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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-24 · Heft 2752 (24.10.1926) · p. Seite 12

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2752 (24.10.1926)
Date
1926-10-24
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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2u5tcIT, VbMMZrg Kr.'MZ ■,5orfe 12 Wietter MorgLttzeLtttng Ä'EWber'Mo Serichtssaal. Sei« Stralpkorrß wegen Mllersdorf folhiwl ritcha i i. Dre Kruttion von 2W.V00 Schilling verfallen. ' Die K a i! t i o n v o jt 200.000 B d> 111 i u t},' die der zweite BeschEigde in: WöllersÄmHer Strafprozeß, Siegfried R e nb c f c r, seinerzeit leisten machte, ist rr-un, endgültig für v c r f a 1 l e n erklärt worden. Ae Sorge« des Detailhandels. S«r Frage des Ladenschlusses. RvrKöfkr' ist nicht mebr nach Wien zurückgskshri, der Int Ausland weilende .Hauptbeschuldi-gte Leon S kl a rz hat sich bekanntlich ü!bevhanpt nicht gestellt. Gegen .vellntttt N B m m a n n und den lPräsidenten P i t t n e r, bk. nutr der Mitschuld bezichtigt waren, nuchte daher die StaatsanwattschLft das B erfahren e i n st e l! e n. das ohne die .Hauptau.geklogten nicht durchgeführr wenden kormtc. Von der erwähnten Kaution im Betrage von 200.000 Schilling (zwei Milliarden Kronen) sind bisher l 00.000 S ch i l 1 i n g Dom Staate eingezogen;uori>Cft, ßür die zweite Hälfte bat die Wäschsfirma -7 et)o ita 1 u. . Härtlei n Bürgschaft ge-! : ft e i, -sie durch l>as Vorgehen Neu Hofers, eines Der-, ive.n'dten der Fivmenchefs fchw er getäuscht wurde. D^e Wöllersdorfer Affäre ist so'hin, soweit «die strafgerichlllchs Seite in Betracht kommt, erledigt. Lebenslüngllches Zuchthaus für Mihi Lederer. Aus Budapest wird berichtet: Die Königliche Kurie als letzte -Instanz hat das Urteil gegen Mtzi Lederer gefällt, die im Verein mit ihrem. Gatten im Jänner 1926 den Selchermcister Kodelka ermordet und dessen Leiche zerstückelt hat. Die wom Gerichtshof ausgesprochene Todesstrafe gegen Frau Lederer war in zweiter Instanz von der Königlichen Tafel zu 16 Jahren Zuchthaus umgewande'lt worden. Die Königliche Kurie hat nunmchr die Strafe gegen Frau Lederer" mit lebe n s l ä n g l i ch e m Z li ch th a u s bemeffen. Das Urteil ist nun rechts kraft i g. Mehr drinnen als draußen. Die Hilfsarbeitersgattin Marie F. brachte gegen ihren Gatten Josef beim Zivillandesgericht eine Ehsscheidungsklage ein, die sic darauf stützte, daß von einer Ehe nicht die Rede sein könne, weil ihr Mami'fast u n u n t e rb r o ch e n im Kerk e r sitze- Wenige Tage nach der Eheschließung sei er verhaftet und dem LandesgLrichte eingelicfert worden und er könne sich feiner FreGeit immer nur ganz kurze' Zeit erfreuen.. Sic. hcLe darm erfahren, daß er auch schon vor der Eheschließurrg wiedepholt zu -schweren Kerkerstrafen verurteilt worden, war- . Im ganzen sei er dreimal zu 6 und einmal zu 2, also z uf a m m e n Z u 2 0 Jahre n verurteilt worden, wovon er die letzte. Strafe derzeit absitzt. Der Beklagte 'gW mü tzr hcübe,so oft. er aus dem Kerker nach Hause, kam, immer, einen anderen Mann in seiner' Wohnung vorgesunden, mit dem seine. Frau im gemeinsamen Haushalt lebte. Die Klägerin gab. dies zu, bezeichnete aber die von ihr begangenen. Ehebrüche als entschuldbare, weil ihr Mann, da er immcr.hinter Kerkerwauern sitze, 'sie nicht erhalten könne und sie daher Anschluß an einen anderen Mann Züchen müsse. Das Zivillandesgericht sprach die Scheidung der Ehe/ aus beiderseitigem Verschulden aus, weil die Frau,'auch wenn der Mann eingesperrtüst, zur ehelichen Treue verpflichtet ist.' Gegen dieses Urteil brächte «der ^in Strafhaft befindliche Ehemann, ’.