Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2751 (23.10.1926)
- Date
- 1926-10-23
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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«4$ibrc 8W"ynywpiB Nr. M»1 WEIT Letzte «gchrW«. 6in Berban» ver Wische« Semcinven ln Pole«. Warschau, 22. Oktober (I. T. A.). Der Rat der jüdiicl)cn Gemeinde von Lowicz wandte sich au den jüdischen Gemeinderat von Lodz mit dem Vorschlag, eine Konferenz d e r jüdischen Gemeinden Polens einzuberufen, die die Gründung eines Verbandes zu beraten hatte. Die Lodzcr jüdische Gemeinde gab diese Anregung an den Rat der Warschauer jüdischen Gemeinde zustimmend weiter. Sie jüdische Bertretrmg im ungarische« Sberhaus In der ungarischen Nationalversammlung steht, wie vereits berichtet, die Gesetzesvorlage über die Organisation des ungarischen Oberhauses in Beratung. Der ursprüngliche Regierungsentwurf hat int Zuge der Ausschußberatungcn einige nicht unwesentliche Aeirderungcn erfahren. Eine dieser Blenderungen besteht darin, daß unter die Vertreter der Glaubensgemeinschaften auch der Vertreter der j ü d is ch e n Konfession ausgenommen werde. Usber die Person dieses Vertreters werden, laut der geänderten Fassung, die jüdischen Rcligionsgemcindon zu entscheiden haben. Wie uns hiezu aus Budapest berichtet wird, wird im Laufe der Parlamentsdebattc der Antrag gestellt werden, daß der jüdischen Religionsgemeinschaft nicht ein, sondern zwei Vertreter im Oberhaus zugebilligt werden mögen. In führenden jüdischen Kreisen wird nämlich die Befürchtung ausgesprochen, daß die Ueberlassung der Nominierung eines Vertreters an die jüdischen Gemeinden die jüdische Vertretung aus dem Grunde überhaupt illusorisch machen könnte, weil die den zwei verschiedenen LandeSkanzleien — der orthodoxe n und der n e o l o g e n — unterstellten Gemeinden sich kaum auf einen gemeinsamen Vertreter.einigen würden. Einzelne intransigente Führer der Trennungsorthodoxie plaidieren sogar für die bereits vor dem Kriege verfochtene und von klerikalen Regierungen auch akzeptierte Theorie zweier jüdischer K o nfnfsiönen. Es-ist nicht ausgeschlossen, daß die christlichsoziale-nationale Majorität der Regierung inr Hinblick auf diese voraussichtlichen Kämpfe innerhalb des ungarischen Judentums .sich zur Bewilligung des jüdischen -Oberhausvertreters und dessen Nominierung durch die jüdischen Gemeinden verstanden hat. Re deutschuationale Regierung von Danzig. Danzig, 22. -Oktober. (I. T. A.) Die in ihrer Mehrheit aus Deutschnationalen sich zusammensetzende Regierung des Freistaates Danzig ließ die liberale Partei, die das Recht auf die Besetzung eines Senatorfitzes hat, wissen, es wäre nicht erwünscht, daß ein Jstrde.diesen Sitz in der Regierung entnehmen sollte. Der zum Regierungsmitglied bestimmt gewesene Senator Dr. Neumann erklärte daraufhin, er sei aus Gesundheitsrücksichten nicht in der Lage, das Amt eines Senators auszuüben. * Dieser Herr Dr. Reumann ist Jude^ und es entspricht ganz der Art der liberalen „Israeliten", die Gesundheitsrücksichten einem Kampf um das Recht vorzuziehen Der Senator ist in seiner Eigenschaft als Jude betätigt, unterordnet sich aber gerne und nimmt die Kränkung leichthin in den Kauf. Es ist aber auch eine ganz besondere Art von Freistaat, dieses Danzig, und es wäre den jüdischen Kaufleuten nur anzuratem, ihren Import oder Export nicht über Danzig zu leiten. «Spuren von der Franklin-Expedition gestunden. Ein kanadischer Beamter, I. I, Koran, der soeben aus Wklavik am Polarmeer gurückgekchrt ist, hat nach Edmonton in Aliberia U-Äberreste gebracht, die an die unglückliche Polar-Expedition Franklins aus. dem Jahre 18-45 erinnern. Bekanntlich war das Schicksal dieser großen Unternehmung, die ausden Lchiffen ,/Exobus" und „Terror" zur Entdeckung einer Nord» westdurchsahrt nach dem Stillen Cgean aussegelte, in Dunkel gehüllt, bis McKlintock 1860 an der West- und Südküste von King Williams-Land einige Skelette und. Gegenstände der Expedition fand.. Nun hat ein Händler, Peter Nor weg, zu Thunder C.