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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-19 · Heft 2747 (19.10.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2747 (19.10.1926)
Date
1926-10-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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| Polen: 25 gfoszy | Wien: Zürn Abholen in der Expedition, II., Taboratr. 1-3 oder in einerVeracbleißstelln (Trafik) mon&tl.ö Schilling Straßenverkaüf in Wien dorch die Kolporteure der Firma Goldschmied, I., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien and Oesterreich monatlich 6 Schilling Ts ehe cho - Slowakei: Mon.K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. P o 1 e n: Mon. 6 Zloty Deutschland: Mon. Om. 4. Frankreich, Belgien: Mon. Pres. 35 N*eh*ahl«affen bei Pteieo r ta ö b o n *e n fotbensltea Wiener Morgenseiluug iPrcIs gQ g| En gl an d:Mon.4Schilling. Italien: Monat!. 20 Lire. Rumänien: Mon. 170Lei Bnlgarien:Mon.lOOLewa. Schweiz and das übrige Ausland monatlich Pres. 5 Redaktion, Administration: Wien/ II., Taborstr. 1 Telephon: 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 Uhr: Tel. 31-209 VII., Lerchenfelderstraße 1 (Druckerei „lnva") Oesterreichisches Postsparkassenkonto Nr. 180.693 Ar. 2747 Wien, aiewtog, 19. LN-ber 1826 (11. SHefchwan 5887). 8. Jahrgang Kabinett Seipel-Menböck. Sin sozialdemokrMcher StSruugsversuch. — Basel «ad die Postsparkasse. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mittest,,rryen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Re Komödie ist ans. Die Fraiiefälfcher werden begnadigt. Budapest, 18. Oktober. In politischer: Kreisen bildete /eute eine Aktion des Verbandes der gesellschaftlichen Vereinigungen, die auf die Begnadigung der Verurteilten des Francsfälscher-Prozesses hinausläuft, das Tagesgespräch. Der Präsident des Verbandes, Graf Paul Teleki (der frühere Präsident, Erzherzog Allbrecht, hat bekanntlich nach der^Enthüllung der Franesfäbscheraffäre demissioniert), hatte heute vormittags im Parlament eine längere Unterredung mit dem Justizminister Pesthy, die sich, wie allgemein kolportiert wird, auf die VegnadigungSaktion des Verbandes bezog. Gleichzeitig mit dieser Mion habet: auch die Sozialdemokraten eine Aktion eingeleitet, um eine a l l g e m e : ne pol: t: s che Amnestie herbeizuführe::, ü: welchem Falle sie der Begnadigung des Prinzen Windischgrätz und seiner Mitbcrnrtei'lteii keine Schwierigkeiten bereiten würden. Bethlen stellt sich vor. Budapest, 18. Oktober. Heute wurde nach mehr als üermonatiger Pause die Herbstsession der Nationalversammlung eröffnet. Ministerpräsident Graf Bethlen gab an Stelle des erwarteter: Exposees nur eine kurze. Schilderung der Gründe seiner-letzten Demission, die erfolgt sei, um die Verantwortlichkeit der Regierung auch gegenüber, der höchsten Stelle klax zu machen, nachdem bas Parlament der Regierung sein- Vertrauen bereits ausgesprochen?, hattet Ein neuest Programm habe die Regierung,-, hie ja in: wesentlichen nur das alte .Kabinett'vorstelle, nicht.; Der unabhängige Demokrat, Abgeordneter Karl R a s s a y. der im Namei: seiner Partei ein Mißtrauensvotum gegen die Regierung Bethlen einbrachte,. erinnerte demgegenüber, das bisher nicht erfüllte Versprechen des Ministerpräsidenten, die geheimen G e s e l l s ch a f t e n aufzulösen, an die. nationale Wirtschaft, die vor dem Ruin stehe, während die Staatskasse saniert sei, und andere Aufgaben, die die Regierung zu erfüllen hätte. In ähnlicher Weise sprach der Sozialdemokrat Karl P ey e r. Ivorauf die vitzung geschlossen wurde Sie „erwachenden" Stadeste«. Budapest, 18. Oktober. Der Turul-Bund der christlichen Universitätsjugend hat vorgestern eine Konferenz abgehalten, in der beschlossen worden war, auch jene j ü d ischenHörer nicht innerhalb der Mauern von Alma mater zu dulden, die auf Grund des n u m e r u s c la u-- sus als ordentliche Höver inskribiert werden. Dieser'Beschluß sollte heute vormittags bereits