*r sich nicht sHeiden lass e n will, die Berufung an das'Oberlapdesgericht ein. Der Berufungssenat wird das Urteil im schriftlichen Wege erlassen. Die Wiener-Neustädter Mant vor dem VcrfassungS? gerichtshof. Der Oesterreichische Touringklub hat' beim Verfassungsgerichtshof eine Klage gegen die G e m e i n d e Wiener-Neu st a d t überreicht, in welcher die Mauteinhebung als gesetzwidrig angefochten wird. Am 17. Oktober d. I. fuhren der Ehirurg Professor Dr. Hans ' Lorenz, ferner Dort P o p o v i e t, Ingenieur Obechaurat Arnold Spitzer, Josef Ehieger und Ernst G a n a u s e r mit ihren Automobilen auf Len Semmering. Als sie die Mautschranken von Wiener-Neustadt passieren wollten, wurde ihnen eine M a u L g e ü ü h r von j e d r e i Schilling abverlangt, welche sie unter Protest und dem Vorbehalt der Rückforderung zahlten und die Rückfovd.erungsansprüche dem OesterreichrschLn Touringklub äbtraten. In der Klage tvird ausgeführt: Alle Automobilisten, die über Wiener-Neustadt in das Semmeringer oder Asparrger Gebiet oder ins Burgenland fahren, sind jedes Mal aufs neue unangenchm überrascht, wenn sie auf ihrer Fahrt eine bon der Stadtgemeinde Wiener-Neustadt vorgeschriebene Straßenmaut von je drei Schilling bezahlen müssen.. Den Frenrden ist das Fortbestehen dieser mittelalterlichen Einrichtung, welche den Fremdenverkehr in höchstem Grade schädigt, ganz unverständlich. Die Maut wird auf Grund eines niederöstecreichischen Landesgefetzes eingehoben, das jedoch im Widerspruch zum Finanzverfassungsgesetz steht/'Dieses bestimmt nämlich ausdrücklich, daß die Aus-.. schreGung von Landes- und Gemeindeumlagen unzulässig ist, HeM die Einheit des Wahrungs-, Wirtschafts- und, Zollgehiefts verletze oder in ihrer Wirkung Zwischenz L l.l'e »"oder sonstigen Berk e h r s b e s ch r ä n In n g e.u gleich^ kommen. Die Gemeinde kann sich, nicht auf ein verfasftmgswidriges Gesetz berufen und ist daher verp flich-, t e ftdie widerrechtlich eingchobenen Abgaben im Betrage von.15 Schilling dem Oesterreichischen Touringklub vückzu-. erstatten. Die lvirtschaftliche Krise in Oesterreich kann heute rächt mehr als akute Krankheitserscheinung ungesehen werden, sondern hat bereits chronischen Charakter angenommen. Die Ursachen kann heute schm: jedes Kind an den Fingern abzählcu: das unzulängliche Wirtschaftsgebiet, die Zollmaucrn, schwere soziale Belastung des Unternehmertums, aber auch Rückstäirdigkeit der Produktionsmittel, da nicht'rechtzeitig Jnvestitionin'v'orgenommen wurden und jetzt' kein Geld inch'r dafür vorhanden ist, ferner zu teures Geld, schwierige Kreditverhältnisse und dergleichen. Am meisten «hat heute unter der Wirtschaftskrise der DetaNaufmann zll leiden. Bon den gefchäMchen Zusammenbrüchen werden, wis die Statistik ergibt, die Detaillisien zu allererst Und am stärksten getroffen. Sie. sind sozusagen die breite Grundmauer, welche am stärksten den Anprall der Wirtschaftskatastwphen spürt. 