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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-21 · Heft 2749 (21.10.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2749 (21.10.1926)
Date
1926-10-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2749 Wien, Donnerstag Wiener M-r-en-eirnng 21. tttöbec IMi Me 8 Sie Halluzinationen des Hammer-Fritsch. Ser Verleamvaaaspkmet vr« Ha«< aea« Saakier» »arbvrz sezen »r« „tisrmichchea Narren. Montag begann, tüte I. T. A. berichtet, vor der Strafkammer deS Hamburger Landgerlchi c s unter dem Vorsitz von Lan-dgerichtSdUektor Dr. 2 üh rsen der Prozeß gegen den Leipziger Antisemiten und Herausgeber der Zeitschrift „Der Hammer*, Theodor Fritsch, wegen Beleidigung deS Chefs des bekannten .Hamburger Bankhauses Warburg, Herrn Max M. W a rbncg. Fritsch hatte in zwei im „Hammer" erschienenen Artikeln, ttberschrieben „Der heimliche Kaiser" und „Wer ist an der Niederlage schuld?", gegen Max M. Marburg, der während des Krieges und nach dessen Beendigung von.der Reichsregierung verschiedentlich mit wichtigen Misstonerl betraut gewesen war,'vage Angriffe gerichtet und sich zu dem Ausdruck „Landesverrat" verstiegen. Bei der ersten Gerichtsverhandlung leistete Theodor Fritsch demütig Abbitte, woraufhin die Klage zurückgezogen wurde. Als er später, nach ehrlich völkischer Art, die Angriffe wieder? lie, wurde er vom Schöffengericht zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Die BerufungSinsmnz ernräßigte die Strafe auf 1006 Reichsmark. Dieses Urteil hatte seinerzeit wegen seiner Milde und insbesondere wegen seiner Begrürl'duug in ganz Deutschland scharfe Kritik erfahren. Das Hans.nlische Oberlandesgericht hob das Schandurteil, das Urieil der Vorinstanz, auf und führte in der Begründung u. a. aus, die Praxis des Borderrichlers hieße einen an Rechtlosigkeit grenzenden Zustand für Personen begründen, die sich im öffentlichen Leben betätigen und ihre Dienste der Allgemeinheit leihen. , In der jetzt stattfindenden Verhandlung sind Kläger und Angeklagter persönlich erschienen. Nach Verlesung des oberlandg^richtlichen Urteils stellt der Vorsitzende fest, daß zu prüfen sei, ob nicht in den mknmlnierten Artikeln noch weitere Beleidigungen enthalten seien, die das Landgericht überhaupt nicht zum Gegenstand seiner Beurteilung gemacht har. Der Verhandlnngsleiter bemerkt sodann, daß das heutige Gericht nicht den Versuch zur Lösung der 2900 Jahre alten Streitfrage über Judentum und Ariertum unternehmen wolle. Der Angeklagte Fritsch versuchte sodann, auf das Gericht dadurch Eindruck zu machen, daß er erzählt, er habe .tm Kriege, sein Vermögen verloren. Seit dem letzten Prozeß sei er zu der Ueberzeugung gelangt, daß es außer der jüdischen Hochfinanz auch noch eine andere internationale, eine nichtMlsche Hochfinanz gebe, worauf der Vorsitzende meinte, daß dann ja das ganze Gebäude der Angriffe des Fritsch zusammensiele. Ser guwelenvieb vom Rothschi d' chen Schloß verho let. Die vecrä ernche Taschenlampe. Wie berichtet, wurde in der Nacht zum 20. v. M. im Schlosse des Gutsbesitzers Louis Rothschild in Waid- Hofen an der Mbs ein verwegener Einbruch verübt. Der Täter war vom Ufer der Dbbs her gekommen, hatte einen zehn Meter hohen Baum benützt, um an chm ans den Erkervorbau zu klettern, hatte dann die Scheibe einer Glastüre eingedrückt und sich so Eingang in das Gebäude geschaffen. Der Einbrecher durchsuchte sodann die Räume im Erdgeschoß unb im ersten Stock und sprengte mit eitlem Knitter die Lade eines Schreibtisches auf, aus der er zum Schaden der Schwerer des