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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-19 · Heft 2747 (19.10.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2747 (19.10.1926)
Date
1926-10-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2747 Wien, DveiEag ÜHf« Mt» rtii I if IrtH,1 wtcn?" wco yguiijc i w#0 lt>. Oktober 1926 Seite g e m ä tz d e r B e st i m m u n g d e s P a l äst i n a m a ndats prüfen und alle jene Landgebrete kenntlich machen, die der jüdischen Kolonisation dienstbar genracht werden könnten. m. Industrielle Kredite. Die Konferenz weist mit größtem Nachdruck auf das Erfordernis der Entwicklung der Industrien durch selbständige industrielle Unternehmer hin. Diese Unternehmer sollen durch Kredite, wie ste irr allen Ländern üblich sind, gefördert werde«. Die Krckiterleichterimgen, wie sie gegenwärtig in Palästina üblich sind, reichen in keinem Falle hin. Die Konferenz lenkt die Aufmerksamkeit des Keren Hüjessod, der Palestine Corporation in London und der Palestine Economic Corporation in Nowyovk darauf hin, daß die Schaffung einer diesbezüglichen starken Institution oder die Errichtung einer Abteilung einer schon bestehenden Institution zur Beschaffung von Krediterleichterungen an Industrielle in hohem Maße evwünscht sei. IV. Dev «uleiheplau. Die Konferenz ist der Ansicht, daß die Zionistische .Organisation unter den gegenwärtigen Verhältnissen keine Möglichkeit hat, eine grotze Anleihe zu tätigen, da diese Körperschaft kein genügend großes Eigentum besitzt, das eine Basis für eine solche Anleihe äbgeben könnte. Die Konferenz ist darin übereingekommen, daß die notwendigen landwirtschaftlichen Kredite wohl von der vorgsschlagenen Landwirtschaftsbank beschafft werden sollten, während Kredite zu anderen Zwecken, soweit sie hinreichend gesichert werden könnten, durch die Ausgabe von allgemeinen Bons oder durch verschiedene, schon bestehende oder noch zu bildende Jnstitutionenfür spez iell-e 8!anomische Zwecke beschafft werden sollten. M Znftitut für llebernahme landwirtschast' lüdet Arbeit in PaWim. Aus Jerusalem wird berichtet: Die Bereinigung der landivirtschaftlichen Arbeiter Palästinas, die ein Teil der allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation im Lande (Histadruth) ist, hat eine besondere Abteilung für Ueüernahme von landwirtschaftlichen Arbeiten in den alten Kolonien gegründet. Die neue Institution soll die Arbeit mit einem Grundkapital von 8 0 0 0 Pfund aufnehmen. Sie wird Pflanzungsarbeiten, Aufsicht über Orcmgenplantagen, Obstgärten ustv. übernehmen, ferner alle Arten von Bodenarbeit, wie Pflügen, Bodenzubereitung, Wurzelrodung, Entsteinung ufw., ebenso alle Erntearbeiten. Diese Arbeiten wird die Bereinigung im Aufträge von Gesellschaften oder Privatpersonen, sei es solchen, die im Lande, sei es solchen, die im Auslande leben, übernehmen und dafür die Verantwortung tragen. Ihr Zweck ist die In tensivierungder jüdischen Arbeit in allen Zweigen der La n d Wirtschaft und Ausnützung aller ihrer Möglichkeiten. Das Hauptbüro befindet sich in Tel Awiw. OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOQOOOOOCyO Es Uberfldgttlt durch sein Renommee, seine riesige Wirkung der echte DIANA- FRANZBRANNTWEIN MIT MENTHOL sämtliche ausländischen Erzeugnisse und Hausmittel Ai, Nervosität und Kopfscfimorsoit Leidende wend&i n'm eine M?s".age an, um sich zu erfrischen und ihre ermödaidc Tagesarbeit fortsetzen zu können. Uebarall erhältlich. iQOOOQOOOOOCSOOOOOOCXXXXXXXXXXXXXXX^OOaC Tagesbericht. Sie Hüter der Preffemoral. Es hat sich dieser Tage ein Pressekonflikt entsponnen zwibfchen dem «Organ der Partei, die zur Fahne dev Seelensanierung schwört, und der Partei, die