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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-20 · Heft 2748 (20.10.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2748 (20.10.1926)
Date
1926-10-20
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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f Wien. MiEwoch ...—■■ ■ , ■ . ■— —- — B <1 n kkam miss i o ns g c s e tz es; Einführung einer OrganiMion zur amMchen Prüfung der Bilanzen der Banken (C h a r t e r e d a c c o u n t a n t s, nach eng» lvä',em Mffter) en'ifpreclMd den Vorschlägen der Bankkommission; Rsorganisation der Einrichtung der Staat sk v m m i s s ä r e bei den Banken; Vermehrung der Rechte des Generalrakss bet' MtisMÜbawf, so dM dem Gsneralrate voller Einblick ick die Geschäfts sührn ng, insbesondere ober in die Krsdi>!gewäl>rimg gegeben .oerds; Grletigrmg des P oftsparka s s e n g esetzes-;. LoslösnNg der &re it g a und der Versetz r s k r e d i t b a n k voll der Postsparkafsa; Anlage der Bundesg>Äldöx und der Gelder von Bu ntes unterueMlMcn n -u r d n r ch d i e N a t i o n a l b a n k und die P oftsparkas sa; Ve.Oot für die Bundesländer, sich an Bank-GNengeseNchaften zu beteiligen; Verbot für V o! k sb e a u ft r a g t e, der VemxrltttrU e \ ruer Ba nk-Mti eng es ells chast anzug ehö re n. Rintelen zwischen zwei RWett. Die gestrige Sitzung des steirischen Landtages Wurde nach einer Mitteilung deZ Lond^gLprastdenien geschlossen, :atz behuss Abhaltung vsn ParieienbesprechungLN zur B e ile-grlng der Krise die nächste Sitzung erst arn Freitag jtattfinden werde, voraussichtlich wird Dr. Rintelen oNs seine Wahl zum Landeshauptmann verzichten. Das käme seiner gänzlichen K <r I f st ellung gleich, £« er ja auch infolge Rücktrittes der Regierung Rümek feiner Stelle als llnterrichksminister verlustig geworden ist. F«de« uns SaujuSr». Otzk Obmann btt Wiener' Christlichsozialen Partei Aög. Kllnschük behandelte am Montag in einer Versammlung in Hernals den von den Sozialdrnvokrütett aus Anlaß der Zentralbankangelegenheit gegen dieChristlichsözmie Partei geführten Kampf, Er erinnerte an seine Hietzinger Rede, in der er ausgeführt hatte, daß dieser Feldzug durchwegs von Jrrvxu geführt werbe, und fügte hinzu,'er habe von einer. Reiche von Jirdeu Briese erhalten des Inhalts, er solle sie nicht mit diesen Buben auf eine Stufe steilen. Künscha? verbesserte sich darum und sagte: „Tie Leute, die setzt den Kamps gegen uns führen, gehören nicht schlankhin zu den Juden, T-as sind Leute, für die der Wiener einen andern ÄUsdtUa! hat: das Wort Saujude n." Tann kam Kunschak auf die KasseNbestände der Gemeinde Wien zu sprechen mrd behauptete, daßBreitner im Jahre 1924 rund 986 Milliarden bei den Banken liegen hatte. Darunter befanden sich 95.9 Milliarden in Valuten- Diese letztgenannte Ziffer zeige, daß Breitner dev grüßte Valütensp ekulattt sei. Nach dem für 1026 ausgewiesenen Zinsenertrag für das bei den" Banken angelegte Gemeindegeld ertechnete Kunschak, daß Stadtrat Breitner 247 Millionen Schilling itt deN Banken angelegt habe. ,Lch habe vorhin erwähnt,^ schloß der Redner, „daß die Leute, die diesen Kämpf in der sozialdemokratischen Partei führen, ausschließlich Juden sind. Im steirischen Landtag wird Obstruktion betrieben. Die arischen sozialdemokratischen LandtagsadgeordNeten der Steiermark wollten nicht so Vorgehen, aber da ist Tr. Otto Bauer hinUNLergesahren unb hat zu. diesem wüsten Kampfe aufgetrumpft, Im niederösterreichischen Landtag nehmen schon die Herren Tr. Darrnebsrg Und Breitner an den Sitzungeil des sozialdemokratischen Landtagsklubs teil, augenscheinlich zu dem Zweck, um das Beispiel aus dem steirischen Landtag in Niederösterreich nachzuahmen. Die B r a n d st i f t u n g, die in Steiermark begonnen hat und in Niederöfterreich fortgesetzt werden soll, wird dort nicht stehenbleiben, sondern