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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-19 · Heft 2747 (19.10.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2747 (19.10.1926)
Date
1926-10-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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'Sette t Ären, Dienstag Wiener Morgenzeitung 19. Oktober 1926 Nr. ml - * jf i j j Ae Londoner Konferenz für Palüftinawirtfchaft beendet. GrnMioende Beschlüsse über die Methodrn ine §-risübr««o du Aulbewerkes. SK MthsSen des Palästina, mfbaues. sekm Wien, 19. Oktober 1826. Seit dem Jahre 1919, also seit sieben Fahren ist zum ecftenrnale wieder eine grünlich? Durchberatung., der WiLtschäsWnvethodew erfolgt, welche beim Aushau des jüdischen Paläftrnaworkes angewendet werden w itev anMreiÄen stW. Fnr London ist eine Reih« von Mischen WittschastsstrHleiUeu aus aller Herren Länder zusammcngetreten, geeint in dem Willen, durch Vergleichung mit den Ergebnissen ihrer reichen Erfahrung in Wirscha'tsdingen der ganzen Welt die Wirtschaftslage "des neuen jüdischen Palästina M 'prüfen und die besten Methoden zu finden/ die sie den für das Aufbauwerk! verantwortlichen Körperschaften zn dessen Fortführung Vorschlägen konnten.. Einungeheurer Mtersthied gegenüber jenen 'Berawngen des Jahres 1919, wo “bi» führenden Männer 'des Zionismus, der beinahe wie durch ein Wunder von oer Movie zur Realität geworden war, ohne jede Erfahrung undohne jede Stütze anderer Erfahrung den Au'baup^m festlegterr. Das bedeutsame Ergebnis der vier Tage währenden Londoner Beratung, über das an anderer Stelle berichtet wird, ist vor allem sehr öezeichrrend im Hinblick auf jene im ersten 'Aufbauplan festgesetzten Method.n. Bor ällem haben die erfahrercnm FinanAechnkr. Wirls.ha tspolitiker «und Welthandelsleute aus der ganzen Welt 'konstatiert, haß, der in den Berätui^gen des Jahres 1919 als Finanz-- instrument für den Aullau bestimmte Palästinagrmrdh.id?, 'der Keren Hajessod, ein unerläßliches Mittel für den Aufbau auf lauge Zeit noch sein wird; ebenso ist ein starker Landsonbs, wie es der Keren Kajemeth der Anlage nach ist, von größter Wichtigkeit. Was also im Jahre 1919 an finanziellen Grundlagen entworfen unE> seither ausgeführt wurde, das ist auch heute in voller Gitigftit, aber mit einer wichtigen Erweiterung, die von der Londoner Wirtschalskouferenz hrnugefügt' wurde: drß die bei t \ Fonds sozusagen in systematischer Vergrößerung au^-gestallet werden müssen, um ihre Wirksamkeit voll entfalten zu können, umsomehr als besonders der Krren Hejessod an der Beschaffung eines Kredites für das Aufbauwerk aus wirtschaftlicher Basis mitzuwirken bern'en wäre. Mich erttes hat die Londoner Konferenz oer .wsthrrrunt Wirtschaftspraktiker festgrstellt, was die Jutuitlon der Männer, die im Jahre 1919 ohne Erfahrung einen Kolonisationsplan zu entwerfen hatten, glänzend rechtfertigt: daß dis Landwirtschaft die Grundlage st'ür den ^Ausbau 'der jüdischen Palästina bilden muß; die Jrrdikstrie ist durch selbständige Unternehmer zu entwicke'n. Für La-'dww-.7chaft und Industrie aber kommt die Organisier mg er" es rlchtig angelegten unö verzwe'gten Kreditwesens in B.tracht, für. das durch die Bauten, die Pflanzungen und sonstige produktive oder Rentenwerte ber.its hurte in Pausiina die Si^theitsbasis gegeben erscheint. Für den vielfach erörterten Plan einer allgemeinen Anleihe erachtet die Konferenz hie Zeit nicht'für'gekommen, in erster