Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2748 (20.10.1926)
- Date
- 1926-10-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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j Polen: SS gtOSty | Wien: Zum Äbholen in der Expedition, II., Taborstr 1-8 oder in einerVerschleiöstelle (Trafik) monatl.5 Schilling Straßenrerkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, l., Wollzeile 11 Mit Poetversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tscheche - Slowakei: Mon. K 22 Jugoslawien: Mon. Din. 60 Polen: Mon. 6 Zloty Deutschland: Mon. Gm. 4. Frankreich, Belgien: Mon. Pres. 85 Machaahlutxren bei Prele- »rhObooKti forbeheltea ^ssssssssssssssssse Ar. 2748 Wiener orgemeiümg Wien. Mittwoch. 20. Lktober 1926 (12. «Heschwas SS87). I Preis {80 g I En gl an d:Mon.4 Schilling. Italien: Monatl. 20 Lire. Rumänien: Mon. 170Lei Bulgarien:Mon.lOOLewa. S c hw e i z und das flbrige Ausland monatlich Pres. 5 Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon: 44-0-88, 48-8-19 Ab 6 Ohr: Tel. 31-209 VU.. Lerchenfelderatraße 1 (Druckerei „Inva“) Oeaterreichischos Postsparkassenkonto Nr. 150 693 8. gahrgang öm redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mittettungen sind durch ein vorangefetzteS E gekennzeichnet. Das altbewährte Kräftigungsmittel für Körper und Nerven uss? ist in allen Apotheken und Drogerien erhältlich. Proben und-Broschüren kostenlos durch Bauer & Cie., Berlin SW 48, Friedrichstraße 231. Der polnische Außenminister Aber die Wische Fräse. Die zionistische Orgamfatis« in Polen. — Die kulturelle Autonomie. Warschau, 19. Oktober. Kn eiit-emt Gespräch ' mit dem Herausgeber der Jüdischen Tolegraphen-Agenitnr Jakob Landau äußerte sich der polnische Außenminister unter anderem über aktuelle indische Fra-gen. Auf die Frage des Jnterv-ie/tve-rs, die die Stellungnahme des Ministers zum Zion i s m u s und zur Gründung einer nationalen Heimstätte für die Juden in Palästina betraf, antwortete Zaleski, daß er dem Zionismus und seiner Entwicklungin Polen mit groß« tem Wohlwollen gegenüberstehe. Dep Minister verwies: auf den-B r i e f, denseinerzeit Minister 'des Aeutzern: Skrzyns k-i dem Präsidenten der zionistischen Exekutive S o k o l o w überfandttz.In diesem Brief hat bekanntlich die polnische -Regierung ihre Sympathie der sionistlschen BeümglilN'g gegenüber ausgesprochen. Der Minister verwies ferner darauf, daß vor kurzem die Behörden der -weiten Instanz darauf aufmerksam gemacht würben, daß die zionistische Organisation eine politische Partei sei und als solche einer Legalisierung nicht bedarf. Nur solche zionistische Vereine die ein besonderes Tätigfeitsgebiet haben,. das über den Rahmen einer politischen Partei hinausgeht, müssen nach den gesetzlichen Bestimmungen registriert werden und auch flirr diese Fälle haben die administrativen Behörden die.Weisung erhalten, die Formalitäten rasch imd entgegenkommend zu erledigen. Der -Interviewer fragte >den Minister - weiter, welche Stellung er zu den jüdischen Bestrebungen auf Erla ngung' einer k u il t u r e l I e n Autonomie i n P o I e n einnehme, und erhielt folgende Antwort: „Da ich Anhänger der größ>Vnögliche>n kulturellen Entwicklungen aller Schichten «und aller Bürger Polens ohne Unterschied, der Nationalität bin, glaube ich, daß alle Mittel, 'die. dieses Ziel. im - Rahmen der bestehenden Gesetze anstreben, nütz l i ch' u n'-d wünschenswert sind. Die polnische Verfassung, die in dieser Richtung über die inter(rationalen - Vorträge hinausgeht, sichert allen Staatsbürgern das Recht der Beibe- Haltung ihrer Nationalität. und Pflege ihrer Sprache und ihrer na'tionalen Eigenschaften; sie sieht besondere Gesetze vor, , die . den Minderheiten volle und freie Entwicklung ihrer nationalen Eigenschaften durch autonome Verbände . von öffentlich,rechtlichem Charakter ' int Rahmen der allgemeinen Autonomie sichern. Gegenüber den Bestrebungen der Juden Kur Erreichung einer solchen Autonomie hege ich die eutgegenkomm e ndste rt Gefühle." Sie -Mische Polizei wird militarisiert? i.''rrlin, 19. Oktober. (Tel.