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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-24 · Heft 2752 (24.10.1926) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2752 (24.10.1926)
Date
1926-10-24
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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,SMe 6 MM, Gonntatz Me«sr Morsenzeltmrs M. Möver'LM Nr. 2762 Letzte Nachrichten. Dir neue Session der polnische« Sri«. Warschau, 23. Oktober. In einer Konferenz Mischen dem Ministerpräsidenten Marschall Pilsudski und dem FinMizminister Czechowicz wurde beschlossen, die Tejmsession, die am 28. Oktober beginnt, mit drei Regierungserklärungen zu eröffnen. Sicher ist bisher mir das Expose» des Finizministers Czechowiez. Ob Mavschall Pilsudski das politiscbe Exposee selbst halten wird, steht noch nickt fest. , Cnza wird wieder in sein Prosefforrnamt eingesetzt l Bukarest, 21. Oktober. (I. T.-A.) Der Kultus- und llntcrricktsminister P e t r o p i c i empfing den berüchtigten Antisemitenführer Professor C u z a in längerer Audienz. Nach Schluß der Unterredung Unterzeichnete der Minister ein Dekret, wonach Professor Cuza, der vor etwa einen: Jahre in Verbürdung mit seiner Pogromhetze sein P r osessorenamt nieder legen mußte, wieder als Professor für politische Oekonomie an der Jassycr Universität berufen wird. schlüge an, in den Nordalpen wahrschemlich Schnee. Temperatur nahe rem Nullpunkt. In den höheren Lagen Morgensrost. Nördliche Winde. * Das tödliche Leuchtgas. Freitag nachts wurde die 69jährige Private Johanna Gottwald, Hörnesgasse 9, in der mit Leuchtgas erfüllten Wohnung von ihrem heimkehrenden Gatten leblos ausgefnnden. Der Schlauch ker unversperrten Gasleitung hing frei zu Boden. Die Erhebungen zur Aufklärung des offenkundigen Unfalles sind im Zuge. * Lechers Nachfolger. Der Bundespräsident hat den ordentlichen Profeffor der Physik an der Universität in Innsbruck Dr. Egon Schweidler zum ordentlichen Professor der Physik an der Universität in Wien ernannt. * Die Geschäfte eines früheren russischen Aristokraten. Beim Polizeikommissariat Rudolfsheim hat eine in diesem Bezirke etablierte Firma für Elektrotvaren und Glühlampen die Anzeige erstattet, daß ihr Vertreter, der 31jährige Lubomir Krassilnikoff-Gerzoff, Waren unterschlagen hat. Auch Gelder, die er als Vertreter ftir die Firma einkassierte, hat er nicht abgeliefert. Die Firma erleidet einen Schaden von etwa 6000 Schilling. Kassilnikoff soll ein vormaliger russischer Adeliger sein und auch in der tschechoslowakischen Armee als Rittmeister gedient haben. Im Zuge der Erhebungen ergab sich auch, daß er einem Bekannten ein M o t o r r a d im Werte von 2000 Schilling veruntreut hat. * Gegen die Erhöhung der Telephougebühren findet heute um zehn Uhr vormittags in der Volk sh alle des Wiener Rathauses die auf den Plakatsäulen der Straßen ange.'ünbigte Massenprotestversammlung statt, die von den hervorragendsten kaufmännischen Körperschaften eiuberufen wurde. * Von der Gesandtschaft der tschechoslowakischen Republik in. Wien wird mitgeteilt: Anläßlich des Nationalfeiertages wird am Donnerstag, den 26. Oktober, weder bei der Gesandtschaft, noch beim Generalkonsulate und dessen Paßstellen - amtiert. * Zirkus Adolfi im Renzgebäude hat es in der kurzen Zeit feines Wiener Aufenthaltes verstanden, das Publilum für sich zu gewinnen. In dem elegant renovierten, gut geheizten Zivkus-Renz-GebäuLe, 2. Bsz.