Linie auch deshalb, well vorlätt.lg die sich bare Rentaöi ität der gemissten Palästinawlvtschaft noch nicht vorhanden Ist, die aber nach fachlich wöhlsundievten Darlegungen ans dieser Konferenz bei Ausnützrrng aller ökonomischen. Möglichk iten in absehbarer Zeit zu erreichen ist. Von größter Bü>eutung sind aber jene Festst llungen. ^welche die Londoner Wirtschaftstag rng in Bezug ach das BerhäÜüis des jüdischen Au^barrs zu dem Mandatsaufban - machte, den seit der Erteilung des Man' ates England dnrchfuhtt. Immer wieder wurde durch die Erörterungen der unbefangenen Prüfer der WirtschastZverhältnlsse in Palästina festgestellt, daß das jüdische Aufbauwerk dein Mandatar für sein wirtschaftlichen und kolonisatorischen Ziele und Absichten ungeheure Vorteile gebracht hat Und daß eine aktive wirtschaftliche Beteiligung des Mandatars an dem. jüdische Aufbauwerke ger'dt der Mandats um bt neue'Vorteile, neue Einnahmen, neue Festigung von Pofttünn bringen könnte. Hierin liegt der Hinweis auf jene immer wieder erhobene Forderung an di« Mandatarmachtdie ihr durch das Mandat auferlegten Verpflichtungen voll zu erfüllen, hier aber auch der Hinweis cm die verantwortliche Leitung der zionistischen Organisation gerade im Interesse der Entwicklung des Aufbauwerkes ihr« Forderungen an die Mandatarmacht viel lauter zu erheben als es bisher deb Fall war. Die Londoner Wirtschaststagung hat also nicht nur für einen langen Zeitraum durch diese Revision der Wirtschaftsmethoden des Aufbaues diesem Richtung gegeben, sondern auch die politischen Richtlinien, die heute von den wirtschaftlichen Dingen nicht zu trennen sind, in den Kreis dieser zionistischen „Bücherrevision" miteinbezogen. Ties zweite Moment ist ebenfotvenig zu. unterschätzen wie das erste; denn sind auch sieben Jahve im allgemeinen eine kurze Frist, so sind sie es nicht in jenen Zeitläuften, da ein ganzes Volk sich neue Lebens, grundlügen schaffen will inmitten einer Welt von Feinden. Feinde sind nicht dir rüden Hasser oder »die hämischen. Intriganten gegen alles, was jüdisches Werk ist, gteirtite sind in einer Zeit, da die Not aufs Höchste gestiegen ist, alle armen Völker. Und das jüdische Volk, vielleicht das ärmste von allen, so reich es auch in der Phantasie der Umwelt erscheinen mag, muß alle Kraft auswendenum nicht gerade an dem Ott, wo eS seinen Ankerpuntt zu finden hofft, von anderen stärkeren Faktoren weggedrängt zu werden. Die Expansion als Pölitisches Machtmittel ist stärker als die friedliche Kolonisation: darum muß die jüdische Kolonisation, die friedlichst der Welt, so stark sein, daß sie ihr 9**^ auch vor der Macht behaupten kann. K.-London» 18. Oktober. Wie bereits berichtet wurde, begann am 10. Oktober, am selben Tage, da die deutsch-englische WirtschaftSkonferenz eröffnet wurde, in London unter dem Vorsitze von Sir Herbert Samuel eine Beratung führender jüdischer Persönlichkeiten, vorwiegend Männern der Wittfchast. aus verschiedenen Ländern, um die wirtschaftlichen Aussichten des jüdischen Nationalheims und die Maßnahmen zur Intensivierung der Aufbauarbeit zu erörtern. Eine Reche hervorragendster Persönlichkeiten des allgemeinen Wirtschaftslebens aller Länder war erschienen. Am ersten Konferenztage wurden nach Durchführung einer informierenden Aussprache zwei Kommission e n zur Durcharbeitung des Materials eingesetzt. Auf Grund ihrer vorbereitendest Arbeitest wurde dann am Montag die methodische Erörterung sämtlicher, die Konferenz