Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2752 (24.10.1926)
- Date
- 1926-10-24
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2762 Wien, Gonntyy 5 o ebener » e h i e st in neuer Bearbeitung und künstlerischer Ausstattung SIPPURIM Prager Sammlung jüdischer Legenden Herrlicher Ganzlefnenband mir 9 Schilling Dieses 400 Seiten starke Buch bietet eine Fülle kostbarer Schätze Ein Jahrtausend jüdischer Volksdichtung, Sage, Märchen u. Legende aus dem sonnigen Spanien, dem märchenfrohen Orient, den gesegneten Ufern des Rheins, aus Böhmen, Mähren und der Slovakei, aus den engen Qhetti Polens und Rußlands werden hier in sorgsamer Auswahl vorgeführt Reichhaltigkeit des Inhaltes — anziehende Abwechslung des Stoffes gestalten dieses Standardwerk, das hohen literarischen und künstlerischen Wert repräsentiert, zu einem beliebten Volksbuch für Jung und Alt Verlag R. Lttwit / Wien I. I I Rotenturmstraße Nr« 22 Nacht war's am Trojanower Himmel, Nacht auf Tvojartower Erde. Die schwarze Hand raffte dunkle Schleier aus allen Erdenecken und wob sie ineinander und breitete sie über Trojanow. Schwarz und nächtlich ward es über Tröjanow. Tiefdunkle Schatten lagen über den Hütben, die niederkauerten, Tür und Tor verriegelt vom Dämmer bis zum Morgengrauen, denn in ihnen häufte der Tod. Lebendiger Tod und totes Leben. Der Todesengel spannte den. Mantel über sie, und da standen die Häuser, als hätten sie ihr Sterbegvbet gesprochen. Aus einem Winkel nur zog sich ein roter Streifen gen West über den Himmel wie der Saum eines rot flamrnenden Ufers an einem schwarzen Meere. Von einem Winkel der Nacht sprühten' entfesselt feurige Strahlen und zerfetzten die tote Nacht über der Stadt. Von dort h.er, weit, weit, klang das Quäken einer Ziehharmonika, aber die Feuermale an den Fenstern sind schrecklicher als die tote Nacht, die alles niederhält. Dem schwarzen Himmel ins Antlitz reckt die Trojanower Erde vier blutige Leichen mitten am Markte und einer liegt erschlagen vor einem vergitterten Tor.. . Und siehe, wer ist sie, woher kam sie, da aus Nacht und Dunkel schreitend, im weißen Totengewande, mit ihrem Frauenhäub'chen im sabbathlichen Schmuck? Sie ragt wie eine Königin und läuft wie eine verzweifelte Mutter; sie birgt irgend etwas in ihrer weiten Schürze und holt etwas aus ihrer weiten Schürze: Stücke zerrissener Thorarollen, Stücke zerfetzter Gebetmäntel, Stücke zerschlissener Altardecken und näht und näht daraus ein breites, langes Laken und spricht, lind lächelnd, vor sich hin: „Meine Kinder haben sie getötet, ihre Leiber auf die Straße geworfen, wehe, die Vögel werden ste zorsletschen; nun mühe ich mich um sie, Bahrtücher nähen — Bahrtücher nähen. Gebt mir Stücke. Thotarollen, gebt mir meine zerrissene Altardecke, gebt her, gebt her noch mehr Leichentücher, noch mehr, meine Kinder zuzüdecken, die Vögel sollen fils nicht zerfleischen — ich fürchte so sehr." Ist sie es nicht, die da einsam steht am Wege nach Bethlehem? All' ihre Lieben sind geblieben in der Höhle Machpelah, der Gatte und die Schwestern, sie haben sie allein am Woge gelassen, die Kinder zu behüten; so steigt sie jede Nacht empor und späht durchs Dunkel, durch all« Lande, ob ihre Kinder gut schlafen. Nun kam sie her vom Wege, der nach Bethlehem führt, Laken zu nähen, ihre Kinder zuzudecken. — Und wer ist. die, die ihr folgt, Schritt ans Schritt? - Jung ist ste, als wäre es ihre Tochter. Siehe, fiie streckt die Hände nach ihr aus: „Laß mich, Mutter, laß mich dir helfen. — Mein Kind Hab' ich für sie zum Opfer gebracht, ich sah das Blut träufeln ans den Minden seiner Hände, aus den