weiLekgeheN. Was daraus folgt, mögen die kaltschnäuzigen Juden verantworten. Ich fühle in mir die Kraft, die Begeisterung und die Verantwortung dafür, in diesem Judensturm die Fahne Luegers wieder zu ergreifen (stürmischer Beifall), hochzuhalten und den Wienern voranzutrageri." Die Pogromdrohung Und das „Haut die Juden!" sind ein altes mrd abgebrauchtes Rezept, um den Unwillen der Bevölkerung auf die Juden abzulenken. Ueber ihre eigens CharakteMsigftit werden nun diejenigen, ine Kunschak Briese geschrieben haben, nach der Lektüre dieser Rede genügend aufgeklärt sein.' Daß sich schließlich, die Danneberg, Eisler und Korlsorten das Wort „Saujudett" gefallen lassen müssen, haben sie sich wohl selbst zuzuschreiben, Nicht wegen ihres Feldzuges gegen die Zentralbankpanamisten, sondern well sie immer urch ittrmer wieder in den diversen Protokollen Nach Juden herumstöberten und froh waren, unter der Legion christlicharischer Korruptionisten richtig einen Jesaias Aberbach und einen Gottesmann zu finden, deren Namen sie dann den Verteidigen!. der arischen Bankenskandale als Kompagnons eines Rintelen, Buresch und anderer Aetisemiten vorhielten. Die MKttaulwertung de« belgischen Franken. Brüssel, 19. Oktober. Die Kammer hat mit 118 gegen 30 Stimmen den Regierungsantrag angenommen, am 9. November die drei Projekte für die W i e d e r a u s w e rt u n g dos Frankens zu erörtern, um die Regierung. in die Lage zu versehen, in der Zwischenzeit ihre Aufgabe auf Grund der erteilten Sondervollmachten durchzuführen» Wiener Morgenzett: g Kliil» radikaler Zionisten Heute Mittwoch, im Ökfotm 1926, um V*9 Uhr abends M CäH Atlasftof (Klubiokal) Klabversaminliiiia -m TAQtsotpmmi „Mt iMtrpoßfisde KMItzlinz ftr Kuckrtee" Referent: D. NEBERZÄHL Freie Aussprache Im österr. Landesverbände organisierte Zionisten als Oäste willkommen: Durch Haudeksriede« zum WeWiede». Kfr Mw, 20, Oktober ftift Die Gläubiger der Welt sind durch die Entwicklung Kßk durch die Friedensverträge geschaffenen Lage in Europa beunruhigt Mb werrdeN sich ckn ihre Schuldner mit denk Appell M Vernunft. Nichts anderes ist der an anderer Stelle dieses Blattes veröffentlichte Aufruf der Führer der Wettwirtschaft. Dieftr Ruf zur Mstwnung krnnmt in der allerletzten. Stunde, und es ist kaum zu verstehen, warnnt er bisher noch nicht erklungen ist. An dem Tage, an dem der Friedens-Vertrag von Versailles unterzeichnet wurde, begann jene Abwartsbev-egung der Weltwirtschaft, auf deren Trümmern heute die Geldmagnüten der Welt sitzen und weinen, besorgt um ihren eigette» Besitz. Es find diefelben Finanziers und Großindustriellen, die heute zur Einkehr mahnen, die selbst den heutigen Zustand verschuidet haben. Niemals hätte die Weltwirtschaft bis zur heutigen Krise gedeihen können, hätten die gegenwärtigen Gläubiger der kleinen mrd auch der großen", der neuen und der alten Staaten nicht den Handelschaubinismus der einzelnen Nationen durch ihre Geldmiitel und Kreditgewährungen gereizt. Alle die kleinen nationalen Industrien in den Nachfolgestaaten, die, ohne Lebensberechtlgung zu' haben, nur dazu geschaffen wurden, UM dem Nachbar das Leben sauer zu machen, hätten niemals entstehen können, wenn die iNteruatiönM Finanz sie nicht aus ganz gewöhnlichen Profttgründsn möglich gemacht hatte. Die Kurzsichtigkeik, die heute die Finanzgrößen aller Staaten den Politikern vorwersen, fällt auf ihr eigenes Haupt zurück, denn sie waren es, die durch ihre Geldmittel den Handel zur Dienstmagjd der Politik gemacht haben. Heute, nachdem die Schuldner notleidend geworden sind, suchen die Gläubiger mit Bernunstsgründen zu wirkerr und zu retten, was zu retten ist. ' . Es ist. die zwölfte Stunde, in der die wahren Lenker der Geschicke der Verbraucher Und der ärbeitenden Volksschichten aller Staaten sich zut gemeinsameir Gutmachung der eigenen Schuld und der eigenen Versäumnisse vereinigen. Es ist die zwölfte Stuirde, aber noch nicht zu spät. Es wird bloß davon abhängen, ob die Wege, die jetzt eingeschlagen werden sollen, nicht wieder Irrwege sein toerden. Es ist auch die Frage, ob die Besitzer des flüssigen Geldes, bevor sie mit ihrem Appell in die Oeffentlichkeit llraiett, sich ailch vergewissert haben, daß die Politiker der Welt, denen sie bisher Vorspann leisteten, ihnen auch auf diese Bahn der handelspolitischen Versöhnung zu folgen gewillt siiü».