die Gcfellfchast sanieren will. Die Konkurrenten um das Herl der Menschheit haben es sich nun einmal vorgenommech das Ach und Weh von Wien aus zu kurieren, und es ist nicht weiter verwunderlich, daß sie dies auf verschiedenen Wegen, aber doch mit so ziemlich gleichen Mitteln versuchen. Schimpft die „Reichspost", so schimpft die „Arbeiter-Zeitung", und wenn beide fertig sind, so fangen sie wieder von neuem an. Immerhin ist dieser letzte Konflikt, mit dem wir gesegnet wurden, von ganz besonderer Art, denn er zeigt die beiden Zentralorgane unter der Einwirkung eines Geistes, den sie beide auszurvtten vorgeben. Sie wollen ja die Politik und das Leben reinigen. Wie sie dies beginnen, des haben wir einen Hauch verspürt. Der Konflikt hat so angefangen, daß das Wochenblatt der Hakenkreuzler nichthitlerischer Mt (es gibt auch ein solches, das auf den Münchner Apostel und Tapezierer eingestellt ist) die freidenkerischen Frauen angespuckt hat. Niemand kann gegen seine Natur, mb das Hakenkreuzblatt konnte bisher seine Unflätigkeiten unbeachtet und ungelesen auf weißes Papier drucke«. Und da die Hakenkreu^er sich gewohnheitsgemäß in der sexuellen Sphäre bewegen, so befaßten sie sich ziemlich eingehend und in eindeutigen Worten mit dev Frauejnehre der Freidenkerinnen. Das Abendblatt der „Reichspvfi?< konnte es sich nicht verkneifen, die kräftigsten Satze aüzudrncken und mit fromm verdrehten Augen zu fragen, ob das alles auch wahr sei. Die „Arbeiter-Zeitung" benützte dies zu einem Artikel, in welchem die Anwendung der Hundspeitsche gefordert wurde. Die „Reichspost" brach darauf in bittere Tränen Wer den wten Terror aus. Beide Zentralorgane wollen die Moral retten, nämlich die Pressemoral. Sie find unerbittlich entweder hinter der Erotik oder hinter der Korruption her. Aber da nach einem Gesetz der Geometrie auch divergente Linien einander irgendwo im Raum schneiden müssen, so war damit zu rechnen, daß sie sich! früher oder später bei ihrer Reinigungsarbeit in einem Punkte treffen müßten. Ec ist mm gesunden, aber wurde nicht von den beiden Zentralorganen bestimmt, sondern von dem Hakcnkreuzgezücht. Darüber muß man sich nicht besonders wundern. Denn der Geist des Hakenkreuzes überschattet ja längst unser öffentliches Leben, und die Tonart, die in diesen Kreisen den Mangel des Arguments, des Intellekts und der Loyalität verdecken, soll, ist in Oesterreich sehr beliebt geworden. Man braucht sich darüber nicht sonderlich aufzuregen. Es ist in gewissem Sinn auch ein Erfordernis der Demokratie, daß alle Tinge bei ihrem rechten Namen genannt werden, und wenn in einem Staat die gckrckten und ungedeckten Konti (meistenteils die letzteren) zu einer fixierten Erscheinung geworden sind, so ist eben alles faul, und es ist besser, wenn man eine Katze eine Katze nemll, als daß man sie mit schmückenden Beiwörtern umschreibt. Es ist auch gut, daß sich die Vorkämpfer der Moral einander das sagen, was sie für die Wahrheit halten, weil in solchen Augenblicken wenigstens die übrige Welt vor ihrem unerträglichen Besserwissen Ruhe hat. Der Konflikt wird wieder abklingen, und sie werden alle finden, daß ihre Mission nach wie vor darin besteht, die Pressesitten zu säubern, den politischen Kampf zu entgiften und für die Moral des Volkes etwas zu tun. Sie Wecken sich ioiedcr auf die Korruption stürzen. Her Verband für kulturelle zusammenarbett. Die dritte Generalversammlung. Gestern vormittags fand im Sitzungssaal der Akademie der Wissenschaften die Eröffnungssitzung der dritten Generalversammlung des Verbandes für k u l t u r e l l e Z u s a m m e n a r b e i t statt, die unter Vorsitz Hugo H o f m a n n s t h a l S zu dreitägiger Beratung Zusammentritt. Die