9iun gelten für die wirtschaftliche Not des Detailkaufmanncs in Oesterreich imwesentlichen dieselben Ursachen, wie für die allgemeine Wirtschaftskrise; aber ein Moment muß noch h'ervorgehobcn werden, welches der Lage des österreichischen Detaillisten ihren spezifisch österreichischen Stempel aufdrückt:. die mangelsa.f,be V e r k a u fs or g-a.n i sati oit. ... . Für diesen Uebelstand siird äußere Und innere, soziale und psychologische Gründe'maßgebend?. Um mit den zuletzt genannten , zuerst zu beginnen, so sei der gewisse Zug zünftlerischer Selbstgenügsamkeit hervörgehoben, der vielfach das -österreichLsche... GrsMftKM^n beherrscht. Er drückt sich normmäßig in den gesetzlichen Vorschriften für den Betrieb des Handelsgewerbes anK, /die vtdas Prinzip der fteien Konkurrenz möglichst . auszuschäften ^suDn, Daraus erklärt sich auch je- , .,ner merkwürhjge',.Pch:zd .Mf./'däs . Erfassen der Kunden, der in der - ÄstettÄ^schew, ÄMsimmnschast, 'sofort entfällt. Ds sei hjer nicht,,eM über die. Behandlmrg ^des Detäilkun- "den gesprochen, die z. B. in Wien eine ganz andere ist als in/ anderen Großstädten,' wö'(der Kunde gewissermaßmr iveit intensiver 'Seärbertet' 'tyird/' bevor'' er' das Geschäft verläßt, als in Wien. Hervorgehoben sei mir, daß. Wien die Großstadt mit der. geringsten Geschäfts re kl am e ist. Es scheint, daß der Wiener-Kaufmann twch immer nicht das Wesen der Reklame vollständig erfaßt hat, noch immer glaubt, der Ruf seines Geschäftes genüge für den KUnden- : gewinn, wobei er vergißt; daß dieses Prinzip zur Not für die Kleinstadt gelten kann,/nicht aber für die Großstadt. Freilich muß noch in Betracht, gezogen werden, daß nirgends die Reklame unter so schweren Strafen steht wie in Wien: die ReklmnesteUer; hie Plakatsteuer, die teuren Elektrrzitätspreise, sind geradezu ' Strassätze für den Kaufmann, der es sich emsallen läßt, die österreichische Scheu vor der. Kundenwerbung zu Herstinhen und'Reklame zu treiben. Das hervorstechendste Moment der nunrgelnden BerkEfsorganisation'sirch. jedoch die Geschäftszerteu Hv den KMfläden. Bis heute gibt es noch imnrer eine Anzahl von Detailgeschäften, die eine' Mittagspause von etwa zwei'Stunden eingeführt haben, vffqsttzur/'don ^ber Ansicht' ausgehertd, daß der Hmbe, der.etwas braucht, Kt der Zeit kommen möge, da es , dem Verkäufer paßt. Ein solches Prinzip ist durchaus unÄonomisch. Am ärgstenaber liegt es mit dem Ladenschluß. Art Wien ist um 6 Hr, spätestens 7 Uhr MschäfiSschluß. ' Darin steht Wim m der ganzen Welt einzig da. In dem kleinsten deutschen Städtchen kann nratt noch Um 10 Uhr abends einkaufen, von' den deutschen Großstädten, von England,.^Amerika, Frankreich, 'Italien, ja selbst den Orden des süd- -. und. mitteleuropäischen Balkans nicht zu reden. Der frühe Ladenschluß ist ein typischer Betveis dafür, wie wepig intensiv dev österreichische Detailkausinann seinen. BerkMf organifiert hat. Auch hier zeigt 'sich der spezifische wirtschaftspsychplogische Hang zu der durch die Zunft erlaubten Gelbstgenügsarnkeip Denn lange noch, bevor die sogenannten sozialen Erntttgenffchaften der Angestellten in kaufmännischen. Betrieben den frü- ^hen Geschäftsschluß' als^ eine gesetzliche Norm festgelegt hat- ' ten, war diese Methode der engbegrenzlen Verkaufszeit all- .enthalben in Oesterreich. Mich. Es ist dpn Angestellten nicht zu ve«dNchn,..HB sind 1mm NM W. Formulierungen bereits bestehLuoer Gepflngenheit — die gegebene wirtschaftsvsychdlogische Situation aus nützen und den Vorteil, den der Brauch ihnen bot, zu erhalten bemüht sind. Jetzt klagen die Detailkaufterüe arn meiftcu über dm frühen Ladenschluß und seit lärrgersr Zeit sind im Zusammenhang mit dein bevorstehenden Ablauf der Kollettivuerträge mit der Angestelltenschaft Vechmrdsungen im Gange, um im .Zusammellhang mit einer Lohnregulierüng eine.. Verlängerung der Geschäft'szeit durchzuführen. Natürlich stehen einander die aus der Mt geborgenen Wünsche, der Kaufmannschaft und die — cs sei nachdrücklich daraus