übe auf der Adelaide-Halibinsel, 16 Kilometer von der Simpson-Straße, an der die Schiffe von der Mannschaft verlassen wurden, neue Spuren entdeckt. Sie beistehen in einem mensMchen Schädel, einigen S t o f fst ü ck e n und?er eichenen Deichsel eines Schlittens. * Et» Testament auf einer Eierschale. Im Londoner Iustizpataftverbricht Man sich den Kopf über die Rechtsgmtigkeit eines Testaments auf einer Eierschale, das tarn einem auf hoher See verstorbenen Matrosen „aufgesetzt" lvorden ist. Der Vertreter der Krone ist der Ansicht, daß dies sonderbare Testament auf de« Schale eines ausgeblafene» Eies, in dem der Erblasser allen Besitz „Mag", scheinbar seiner Frau, hlnterläßt, unaMig ist. Einige Worte im Testament sind kaum entzifferbar. Jetzt geht die Frage darum, ob ein Zeuge für das Aufsetzen des Testaments nötig war, oder ob der Seemann Anspruch ans das Vorrecht machen kann, das allgemein den Schiffahrenden und den Soldaten im Felde zugestanden ist, Testamente aufzusetzen, auch wenn sie nicht mit den bestehenden Vorschriften iibereinstimmen. * Mareonis neuester Lautsprecher. Me Marcom einem Berichterstatter dieser Tage nrmeWe. ist ihm eine wichtige.Erfindung auf dem Feld der RundfunÄbermiWung geglückt. Er hat einen neuen Lautsprecher konstruiert, der imstande ist, Worte und Töne auf eine Entfernung von 13 bis 16 Kilo, Meter hm zu übermitteln. Der neue Lautsprecher ist in erster Linie» für die UDertragung von Nchen an eine große HörerschM aedMI, kann'aber'auch zur Übertragung musikalischer Darbietungen benützt werden. Ae Wisseaschalt vom gudeatam i« Amerika. Wir meldeten bereits kurz, daß Professor Dr. Felix Portes aus Königsberg bei der Eröffnung der jüdisch>en Volkshochschule in Berlin einen sehr lehrreichen Bortrag über „Tie Wissenschaft vom Judentum in Amerika" gehalten hat. Das, was in Amerika auf dem Gebiete der Wissenschaft vom Judentum bisher gleistet wurde -- führte Professor Perles aus — kam aus.Deutschland in die Vereinigten Staaten. Tic ersten Vertreter dieser Wissenschaft waren Zoos, Jastrow und Kvh u t. Systematisch wurde jüdische Wissenschaft erst durch, das im Jahre 1875 von Fsak Meir Wise in Cincinnati begründete erste Rabbinerseminar, das unter dem Namen ,Hebrew Union College" auch heute noch tätig ist. I. M. Wise hatte mit der Errichtung dieser Anstalt das bestimmte Ziel vor Augen, das gleichfalls aus Deutschland importierte Reformjudentum nach Amerika zu verpflanzen. Immerhin waren und sind an dieser Anstalt Gelehrte von Rang, die aus der konservativen Schule kamen, erfolgreich tätig. Neu mark, Lautorbajch, MargoPes und Malter sind auf judaistischem Gebiete hervorragende Ramm. Als Gegengewicht gegm diese zur Reform erzichertde Anstalt wurde 1886 das konservative Jewish Thevlogteal Seminary in Newyörk ins Leben gerufen. Zum Leiter dieser Anstalt wurde Salomon Schächter, der erfolgreiche Genisaforscher, berufen. Interessant ist der Hinweis dar- . auf, daß diese Anstalt gerade der Munifizenz des seither verstorbenen jüdischen Finanziers und Philanthropcsn. .Jakob H. Schiff ihre Existenz zu danken hat. In dieser Anstalt, der auch die Anregung und. zum Teile auch, die Durchführung der Jewish Encyclopaedia in englischer Sprache zu danken ist, wird seit ihrer Gründung ernste jüdisch-geschichtliche Arbeit geschrieben. Ihre Bibliothek ist vielleicht die reichste jüdische Bibliothek der Welt. Seit 1893 besteht das ausschließlich der unparteiischen Forschung dienende Tropfte College in Philadelphia, das von Moses Tropfte gegründet wurde. Die alte, früher in London herausgegebenen angesehene „Jewish Quarterly Review" wird jetzt gleichfalls von den Lehrern dieser Hochschule