö, Herr Dr. Theodor Fischer, wird über die Landespolitik, Herr Dr. Hillel Kohn über die Palästina-Frage und Herr Dr. R. Kohanyi über die Kulwrfrag« referieren. Ingenieur Wolfgang Läufer in Czeruowitz gestorben. In Czexnöwitz ftavb dieser Tage im Mer von 71 Jahren Ingenieur Wolfgang Läufer, der m der alten Aera zur Zeit der Monarchie als Techniker eine angesehene Stellung innehatte. Der Verstorbene, der seine technischen Studien in Wien absolviert!>atte, fand nach kurzer Betätigung im Privatdienst infolge einer außergewöhnlichen Tüchtigkeit Aufnahme in freu Staats* ierrst. In dieser Stellung wurden ihm seitens der ehemaligen österreichischen Regierung die bedeutendsten bautechnischen Arbeitetl übertragen. Er baute Bahnen, Brücken und andere große staatliche Anlagen. Sein Beruf führte ihn auch vielfach ins Ausland, wo er als Autorität auf seinem Gebiete Anerkennung und Wertschätzung fand. Während dos Krieges wurde ec mit den schwierigsten Missionen bei der Ausführung von kriegstechnrschen Bauteil betraut. Auch als stets hilfsbereiter Mensch mit gewin,wildem, bescheidenem Wesen hat der Verblichene sich eine überaus große Schar von Freunden und Verehrern zu erwerben gewußt. Bei dom Leichenbegängnis waren die Jimenieurkammer, das Gremium der Baumeister, der technische Verband, die Kriegskameraden des Bevstochenen und die Czertwwitzer B'nei B'rith-Loge, deron angesehenes Mitglied Läufer war, vertreten. Drei-Millioneu-JnlaudSanleihe der Berlimr jüdischen Ge, meinde. Die jüdische Gemeinde zu Berlin hat zur Deckung ihres Geldbedarfes, der nicht aus laufenden Ausgaben erwachsen ist, sooben eine Anleihe in der Höhe von 8 Millionen Mark mit der Gemeinschaftsgruppe deutscher Hypothekenbanken abgeschlossen. Das Geld dient zur Erweiterung des Friedhofes und der Wohlfahrtssinrichtungen der Gemeinde. Das Darlehen wird in 8prozentigeu Konmmttalobligatiomu gegeben. Die Anleihe hat die Genehmigung der Aufsichtsbehörde bereits gefunden. r AUS EREZ ISRAEL Das paWinerMche UlmWalsefetz. Von De. Fritz Löwenstom, Jerusalem. Am 13. Oktober ist in der palästinmsischen Presse ^as Gesetz über die Wahlen zu den Stahträton veröffentlicht Wochen. Nach der Okkupation. Palästinas durch die Engländer ernannte die Militärverwaltung in allen Städten Stadträte, die entsprechend der ganzen von der Militärverwaltung verfolgten Politik, die zur Politik der Balfourerklärung in fast unverhülltem Gegensatz stand, fast nur aus Arabern zusammengesetzt »Mlchen, was schon bei der dantaligen Zusammensetzung der Bevölkerung eine Ungerechtigkeit war. Diese Stadtverwaltungen bestehen bis zum heutigen Tage weiter und berücksichtigen in keiner Weife hie Tatsache, daß die Zahl der Juden sich inzwischen verdoppelt hat und Mt etwa 2V Prozent der Bevölkerung beträgt. So stand seit Jahren ans dem zionistischen Wunschzettel die Forderung nach der Ausschreibung demokratischer Wahlen. In dieser Forderung begegneten sich Juden und Araber, da auch letztere keineswegs immer die vor acht Jahren von der Regierung ernannten arabischen Mitglicher der Stadträte als ihre wirklichen Vertrauensmänner betrachteten. Nunmehr ist also diese Forderung erfüllt worden. Ehe wir uns den Einzelsragen des Gesetzes gutven? den, soll mit wenigen Worten ans die prinzipielle Bedeutung des Vorganges