Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2752 (24.10.1926)
- Date
- 1926-10-24
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2979076-2981549-2981839--27952-3015940- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
MALOWAN WBM, XALöWiV <fi VMlfX WÜN, I., ÖPflftNHWÖ Jä bringt fürdie heurige Httfest* umi WfottrsAteon ROCKE MIIMMWIIII»III»N«M in herrlichen Dessins und Farben auf §ÄSe f fttfl gead»eitet, rum Preise von. . 4 JHNn HAARHUTE .iiuHiiitiitniiituiiiiHmuiiiiiHiiiHiiiiiiHiiiiiiiinr in den modernsten Fassons, durchwegs mit E 9E M Seide gefüttert, dazu passend, zum Preise von & Art#« Las ewige Licht. Bon William Reminser (Prag). Mitternacht isi's. Ich erwache aus tiefem Schlaf. Gegen- Wer meinem Bette, auf einem kleinen Tisch trennt ein Oeltiegel. Zum erstenmal seit vielen Jahren habe ich das fahrzeitlicht nach meinem guten Vater in der Heimat angezündct und im Tempel Aadisch gesagt. Wie gebannt sind meine, Augen, auf die spärliche Flamme gerichtet, in deren Schein zieht längst Vergangenes wie Wandslbilder an mir vorüber ... An Ncwyovk war es. Ohne Geld, ahne Stellung und ohne Freund stand ich in «der Millionenstadt, «doch an den Sterbetag meines Vaters hatte ich nicht vergessen. Meine Kleidung war sehr armselig, g'o blieb ich denn im Gotteshanse in der letzten Reihe stehen und sagte Kadi sch. Not lehrt bekanntlich beten, und in meiner traurigen Lage erfasste ich, vielleicht z«m ersten Male, was der „Kadisch" bedeutet. Am: war der Gottesdienst zu Ende und mit den anderen ging ich hinaus auf die Straße. Es regnete in Strömen. Ich hatte nicht einmal Obdach. Ohne Ziel schritt ich weiter, längs des Hudsonflusses' entlang, hie und da tauchte eine Gestalt auf. Diesen Weg wandelten meistens Menschen, denen es ebenso schlecht ging wie mir, Menschen, die ihre Angehörigen jenseits des großen Teiches hatten und hofften, eines Tages wieder in der alten Heimat zu. sein. Ich selbst dachte cm längst vergangene Tage, wo ich im Wiernhayse.iefitc, vereint mit meinem Vater, mit der herrlichen Frau,, die ich Mutter nannte. Ich war ja nie schlecht, doch etwas leichtsinnig veranlagt, und glaubte, das Leben sei ein „Walger^d sDoch ich hatte mich geirrt, und diese Nacht sah ich, fühltet ich, irs-War auch manchmal ein Trauermarsch. fetzt Täm Mir tvieder idie Jahrzeit ins Gedächtnis. Nicht, einmal ein Licht konnte ich anzünden, doch Plötzlich aus der Finsternis,, weit wog. am Wasser sah ich einen Schein, so winzig wie ein Punkt, doch je näher ich kam/ desto größer wurde er. Ich. achtete, nicht auf meine durchnäßten Kleider, nicht auf den Wind, ich ging festen Schrittes drauf los. Dies war mein Iahrzeitlicht. Doch bald versagten mir die Füße, ich mußte stehen bleiben. Vor Hunger war ich schwach geworden. Ich sah ins Wasser. Wäre es nicht besser, ein Ende zu machen? Ich würde nicht der Erste sein. Wie viele vor mir haben hier der Welf Ade gesagt, denen man so viel drüben vom Goidland erzählt, und die dann nichts, gar nichts erreichen konnten! Ich hatte noch eine große schwarze Nacht vor mir, und wenn wieder der Margen kam, was dann? Meine Augen tuateit verschleiert, ein Sprung, ein Plätschern und der große Kampf.war'beendet. Doch jetzt tarn mein .Jahrzeitlicht an mir vorüber. Es war ein schwimmender Leuchttnrm. In den ziemlich großen Flammen sah ich die Gestalt meines Vaters, angetan in dem weißen Kittel, wie ich ihn.an den hohen Feiertagen im Tempel gesehen. Er sah mich milde an und