beschäftigenden Fragen begonnen, die drei Tage in Anspruch nahm. Sir Herbert Samuel führte während der ganzen Tagung ununterbrochen den Vorsitz. Unter den Teilnehmern, die in unseren früheren Meldungen bereits aufgezählt wurden (Die Red.), wurde die Anwesenheit zweier italienischer Finanziers, Senator Della Torre (Rom) und Bankier Adler (Mailand) besonders bemerkt. Aus Deutschland waren der Direktor der deutschen Bank Oskar Masse r m ann, der an der Besprechung aller Fragen intensiven Anteil nahm, ferner Direktor Willy D r e y f u s (Frankfurt a. M.) und der frühere Finanzredakteur der „Frankfurter Zeitung", Dr. Evnst Kahn erschienen. Dc. Kahn erörterte auch eingehend daö Problem der Rentabilität der neuen jüdischen Siedlungen in Palästina und kam auf Grund von Vergleichen mit kolonisatorischer Wirtschaft in Deutschland und anderen Ländern zu dem Schluß, daß die palästinensischen Siedlungen alle Vorbedingungen für baldige Rentabilität haben. Große Sachkenntnis zeigte.sich in den sehr häufigen Darlegungen des f r am z Ö s i f ch e n Deputierten ' Leon Blum, der zu einet Reihe von Fragen das Wort' ergrifft Wertvolle Anregungen erhielt die Konferenz von dem an ihr teilnehmenden Mitglieds des Obersten Gerichtshofes im Haag, Dr. E. L. V i s s e r. Von größtem Werte war die Teilnahme des Herrn James de Rothschild, der zu zahlreichen Punkten der Tagesordnung das Wort ergriff und eine geradezu immense Sachkenntnis aller Probleme der Palästinawirtschaft bewies. An der. Konferenz nahmen auch der Industrielle Naiditsch und Herr Nassatissin teil. Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Prof. Weizmann, gab der Konferenz eine genaue Darlegung über die gegenwärtige Situation in Palästina und die Entwicklungstendenzen im Lande. Die Vorschläge zu den Beratungsthemen der Tagung, besonders zur Anleihefrage, erstattete Dr. Arthur Ru pp in. Neben Vertretern der jüdischen Kolonialbank und der Zionistischen Exekutive sowie des Keren Hajessod war auch der wirtschaftliche.Berater der Zionistischen Exekutive, Dr. Kastsliltnski, erschienen. Nach eingehenden anstrengenden Beratungen faßte die Konferenz, die am 13. Oktober abends zu Ende ging, folgende Beschlüsse: I. PaiHfiiiitt-Mi'rtvd^vivh nitb. $<tnblottfc. Im Hinblick auf die hestchsuden Tatsachen, ist die Konferenz der Ansicht, daß a) der größere Teil der jüdischen Einwanderer in der 2 a n d w i r t s ch a f t und ist der I n d u st r i e Unterknust finden solle, b) ein großer Prozentsatz der Einwanderer, der nicht über die hinreichenden privaten Mittel verfüge, um selbständig die landwirtschaftlichen und Industriellen Unter» «IWWVN8MIWMDWWKNWWNN (H«1> radikaler ziomitiH Morgen Mittwoch, den SO. Oktober 1026, um ^9 Uhr übende tm Caff Atlashof (RlublokaJ) fafenht: H. NEBENZAtil JPrm Austpiacho m (fdm- Lmmtr&toHi wmtm &*$** willkommen) TAGESORDNUNG: QBEDnpiöoBE nehmungen fortzuführen» finanziell gelräftigt werden müsse, daß der Keren Hajessod neben feinen wichtigen Fimktionen auf sozialem und ftrltnrellem Gebiete noch eine beträchtliche zeitlaug an der Beschaffnng der unerläßlichen Mittel zur Unterstützung dieser wlttschastlichen Unternehmungen in cürem größeren Ausmaße wird teilnehmen müssen. Im Besonderen sei der Keren Hajessod dazu berufen, die ersten Vorbedingungen für die Unterstützung solcher Einrichtungen zu schaffen und an der Beschaffung eines Kredites auf einer wirtschaftlichen Basis mitzuwirken. Die Konferenz, die die überragende Wichtigkeit