- Denn das »st nicht ganz sicher. Der Vorläufer des Waffenkrieges war stets der Handelskrieg. Auch dem Weltkrieg gingen die Handelskriege zwischen T-euischland und Rußland, Oesterreich-Ungarn und Serbien voran. Und es ist wahr, daß auch jetzt der nationale und Rassenkamps in den neugebildeten Staaten der Vorbole für nerce Wasfenkriege werden muß, wenn nicht vorher der Handelsfriede zwischen den einzelnen Nationen und Staaten hergestellt wird. Es ist deshalb nicht ohne Bedeutung, daß auch der gegenwärtige Schritt der Wellsinünz zur Herbeiführung des tzandelssriedens, der den Weltsrüdett sichern hilft, erst nach dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund denkbar und ausführbar geworden ist. Dis ganze Aktion hat ik-doch nur bann einen Sinn Und kann zu dem erhofften Ziel führen, wenn nicht nur zwischenstaatlich, sondern auch m den einzelnen Staaten selbst Handel und die Industrie tatsächlich frei sind, wenn der nnrtschaftliche Boykott gegen einzelne Bevölkerungsteile, gegen bestimmte konfessionelle oder native nale Gruppen, entweder ööu Amts wegen betrieben oder vom Amte bloß geduldet, endlich aufhört. Auch im Handel und gerade tm Handel darf nur die Befähigung und die Rechtschüffenheit süt die Ausübung eines HandelsberufeZ maßgebend sein. Aber gerade den Führern dieser großen''finanzpoMischeit Bewegung ist es ja bekannt, daß in den Meisten der' neugebtldeten Staaten und in letzter Zeit anch in den alten Stäatengebilden der nationale Chauvinismus sich in einer Weise kundgibt, die dazu führen soll, daß Volksgruppen, die niemals den Handel und die Industrie als standesgemäß« Berufe betrachteten, künstlich zu Händlern mid Industriellen gemacht werden, nur um die Juden, die den Handel und die Industrie in diesen Ländern geschaffen haben, von ihren Positionen zu verdrängen und um ihre Existenz zu bringen. Zu diesem Bohufe werden auch die vekiverflichsten Mittel, wie Ausweisung und ad» miilistrative Verfolgung, angewendet. Die internationalen Kreditgeber hätten es in der Hand, das von ihnen proklamierte System des freien Handels dadurch zu stärken, daß sie die Gewähmng von Krediten für Handels¬ und Jndustrieztvecke davon abhängig machen, daß diese 9. Oktober 1926 Nr. 27M Kredite nicht zur Stärkung des nMi»«Ä0L Chauviuismus und Beschränkung des Handels awf urvttfechrem. Elemente verwendet werden. Es fehlt Nest? Dkanz^- und» handelspolitischen Friedenskonferenz, Re dir' Mterzerchner des AppeM p fsö» vorgßSM, eine für Sen Erfolg ihres UnterrrchmeM styx Wichte GrundLedingung. das ist die Sicherung Ser MönmiMsvechte im HarÄeWvirrkehr. Dbx ErMmrGm Ser ftanzösischen und italienischen UMrMhngL des ApfieW belveisen leider. Laß auch nicht j SWdaS MMfost Ser. finanziellm BeherrMr der Wett unterzeichnet haben, M vorbehaltlos taten. Dve Franzosen glauben sich irgendwie rechtfertigen zu müssen, daß sie von dem bisher in Frankreich alL patrLotißch angesehenen politischen Pfad aLweichen. Hingegen haben die Italiener recht, wenn sie ihre Mitwirkung an der Aktion an bestimmte Bedingungerr knüpfen, deren Er-! Mtiow b-lldem Boruchlnlich. ist es richtig, daß nicht nur süllnng tatsächlich Re Boransfchnng des Gelingens der die Franken, die dem internationalen Handelsverkehr aufgerichtet wurden, schuldtragend an der furchtbaren Weltkrise find, sondern in nicht geringeren^ Maße die Beschränkungen, die dem internationalen