erste Sitzung war der Aufnahme der in diesem Jahre neu gegründeten nationalen Gruppen Deutschlands gewidmet. In seiner Eröffnungsansprache analysierte Hugo Ho-ftnannsthal den Geist des allen Oesterreich, den er als Träger einer ü b e rnationalen jß d e e, als Europäertum innerhalb Europas bezeichWa. Oesterreich als Staat ist zugrunde gegangen, aber die Geistesverfassung kann durch kein Friedensmstrument und durch keine technische Neuordnung annulliert tverden. Für dieses Europäertum innerhalb Europas zu kämpfen und es im Leben zu verwirklichen, hat es besonders der Deutsche schtver, der noch eine einheitliche, n a t i o n a I e Z u s a m m e n f a s s u n g cmstreben muß. In einer französischen Aussprache hob HofmannsHal das Verdienst der f r a n z L s i s ch e n D e l e g a t i o n und insbesondere Herrn Langes ins hervor, die trotz der bösen Nachwirkungen der vülkerentfremdenden Kriegsvergiftung diese üöernationccke geistige Zusammenfassung ermöglicht hat. Die Tagung iorrd außer organisatorischen Fragen in ihrer Schlußsitzung auch drei Referate (des Franzosen Paul B a l e r Y, des Deutschen Professor Theodor L i t t und des Italieners Balüino Giuleano) und eine Aussprache über „D ie R o l l e de Z g eist i g e n Menschen be.iw Aufbau Europas umfassen/ Ler krdümrm. Von Karl Baum. Wenn ich in die linden Straßen des H'erMtbenbs trete, ist er vor mir und verfolgt mich in meinen' Träumen. Wann ich ihn das erste Mal sah, ich könnte es nicht sagen. Nur die Umgebung hat sich mir düster verwoben und ist mir unauslöschlich geblieben. Ich bin allein mit chm gewesen, und alles Andere Unwesenheit. Nur schwere, graue Wolken hängen über der Stadt. Vom Ende der Straße kommt er mir entgegönc ein Mensch. Ein . Mensch? Hier ist nichts Menschliches mehr, nur der Blick eines gequälten Tieres, dem man das Herz ausbrach und das man zurückstieß in den lebenden Wald. Beide Füße haben sie chm abgeschossou im Kriege und er hat (weiß ich's, warum? vielleicht den Satten zur Mahnung, den Gedankenlosen bohrender Stachel, Sendbote der Vorsehung für die Gleichgültigen) keine Prothesen. Dieses Stück Fleisch besteht aus Rumpf und Kopf und zwei müden Annen. Der Rumpf liegt am Straßenpflaster, grauer Staub sein Anzug, und der Kopf, unter eine schmutzige Kappe gedrückt, ist. verdüstert und vornüber geneigt. Mt zwei kleinen Holzböckcheu stößt er sich von den kalten Steinen weg, schiebt sich ein weniges vorwärts, ruht müde aus, stößt sich wieder ab, rutscht weiter, immer iveiter, in die lärmende StM. Ich bin er gewesen furchtbare Augenblicke lang. Ob es im Schlaf war, der mich unruhig über das Lager warf, ob es im Hinstarren war, das mich aus allem mich Umgebenden sekundenlang hinausrißich weiß es nicht. Aber dieses Stück Unglück der Welt, dieses Stück Mottfluch, das zurücksührt zur Verstoßenheit aus dem Paradies, schließt die Tragik einer ganzen Generation in sich. Ich bin er gewesen. Wißt ihr, wie das ist: Durch die Straßen sich schieben, immer die Leere nach unten, und die Furcht, den Blick zu heben, der das Unglück deutlicher noch macht? Keine Füße habe ich, und um mich trippeln ihrer Tausend und aber Tausend, fein beschuhte und Mn geschwungene der Frauen und Mädchen, die Kinder gebären werden in euren kommenden Krieg hinein, Kinder, die morgen oder in hundert Jahren (was ist die Zeit im Spiegel meines verwundete« Auges?) in den Krieg ziehen, Schützengräben werfen, das Glück haben, zerrissen zu werden, oder das UngMck, fußlos nach Hause zu kommen, indes irgendwo draußen, in Wolhynien oder in belgischem Ackerboden, dem Fleischein Teil von dir, fault, wählend du noch lebst—. lebst? Füße fche ich, nichts als Füße, ein Kaleckoflop meiner eigenen Niedrigkeit. Aus