durchgeführt werden. Inzwischen hat jedoch der Universitätssenat eine Kundnmchüng anschlagen lasten, in der die Studentenschaft aufgefordert wird, sich jeder Gewalttätigkeit zu enthalten, da jede Nebertretüng der Disziplinavvorschrif- , ten eine Nelegierung des Betreffenden nach'sich ziehen könnte. Die Vorlesungen Wen heute einen ungestört e n V e r la uf genommen und ist es zu keinerlei Ru h e st ö r u n g e n gekommen. Sie Kohleutenernn« Ab morgen wird die Kohle teurer. Kohle in Sacken wird loko Haus inklusive Abträgen ' in. den inneren Bezirken 9 Schilling 6 Groschen per 100 Mogramm, in den äußeren' Bezirken 9 Schilling 16 Groschen kosten. Der Preis für Koks wivd sich in allen Bezirken auf 9 Schilling 90 Groschen per 100 Kilogramm stellen. Gestern sind wahre Mastenbestellungen an Kohle gemacht-worde,:, da alles trachtet, sich zum alten Preise eiiMdecken. Der Kohlengroßhandel ist-jedoch angesichts der stark reduzierten Zufuhr, die ihre Ursache in dem großen Waggonmangel hat, außerstande, diese Bestellungen voll zu effektuieren und kann nur einem Teile der Aufträge Nachkommen. Heute wird im Nationailrat die Demission des M>i« netts R a m e f gatr Kenniknis genommen lverden. Daran -könnte sich nach einer kurzen Unterbrechung der Sitzung zum Zwecke der Beratung eines Vorschlages f«ür die Regierun-gswa'hl durch den Hauptaursschuß, sofort die WM des neuen Kabinetts Seipel abschlreßen, wenn Dr. Seipel bis zmn NachnMag schon mit seiner Mimsterliiste fertig wäre. Es heißt, daß die neue Regierung dem Kabinett Seipel 2 und dem Kabinett Namek sehr ähnlich sehen wevde. Es sollen außer'den. beiden Grohdeu-tschen D r. W a b e r und D r. Sch ü x f f, der Heeresrmnister Väugoin und der Ackerbauminister T h al e r ihre Portefeuilles behalten: ins Flnangministerium soll Dr. - Kienböck, ins Sozialministerilm: wieder Abgeordneter Schmitz, welche schon seinerzeit unter Dr. Seipel diese beiden Ressorts verwalteten, einziohen. Das neue Kabinett Seipel soll bis auf die Person des U-nterrichtmimsters schon feststehen. Das wissen die Sozia'ldonMLraten und haben «darum im letzten Augenblick eine Mine -springen lassen. Das -bei der sozialdemokratischen Partei für gewisse Zwecke in Verwendung stehende Zlben-Lblaiit veröffentlichte gestern zw diesem' Be'hufe. einen üuschs'mend / - gegen den rnarxistischen DlNksbankier B o s e l gerichteten Artikel, der aber eine deuMche Spitze gegen den .präsumtiven FlnarMÜmster D r. K 1 e n b ö ck enthält,' welcher zur Zeit. Äs sich die. Sache abge!spielt halben soll, Fincmzmmister war.- In. den: Artikel wivd erzählt, daß 'Basel anfangs 1924, als er große WeKindlichkeiten aus der miMückten Frankenspekulation zu decken hatte, mit Wissen des Generalkommissärs Dr. Zimmer mau n und des Präsidenten der NationalbaM Dr. Reisch aus den Mitteln der BMerbundanleihs n eun Mill i o-n e n Dollar (63 Millionen Schilling) auf »drei Monate auf den: Umveg über die Postsparkasse evhÄten habe. Mosel hätte.aber Boeder seine Schuld abgickragen, noch Zinsen bezahlt, -noch neue Deckmvg.gegeben, .so daß seine Schuld auf 78 Milli -o n e-n S ch i l-l i n 'S angewachsen sei. Die Deckung, die er seinerzeit hergab, sei infolge des Rückganges der Kurse auf knappe 36 Millionen Schilling gesrmken, sodah mehr a l s 40 M r >l l i o n e n S ch i «l 4 .i -n g -d^e-r S ch üt Li» unge d e ck t sind. Gme Erklärung Dr. Kienböcks. Dr. Kienböck äußerte sich nun zu dieser Angelegenheit einem Redakteur der „Ghristlickstoziale-n Nachrlchtenzeickrale" gegentiber, wie folgt: „Die im „Mend" veröffentlichte Mitteilung, daß das Bankhaus Basel aus -der WAerbundanleihe einen Be- "Iwtfl von 9 Millionen Dollar erhalten, ist voll-- kommen unwahr. Das genannte Bankhaus hat aus 'der DölkerbundanleiG-e weder den ovwGnten Betrag noch irgend einen anderen erhalten. Auf die Geschäfte, die das P o st f p a r k a s'se ntmi mit dom Bankhaus Dofel! abgeschlossen hat, habe ich keinerlei Einfluß genommen und auch von , denselbenkeine Kenntnis