^ Zirkusgasse 44, findet Sonntag, um 3 Uhr nachmittags, für das Familionpublikum zu bedeutend ermäßigten Preisen neben der großen 8-Uhr- Abendvorstellung eine Nachmittagsvorstellung statt, in welcher so wie jeden Mend das von Presse und Publikum als vortrefflich erkannte Eröffnungsprogramm zur Ausführung gelangt. * Hebräische Sprach- und Ltterapurkurse des Beth waad ftiwrim. Die Kurse für Erwachsene haben sich bereits konstituiert, und zwar sind entsprechend den Kenntnissen der Teilnehmer drei Gruppen gebildet worden. Beginn dos Unterrichtes Montag, den 26. d. M., um 7 Uhr abends, im „Jüd. Zentrum", 2. Bez., Untere Augartenstraße'' 35. Wettere Ai'.' mÄdungen werden noch entgegengenommen. Kursbeitrag nur 1 Schilling monatlich. Dortselbst werden noch zwei Kinderkurse für Anfänger und Fortgeschrittene errichtet. Anmeldungen für die in verschiedenen Bezirken sich konstituierenden Kurse täglich, von .6—7 Uhr im „Jüd. Zentrum", 2. Bez., Untere Augartenstraße 35, „Jüd. Lese- und Rödehalle, 9. Bez., Türkenstraße 9, Zion. Bezirks-Sektion, 20. Bez., Jagerstraße 30/6. bei Herrn I. Weintcaub und im Jüd. Hochschulausschuß.Ludaea", 9. Bez., Zinnnevmaunpl. 1, täglich von 12—1 Uhr. Vereine, Borlrsige und Versammlungen. Maimonides-Jnstliut, 3. Bez., Hetzgasse 40. Montag, 6— 7 Uhr: Dr. A. Karnncka: Erklärung des Buches Hosea; 7— 6 Uhr: Maimonides, More Nebuchim. — Zionistische Sektion Prater. Heute, 8 Uhr äbends, im Heim, 2. Bez., Jungstraße 8. Vortrag des Vizepräsidenten der Kultusgemeinbe Dr. Josef Löwenherz über „Der bevorstehende Parteitag." Erscheinen Pflicht. —- Verband der Zioniften-Revistonisten Oesterreichs. Heute, Sonntag, 11 Uhr vormittags, Ausschußsitzung und konstituierende Kommissionen. Ort: Cafe Müller (.Meiner Klubsaal), 1. Bez., Schottenring 13. — Wiener Beth-Hamidrasch, 2. Bez., Tempelgasse 3. Morgen, 6 Uhr, Lektor Dr. S. Gelbhaus: Sifre. 6 Uhr, Dr. S. Rubin: Midrasch, nach den Quellen erläutert und interpretiert. — Brith Ha-Zoslm. Heute, Sonntag, 9 Uhr früh, Treffpunkt zur Wanderung Haupttor Franz Josefslbahn. Nachmittags gemeinsame Sichah mit dem Klosterneuburger Galil. Tilboscheth! — Jüdisches Zentrum der Sozialen Hilfsgemeinschaft Anitta Müller. Hebräische Kurse: Beginn Montag von lhallb 8 bis halb 9 Uhr abends. Französische Kurs«: Beginn Dienstag von 8—9 Uhr abends. Deutsch für Ausländer: Beginn Dienstag von 8—9 Uhr abends. Donnerstag, den 28, d., Vortrag Dir. Dr. Viktor Kellner: Jüdische Bildung. Einschreibungen täglich von 6—8 Uhr abends tm Sekretariat, 2. Bez., Unter« Allgartenstraße 35. E * Für Mische Vereine chne Miete sind die Lokalitäten des Beretnshetmes, 8. Bez., Bennoplatz i, für einige Abende abzugeben. Anfragen an Dr. Großner, 8. Bez., Alvertg. 84 Tel. 28-6-86» JÜDISCHE WEIT Ser Wische zentralverband für Zranenschntz. Der Generalsekretär des jüdischen allweltlichen Zentralbüros für Frauenschuh in London, Dr. Kohn, befindet sich jetzt auf einer Studien- und Agitationsreise in den osteuropäischen Ländern. Diese Reise steht im Zusammenhang mit einer von uus bereits kurz gemeldeten großen Aktion des Jüdischen Zentralverbandes für Frauenschuh, über welche Herr Dr. Kohn folgende interessante Mitteilungen macht: Das Londoner jüdische Zentralbüro hat seine ständige Vertretung in der internationalen Frauenschutzliga beim Völkerbund und er, Dr. Kohn, als Generalsekretär des jüdischen Verbandes, hat jedes Jahr in der Genfer Zentrale einen Bericht über die Arbeit der Juden zur Bekämpfung des Frauenhandels mrd zum Schutze der jüdischen Frau zu erstatten. Das Londoner Zentralbüro wurde im Jahre 1910 auf einer Konferenz, an welcher Delegierte aus einer ganzen Reihe Länder vertreten waren, ins Leben gerufen. Durch den Krieg wurde die erfolgreiche Arbeit des jüdischen Verbandes unterbrochen, nach Fviedensschluß aber wieder ausgenommen. In London selbst besteht auch eine jüdische Lokalvereinigung mit vielen Mitgliedern, deren Aufgabe es ist, in den englischen Hästn