streng gebügelten Hosen lugen sie in mein Elend hinein uW werden bald vielleicht nicht mehr sein, in Gamaschen sind sie gepreßt oder in den Umschwung wehender Rücke getan. Und ich allein bin von ihnen verlassen. Da alles eilt, muß ich kriechen durch die Billionen Sekunden meines Lebens. Indes alles hoch istbin ich niedrig und tue Ausblich zu vielen, die wenig von meiner Kraft haben. Nur eines tröstet mich: daß ich der Erde näher bin als sie. Daß lein Dell meines Mh darin schon eingebettet ist und der andere Teil langsam einsickert und sich mtt ihr vereint. Ich ziehe durch den Kot der herbstlichen Straßenin dem sich, bitterer Hohn, die Loanpen des Lebens spiegeln. Die da Wer mir sind, die Laufende«, Sprechenden, Schrettenden, die im'Wagen vorübersaußen und taumelnd hinziehen, sie haben mitleidigen Blick für mich und tragen Unbehagen mit in die warmen Stuben ihres Friedens. Doch auch das vergeht. Dann bleibt nichts mehr. Ich aber weiß: Gott ist tvett. 'Denn er ist über mir oben und ich sehe ihn nicht. Immer verdunkeln die iMenschen den Weg, der zu ihm führt. Will -ich den Blick zu ihm wenden, werfen sich die Schatten der Borübereilenden gegen den Himmel, die Schatten derer, die ein Teil von ihm find und sein Ebenbild und mich zerfleischt haben. Und dann kann ich nicht mchr glaubendann kann ich nicht mehr.... Dann hin ich ganz nahe der Erde. Ich kenne sie. Ich weißdiese Steine, die ich krieche, sind wnndgetretett von den Füßen der Hastenden wie ich. Niemand denkt an sie, wie an mich keiner denkt. Ich bin mit ihnen vertyqut. Um jede Wunde toM ich, «*d> .die. Men Nervendie die Quadrate umlaufen. Durch die Rillen zwischen ihnen drängt es mich in die dampfende. Ecke. Hier in den Straßen hat nran mich von ihr getrennt. Hat diese Würfel Wer sie gegossen oder, ferne Decken glänzenden Asphalts, darauf mit leisen Sohlen die Fuhrwerke über mir huschen. Aber draußen, dort, wo die Natur beginnt, in den Borftadtstraßendie ich durchkrieche, wenn ich heim muß in mein dumpfes Kellerloch, dort fühle ich durch den Staub, der in dünner Decke Wer ihr liegt und sich mir mitteilt, immer mehr, als wäre er ein Teil meiner selbst: dort fühle ich die. Ecke^ Und bän mit ihr eins wie das Tier mit dem Grün.. Drücke sicdie duftende und warme, und gebe ihr meine Liebe und mein Blut. Sie aber ist dankbar. Denn sie ist getreten und verachtet wie ich. Und ich spüre es im brüderlichen Umfangen: Nur aus ihr habe ich die Kraft und nur aus ihr habe ich den Mut, am meinem Leben nicht zu verzweifeln. Sie ist mir Hoffnung und Ende meines Weges, wie sie das Ende alles Seins ist. Mein Ende aber hat mit meinem Anfang begonnen und ich lebe ihm zu. Ich will mich nicht betäuben, es zu übersehen wie die anderen. Sie hilft mir darin und ich danke ihr. Denn sonst könnte ich es nicht ertragen, durch die Straßen mich zu stoßen, hier und da aufgehalten von einem, der mir klingende Münze in die hingehaltene Hand wirst und mich anbllckt, so verstört, so kalt überhaucht von fremder Wett, daß ich mich schäme, ihn aus der seinen gerissen zu haben. Ich könnte das alles nicht ertragen- und es käme der Abend, da kröche ich müde durch die. Borstadt, an den Häuserecken entlang, Wer die Straße, durch die Allee dem Flusse entgegen, der unter mir rauscht und singt, und stieße mich langsam in meinen Tod. So aber warte ich, bis sie mich ruft, und bin rm Gedanken schon in ihr. Sie nimmt meinen Haß u«d ineine Liebe. Die anderen — kümmern mich nicht. UW ich meide sie mit dem Blick, weil ich weiß, daß ich der Stachel in ihrem Gewissen bin. Was kann ich dafüp? Ich bin ohne Bitternis. Denn es ist noch nidpt kaM Gr, da war ich auch von itzkyn.

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