Schloß- Herrn, Baletltine Springer, eine Note zu 1000 Schilling, eine Note zu 100 und ein Bündel mit Rvtan zu 20 und 10 Schiuing und aus einem erbrochenenen Lederkoffer Juwelen im beiläufigen Werte dort 15.000 Schilling stahl. Silberbesteck, einen Goidpolal und andere Wertgegenstände, die zum Forttragen schon vorbereitet waren, hat der Täter bann zurückgelassen. Nun ist in St. Pölten unter dem dringenden Verdachte der Täterschaft der 31jährige HttfsarLeityr üfld Kellner Josef Stampf verya.tet worden. Pr stellte zwar die Tat in Abrede, allein bei einer Haussuchung wurden Sachen gründen, durch die er überwiest» erscheint. An Juioelen fand man zwar nur eint goldene Ara- Wattennadel und einen Peinmutterknops; allein auSschlqg' gebend lvar der Fund einer Taschenlampe, die ebenfalls aus dem Schreibtisch der Frau Springer gestohlen worden lvar. Bei der Tatbestandsaufnahme nach Entdeckung des Einbruches hatte man im Zimmer einen Bruchteil eines Batteriekontrollstreifens gefunden und als Corpus delicti aufbewahrt. Dieses Fragment paßt nun an den Rißstellett haargenan an die Mrißstelle der Etikette der bet Stampf gefmtdenen Batterie. Durch diese Feststellung überführt, legte Stampf am Mge nach der Verhaftung ein Geständnis ab. Festgestrllt wurde ferner, daß Stampf den Schmuck dem Juwelier Koller in St. Pölten verkauft hat. Bei einer Haussuchung bei Koller fand man den ge- Die Beweisaufnahme geht weiter auf den inkriminierten Artikel „Der heimliche Kaiser" ein, in dem die Behauptung von einer geheimenjüdischenObergewalt ausgestellt worden war, deren „Generalstabschef" Marburg sei. Auf genau präzisierte Frage« des Vorsitzenden gibt Fritsch jetzt zu, daß feine allgemeine Beweisführung in dieser Hinsicht für die meisten Menschen unverständlich sei. Herr Max M. Marburg gab nun kurze Angaben über die Geschichte seiner Familie, deren Ansässigkeit in Deutschland sich auf 400 Jahre zurück verfolgen läßt und deren Mitglieder mehrfach, so in den Jahren 1870 und 1614, bewiesen haben, daß sie bereit seien, ihr Leben für Deutschland hinzngeben. Er selbst habe sich immer nur als Deutscher gefühlt und betätigt. Keineswegs sei er der reichste Mann von Europa, nicht einmal von Deutschland. Sein Vermögen fei kleiner als vor dem Kriege und weit lleiner als z. B. das von Thyssen oder eines atrderen Großindustriellen, der Nutznießer des Krieges gewesen sei, was keinen Vorwurf bedeuten soll. In Versailles habe er den ganzen Vertrag für wirtschaftlich und finanziell unmöglich erklärt. Seine Firma habe während des Krieges für Dentschland Garantien geleistet, von denen bei Annahme des Ausgleichsverfahrens des Versailler Vertrages die Firma entlastet gewesen tväre. Er habe sich trotzdem gegen diese Bestimmung ganz energisch . gewandt. Gegen die Arbeiten, die er sonst für Deutschland getan, könne nur ein Irrsinniger ungestraft die tollsten Lügen erheben^ Fritsch, immer'mehr in die Enge getrieben, will jetzt Marburg die persönliche und moralische Rechtfertigung zugcstehen, doch tverde Marburg immer im innersten Herzens!) als Jude verfahren. Vorsitzender: Wenn Sie das jetzt sagen, werde« Ihre bisherigen Angriffe vollends unverständlich. Es wird dann ein dem Artikel aus dem „Hammer" zugrundeliegender Aufsatz der „Daily Expreß" verlesen, nach dem Marburg die Räumung der N h e i n l a n d e durch die Engländer hätte hintertrciben wollen. Entgegen den Verdrehrmgen des Artikels im „Hammer" wird festgestellt, daß der Inhalt des englischen Artikels gerade beweise, daß Marburg in Deutschlands Interesse für ein Verbleiben der Engländer im Rheinlande gewirkt hat. Der Vorsitzende stellt fest, daß verschiedene andere Vorwürfe, die Fritsch gegen Marburg erhoben hat, in sich z u s a m m e n f a l l e n. Die Verhandlung wird darauf aus Mittwoch vertagt. I amten Schmuu. Las Goto war atteroiugs schon eingeschmolzen. Stampf ist seit seiner frühesten Jugend Dieb. Schon mit zwölf Jahren ist er im Jahve 1907 wegen Einbruchsdicbstahles zu zwölf Stunden Verschließung verurteilt worden. 