hingelviesen werden. Palästinas Sonderstellung neben den übrigen A-Mandaten kommt in der Tatsache zum Ausdruck, daß, während hie Engländer im Irak und Transjordanier» der Bevölkerung —' natürlich unter vollster Wahrung des üritischetr Eittflusses — ziemlich weitgehende Autonomie gegeben haben, in Palästina bis zum heutigert Tage die Diktatur des Oberkommissars besieht, die, wie bekannt, etwa die Ungeheuerlichkeit zuläßt, daß der Oberkommissär palästinensischen Staatsbürgern ihr Bürgerrecht durch bloße Berstdgyng aberkennen kann. Es darf nicht verkannt werden, baß die Schuld an der Fortdauer der Diktatur die Araber tragen, die die wiederholten Versuche der Mandatsregierung, in den üblichen Bahne»; britischer Kolonialpolitik die Eingeborenen langsam an die Mitverwaltnng zu gewöhnen, entschiede»; zurückgewiesen Haber». Somit beginnt man jetzt, nachdem auch' die in jüngster Zeit geführten Verhandlungen mit den Arabern zu keinen» Ziel geführt haben, mit dem langsamen Aufbau einer Autonomie von unten. Natürlich ist das, vom Standpunkts de« Mandatsregierung aus gesehen, schon deshalb der empfehlenswerte Weg, weil die gyrvählten Stadtversamrwlunger» in ihrer Kompetenz natürlich auf rein munizipale Angelegenheiten beschränkt sind, also vor» ihr Schwierigkeiten für die Politik der Mandatsregierung nicht zu befürchten sind. Wir greiser» aus dem Gesetz zunächst tmtiento Punkt heraus, der für den Jischuw eine besondere Bedeutung hat. Das Wahlrecht, aktiv und selbstverständlich passiv, steht nur palästinensischen Staatsbürgern zu. Wir haben an biefenp Stelle wiederholt darüber berichtet, welch enger Zusammenhang zwischen der»» vor einem halben Jahr erlassenen Naturalisationsgesctz u»»d dem nu»»»nchv erlassenen Wahlgesetz zu den städtischen Räter» besteht. Es ist bekannt gertug, daß die schtveren Mängel des NaturalisatwnSgesetzes, die unftres Erachtens es unmöglich machen, in diesem Gesetz die Erfüllung der im Mandat übernommenen Verpflichtung über die Schaffung von „Erleichterungen" bei der Naturalisation von Juden zu sehen, daß diese schweren Mängel nebst anderen Momenten dazu geführt Haber», daß ein großer Teil des Jischuw bisher nicht die palästinensische Staatsangehörigkeit angenommen hat. Wenn immer wicher von verantwortlicher Seite darauf gedrängt mirhe, trotz aller Mängel des Gesetzes die Staatsbürgerschaft zu erwerben, so geschah es, weil man mit den 'bevorstehenden Wahlen zu den Stadtversammlungen rechnete und sich bewußt war, daß nur palästinensischen Staatsbürgern das Wahlrecht gegeben werden würde. Es war vorauszuseherr, daß die Regierung dem Vorschläge nicht zustimmen würde, das Wahlrecht auch Ausländern bei bestimmten Voraussetzungen zu gewähren. Freilich hätte matt eher erwarten können, daß bet der allgemeinen Unzufriedenheit mit dem Staatsbürgergesetz, das ja vor allem zweijährigen Aufenthalt im Lartde voraussetzt und damit z. B.. der großen Einwanderung von 1626 die Naturalisation unmöglich' »nachts wenigstens beim erstell Mal für die Wahlen Uebergangsbesiimmungen geschaffen werden würden. Das ist nicht geschehen. Jetzt bleibt nur übrig, die uns noch gegebene kurze Frist bis zum Wahltermin auSzrrnützen, um die Zahl der jüdischen Wähler durch Naturalisationen möglichst groß zu gestalten. . Für den Anhänger des