redigiert^ Auf der Mittellinie zwischen den zwei genannten Parteianstalten bewegt sich das' vor nicht langer Zeit von Emil H i r s ch . und Stephen Wise ins Leben gerufene Iewis Collegc in Chicago, in welchem sowohl" Forschungsarbeit als auch die Ausbildung von Rabbinern aller Richtungen das Arbeitsziel ist. Diese' Anstalt "wird chm aus diesen Gründen, obgleich ihre Schöpfer persönlich der Reformrichtüng angehören, außerordentlich gut frequentiert. Stephen Wise hat zur Hebung des Niveaus seiner Anstalt wiederholt die bedeutendsten jüdischen Gelehrten Europas zu Vorlesungen über ihr Spezialgebiet in abgeschlossenen Kursen berufen. Eine gro^ Blweutung für die Förderung der Wissenschaft vom Judentum kommt der „Jewish Publication Association", der jüdischen Berlags gesel lisch a ft, zu. Sie hat eine stattliche Anzahl wichtiger wissenschaftlicher Forschungswerke herausgebracht, wobei auch die schöne Literatur, sofern sie das Judentum betrifft und Juden zu Autoren hat, nicht unberücksichtigt bleibt. Zum Schlüsse erwähnt Professor Perles auch noch, daß derzeit aussichtsvolle Bestrebungen zur Gründung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums in Amerika vorhanden sind. Wertvoller Material rar Geschichte der gude». Die letzte Nummer des Registers über die Neuerwerbungen der Bibliothek des jüdisch-theologischen Seminars von -Amerika, der den Zmvachs in der ersten Periode des Studienjahres 1926/1927 umfaßt, verzeichnet abermals eine stattliche Anzahl äußerst wertvoller und für das Studium deh Geschichte der Juden bedeutungsvoller Bücher und Manuskripte. . , « Bon großer Wichtigkeit ist ein Bänd amtlicher Do kumente a!us der Zeit bet Vertreibung der Juden ausi der berühmten arragonischen Judengemeinde von Cervera.- Wie aus den Dokumenten h'ervorgeht, haben Juden dieser Stadt gegen das Austreibungsedikt Protest eingelegt, wobei sie sich auf verschiedene Privilegien, ditz ihnen im Laufe des 14. Jahrhunderts von den früherm Herrschest zugebilligt worden waren, beriefen. Der Band Dokumente enthält auch die Erledigung dieses Protestes durch die Behörden mit einer Liste der angesehensten Mitglieder der Gemeinde und Angabe ihres Vermögens. Der ganz«? Band besteht aus durch dm öffentlichen Notar der St<wt legalisierten -Abschriften aller auf die Mstreibrmg und Verfolgung der Jubelt bezüglichen Men, die dem Exekutor Und Henker am 12.. August 1492, also einige Wochen nach der Vertreibung behufs Durchführung der Exekution und der Verm-ä-gMLchinzt-eKung zur-Perfügung gestellt wurden-! Diese wichtige, neuere Quelle für' -die Geschichte der .Juden - in Spanien ist — ünd auch bas ist interessant — teils in lateinischer, teils in fatalonrscher Sprache verfaßt und iyurde von Man Ad-l er anläßlich seiner 'jüngsten spanischen Reise' entdeckt. Spure« einer ave« Stzuagoge in Peliag. Wie „Jewish Chronicle" berichtet, wurde bei Restau rierungsarbeiten an der Synagoge in Peking ein Bruchstück eines großen Fundamentsteins entdeckt, der als ein Teil einer uralten Synagoge identifiziert, wurde. Der Stein weist Gravierungen und Malereien auf, von denen eine Menorah, cm Efrog und ein Schofar noch fast unversehrt sichtbar sind. Das Alter dieses Fragments konnte bisher noch nicht einwartdsrei sestgestellt werden, doch haben schon die bisherigen Studien ergeben, daß es sich um das Fragment einer jahrhundertealten Synagoge handelt. Es werden rmnmehr, wie von anderer Seite berichtet wird, an dieser Stelle weitere Grabungen vorgenommen werden und man erwartet die Aufdeckung äußerst wichtiger Spuren alter jüdischer gesellschaftlicher Tätigkeit in Peking. Bel ve« 3«ven i« Syrien. Eittvm Berichte des Delsgievten des Keren Hagsulah Dr. H e l f m a n über seine letzte Äeise in Syrien entnehmen wir die folig-enden iintsressanten Daten: In Dä-maskus -her-rfcht wohl -gögenavLrt'dg Ritihe, absr die Stadt bietet noch immer das Bild eines KriegslagerS. Mit Embvuch des Abends ist das Leben in den befestigten Straßen außigs-storben. Die Bevötkeuu-nig lebt in mmusgesetztenr Schnecken vor plötzlichen Kriegsereiignissen. Eine Aütomvbilfahrt aus der Stadt hiniaus tvird bereits als tvageiUiittige .Pe-ldLntat angesehen,. Besonders schwierig ist d!i>e wirMsastliche Lalge in den syrischen Städten, da j e d e r .