schüttelte das Haupt, als wollte.er mich warnen, feige zu sein. Ich folgte, lange nach dem Lichte, das immer Keiner wurde. Doch mein Entschluß war gefaßt. Was auch die Zeit bringen sollte, ich wollte laben rmd wieder arbeiten . . . Nun bin ich in der Heimat. Morgen will ich bei den Gräbern' meiner' Lieben mein Herz ausschüttcn, will all meine Dankbarkeit und all das, was ich erlebt, ihnen dort sagen. Dieses Meine Licht auf dem Tisch wird indessen anSlöschen, aber in meinem Herzen wird es brennen und noch flackern, wenn ich den' letzten Atemzug getan. Der Kamps um Leichen. Ms Wilna wird uns gemeldet.: In dvr Frage der BeisteNung jüdischer Leichen für das medizinische Prosektorkmn wurde ln einer gemeinsamen Sitzung dvr jMschen Aorzte und der Vertreter des Rabbmals der Beschluß gefaßt, dem Chefarzt des jMschen Spitals den Auftrag zu erteilen, dem Pvosektvrium alle Leichen von Heimatlosen abzuliefern. Gleichzeitig wurde erklärt, daß diese Frage unter keinen Umständen vom religiösen oder vom nationalen Standpunkt ans behandek werden dürfe. - 6 Las heimsefnchte Havanna. $«# der — eint Typhuseytberttt«. 28. Oktober. Die aus Havanna cinlangniden Meldungen sind wahrhaft trostlos. In der Stadt selbst stad mehr als 2000 Häuser zerstört oder schwer beschädigt. 8200 Familien sind obdachlos. Die RLMMMgSaÄbeiten fchveMn nur langsam vorwärÄ, da ss cm den hiezu nMoendiyen Kräften mangelt. Nun ist .Wer MW auch eine ausgebrochen, die um so gefährlicher zu werden droht, ccks es cm Trinkwaffer fehlt und cs sehr schwierig ist, die Leichen unter den Trümmern hervopgirzichen. In der Stadt fehlt es überdies an Lebensrnitteln und an Medikamenten, außerdem herrscht eine, die Souchengestrhr stark fördernde Hitze. Nach Aussagen von Personen, die von der z« Kmba gehörenden Inseln PinosHier eingetroffeu sind, sind dort bei dem Orkan allein 38 Personen getötet und über 2V0 Personen verletzt worden. Der angerichtete Sachschaden wird auf fünfzig Millionen Dollar veranschlagt. Alle Städte erlitten Schäden und mehrere wurden vollkommen zerstört. Die Obst- und Getreideernte wurde vernichtet. Gr den Provinzen Havanna, Matanzas und einigen Gebieten von P i n a r d e l Rio soll an den Zucker- und Tabakpilanzungcn großer Schaden angerichtet worden sein. Schweres Erdbeben in Rnsstich-Armenie«. Ungefähr 1VV Tote, mehr als 1000 Verwundete. New-Aork, 23. «Oktober. Nach einem beim Generalsekretär des amerikanischen Hilfskomitees für den nahen Osten eingegangenen Telegramm wurde das Gebiet von Russisch-Ar menten im Laufe der letzterc Nacht von einem schweren Erdbeben heimgcsucht. Das Beben Erivan 20 Sekunden, in Alexandropol 23 Sekunden. Die Zahl der Toten in den beiden Städten wird bisher ans ungefähr 100, die Zahl der Verwundeten auf m e h r als 1000 geschätzt. Die m e i st c u Geb ii u d e sind Mehr oder wvnciger schwer b c s ch ä d i g t, v i a'l c Tausende Einwohner obdachlos geworden. Das amerikanisch-armenische Hilfskomitee in Awxandropol, dessen Gebäude selbst durch das Erdbeben schwer beschädigt wurde, bittet um die. lleberseudnug von Unterstützungen und Lebensmitteln für die Opfer der Katastrophe. TM. Ein Junge, der aussieht, als wäre er eben aus dem Kanal gezogen worden, krabbelt unter meinem Tisch, draußen auf der leeren Kaffee-Terrasse. Seine .braunen beschmutzten Hände suchen etwas, dorm sie tasten den Boden ad, auf dem Papierschnitzel, Orangenschalen, Zigarettenstummel kunterbunt durcheiunuderliegen. Ich stoße ihn