allgemeinen, gleichen, direkten Und gehennett Proporüonalwahlrechts muß unser städtisch s Wahlgesetz den Anschnitt finsterster Reakiton machnt, ein Anschein, der sich bei näherer Betrachtung keineswegs ganz verflüchtigt. Bor» der Voraussetzung der Palästinensischen Staatsbürgerschaft abgesehen, schreibt das Gosch eine Fülle vor» Voraussetzungen vor, die. beim aktiven und noch mehr beim passiven Wähler vorhanden sein müssen. Dabei fehlt seltsamer Weise diej-n'ge Voraussetzung, die, wie Micksohn im Haarez mit volleut Recht betont hat, irr Palästina noch am ehesten verständlich gewesen wäre, daß »»ämlich Lesen und Schreiben vom Wähler verlangt, wird. Pas ist in Palästina nicht verlangt worden und läßt natürlich erwarten, daß zahlreiche Fälle unzMssiger WaH be?:nf?ussung Vorkommen werden. Dagegen gibt es andere Beschränkungcw des Wahlrechtes. Wir wollen es noch dahingestellt sein lassen, ob das Mmdestwahlalter van 26 Jahren (passives Wahlrecht rmr bei vollendetem 30. Jahr) so sehr zu behauem ist, obwohl kein Zwnfel darüber bestehen kann, daß wir »m Lande Tausende vor» jüdischen Arbeitern haben, die diese Mindestgrenz« nicht erlangt habet» und alle VvrauSsetzungett aufzuweiser» Haber», die mar» von» Wähler Verlar»- gen soll. Dagegen tvird man vom jüdischen Standpunkt aufs äußerste bedauern, haß Frauen weder aktives noch passives Wahlrecht habe»», wobei man freilich die schwierige Situation des Gesetzgebers verstehen muß, der sein Gesch eben den beider» so völlig verschiedenen Bölkem gleichzeitig anpassen muß. Sicherlich ist die arabische Frau besonders in den kleineren Stlidten heute noch nicht reis zu wählen, aber gerade hier Vot sich der Answeg, Analphabeten das Wahlrecht zu nehmet». Am bedauerlichsten aber ist die Beschränkung des Wahlrechtes durch einen Zensus. Nur der Hausbesitzer und derjenige Wohtmngss»»habHr, der den sehr hoher» Betrag..von 1 Pfund jährlich m di« Stadt zahlt, besitzt das Wahlrecht. Darnit ist die Zahl der Wähler gattz'außerordentlich beschränkt. Das Wahlrecht kermt ferner keinerlei M'iuvritätsvertretung,.roohl aber ein Kurienwahlrecht, das diese Ungerechtigkeit etwas Msgleicht. Es feuut nicht, wie mar» erwarte»» sollte, zwei Völker, Juden und Araber, sondern drei Religionen, Juden, Mohammedmer mrd MALOWAN TOSft. kiiowAif & puifi WIEN, I., OPERNRINO 2? bringt für die heurige Herbst- und Wintersaison ROCKE immun»»«»»»«»»»»«»»»»» in herrlichen Dessins und Farben au! Seide S 1ÖR i— gearbeitet, zum Preise von .......... il Jlllli in den modernsten Fassons, durchwegs mit J , Seide gefuttert, dazu passend, zum Preise von Christen liub schreibt die Eintragung rrach diesen drei religiösen Knrien vor. Das gewährt »ms die Hoffmtng auf bessere Vertretung als bisher, werur nicht eilte arrdere Bestimmung urrter Umstättden diese Hoffuutrg zuschattdett umchett könnte, nämlich die Bestiminung, daß die Zahl der zu wählendetr Mitglieder der Stadtverwalt itngeit 6 bis 12 betragen soll. Es erscheint schon recht ztveiselhast, ob ertt zrvölfgliedriger Stadtrat in Städten wie Jerusalem oder Haifa zur Führung der Geschäfte ausreicht, vor allem aber besteht die rveitere Gefahr, daß bei dieser kleiucn Zahl zu tvählender Mitglieder die Minoritätskurien techt schlecht rveglomtnen dürsten. Dazit ein weiteres: Der Jischlttv ist ein