Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2752 (24.10.1926)
- Date
- 1926-10-24
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Men. Sonntag Wiener Morgenzetturig 24. Oktober 1926 Nr. 2752 Bor dem zionWschen Delegiettentag.! Wichtige Probleme. Sie Tagesordnung. Das Zionistische Landeskvmitee verlautöart die Tagesordnung! des Delcgiertentages der Zionistischen Landes« Organisation Oesterreichs, der vom 30. Oktober bis 1. November 1920 im Ingenieur- und Architektcnvenein, Wien, I. Bez., Eschenbachgasse 9, stattfindet. 1. Tag. Samstag. den 30. Oktober, 8 Uhr abends: 1. Eröffnung der Tagung durch den Präsidenten der Zionistischen Landesorganisation, Dr. Desider Friedmann. 5. Wahl des Präsidiums und des Bureaux, soloie der Permanenzkommission. 3. Referat über die aalkgemeinc Lage im ZiortismnSr Dr. Felix Rofenblüth, Mitglied der Grekutiv^ der zionistischen Weltorganisation. 2. Tag. Sonntag, den 31, Oktober, 9 Uhr vormittags: 4. Bericht über die Tätigkeit des Zionistischen Landeskmnitees: Tr. Desider F r i e d m a n n. 6. Entwicklung des Arbeitsprogrammes des Keren Hajessod: Dr. N. M. Gelber. 6. Entwicklung des Arbeitsprogrammes des Keren Kajemeth: Dr. Chaim Tartakotoer. 7. Bericht Wer die Tätigkeit des Palästina-Amtes: Doktor Nahum Blauer. 8. Bericht der Ersparungskommission. 9. Generaldebatte. Sonntag, den-31. Oktober, 3 Uhr nachmittags: 10. Referat Dr. N. M. Gelber: Was soll und kann die Zionistische Organisation für die jüdische Kultur- und Erziehungsarbeit leisten? II. Jugendreferat: Otto H o ch st ä d t. 12. Referat Bruno Rabinowitz: Organisation und ^Propaganda. 13. Referat über Palästinafraagen. '» Sonntag, den 31. Oktober, 8. Uhr abends: 14? Debatte über die Referate. . . v. ... .... Tag. Montag,, den j. November, 9 flhr vormittags: 15. ' Fortsetzung und 'Schluß der Debatte. 16. ' Bericht der Permanenzkommiffion. 17. - Neuwahlen. Den Delegierten werden die Delegiertenkarten im Wege der Post zugestellt. Gastkarten für den Delegiertentag sind in beschränkter Anzahl im Zionistischen Landeskommitee, Wien, 1. Bez. Kärntnerstraße 28, zu beheben. gnnervsMsche Arbeit. Von Julius 2öwy. Der Delegiertentag. der österreichischen zionistischen Landesorganisation, der Ende dieser Woche in Wien mit seinen Arbeiten beginnt, wird sich auch mit 'der Frage der sogenannten inner-politischen Betätigung zu befassen haben. Das Wort ist nicht schön, es ist 'dem nendeutschen Jargon entnommen, aber es drückt doch genau das aus, was man darunter - verstehen hat. Ist die tätige Anteilnahme der zionistischen Organisationen oder auch der Zionisten an dem politischen Leben ihrer Wohnländer ein Erfordernis der zionistischen Arbeit? Wenn sie es ist, kommt ihr die gleiche Bedeutung zu wie der Aufbauarbeit in Palästina? Ist programmatisch die Galuth gleichwertig mit Erez Israel? Die Frage wirft sich immer wieder -auf, obzwar sie doch längst entschieden worden ' Der Sionientuä Ist die »nationale -Organisation des jüdischen Volkes. Das ist die Antwort auf die Frage. »Alles, was für das jüdische Volk zu geschehen hat, kann und muß nur durch jüdische Arbeit geschehen. Die Erziehung der jüdischen Massen, ihre Vorbereitung für die große weltpolitische Ausgabe des Ausbaues eines jüdischen freien Gemeinwesens, die unser in: nahen Orient harrt, erfordert -es, daß alle politischen Kräfte geweckt und in Fluß erhalten werden. Das Baseler Programm spricht dies sehr klar und sehr eindeutig aus. wirken verbeugest und lindernd die ärztlich erpiobten und empfohlenen dscntf iv«nmi" Knoblauchtropfen. Vorzüglich bei Frauen in den Wechseljahren. Preis 6 3.50, Erhältlich in allen Apotheken. ist | Erzeugung: Alte Feldapotheke, Wien, I. Stephansplatz. Wenn trotzdem die Frage immer lckeder ln den Vordergrund tritt, so nur deshalb, weil ihre bereits vrfolgte Lösung nicht entsprechend durchgeftthrt wurde. Man setzt innerpolitische Arbeit gleich der Anteilnahme an innerpolitischen Wahlen. Das ist ein sehr großer und lsogar verhängnisvoller Fehler, lveil die Zionisten dadurch gewöhnt iverden, das Prinzip hinter die Frage des