an: „Was suchst du da unten?" „WaL soll ich suchen, gna' Herr! Tschilsi" Und er grinst gemütlich, aber ernst. „Tschiks?", frage ich und blicke ihn -crftaunt an. „Ja, Tschiks", erwidert der Junge treuherzig. „Ich klaub' den ganzen Tag Tschiks und mein Bruder muh." „So", sage ich gedehnt und blicke in ein schmales, gelbes Gesicht mit großen, grauen, offenen Augen. „Wo ist dein Bruder?" frage ich automatisch. „Der' arbeitet im Wurstelprater", sagt die tonlose Stimme des Jungen, der seine Hand an die Taschen des verblichenen Matrosenrocks preßt. „Hier drin Hab' ich ineine Tschiks. Im ganzen siebzehn, kein Geschäft heut?." Ich frage weiter. „Am Abend bring' ich die Tschiks nach Hause und der Bater sortiert sie. Daun kriegen wir eine Menge Tabak zusammen. Der wird in Hülsen gestopft, ein paar Hundert jede Woche. Das ganze kommt in eine Schachtel, bis mindest hundert Zigaretten beisammen sind. Wir kleben auf eine echte, alte Schachtel einen Streifen und gehen verkaufen. Echte Aegyptische oder echte Sport, je nachdem was für Hülsen wir bekommen." „Wie viel verdient ihr damit?" 9 „Das ist nicht gleich, manchmal ein Schippe! Geld. Mm Baller braucht's eh', er is oft nvalider." Ich mache mir philosophische Gedanken von der» Kreislauf der Dinge, von der ewigen Wiederkehr des Gleichen. Es ist uns also bestinunt, unsere Nikotinexkremente wiederzukäüen. Der Junge ist tüchtig. Ich ahne seinen 'Aufstieg. Ich sehe ihn als Großhändler im eigenen Auto. Er wird eine „amerikanische Karriere" machen. Doch das ist.wieder eure andere Geschichte. 1 ' Oskar R o s e n f e l"d. Stinkbombe» gegen Lrfstng. Brünn, 23. Oktober. Beim Bortrag des Professors Theodor.Lessing kam es zu Zwischenfällen. Als ein gegen die Ausführuygen des Vortragenden prolestierender deutscher Student aus dem Saale geführt wurde, griffen seine Anhänger mit Kundgebungen und Stinkbombenwürfen ein. Auf der'Straße mußte Polizei einschreiten. ,r„- -*—* 1M9B OOOOOOOOQOOOOOOQC WW V »000000000 Wien, W., MargaveSenftvsche D8. $fe ArRrralverkmmÄmm der Hakvab. WM edggS MenBroidrisen Direktoriums mit Dr. KÄmrr «ur der Spitze. Die GenevakvevstmnMlng .der H aebsach, die gestern Ivie alljährlich im „Hotel Post" stattfand, nahm «Ären äußerst würdigen Verlauf. Das Präsidium führte Doktor Kö r n c r, der in seiner Rede die Ereignisse des abge- TmffcrtCH, an Wechselfallen reichen Jahres erörterte. An Stelle des bisherigen PrcPdimns wurde ein engliedrigc-s DirekLorium gewählt, das unter der Leitwrg Dr. Körne r s die Geschäfte sichren wird. Ihm ml die Seite wrrrde aks geschäftsfichrerwer DitzopräifidenL an Stalle des Herrn Dr. Felix Herr Direktor SPiegler gestellt. Dem Direktorium werden ferner cmgehören die Herren Dr. Fe l i^x, Herbst, Direktor M-awgmlies, Dr. Schiffwaun «ud Glücksmauu, Die Wiedevwtchl Dr. Mrners w-urde von der zahlreich üesuchtell Versammlung mit stürmischem Beifall ausgenommen. Den ausführlichen Bericht über die Generabverscunmlung, die erst in später Nachtstunde zu Sude ging, werden wir nachtragen. SeiWmorü einer Wienerin in Paris. In einem Anfall geistiger StSmng. Aus Paris wird uns gemeldet: Bom Dache des Grand Hotel mn Boulevard des Eapueines hat sich gestern vormittag eine Wienerin namens Poldi Pleisteinen aus die Straks'j gestürzt. Die UuMMche, ein ZIWrtges Atädchen, war sofort tot. Poldi Pleisteiner war Direktrice in eLnern Wiener Nöodegeschäft und war vor zwei Tagen nach Parts gekommen. Gestern hatte sie ein Ziinmer im obersten Stockwerk