-Comp.) Pach einem W ars cha u e r Telegramm der „Bossischen Zeitung" -steht eine einschneidende Veränderung auf demGchiehe des Polnischen P o l i z e i w e s e n ö bevor. Die gesamte polnisch' P o l i z e i soll der Kompetenz pes Innenministers entzogen, völlig militarisiert und direkt dem Kriegs minist er unterstellt werden, also nicht mehr ein Exekutivorgan der Verwaltungsbehörden bilden, sondern einen Teil der Armee, der die Ruhe und Ordnung nn Lande zu schützen hat. Ae Mische Steichskonferenz. Feierliche Eröffnang durch Baldwin. — Sie Wirtschaftsvrobleme des brittfche« Weltreiches K. London, IS. Oktober. Heute vormittags wurde in Downing Street unter Vorsitz des Premierministers Baldwin die britische Reichskonferenz feierlichst eröffnet. 2b Delegierte aus dem sich selbst regierenden Dominions und aus dem Königreich Indien werden einige Wochen lang zusammen mit den Mitgliedern des britischen Kabinetts eingehend alle das britische Weltreich berührende Fragen beraten. Die Hauptpunkte des sehr mlfangroichen Konferenzprogrammes sind: Fragen der auswärtigen Politik, ferner Fragen der Verteidigung beziehungsweise Entwaffnung, sowie das Problem einer raschen und klaglos funktionierenden politischen Verbindung zwischen den Dominions untereinander, beziehungsweise ihnen und dem Jnselreiche. Die wichtigsten Programmpunkte sind aber diejenigen, die mit Englands Wirtschaftssorgen zusammenhängen, vor allem die Ausgestaltung des Handels und Ausnützung aller wirtschaftlichen Möglichkeiten. Charakteristisch für die Stimmung, unter der die Reichskonferenz st-cht, sind die S e l b st ä n d i g k e i t sbestrebungen Südafrikas und die Verschlechterung der englischen Handelsbilanz. Nach beiden Richtungen hin die. richtigen Lösungen zu finden, die Dezentralisationsbestrebungen der Dominions, die sich immer stärker äußern, auf eine dem Gesamtreich zuträgliche Formel zu bringen und für die Vsirtschaftsnot die entsprechenden Heilmittel auszuzeigen, d!e freilich mit der Lösung der allgemeinen Wirtschaftskrise Zusammenhängen, das sind die schwierigsten Probleme der Konferenz. Die Rede, mit der Premierminister Baldwin die Vertreter der Dominions begrüßte und in der alle Fragen, die die Konferenz zu behandeln haben wird, ausführlich erörtert wurden, hatte zur Grundlage eben die brennenden Sorgen der britischen Wirtschaft. Der Premier erinnerte daran, daß das Verhältnis der einzelnen Teile des Reiches untereinander klargelegt werden müßte, um festzustellen, wie die Dominions nicht nur untereinander, sondern auch mit dem Mutterlande inniger verknüpft werden könnten, wie der Handel vermehrt und die wirtschaftlichen Möglichkeiten zum Vorteile a l l e r entwickelt werden sollen. Nach Baldwin sprachen die Premierminister von K an a d a, Australien, N e u s e e l a n d, Südafrika, Neufundland und der Präsident des Vollzugsrates des irischen Freistaates. Wie Neuwahl der Regierung. Zer Mioistertulstanfch. Düi Abwicklung der österreichischen Regierungskrise geht rasch vonstatten. Die Auswahl der regierungsfähigen Partcteit und der Männer, die eventuell für euren MmisterpöstM in Betracht kommen, ist nicht groß, darum gibt es hier schon seit Jahren keinen Systemwechsel, sondern nur einen Austau sch einzelner Persönlichke r te n. Wie erwartet, haben die Christlichsozialen gesterir beschlossen, Doktor Se ipel zu ersuchen, luicbet an die Spitze der Regierung zu treten. Dr. Seipel entsprach diesem Wünsche und der christlichsoziale Klub erteilte hierauf einstimmig seine Zustimmung zu^em'Vorschlag, rin neuen Kabinett nur die Posten des Finauzmin isters und des Unterrichts Ministers neu zu besetzen. Nach diesem Beschluß wirb Dr. Kienböck das Finanzministerium und Abg. Schmitz, der schon einmal Minister für soziale Verwaltung war, die Leitung des Unterrichtsministe-, r'iums