Verkehr der Menschen überhaupt auferlegt wurbelt. Tie Ersch'.vemngen in der Emurch« Auswanderung, die in den letzten Jahren von den wichtigstes Ewwanderungsländern gesetzlich verfügt wurden, lasten auf den wirtschaftttch schwachen Staaten zumindest so schwer wie die Tarife und Zölle für die Ein- und Aussirhr von Waren. Erst wenn alle diese Vorbeugungen für eine tatsächliche Befriedung aller Volksgnippen innerhalb der einzelnen Staaten verfügt sind, wird man den Appell der Beherrscher des Geldmarktes der Welt als eine Aktion für den Weltfrieden werten körrnen. Me palnksche Dnreaokratte. Ein Erlalr des neuen Innenministers. Warschau, iS Oktober. Der neue Minister des Inneren, General S l a w v s - S k l a d k o w s k r, hat an die BezirkshQuptleute ein Zirkrllar erlassen, das das Verhältnis dieser Behörden der ersten Instanz zum breiten Publikum regelt. Der Minister bekämpft in diesem Erlaß die B u r e a u k r at i e der unteren Behörden, die fick) vielfach über primitive Staatsgrundgesetze aus Trägheit Und Uebechebung hinwegsetzt. Die Petenten müssen — daraus weist der Erlaß des Ministers ausdrücklich hin — oft tagelang auf die Erledigung ihrer Gesuche warten und die Beamten machen, häufig Unterschiede nach Abstammung undReligion. Nach dem neuen Zirkular ist der Bezirkshauptmänn zur h ö f l i ch e n, s a cht i ch e n und raschen Erledigung jeder ihm vorgelegten Bitte verpflichtet. In den Bezirkshaupkmannschäften muß . ein Empfang s r a it m eingerichtet werden, in den j e d e r St a a t s bürge r ohne Unterschied Eintritt haben soll. Um halb 10 Uhr vormittags empfängt der Vorstand der Kanzlei alle Bitten, Forderungen und Gesuche der einzelnen Parteien, worauf sie sofort vom Bezirkshauptmann empfangen werden muffen, der auch gleich die Entscheidung treffen mutz. Der Bezirkshauptmann ist verpflichtet, täglich wenigstens zwei Stunden dem Parteienempfang zu reservieren. Der Minister kündigt weiters häufige Inspektionsreisen und eine scharfe Kontrolle der Wovwoden an. Die neue Empfangsorvnung wird in allen Städten und Dörfern Polens öffentlichverlautbart werden. Jedermann, der von dem Bezirkshauptmänn oder von einem Becmtten binnen drei Tagen nicht empfangen wurde, hat das Recht, sich sofort brieflich oder te'legraphvsch Letrn Minister des Innern zu beschweren. Die FrankeufSlscherkomödke geht Wetter. Frankreich soll die Amnestierung genehmigen. Budapest, 19. Oktober. - Wie die Bläser melden, wurde heute in den Eou5oirs der Nattona-llversa-mmlim-g di« Leige einer a -I l $ -e m e t n e n politischen Am ne st i e, inslbesoniders aber die Frage einer A mne stieru ng der im Frantensälschungs- Prozeß verurteilten Personen besprochen. Man verwies auf eine Aeußerung des JnstizministerS P e sth y daß er die Frage einer polttischsn-Amnestie für diskutierbar haM. BoWAwoWährtsmrttister Dr. Bas erklärte heute itt den Eänsoirs, es wäre sehr Mü-nschenAwert, wenn sich auch die öffentliche M >e i n u n -g mit der Frage der Amnestie der im FranLenvälischunlgAprozeh Devurtevlten befassen rvürde. Er sei der An'st51, >datz diese Personen keine gemeinen Verbrecher seien. Es -wäre em-e noble Geste seitens der Franzosen, tvLnn der Geist der Versöhnung auch bezügllich dieser Affäre von den verantwortl i ch e n f r a n z ö s i s ch e n Stellen auSginge. Man Müsse berückfichtigen, daß weder die Bank von Frankreich noch die französische Nation einen effektiven. mai!ierl>sllen Schäden erlitten haben, 'was auch der Vertreter der Bank von Frankreich anläßlich der Gerichts- Verhandlung erklärte. Zsttvay — Präsident derNationasversammsttttg. Budapest, 19. Oktober. Die Naliionalversammtung hat heute mit 121 Mgen 22'Stimmen den bisherigen Mzepräsidenten Tibor, Z s i t v a y zum Präsidenten an Stelle des zum Innenminister ernanckvn Adalbert von Scitvvszky gewählt.

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