hingewiesen' berechtigten Fordenutgen. der Mrgeftelltenschaft, die Arbeitszeit in den Grenzen des Achtstundentages zu halten, gegenüber. Die Bemühungen, hier einen Mittelweg gu finden, haben anscheinend zu einier unrichtigen Methode gefAftt, da mau auf beiden Seiten zu konservativ zu sein scheint. Die Angestellten wollen eine halbstündige Verlängerrnrg der Geschäftszeit nur für ein Viertel sämtlicher Geschäftstagc des Jahres zu gestehen "und verlängert eine entsprechende ErWh.ing der Gehälter; Äe Kaltfleute uwllen eine Bermehrltng der Geschäftslage mit verlcnrger-ter Verkaufszeit mindestens in. der Hälfte sanglicher Geschäftstagc des Jaiches und ivünscherl eine Verlängerung 'der "Geschäftszeit :un eine 'Stunde, wobei sie die mehr als füstz'tgprvzentigL 'Lohnerhöhung, ivelche die Angestellten fordern, nicht zur Gänze konz-^dieren wollen. Es scheint, daß'beide Vorschläge nicht den Kern der Sache treffen, de^rn beide sind weKftemd. In der ganzen Welt sftH die Geschäftsstunden weit länger ausgedehnt, als es die im Gange befindlichen Kompxornrtzverhandkrngen beabsichtigen. Nun handelt es sich aber auch um das Recht der Angestellten, auf die Wahrung des höchster: achtstündigen Arbeitstages. Hftr gähc es, natürlich bei gegenseitigLr wirtschaftlicher Mrrsicht, nur eine Losungi daß'' eike^seKr'MÄS Verlängerung der Geschäftszeit, eüva bis 10 Uhr abends, eintrete, unb daß zwei Schichteil von Angestellten arbeiten. Bon 7 Uhr früh brs 1« Uhr abends, d. i. 15 Stwiden täglich, tväre ein Of-fenhalter: der AL», den mit zwei Schichten durchzuführen. Der Einrmuü» zu hoher. Belastung der. Ge'schäDregren entfällt, da der Aufwand für die zwei Airgestellteuschkchkm nicht viel größer tväre als er, ver sich durch , die Anwcchipe der ür Berhandlui^ .befindlichen Kompromißlösung ergeben itriirbc. Dabei tvürde wenigstens zr».' die ArberEs-!>o sigkeit Unter den Augeftelllen, ja deu KaUsman«! - ebenfalls schwer besteuert, wobei dieser sein. Mchvand ftrr sie Unproduktiv ist, behöbe::, und so wieder eure.gewisse Beleburrg des Detailgeschäftes emtrete, das ja auf einer wirtschaftlich gesunden Masse von Kleinkonsumcnten beruht. Die Möglichkeiten für Mre solche Lösung wären gegeben!Und jgleichzeirig auch die ^Möglichkeften für eine solche Lösung wären gegeben:rnd gjkeichzevtig auch die Möglichkeiten, dem schtver datttiederliegenden DetailhandÄ cinrgewräßen zu helfen, wdbei AngesteMer Und UÄternehmer die Arbeitslast Ferch verteile». Me heutige- MvtschaftslaM Oesterreichs nötigt.alle arbeitenden MensHön zU mehr Arbeit; Und die Kaufmarmfchaft sei daran erinnert) daß in der ganzen Welt dir; Exfolgoeiche:: immer gearbeitet, schwer gearbertet haben. ' 9k ReorgavlsMim der BrMmer Maschim«- sichrtt. Dem «Prager Tagblatt" wird aus Brünn geuretdet: Nach dem von der Generaldirektion dev Brttnner Maschinewfabriks A. G. vorgelegten Status sind die. gesamten Reserven und das Aktienkapital bis auf 30 Millionen Kronen verloren. In diesem Borlust ist auch schon der Betricbsver-- kuft für das erste Semester 1926 eingerechnet. Der Verdurltungsrat hat aber Ersatzansprüche erhoben und es soll daher wegen der Unsichccheit der.schwebeuden Prozesse und :nit Rücksicht auf die Verhandlungen mit Heu deutschen Lizenzinhabern, wie gemeldet, vorläufig noch nicht zur Kapitalsreduktiön geschritten werden. Bezügliü) der Re-r organisierung des Verwattungsrates werden folgende voraussichtlicha Aenderungen bekannt: Das New-Aorber. Hans. Läßmann wird Mi MMe betzWUM, Wd

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