der Schaffmtg einer großm Landwirtschaft treibenden Bevölkerung erkennt» weift mit größtem Nachdruck auf die Wichtigkeit deS Bestehens eines starken Land- . Fonds, deS Keren Kajemeth, hin. Die Konferenz zieht eine forifchreitendeVergrößerung der Hilfsqullen der beiden F o n d S in Erwägung als eine wesentliche Vorbedingung für den wirtschaftlichen Aufbau des jüdischen Nationalheims. KI. Landivirtschaftkiche Kvlorilsakion 1. Landwittscha ftsbank. Die Konferenz ist der Ansicht,, daß e§ im Interesse der jüdischen Kolonisation in Palästina erwünscht sei, eine Landwirtschaftsbank ins Leben zu rufen, die den im Lande lebenden <Äiedlem Kredite geben soll. Bevor an die Errichtung der Bank geschritten wird, sollte ermittelt werden, a) ob das Aktienkapital der Bank, daö sich auf mindestens 200.000 Pfund belaufen müßte, pon dem Keren. Hajessod und den anderen jüdischen Institutionen, zum anderen Teil von Bankiers, die an dem Absatz der Bankbons interessiert sein würden, wird aufgebracht werden können, b) ob eine Möglichkeit besteht, die BankbonS mit Hilfe der Bankiers auswärts unterzubrülgen» . . . e) 'ob die Möglichkeit besteht, daß die p al ä st i n e nf i s ch e Negierung im Verlauf einer noch zu bestimmenden Zeit jährlich von ihrem Budget der Bank eine geivisse Summe als langfristige Anleihe gewähre. Solche Anleihen von etwa 200.000 Pfund jährlich würden die Dank in die Lage versetzen, ihre Geschäfte von Anfang an in lveitem Ausmaße zu führen, selbst wenn der Absatz der Boirs in den ersten Jahren langsamer vor sich gehen sollte. Der Anspnlch an die Palästina-Regierung, der Landwirtschaftsbank firranziellen Rückhalt zu gewähren, wird durch die Tatsache gerechtfertigt, daß die Zunahme der RegierungSeinkünfte während der letzten Jahre hauptsächlich auf die j ü d i s ch e Einwanderung und Kolonisation, den Haushau Und den Landerwerb von. Juden zurückzuführen ist. Ebenso tragen hie jüdischen Einwohner einen sehr großen Teil zu den Einkünften dßS Eisenbahn» unid Postdepartements bei. Demgemäß würde die Palästincr» Regierung, indem sie die Bank unterstützt und so die jü» dische Kolonisation fördert, sich für die Zukunft.neue Einnahmequellen sichern. Der Negierung sollt« eine angemessene Kontrolle über die Bevlvaltung der Bank eingeräumt werden. - - - Die Konferenz lehnt eS als außerhalb ihrer Sphäre, liegend ab, «ine Meinung auSgusPrschen, di« sich auf den Anspruch Irgendeines anderen.Teiles derBevöl» k e r u n g auf lanidwlvtschaftlichs Kredite seitens der Regierung beziehen könnte. 2. Stenem. . Die Konferenz empfiehlt der Zionistischen Organisation, bei dar palästinensischen Negierung Vorstellungen zu erheben, msi dem Ziele, Steuererleichterungen für neue lanbwirtschaftliche Siedler ein, treten zu lassen. L. Vrangenplantagett. Die Konferenz ist der Ansicht, daß der bisherige Erfolg der Ora,:genzucht in Palästina die Empfehlung rechtfertige, daß eine Ausdehnung der Orangen, z u ch t starkgefördett werden müsse. 4. ÄtaatStzvden für die Viedlev. Die Konferenz empfiehlt der Zionistischen Organisation» bei der palästinensischen Regierung Vorstellungen m erhöben mit dem Ziel, dütz ein Komitee für die Re-tzküNS der Frage des GtaatSSodettß unter Teilnahme der Zionistischen Organisation eintzchtzt. (jö^feiv fctifti 'Itewtiijöfo Mn gesftmitn, dtm Staate gehörenden Landbesitz bezüglich seiner Verloendbar» kett für eine dichte Besieolung durch Hjuden

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