Erfolges, hinter die berüchtigten Chancen zurückzustellen. Es entscheidet nicht die Erwägung, ob und daß wir unsere Forderungen zu verfechten haben, sondern ob wir Aussichten haben. Aus der Frage unserer grundsätzlichen Einstelluug zu unserer Umwelt wird eine Ziffernrechnung geinacht. Wahlen sind nur ein AuSdrucksmittel des politischen Willens, sie find eine gewiß sehr wichtige taktische Notwendigkeit, sie sind jedoch nicht das Um und Auf politischen Lebens. Aber Wahlen erhitzen das Temperament. Sie schieben Personalfragen in den Vordergrund, schaffen Erregungszustände und lenken von dein Wesen-der -Sache ab. Es ist traurig, daß nach dreißig Jahren zionistischer Arbeit noch nicht unbedingte Klarheit darüber besteht, daß jüdische Dinge nur durch Juden vertreten werden dürfen. Es ist traurig, daß wir aus den dreißig Jahren unserer Mühen, Plagen und auch unserer Erfolge noch nicht -gelernt haben, daß dem Tätigkeitsbereich des Zionisten nichts Jüdisches fern bleiben darf. Daß auch in den Galuthländern politische Arbeit geleistet werden muß, war eine der ersten Erkenntnisse, die sich der Zionismus schuf, und das 'Vertrauen, das er sich in den Massen erworben hat, ist doch nur der Ausdruck der Stimmung »die in -der zionistischen Organisation die Führung des Volkes sah. Der Zionismus ist in den letzten Jahren andere Wege gegangen. Er hat, wie» «man dies so schön auszudrücken pflegt, die Periode der LOMBARDIERTE PELZE Horten-, Damenkonfektion und Rauhwaren in gräBter Auswahl billigst absügoben bei 124 JÖHAHH WUEHHimft » JAKOB SCHWARZ KQreohnefmelster Wien, 1. Bez., Ertlgaase 4 Zugang; Bauernmarkt 14 Romantik verlassen und ist in die Aera der praktischen Arbeit cingetreten. Unter dieser falsch aufgefaßten Praxis, die nur die materielle Seite betont wissen -wMto, hat die Organisation schwer gelitten. Sie hat die Voraussetzungen des Gedeihens vernachlässigt: die Erfüllung «der Massen und Menschen mit dem zionistischen und nationalen Geist. Palästina ist Ziel, aber auch das jüdische Volk ist Ziel. Me Bewegung verdorrt, wenn ihr -nicht ununterbrochen neue Impulse gegeben werden, wenn sie einzig und allein auf das Geldsammeln eingestellt ist. Nur ein -Volk, das in jeder Phase seiner Entwicklung seine Ansprüche felbst vertritt, wird imstande sein, eine Hemmt zu bauen. Ein Volk, das sich gewöhnt, zwischen Palästina und Galuth «einen dicken Strich zu ziehen, das in Palästina seine Sache auf England und den Völkerbund, in der -Galuth auf Sozialdemokraten oder Liberale stellt, erreicht überhaupt .«nichts und gerät dort wie hier ins Ghetto. Wir müssen unsere Dinge selbst wahrnehmen. Das gehört zum zionistischen Alphabet. Es geht uns als Staatsbürger und als Juden sehr viel an, wie die Verwaltung der Staaten arbeitet, mip sie mit öffentlichen Geldern urw springt. Es geht uns sehr viel an, in welchem Geist die Jugend, nicht nur unsere/ erzogen wich, wie Erziehungs¬ und Bildungswesen beschaffen sind, wie di: äußeren Beziehungen der Staaten zu einander geregelt iverden- M,r sind Steuerzahler, wir sind in sämtlichen Berufszwügen engagiert, leiden unter allen Fehlern des Systems, und es ist nicht mir ein Erfordernis organisatorischer Propaganda, daß jeder Jude die zionistische Stimme hoch ujtd dazu erzogen wich, sie zu hören, sondern es ist auch ein Erfordernis der politischen Moral, daß wir für das dentum überall dort sprechen, wo dies nötig ist. Und wo wäre dies nicht nötig? 1 Wer Pflichten hat und sich ihnen aus einer höheren Auffassung von Staatsbürgerschaft nicht entziehen imll, hat auch Rechte und er hat sie zu fordern. Tut er dies nicht, dann gerät er in Vergessenheit und wird zum SteueroÜjekt herabgedrückt. Ist dies in Oesterreich nicht bereits eingetreten? Die österreichische Politik ist auf den Antisemitismus gestellt. Er herrscht im Bund, in der Hoheitsverwaltung, in der Beamtenschaft, in Schule und Gericht, er herrscht, sozial kachiert, im Rathaus. Kunmsm WWW Aschias-Schnellkmen tauch gegen Hexenschuß und Armneuralgien) Pattföpackungen gegen Rheumatismus und Gicht Moeibtder, Diathermie, Heißluft, Höhensonne