1911 bel'am er toegerr Diebstahls 24 Stunden und 1912 fünf Tage Arrest und bald darauf sieben Monate schweren Kerker. 1914 wurde er mit 13 Monaten schweren Kerkers bestraft und erst Heuer wurde er in Innsbruck megen Einbruchsdiebstahls mit einem Jahre schweren Kerkers ab gestraft, jedoch dann bedingt entlassen. Rn SMnrrsperlaW. Seit einigen Woegen tteiu; ein Gauner mir einer besonderer. Art Bestes Schwindel sein Unwesen. Dw Mann kommt in Wiener Geschäfte, meist solche, die mit der Selcherbranche zusammenhängen, und'macht namhafte Bestellungen für eine Firma in Gmünd. Es handelt sich meist um Fleischermrsser, Fleischerhacken, Gewürze, wie sie Fleischer brauchen, dann aber auch um Käse, Bettzeug usw. Tie Bestellung macht immer , mehrere hundert Schilling aus und der Mantt bittet, sie all die Firma mit Nachnahme einzusenden. Dann erwähnt er so nebenbei, ihm sei das Geld für die Rückfahrt ausgegangen obei er müsse zur Rückfahrt sein Fahrrad aufgeben und hqbe durch Zusatt nicht so viel Geld. Unter diesen Vorlvätrden läßt er sich Beträge von 8 bis 20- Schilling geben, die ihm im Hinblick auf die, gemachte Bestellung um so lieber als Darlehen gewährt werden, als er bittet, die geliehene Summe auch auf die Rechnung zu schreiben. Die bestellten Waren werden dann von den Firmen nach Gmünd gesendet, wo sich herauS» stellt, daß von dort nichts bestellt worden ist. Dem Gauner ist eS lediglich um das kleine Darlehen zu tun. Der Betrüger wird übereinstimmend geschildert als ettva 36 bis 40 Jahre alt, inittelgroß, schlank, mit rotblondem, englisch gesuchtem Schnurbart, sehr defektem dunklem Anzug, zerrissenen Schuhen, dunklem, vermutlich grün-em Lodenhut, schmutziger Weste und Hostnspangen, wie sie Radfahrer zu tragen pflegen. An der rechten Hand fehlt ihm der Zeigefitlger entweder ganz oder bis zum zweiten Gliede. Ihr* Gesundheit können Sie vollständig wieder zurückerlangen, von allen Ihren Schmerzen werden Sie gründlich befreit, wenn, Sie DIANA 6«2 FRANZBRANNTWEIN MIT MSNTHOI. äußerlich zu Einreibungen, innerlich auf Zucker, tropfenweise genommen, verwenden. Das" beste Hausmittel, ttBERAtl EBHAtTHCH! Sie Gemeinde Wien leistet keine »eittstge istr jüdische Pfleglinge. Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstiandes. Gestern fand d»ie erste Plenarsitzung des Wiener i'sraelitü schon Kultnkivorstcmides nach den Sommcrferien statt, der die Genehmigung der Verfügungen, welche daß Präsidium in der Zwischenzeit getroffen hatte, Vorbehalten war. Z-u Beginn der Sitzung gemachte Präsident Prof. Pick der beiden verstorbenen Äultnsvorstände, Dr. FeV'x Katz au und Moritz Schwarz. Sodann sprach der Präsident dem Anttsdirektor und Ersten Sekretär Dr. EmA Adle r, der am 26. August sein WjährigvS Dienstiju'biläum gefeiert hatte, den Tank und die Anerkennung des KultuSvorstan-deS für feine musterhafte und vovbMiche D'.cnstlei'stung aus. Hierauf erstattete Aintsdirektor Fuchsgelb den Präsidinlbericht. Er hob insbesondere hervor, daß die Ansuchen u m Unterstützungen i in in e r häufiger werLen und daß sich das DertreterkMegiunl deöha'Hb in einer ad hoc Liiteerufenen Sitzung entschlossen halte, einen außerordentlichen Kredit