Schwären seiner Füße, als sie ihn mit Nägeln ans Kreuz schlugen.. ,. Ich sah, wie er die Angen zum Himmel ausschlug und um Wässer flehte; .sie über'häben ihm Essig gereicht, da Hab' ich nicht gemeint, Mütter, von dir Hab' irh's gelernt. Ich Hab' die Tränen zurückgedrängt und war selig; ich Hab'ja Wiener Morgenzettung mein Kind für sie zum Opfer gebracht, als Opfer für Gott, alS Opfer für die Welt, als Sühne für alle Sünden. Sie haben meine Kinder erschlagen und sagten, es sei in meines Sohnes Namen. Meine Toten sind es, meine Opfer. Laß mich dir helfen, das Laken nähen, daß die Vögel sie nicht zerfleischen, laß mich, Mutter.. Und Mutter Rachel und Maria, ihre Tochter, setzten sich nieder, mitten am Marktplatz, unter dem tiesschwarzen Himmel und nähten Laken aus zerrissenen Thorarollen, zerfetzten Gebetmänteln und zerschlissenen Altardecken, die toten Leiber zu bedecken: und sie nähten und deckten die Leiber am Markte und nähten weiter und hüllten sorgsam ein das einsame Opfer, das da draußen lag vor dem verriegelten Tore... Bühne und Kunst. Revue In den Kammersvielen. „Die fleißige Leserin." Die Meinungen der Premierenleute über diese nicht auf dem inländischen Markt erzeugte Revue von Marcellus Schiffer (Musik von Paul S11 a fe c t, auf „Wien" hergerichtet von Robert.Blum) waren sehr geteilt. Der Referent stellt fest, daß sie ihm ausgezeichnet gefiel. Sie hat Geist, ist von parodistischer Verve und bemerkenswert kurzweilig. Einige Stücke freilich, insbesondere die „psycho-analytische Ecke" und die „Tanzgruppe" (die man als tauglichen Prolog Sternheims „Schule von Uznach" vorausschkcken könnte), sind nicht für jedermann verständlich. Mer das Bild „Valencia" ist ein kostbarer Ulk, das Lied des „Schlemiehl", von Herrn Lvrre außerordentlich gebracht, ist eine Klasse für sich und das Couplet „Volksentscheidung" ist nicht zu verachten. Rosy W e r g i n z hat Charme und Temperament (ist in der gepfefferten Preislage der Fedak-Antonia ganz hervorragend), die witzige H o p f ist als „Turnmutter" zum Schreien, Fräulein B r i o n n e ist bildhübsch und von der Regie gut beraten, Herr Zisch- Balot versteht anmutig, Herr Verhoev e n spitzig zu pointieren. Fräulein A r e g o r ist eine Tänzerin, die es mit den Prominenten ihres. Genres aufnehmen kann, die Bühnenbilder. der.'.Hexren.L or r e und V e r h. o ebcit können sich sehen, die-Musik Straßers kann fick), hörän . lassen — und wenn ich die zwanzig Bilder der Revue .jetzt. Revue staffieren lasse, entdecke ich^keine Einzige Niete. Man findet allerdings diesmal ohne Girls, nackte Mgdchen, ja sogar ohne Kai-Jargon das Auslangen, und. wer auf diese Belange reflektiert, kommt nicht auf seine Rechnung. Und nun hat sich das Publikum für oder gegen diese Revue zu entscheiden, welche tatsächlich die landesübliche Operette und ihren Ableger, die Ausstattungs-Animierrevue a la Marischkka, um einige Etagen überragt. O. A, St. Oktvber 1986 ( Seite 1-1 - .--7-7-------—--- - - - * Moritz Helmamir Rar Kochba-Irama. Im Stadttheater zu Kiel kam ein fünfakttges Drama, „Das Weib -des Akiba" von dem nnVorjcchrc.verstorbenen jüdischen Schriftsteller Moritz Heimann, dem Schwager Gerhart Hauptmanns, zur Uraufführung. Sein historischer Kern ist der Bar Kochba-Aufstand, in dem 186 n. Chr. die Juden ein letztes Mal sich auflehnten gegen die römische Zwangsherrschaft. Jaltha, die Tochter des reichen Kalba Jabua, gibt sich dessen Knecht Miba zum Weibe, folgt ihm, vom Vater verstoßen, in die Arrmlt und weckt iit ihm den Drang, Gott zu suchen. Akiba zieht fort. Er wivd ein Weiser Rabbi, der sich Bar Kochiba zur Seite stellt