des Hotels gemiieLet, nachdem zuvor ein Nervenarzt eine hysterische Neurose bei ihr konstatimL hatte. Im Lause der Nacht war sie dann ans 'das Dach, des H o t e l s g e st i e g e n. Me Versuche, sie vom Dach in das Haus znrückzuft'chren, blieben vergeblich. Im LarHe des Vormittags sammelten sich tausende von Menschen; an, die das aufregende Schauspiel mit ansahen. Der kehr aus den: Boulevard mußte unterbrochen werden. Me F e u c r w e h r hatte S p r il n g t ü ch e r gespannt. Gegenels Uhr vormittags glitt die Wahnsinnige, die unter de» Augen von Tausenden aufgeregt auf dem Dache des Hauses hin und herrannte, plötzlich aus, und stlWe bll die Tiefe. Trotz der gespannten SpWNFtÄ^r^wav-d^-.,Mvglückliche sofort tot. Gnsdige Frau! Ich lÄbe stets den unnachahmlichen persijrMHen schnmck und die unanffallige Eleganz Ihrer KleidÄm Ü«3?i wundert. Sie verstehen es großarttg, gebre« dem allsÄGterx: Diktat der Mode das reizende Bild Mrvr MMckttrMN sönlichkeit in einem« neuen Gedicht ans Seche, .SaMtz > oder dergleichen einem Rahmen von VerNlüfft^ev kung — -zur Geltung zu bringen. Da ich. .Wv weine» darf und den meiner beiden TöchtLr nur über oür Senk' geringes Toilettenbudget verfüge und sehr sparerr muß, Mm ich. Ihnen, gnädige Frau, für die Bekanntgabe Bezugsquelle sehr dankbar. Ich war .auch schon bei BrWer Schifsmann, 2. Bcz., Taborstraße 48 rmd habe dort 'herrliche Kleiderstoffe und Wäsche lrnrklich außergewohrllich billig erstanden. Ich wußte gar nichts daß die LeopoldftadhMer ein so mustergültig geführtes Warenhaus großen Stils verfügt. Tie reichhaltige Auswahl erstklassiger Qualitätswaren, die reizenden Modefarben die herrlichen Dessins und vor allem die fabelhaft niedrigen Preise haben mich sehr angenehm übermfcht. Ich werde das Kaufhaus Brüder Schiss- manu meinem Freundeskreise gerne empfehlen. Hcrzlichft Ihre Annh. .< Was trögt die Jame im Herbst- Den warmen sonnigen Herbsttagen ist urplötzlich eine strenge Kälte gefolgt. .Die Läge, an denen man sich cur der Fakbenshmphonie entzückender Sommerkleider unserer Tamerr erfreuen konnte sind vorbei. Dem Witternngsumschläg muß die Dame bei der Wahl! ihrer Kleider Rechnung tragen. Ein Rundgang durch die mit künstlerischer Eleganz ansgestatteten Räume des Modenpalais Kmpnik zeigt Ihnen was die Dame im Herbst trägt. Exquisite Pariser Modeschöpfrrngen paaren sich mit bem Charme Wiener Geschmackes zu jenen diskret-vornehmen Dameutoilletten, die gerade den Ruf des Hauses Kmpnik begründen. Bei der Riescnauswahl findet jede Dame das ihrem persönlichem Geschmack zusagende Kleidungsstück zu erschwinglichen Preisen., Mut- Haut« >und Nervenkranke.erreichen durch den Gebrauch des natürlichen „Franz-Josef"-Bitterlvassers geordnete DerdauungSverhältn/ffe. Spezialärzte von hohem Ruf bescheinigen, daß sie mit der Mrknng des altbewährten Fvanz- Josef-Wassers in jeder BczivMUg znfrieden sind. Wie«, bttt 24. Oktober W26. * ES usird kälter! Die Bevschlechterung des Wetters schreitot fort. Druckanstieg und Lemperaturrückgaug zeigen an, daß eine kalte Luftströmung das Sand überflutet. Werrihalben sind Niederschläge gefallen, im Gebirge bereits Schnee. Die Wetteraussichten sind nicht besonders KÜnM. Die Boranssaye Wndigt trüb-es Wetter mch Nie der- Heute Sonntag, halb 11 Ultr vormittags. Haydn-Kino, Vl„ HarlahiirerstraBo 57-59 Vorführung des neuesten Palüstlna-ffilms Veranstaltet von der Zionistischen Bezirksflektten WVM. Restliche Karten an der-KinäfcaMa« um-