von 7300 Schilling zu bewilligen, um wenigstens die uuÄbmcislichcn UnterstÄtzungsst'ille noch vor den Feiertagen zu erledigen. D:c Arbeiten für den Voranschlag für das Verwaü L ungsjahr 1927 sind bereits so weit vorgeschritten, daß schon in der allernächsten Zeit mit den Beratungen begonnen werden kan<n. Soweit sich aus den Ergebnisziffern der neunmonatlichen Gsbarung und den feststehenden Erfordernissen der resMchen drei Monate des Verwaltungsjahres 1926 ersehen läßt, wird trotz verhältnismäßig günstigen S t e u e r e i n g ä n g c n und trotz Zurückstellung von nicht unumgänglich notwendigen Ausgäbeposten ein Gebar u ng sde fi z'i t nicht zu vermeiden sein. Aus dem Bericht ist ferner hecvorsuheben, daß der Nckberbclag in der Versorgungsanstalt in der Seogasse äußerst groß -.st und die Zahl der Atefncchmswerber von Tag zu Tag steigt. Der Kultusvorstand wird Vorsorge treffen müssen, um einen weiteren Ausbau d es. Sii ech enhauses §u ermöglichen!. Der Wiener Magistrat hat in letzter Zeit alle Ansuchen um B e i t r a g s I e i st u n g e n für nach Wien zuständige Pfleglinge sowohl im Sieche-nhaus als auch in beu jüdischen Kinderheimen abschlägig beschieden, weshalb d>aS Präsidium der Kultus gemeinde bei den maßgebenden Persöulich'keiteu in dieser Angelegenheit vorstellig worden wird. Sodann erstattete Vizeprästdent Dr. Löwen Herz den Bericht über die temporären Beiveranstaltungen während der hohen Feievtage. Insgesamt wurde für 42.900 Teilnehmer am Gottesdienst Vorsorge getroffen, wobei 4200 Freipilätze verteM wurden. In den Olymipliasälen wurde für 700 Jugendliche ein Gottesdienst abgehalten. Dr. Ticho referierte über die Bovkchrunzen für den Jugondgottesdienst und Kultusvorstand Engel über die Ferienaktion für die Jugend. Die Ausgaben für die Jugendfürsorge sind bedeutend gerstliegen, so daß für diesen Fü-rsorgoMeig ein Nachtragstredit a-ngesstrochen werden muß. Ter Kultusvorstand genehmigte foda-nn eine einmalige 20prozentig-e Zuwendung an die Angestellten und Penfii onisten in Ungleichung am die außerorlenttiche Zuwendung an die Wiener Gemeindeangestellten. Billiger bauen! Die Bauten der Gemeinde Wien um» 33 Prozent M teuer? — Eine Baupvobe der Hausbesitzer. Der Zentralverband der Hausbesitzervereine von -Wien lud für gestern die Vertreter der Wiener Presse zu einer Besichtigung zweier Bauten ein, die er aufführen ließ, um zu betveisen, daß die private Wohttbau-- tätigkeit um vieles billiger arbeiten könne als die Gemeinde Wien. Ein einstöckiges Haus wurde im 18. Bezirk in der Kreuzgasse 93 gegenüber einem Häuserkoloß der Gemeinde Wien errichtet und nimmt sich in dieser Umgebung recht armselig aus. Die Bausumme für dieses Haus beträgt 52.000 Schilling, so daß ein Qucckratmeter Wohnfläche auf 265 Shilling zu stehen kommt. Das Haus ist alles eher als komfortabel ausgestattet; es hat einige Geschaftslokale und eine einzige Mietwohnung. In einem Zimmer befindet sich eine störende Säule,-welche die Feuerung oorstellen soll. Dagegen ist der zwette Bau im 18. B^irk in der Zuckerkandlgasse eine luxuriös ausgestattete Billa, die, wie der Erbauer, Architekt Plank versicherte, aus dem besten Material erbaut ist. Die Gesamtbaukosten betmgen hier 48.000 Schilling; ein Quadratmeter Wohnfläche stellt sich auf 308 Schilling. Nun kostet, wie der Präsident der Hausbesitzervereine von Wien, Mvißl, mittMe, ein Quadratmeter der Wohnfläche in einem Genteindehause' 400 Schilling, so daß sich eine Mehrausgabe von rund 33 Prozent ergeben würbe. Es würden sich nM den PexM-.

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