erlangt, ebenso wie'ich von der sonstigen- GeschaftSgebarung-deS Postfpw» kastenamtes ohne - Kenntnis blieb. Das Postsparkassen« amt ist bekanntlich dem FiinaMHnr-inüste-r nicht unterstellt. Nachträglich, mehr Äs ein Jahr nach meiner Demiffion als Finanzminister, wurde ich von RegierungSmitgliedorn einigen Besprechungen zugezogen, welche der Rückgängrsmachnns der Geschäfte mit dem Bankhaus Bofel galten. In der Tat tonnte ein Teit der Minnchitngen bereits rückgängig gemacht werden. Ein Dvmentk de§. Dr. Reisch De>r PrästdLnt der Oesterreichifcheu Nadronalbank, D r. N -e i s ch, bezeichnet in der „Politischen Korrespon- •öeita" die Mitteilungen des „Abend" über -ein aus Mitteln der Völkevbnndanleihs an Basel gegeberres Darlehen als unrichtig. Bosel habe niemals irgend einen Betrag aus Völkerbundartleihmitteln erhalten. Präsident D r. Reisch teilt weiter mit, er sei mit der Ausarbeitung eitles ein-geherrden Berichtes über die PosLfparkafsa beschäftigt und wevde «diesen Bericht dem zur Beratrmg des Postsparkassenges-rtzes eingesetzlben Unterausschuß des Nationalrates ehestens erstatten. Bis dahin «könne er a at f Einzel h eiten der Ges ch ä f t s f ü h r,un g der P o ft s p-wr k-a-s-ßa n-i.ch-t . ein gehen. Kienböck schiebt also das DarlehensgeWifL mit Bofel feinem 'großdeutschen Ministerkollegen, dem Handellsminister D r. Schürff in -die Schuhe. Interessanter <rls. di-efer KompeteWkanflikt zweier werdender Mnister ist die Tatsache, daß . die SoziMMwkraten,^urn.. rMesMinGevschaßt'.LeS Dr. K enböck zu. verhmdörn; sogar die Geschäftsg-cheimnisse ihres Hausisraeliiben B o f e l preisgeben, mit dem sie stets («siehe HammerbvotwerEe!) sehr intime Verbindungen ilnterhielten und noch unterhalten. Das tun 'sie sogar auf die Gefahr «hin, daß ihr -ganzer «Fe«Idzug 'gegen die christlichsozialen Basikkorruptionisten, fiir die der Staat mit etwa 60 Mlliavden Schilling einfpringen muhte, durch das jetzt von ihnen aufs -Tapet gebrachte 78 Million-en->Geschäft ihres Parteibanbiers in Vergessenheit geraten könnte. Ae Katzeanmfik im fteirischen Landtag. Graz, 18. Oktober. In der um 10 Uhr vormittags er* öffneten Sitzung des steirischen Landtages setzten die Sozialdemokraten die lärmende O b st r u k t: o n fort, indem sie mit Hilfe eines elektrischen Apparates Sirer:ent ö n e erzeugten und mit anderer: Jnsirumerüen Lärm machten. Die bürgerlichen Mgeordneten waren nur in gerir:ger Zahl im Saale mUvesend. Die Sozialdemokraten haben in der Handhabung der Instrumente einen Turnus eingeführt. Der Lärn: war unerträglich. Um %11 Uhr kam es zwischen den Sozialdemokraten und dem Präsidenten K ö l b l zu einem Wortwechsel, weil die Qbstruktionisten glaubterr, der Präsident habe dem Abgeordneten Wall:sch das Wort entzogen. Sic ellten zmn Präsidententisch, wo sich eine erregte A u sernandersetz:rng mit dem Präsidenten entspann. Nach 12 Uhr mittags unterbrach der Präsident auf zwei Stunden die Sitzung «zum Zeichen des Protestes gegen dieses/das Ansehen und den Ernst des Hauses schwer schädigende Vorgehen,,. Um 2 Uhr wurde die Sitzung wieder ausgenommen. Abgeordneten W a I T t s ch ries: „Abgeordneter L e i ch i n hat das Wort.* Der Präsident verweigerte dom Abgeordneten L e i ch i n das Wort rmd begann den Einlauf zu verlesen, ivorauf die Sozialdemokraten sofort die lärmende O b st r u k t i o n fortschten. Die Sitzung wurde um 8 Uhr abends geschlossen. Nächste Sitzung: Morgen vormittags. Dermittl«ngsversuche der Landbündler. Der steirische Landespressedienst teilt spät abends mit: Seitens des Landbundes ist an die Parteien des Landtages die Eiickadulig ergangen, zur Beilegung der Krise in den nächsten Tagen Besprochrmgen zu halten. Diese Einladung wurde von allen Parteien angenommen. Um diese Besprechungen zu ermöglichen, .wird -er Landtagspräsident rnorgen die nächste Sitzung für Freitag anberaumen. H Sensationelle erbst-flnaebote CkwalMIM o. Auswahl! Telephon 47-179,43-408

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