§ a n d e l s v e r - kehr unter-b roche n ist, worunter die jüdischen Massen besonders schwer zu leiden haben. Da alle Fäden zwischen den syrischen Inden und denen in Palästina zerrissen sind, ist.auch der Zionismus in Beirut stark zurlMgegangen. Die jüdischen Führer siird von den Sorgen um bt<c lokalen jüdischen Angelegenheiten völlig in Anspru>ch,genommen. Aber noch schlinr-mer ist es in dieser BeAlÄhung in Damaskus. Die jüdische Gemeinde ist hier wohl größer als die Beirut-er Gemeinde, aber die Folgen der Vorgänge in Syrien machen sich in Damaskus in viel schärferem Matze fühlbar als in den übrigen Städten. Außer einer verschw'iltdenden Gruppe wohlhabender Inden verarmt di-g jüdische - Dtasse in Damaskus von Tag zu Tag mohr. Unter den Auswandevern aus Syrien, die besonders nach Südamerika, Argsntinien und Brasilien ziehen, sind die meisten Juden.. Die furchtbare Armut in den -Jndengassen de.r syrischen Hauptstadt Mt uuch einen erfchlreckenden Einfluß ans die Erziehung -der jüdischen Kinder. Das von der paläst-inenlstschen Schulabteilung seinerzeit begoitnene Schulwerk in Damaskus besteht nicht mehr. Die einizige Schule, die von jüdischen Kindern besucht wird, ist die All ran z schule, in welcher ldas Hebräische ft-i-sflnütbevlich behandelt wird. Sehr ^beklagenswert ist auch die Lage der jungen jüdlijchen Mädchen in der Judengasse. Taufen zum Zwecke der Heirat mit französischen Offizieren oder Usbrrtrrtt zum M-dhammedanismus, um die Fau eines reichen Muselmans zu iverden, gehören in der letzten Zeit nicht mehr zu -den ' Seltenheiten. Bezeichnend -hiefür ist die Tatsache, -daß -die zwei jüdisch^naitio-nal-en Jugendorganisationsn in Damaskus, ,,MaMabi" und ,^bri Hazair", sich kaum mehr trauen, Mä-dchen in ihre Berbände auszunehmen, weil sie nicht sicher sind, daß .di» eine oder die andere von ihnen aus dem Judentum austrete, um ihre Wirtschaft" liche Lage zu verbesser ri und auf solche Weife Schande auf idie Wdischen Vevem'lgungen bringen könnte. Interessant ist auch, was Dr. Helfmon über seinen Besuch der sogenannten Üni-verfität in Damaskus berichtet. Diese syrische Hochschule steht auf deiner besonderen Höhe. Die Regiermrg sübventiomevt dte Universität mit dem geringen Betrage von 19.000 syrlschen Pfund im Jahre. Der mediMnischen FaLuÄät der Universität stehen überhaupt noch keine.LkHvbüchsr in arabischer Sprache zur Berfügung, trotz alledem ist -das Pvolfessorenikollegvum nach Kräften beMht. die Hochschule zu erhalten. Eine eigene Kommission wrrvöe gebildet, um Ne arabische. Fachterminologie für die Medizin zu schaffen. Die Lehrer der Hochschule in Danmsikus -baten Dr. Helfmail, die Bezichungen zwischen . d-veser Hochschule und der Jerusalenrer Universität, die ja gleichfalls in dm Anfärtgen chvsr ElÄvicklnug sicht und miit Schwierigkeiten vevschisdene-r Art zu kämpfen hat, zu vermitteln. Dr. HeLfman besuchte, auch das >unweit Damaskus gelegene Dorf Go bar, m lvelchem sich eine uralte Synagoge beftndet, an Me sich Mvigervs eine lntevessarrte syrische Legende knüpft. Die Aufttäudischen überfielm wiederholt dies>es Dorf und richteten es arg zu, aber an diese alte Synagoge wagten sie nicht zu rühren. Die Dorfbewohnsr erzäMen hierüber, daß eines Sdachts der Scheich des' Dorfes einen Daunr hatte, in ivelchem, >ihm eine übernatürliche Gestalt gesagt 'habe: Wollen Ä-o Dorfbelvohner vor UeiberMen, gesichert sein, so Müssen fje darüber wachen, daß die Synagoge 'keinen Schaden