differenziertes Gebilde, 'das gartz naturgemäß Parteitntgen auftveist. Durch das Wahlgesetz wird keine Möglichkeit gegeben, Minoritäten innerhalb der Kurie eine Vertretung zu sichern. Das mich für »ms die Konseqnettz bedettten, trotz aller Gegensätze zrt einheitlichen Listen itr den jüdischett KttrieN zrt gelaMen. Wir hadert die Erfüllung einer jahrelangetr Wderuulg erreicht, kentesrvegs in idealer Form, aber es kann jetzt für uns nur eure Richtschnur geben: „Do make the best of rt." Bau einer Zentralschule iw Emek. Bekanntlich ist bie Errichtuntz einer zentralen Schule für Äie Kinder der Arbeitevsiedlungen im Emelk geplant. Dieser. Tage wurde eine Vereinbarung zwischen dem Kulturkomitee und dem Salel Botteh wegen Errichtung zweiter Häuser 'zu je 4 Zitnmern abgeschlossen. Es sollen dies die ersten Gebäude der geplanten Zentralschute sein. Diese Schulhäuser wechon auf dem Hügel Kunri, der einerseits Mischen Ain -Charod und Tel Joseph und andererseits Mischen der Kwugah Geva uni Kfar Jecheek-el liegt, evri>chtet. Die Zahl der Trauungen in Tel-Awiw. Laut den Augabert des GettteindeMagd in Tel Awitv wurden in Jaffa und.Tel Awiw im Laufe des Jahres .6666 1041 Trauungen vorgenommen. Die Legalisierung der in Zionistischen Organisation Der polnische Innenminister hat am 14. Oktober die Statuten der Zionistischen Organisation in Palen legalisiert. DaZ Statut unffaßt alle Zweige der z.ioniMschen TättMt. wie Keren Hajesfod, Keven Kajemeth, Kulturarbeit, HechMtz, Palästina-Amt usw. BLhue Md Kunft. M tzröffnung der „Reuen Wiener Aiihne". Jiltendaut Bylkner der neue Divektor. Intendant Rclbert V o N n e r hat die »Neue Wiener Bühne" auf eine Reiche vm» Jahren gepachtet und beabsich- . tigt, »n dem Nheatsr das modevne Schauspiel und Lustspiel zu pflegen. Da vorerst die von den Behörden gewünschten baulichen Umgestaltungen und sonstige Adaptierungen des Hauses vorgenommen werden rnüssen, wird die Eröffnung des Theaters in der zweiten Halste des Dezember l. I. erfolgen. üm jüdischen Künstlerkabareit. Wie in der «Jüdischen Bühne" (Taüorstraße) ist auch im Jüdischen KünstlerLabarett (Praterstratze) der Andrang groß. Bis in die Mitte der Vorstellung währen die suche, noch einen Sessel im überfüllten Saal unterÄnbriw-» gen. Die Solisten des „bunten Teils" haben ihr Publikum und einer von Hnsn, Herr F o st e l. ein Liedersänger von Eigenart, muh erst ein« förmliche Wstimmmrg darüber einleiten, waL er bringen, was er zugüben soll. Er kotnrnt nicht los, bevor er nicht sein ganges Programrn absolviert hat. Man wirst ihm in Papierstückchen gewickelte Münzen aufs BrreM. Gr berührt sie nicht mit den Händen, sondern schiebt sie mit den Fühen nach rückwärts. Ich nehme an« dah dies eine kritische Geste »st, ein z»»treffendes Abnrtekl. (Blumen würde er aufheben.) Dann geht ein »Lchensbild mit Gesang" von I. Lateiner „Der verlichte Puritz" in Szene. Das Ensemble nützt den Anlaß, den es bestimmt nicht weniger ftagwürdig findet, als der Referent, um seiner Spiel- und Sangesfreude, seinem Witz, seinem Temperament die Zügel schießen zu lassen. Der Saal dröhnt pon entfesselter Heiterkeit, ivenn Frau W e i tz »n a n n und Herr S t r e n g als Tante Weke und Onkel Pieke M treiben uvd ihr» treWch tzÄn-

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