und diesen als Messias verkündet. Nach dem Zusammenbruch des Aufstandes stirbt . Akiba den Märtyrertod. Um diese dramatischen Vorgänge rankt sich ein philosophischer Gedankenbau. Aus den Theatern. io u r>g thea t-c r. Morgen, halb 8 Uhr: „Vasm n tas e n a". Aka d e m i e th ea t e r. Morgen, halb 8. Uhr: „D a s grobe Hemd" (Abonnement 6. Gruppe). Operntiheater. Morgen, 7 Uhr: ,,Man on". — Dienstag „Turan do t". Deutsches Volkstheater. Freitag gelangt Nest r o y 8 Wiener Posse „Das Mädel aus der Bürstadt" zur Aufführung. Für Samstag, halb 8 Uhr, Uraufführung der Komödie „Eines Tages" von Ehlumberg mit Albert und Else Wassermann angesetzt. Theater in der Iosefstadt. Dienstag fünfundzwanzigste Aufführung von Shaws Komödie „Fannys erstes Stück". Der Tanzabend des Solotänzers der Berliner Staatsoper, Harald Kreuz.berg, findet am 80. d. M„ um 10% Uhr abends statt. Mt dem Künstler tritt seine Part-; nerin Elisabeth Grub e, Solotänzerin der Berliner Staats-! aper, gleichfalls zum ersten Male vor das Wiener Publikum. K a ni m e r sp i e l e. Ms nächste Novität wjrd Marcell Achard's. Komödie ,/Malbo rougih ziehck E d-°em Krieg" vorbereitet. Bom Burgtheater. Lily Karo-ly, von ihrer WieNer! Tätigkeit am Raimundtheater und an anderen Bühnen o$£: Künstlerin von Eigenart bekannt, wurde an das- Burgtheater i engagiert: Sie wirkt gegenwärtig sehr erfolgreichem Züri^er! Schauspielhaus. — Ferner ttrutbe Arnold Korff dem Birpg-i theater wiedergewonnen. Heinrich Mann .wird über Einladung d^ Ä I des am Samstag, den 30. Oktober, imr 7 Uhr abettdS,' ivr! Großen Etsistre^e'nssaal aus bisher üniveröffontlichtey eige-: Yen Werken vorkesen. Karten im ÄorveiSaüf an der j verüinskassa und im Sekretariate des Kulturbundes, ü Annagasse tz.' ' „ :: Schlechter Geschäftsgang der Charlottenburger Opest., Nach einet itn Berliner Magistrat aufgestellten Bilanz der! städtischen Oper in Chavlottenburg weist diese einen. FehlLe-1 trag von rund, einer halben Million Mark auf, ber einerseits! auf unerwartete Mehrausgaben und anderseits auf denRuck« i gang der Einnahmen infolge der wrrtschaftllichen Depression! zurückzu führen ist. Hervorragend bewährt zur Bekämpsuug rheumatischer, gichtischer, nervöser Schmerzeu sowie gegen Kopfschmerzen« Die Wirkung tritt unmittelbar cin. Krtne schSdltchru «ebrnwirfuugru. flcrUNÄ lobend brnnrnchtkt. — In allen Avothtken. ,^'?,';-;"u,Zahlungserl0icht0rung Aaffrlschungs- Spezial verfahren, aut jedem Stück ersichtliche Kassapreise, im WARENHAUS FÜRST, WIEN VI. Slnmßergosse IS i7i Geechaftabestand 40 Jahre / Eigene Pelzrepuraturwerkstlttten / Eigen« Pelzfürberel. Wirkliche Garantie nur beim Erzeuger r* 1 eeeoaoeoeoqoeeeeoooooeeoeaooaeeieoQi flEGM. KORHHEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale: IX., Bezirk, Berggasse 19, Telephon 17-3-99 u. 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilung für ^J-Fleiach unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabblnats der Isr. 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Korn, wünscht S. tköpf u. &räi4. 8919 Herzlichen Mazel Tow und innigste Qlückwünsche zur Verlobung des Herrn Michel Halberstam, Sohn Sr. Ehrwürden Rabbiner D.Halberstam, mit Fräulein Korn entbieten Mbraham Sfosenblatt u. &rau, 8918 k Die Hör- und llthlumfttäitige ist harntreiDender Wirkung, glänzend bewährt bei Nieren- und Blasenleiden. Hellt Rheumatismus. n» Angenehmer Geschmack! Eisenfrei! Erhältlich Iw allen einschlägigen Geschäften, Apotheken und Progerien. Qegchäftsatellc: Wieft, Telephon 30-^66. 0102482348233048482348234848534853485348485348482323482353485348532323535348484848534823234848