den Handel mit jüdischen Frauen zu bekämpfen und jüdische Mädchen, die nach England kommen, in ihren Schutz zu nehmen. Leider kann nicht geleugnet werden, daß unter den Opfern der Frauenhändler sich viele jüdische Mädchen befinden, ebenso daß sich auch Juden unter den Frauenhändlern befinden. Der Londoner Zentralverband unterhält auch eigene Heime für illegitime jüdische Kinder sowie eigene Schulen für jüdische Kinder, deren Eltern die elterliche Gewalt über ihre Kinder gesetzlich abgesprochen wurde oder sonstige verwahrloste Kinder. Das Budget des Londoner Verbandes beträgt jährlich über 10.009 Pfund und wird aus freiwilligen Beiträgen gedeckt. Sehr wichtig ist auch unsere Tätigkeit bei der Eruierung und Ausforschung von Frauenhändlern,'und viele sind durch diese -unsere Arbeit unschädlich gemacht worden.! 60 ein riLttieiiter M veWW Such Sonne, Wnv und alle Sieu.- 3um Zeitvertreib dem Liebchen in die Lust. Nur Mer-Likör trinkt er Wer gerne. Acborallsrhitltltch. 53 Leider ist es um die Bekämpfung des Handels mit jüdischen Frauen und den jüdischen Frauenschuh im allgemeinen i n d e n östlichen Ländern noch sehr schlecht bestellt. Meine Aufgabe auf diieser Reise ist es nun, in den wichtigsten osteuropäischen Städten Lokalverbände zu gründen, die mit dem Zentralbüro in stqndigem Kontakt wichtige Ausgaben im Kampfe gegen dieses schändliche Gewerbe zu erfüllen haben werden. Besonders wichtig erscheint mir eine geregelte systematische Arbeit in Riga, weil Riga eine Hafenstadt ist, und die Hafenstädte sind die schrecklichsten Nester des internationalen Frauenhandels. Dr. Kohn, der auch die südamerikanischen Zentren des Frauenhandels bereist hat, schildert die furchtbare Lage der jüdischen Opfer und auch dort ist es bereits gelungen, vielen jüdischen Komplizen der Frauenhändler das Handwerk zu legen. Von besonderem Interesse ist die Erfahrung, dft Dr. Kohn auf einer Dampferfahrt gemacht hat. Aus dem Dampfer war ihm ein jüdischer junger Mann in Gesellschaft eines 18jährigen jüdischen Mädchens ausgefallen. Das Paar gab vor, eine sogenannte stille Trauung geschlossen zu haben. Dr. Kohn veranlaßte die Perlustrierung dieses jungen Mannes und es stellte sich bald heraus, daß er im Besitze von sechs hebräischen Trauscheinen („Ketuboth") war, und einer gefährlichen Mädchenhändlerbande angehört. Dr. Kohn kommt zu dem richtigen Schluß, daß die ganze jüdische öffentliche Meinung und die jüdischen Gesellschaften mit allen Mitteln gegen diese sogenannten, „stillen Trauungen" bet Juden ankämpfen müssen, weil sie ein gefährliches Mittel zur Verschleppung jüdischer Mädchen bilden. >?V/y ✓ \v' v.A ■ -s\ ,y.v :/v - rvvrv.r.v , a vy B Altersveschwerden wird durch Radioselerin vorgeheugt und gelindert. Das radiumhaltige, frei verkäufliche Radioselerin erhält die.Arterien elastisch, es bewirkt eine Verdünnung des Blutes, verhindert Kalkablagerungqn in den Blutgefäßen, befördert die Vlutzirkulation und erhält daher die unvermindert« Arbeitsfähigkeit bis ins hohe Mer. Hauptdepot: Apotheke Bayer, Men, 1. Bez., SÜollzeile 10. /V /\ /\ /V/V A A'A A A’A /V S\ S\ /■*> AVi. Ser frühere Wische Rationalrat von Litauen vor dem Slrasgericht. Aus Kowno wird uns berichtet: Am 25. Oktober beginnt vor einem hiesigen Bezirksgericht für Strafsachen ein Prozeß gegen särntliche Mitglieder des ersten jüdischen Nationalrates für Litauen und zwar: Dr. S. Rosenb a u m, E. F i n k e l st e t n, Dr. I. Berger, Rabbiner Karg, A. B r u d n y, L. G a r f u n k e I, M. Cohen, A. Duschnitzky und S. Ch. Lewin. Die Anklage gegen die Genannten lautet auf Aufreizung eines Teiles der Bevölkerung gegen den anderen und Herabsetzung des Ansehens der Regierung. Dieser Prozeß zieht