Kohlensäurebäder, Kalt Wasserkuren, täglich von s bis 6 Uhr Im ,,Therml«‘ -1nstltut, I. Betlrk, Frans-Josefs-Kall. Telephon Nr. 79-1-37 lii! IBEö. cE □ □ alao □□□□□□ogoi fchak schreit Scmjud, Austerlitz erfreut sich an Jesaias Aberbach. Ueberall stehen mir der antisemitlscheu Praxis gegenüber und sie wird unrso frecher, je mehr unsere Gegenwehr versagt, je mehr sich die Oeffeutlichkeit daran gewöhnt, daß wir schweigen. Es ist viel zu wenig an politischer Arbeit geleistet worden und die jüdischnationale Vertretung in der Wiener Gemeinde, in den Wiener Bezirksvertretungen hätte eine weitaus stärkere Resonanz, wenn hinter ihr eine geschlossene und entschlossene Organisation stünde, die sich nicht erst regt, ivenu die Wahlen aktuell werden, sondern die tagaus tagein zu jeder Frage das Wort nimmt mrd es aller Welt ins Bewußtsein hämmert, daß wir nicht zahlende 'und fronende Heloten fein wollen, daß wir für unser blutiges Steuergeld auch das fordern, auf tvas wir ein volles Recht haben. Wir wollen Freiheit als Menschen, 'Sicherheit und Bildungsmöglichkeit für unsere Kinder; wir verzichten auf gar nichts, nicht aus unser Recht als Staatsbürger, nicht auf unser Recht als Minorität. Wenn wir das nicht verlangen, wer solls denn tun? Wcn.Ni wir nicht vom FriedcnZvertrag sprechen, wer solls denn? Da wir es unterlassen 'haben, 'das Unsere zu 'fordern, ist der Verwaltungsgenchtshof über uns hinweggegangen. Da wir stumm sind, machen Christlichsozialc und Sozialdemokraten aus den Steuergcldcru ein Kompromiß Haben wir als Zionisten, die wir doch die jüdische Nation, ihre Ehre, ihre Arbeit vertreten wollen, zu alledem nichts zu sagen? Selbst wenn unsere Anstrengungen aussichtslos wären, dürsten wir sie nicht unterlassen. Sie sind es aber nicht: Eine jüdische Bevölkerung von etwa 200.000 Seelen Stärke, kann sich schon durchsetzen, wenn sie mir organisiert wird und ivenn der zweifellos .in ihr. lebende politische Wille -rfaßt wird. Diese Aufgabe kann , nur der Zionismus auf sich mchmen, der allein der Träger des jüdischen Volksgedaukens ist.' . Es ist.nichtwahx, daß hiorrn eine Beeinträchtigung der Palästinaarbeit liegt. - Ein jüdlsch beimißtes. auf seine Rechte bedachtes Volk wird die Palästiiia-Verrnlickstungen in' ganz anderem Ausmaß erfüllen können, mit ganz anderem und tieferem Verständniis an sie herantceren als dies heiute möglich ist, wo ivir ivondem reinen KvlonisationZverein nickst mehr weit entfernt sinh. In der ersten, enthusiastffchen Zeit unserer nationalen Erweckung haben ivrr innerpolitische Arbeit erfüllt und den 'Nationalfonds und die Kolon'albank geschissen. 'Wir haben die Pflichten erfaßt, die cms dem Baseler Prograrmu fließen. Hier eine Scheidung zu .oustruieren, die innere politische Arbeit (dir doch -igev'lich die äußere sein soll) zurückstellen gar aözulehnen, bedeutet einen sehr nmi- >ten Schritt aus dem Zionismus zur Assimilatio» zurück; statt die Orgauisiening der Volksmassen fortzufttzen und zu vollenden, statt sie au Gemeiusinn und fruchtbar»- Kritik zrl gewöhnen, droht wieder die Atomisierung und in nächster -Folge die Auslieferung der Lebensfragen unserer jüdischen Gewerbetreibenden, Intellektuellen, Studenten an die Notabelst und an Parteien, die das Judentum nicht als Nation, nicht als Konfession anerkennen. Das jüdische Volk, führerlos, wird zum Stimmvieh degradiert. Das ist freilich die logische Folge aus der heute offiziell geltenden zionistischen Anschauung, die auf die Führerschrst im Judentum verzichtet. Wir sehen die Konsequenzen, wir haben an Kraft, au Kampffreude, aber auchan Prestige verloren. Wir müssen zurück zur Beivegmrg. Und einer der Woge läuft durch die tätige Mitarbeit an der inneren politischen Entwicklung der Länder, in denen wir leben. wollen Ihre Wäsche ea»*ber haben sollen Ihre Wäsch* schonen daher wesen** lassen bei d*r FEIN WASCH ANSTALT BIANCA XIU., UNZßßSTßASSE 390, TELEJP-ON 61 8.91 holen und stellen jedes Quantum Wäsche kostenlos au, waschen Ihr» Wäsche ganz separat, schonend und bllltenwelß. halten Ihre Wäsche gegen jedes Risiko vollversichert, 156