übernehmen. Die zweite KoalitionSpartet, die Grvßdeutscheu/ beschlossen abends, statt deS bisherigen Vizekanzlers Dr. Waber den dritten Präsidenten des Nationalrates, Dr. Dinghofer, für die Vizekanzlerstelle und den Hmldelsminister Dr. Schür ff für das Ressort, das er bisher bekleidet hat, zu kandidieren. Das neue Ministerium wird sich also von dem. znrückgatretmen Kabinett Ramek nur durch vier Auckvechslnngen unterscheiden. Statt Dr. Ramek wird 'Sfr. Seipel Kanzler, an die Stelle Dr. Rintelens zieht Mg. Schmitz 'in Unterrichtsministerium ein, der bisherige Fln«-nzmmister KV llmann wird durch Dr. Kienböck ersetzt und schlnßlich Dr. Waber, wie erwähnt, gegen Dr. Dinghofer ckirsgetauscht. Dr. Waber soll für das verloren gegangene Ministergehalt durch die Wahl zum 'dritten Präsidenten des Nationalrates entschädigt werden. Dal neue Ministerium wird heute vom Nationalrat gewählt Verden. Da um 3 Uhr nachmittags die Parteienverhaudsimgen noch nicht abgeschlossen waren, wurde in der gestrig«'. Nationalratssitzung lediglich das Schreiben Dr. Rameks verlesen, das von der Demission seines Kabinetts Kenntnis gibt. Diese Zuschrift (vnrde an den Hanptansschuß geleitet, der unmittell'ar.naH der Haussitzung zusammentrat. Auf.Vorschlag des Abg. Fink wurde mit den Stiminen der christlichsozialen und großdeutschen Mitglieder des.Haupt- Msschusses Dr. Seipel zum Bundeskanzli r designiertz und mit der Neubildung der Regierung k'etrmtt. Et versprach in der heutigen Sitzung des Hanptausschüsses, die für 2 Uhr nachmittags einberufen ist, die Mitgliederliste her neuen Regirr>ung vorzulegen. Sie wird voraussichtlich wie sohzt lmften: " Bundeskanzler: Dr. Ignaz Seipel; VizeklrnzlLv; Dr. Franz D i n g h o s e r; Finanzen: Dr. VMor Kienböck; Handel und Verkehr: Dr. Hans Schürff; Land- und Forstwirtschaft: Andreas T h a l e r; Hoereswesen: Karl V a u g o i n; Sszinle Verwaltung: Dr. Josef Refch; UnterrWr Richard S ch m i tz. Die« schiverste Belastung für das Kabinett stellt tvvhl'Me Bestellung des neuen Unter-richtsministers Schmitz dar, dessen bloße Existenz vor: den Sozialdemokraten als ständige Provokation. angesehen wird. Welche Beziehungen er zum Unterrichtswesen besitzt, ist schleierhaft. Der neue groKdeutsche Vizekanzler Dr. Ding Hofer war seinerzeit Bezirksrichtep und in der Kr.iegszeit Bürgermeister von Linz. Nach dem Umstul'; entivickette er sich zu einem starken RepMikcmer und wiegte sich eine Zeit lang in der Hoffnung, österreichischer Vundespräsidenc zu tverden. Dem österreichischen Reichsrat gehörte er seit 1911, der republikanischen Volksvertretung seit dem Umsturz als Präsident an. Ackerbauminister Thaler war schon im Kabinett Ramek zufolge seines wstbraunen Umhängebarts und seiner Tracht eine Sehenswürdigkeit. Die übrigen Minister, Dr. Seipel, Dr. Kienböck, V n « g o \n und' Dr. R c f ch brauchen nicht erst öorflClreftt zu werden. Sozialdemokratische Farderuagen. Sozialpolitik oder Parlamenc'.«: rflösung. — Das Boseldarlehen. — Lehren des Zentralbaukskandals. Der fotzial'demoL-ratiische Verband des dtationalrates hat gestern eine Rei'he von Beschlüssen gefaßt. Er verlangt: En>!we>der sch'leuniglste Beratung und Berabschiodamg -der sozialpolitischen Vo-cka>gen oder soforti-ge Auflösung des Parlaments. Der Verband beschloß weiter, sofort nach Bildimg der neuen Regierung restlose Au.Wirim,g über das von der Postsparkassa dem B a n k'h a u s B o s e l gegebene Dar>l'eHeu zu verlarrgen. Jni Hinblick auf den Z e n t r a l b a n k f k a n d al wurden uwter anderem folgende Forderungen erhoben: Entfernung aller Schuldigen aus dem öffentlichen Leben; Einleitung des Strafverfahrens gegen die schuldigen Berwaltungsrüte und Direktoren der I n d n st r i eu n >d H a n d e L s b a n k, der niederösterreichifchen Banernban k und der Steirerbank, sowie der Zentralbank ßivst, ferner die Heran- Mhung der BeriwaWungsMe dieser Banken MM Schadene^sgtz; Vevlänvevu-ng der MMMA..des