sich bereits seit zwei Jahren hin und gründet sich auf einen Aufruf, den der damalige jüdische Nationalrat am 26. September 1984 anläßlich der Auflösung der 14. Session des jüdischen Zentralrats in der Kownoer „Jüdischen Stimme" veröffentlicht hatte. Der Kownoer Polizeichef Januschonis, auf dessen Veranlassung der jüdische Nationalrat damals auseinandergetrieben wurde, erhob auf Grund dieses Manifests die erwähnte Anklage In dem damaligen Manifest an das litauische Judentum behandelte das Exekutivkomitee des jüdischen Nationalrates den Willkürakt der damaligen Regierung und erhob den schärfsten Protest gegen die Rechtsbeugung und die Beleidigung des höchsten nationalen Autonomieorgans dos litauischen Judentum. Man sieht der Durchführung dieses Strafprozesses mit umso größerem Interesse entgegen, als noch bis in die letzte Zeit die Meinung vorherrschte, daß das Verfahren gegen die Beschuldigten angesichts der inzwischen wieder besser gewordenen Beziehungen der Regierung zu den Juden vor der Hauptverhandlung eingestellt werden würde. Die ltnlerrkchtssprache in de« jüdischen Schulen in ßstlanv. In Reval fand dieser Tage die zweite Session des jüdischem Kulturrats für Estland statt, deren Beratungen zwei Tage 'iw Anspruch nehmen. Bei der Beratung über die Unterrichtssprache in den jüdischen Schuteu in Estlands beantragten die Jiddischisten und Poale Zionj eine Revision des in der ersten Session gefaßten Beschlusses, wonach die Unterrichtssprache in den jüdischen Schulen die hebräische sein müsse. Da sie mit diesem Antrag nicht tnrchdrangen, versiegen die Antragst.ller und ihr Anhang demonstrativ den Beratungssaal. Ter Kulturrat kam schließlich zu bem Beschluß, daß in den Schulen, in benen der Unterricht gegenwärtig in jiddischer Sprache gehalten wird, auch in Zukunft jiddisch als Unterrichtssprache bleibe. In neu zu gründenden Schulen soll grundsätzlich die hebräische Sprache die Unterrichtssprache sein, im übrigen aber haben die Eltern der die Schule besuchend.'« Schüler das Recht, durch Mehrheitsbeschluß die Unterrichtssprache zu bestimmen. Die jüdischen Kriegsinvaliden. Unter dem Vorsitz des jüdischen Sejmabgeordnöten ZM Heller wurde, wie Z. T. A. meldet, in Kattowitz eine Sitzung der Exekutive der jüdischen Weltorganisation für Kriegsinvalide abgehalten, an der auch die Auslandsmitglieder teilnahmen. Ter Vorsitzenden bemerkte in seiner Eröffnungsrede, daß schon einmal in Kattowitz eine Beratung von jüdischen Repräsententen aus der ganzen Welt stattgefuttden habe; damals tvurde der Grundstein zu der jüdischen RenäissanceBewegung gelegt. Der, Bericht des Hauptsekretärs, Herrn Schwarz- Lemberg, wurde mit Anerkennung zur Kenntnis genorm men. Darrrach wurden Berichte aus verschiedenen Ländern erstattet, woraufhin beschlossen wurde, eine Organisation die sich nach Landmannschaften zu rekrutieren hat, zu schassen. Es wurde ferner beschlossen, sich an das Joint Distribution Committee mit dem Ersuchen . zu wenden mehr als bisher für die jüdischen Kriegsinvaliden zu sorgen. Es wurde mit Befriedigung festgestellt, daß der Völkerbund und der Internationale Jnvalidenverband den Bedürfnissen der jüdischen Kriegsopfer Verständnis entgegenvringen. Die zweite Sitzung der Exekutive ioird in sechs Monaten in Krakau stattfinden. * Helfet den Bliiüren! Die vor Wochenfrist durchgefnhrte Scanmelaktion siir die Blinden hat weit über 100.000 Schilling ergeben. Bei Straßensammlungen in den Bezirkerr wurde in dem als Judenbezirk verschrienen Alsergrund das höchste Ergebnis mit 12.770 Schilling erzielt. Die Aktion ist noch nicht abgeschlossen und wird durch die Haussammlung ergänzt werden.

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