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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-18 · Heft 2746 (18.10.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2746 (18.10.1926)
Date
1926-10-18
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Gette2 Men, Montag Wiener MvrgenzettUng 13. Lcktober 1926 Nr. 2746 Palästinas Hinterland. Von Gaa!ya Cornfeld. Im Lanöe Transjoröanien geht KM Zeit eine friedliche Revolution vor sich, die in nicht geringem Maß feine politische und wirtschaftliche Entwicklung und damit gleichzeitig auch unsere Begehungen zu jener zweiten Hälfte des historischen Palästina beeinflussen wird. Sämtliche öffentlichen Aemter, angefangen von der Gendarmerie und den Gerichten bis zu den öffentlichen Arbeiten und 'der FinanKverwaltung liegen in den Händen geschulter Administrationen, die p r o b r i t i s ch eingestellt sind, oder sogar mit britischen und einheimischen palästinensischen Beamten der Palästina^LeriwaGung besetzt sind. Die Administration dieses unter britischem Mandat stehenden Gebietes wird in Zuckunst mit der palästinensischen Verwaltung in weit engerem Konnex arbeiten, als dies m den vergangenen Jahren der Fall war, als noch das sogenannte Kabinett unter Emir ADdullah von seiner Exekutiv macht nur sehr wenig Gebrauch machen konnte. Die letzten Veränderungen sind vom palästinensischen Standpunkt aus von besonderer Bedeutung. Dieses Gebiet östlich des Jordan zwischen Syrien und Palästina und an der Schwelle Arabiens gelegen, gM bis zum Weltkrieg als Teil Arabiens, als Heimstätte unbeständiger Regierungen, kriegerischer Stämme und als alles andere denn als Fortschritt irnd Entwicklung, wobei die Wüstenstriche noch die wenigen vorhandenen Keim« von Zivilisation bedrohten. Der Exkönig von Hedschas und alle Araber glaubten ernstlich, das das Emirat von Transjordanien nur eine Dependance des Königreichs Hedschas sei, umsomehr als Emir Abdullah der Sohn des Exkönigs Hussein vom Hedschas war, trotz der anscheinend unbedeutenden Tatsache, daß Transjordanien unter britischem Mandat steht und einen Teil der LuMmie nach Indien bildet. Und noch mehr: Die kurzlebige Regentschaft Emir Feisuls, Bruders von Abdullah, in Damaskus und die daraus folgenden Sentiments, sowie die neu übernommenen Gewohnhekben in den arabischen Schwesterstaaten aus dem Jahve 1920, — all 'das machte das ärmere Dransjordanien von Damaskus, der Metropole Nvrdarabiens, abhängiger als von Palästina, seinem legalen älteren Bruder. Zu der Einbeziehung des H a ur a n, der ehemaligen Kornkammer Transjordaniens, in >das französische Mandatsgebiet Syrien kam noch hinzu, daß man einen bedeutenden Teil des transjordanischen Handels, z. B. den Verkauf von Rohmaterialien und den Einkauf von Fertigfabrikaten rmd Lebensmitteln von Haifa, Nablus und Jerusalem ableitete und Damaskus zuDhrte, und daß dieser Prozeß durch die Jnflationsva'lu'ta Syriens und seinen größeren Transit- Handel' gefördert wurde. Der Sturz des Exkönigs Hussein vom Hedschas und die Annexion des Gebietes zwischen Maan und Akaba zur Bildung Süd-Transjordaniens haben im vorigen Jahre durch die Hinzufügung eines weiteren arabischen Distrikts als Bollwerk für die indische Luftlinie den Unterschied zwischen dem eigentlich,m Arabien und Transjordanien noch bestimmter festgelegt, das einst die Schwelle von Arabien nach Palästina darstellte, heute aber den Uebergang des palästinensischen Trensjordanien nach Arabien bildet. Von einer engeren Verbindung der beiden Territorien unter ein und demselben Mandat wurde nichts bemerkt, in Angelegenheiten praktischer Politik wurde Transjordanien aber allmählich immer weniger von Palästina abgetrennt als früher. Ein deutliches Beispiel ist die Schaffung der transjordanischen Schützten pp e. Diese Greuzmacht steht unter dem Oberbefehl des Hauptquartiers in Palästina, und aus strategischen Gründen scheint man die Grenze des Mandatssystems, in welchem Palästina das bedeutendste Land ist, weiter nach Osten gerückt zu haben. Diese nähere Identifizierung mit dem bis ans Mittelmeer reichenden Gebiet ist eine weitere Illustration zu dem Abrückungsprozeß Transjvrdaniens von seinem wüsten und nnbewohnten arabischen Hinterland. Seit dem Jahre 1920 sind durch die Admrnistra- , twm des Emir Abdullah nur wenige Verbesserungen auf dem Gebiete des Straßenbaues, des Schulwesens und des Verkehrsdkenstes vorgenommen worden und der Eingang der Steuern ist weiterhin sehr mangelhaft. TranSjvrdanien war bis jetzt noch zu stark mit der Rückschrittlichkeit der arabischen Wüste verbunden. Seine natürliche Umgebung, seine Stammesbevölkerung konnte sich einer Zivilisation, einer Ordnung und ständigen Prosperttät nicht hingeben. Ein radikaler Umschwung war notwendig, und die oben erwähnte friedliche Revolution ist möglicherweise der Beginn einer Nerwrdnung der Dinge in Transjordanien. Für die öffentliche Erziehung sollen größere Erleichterungen geschaffen werden. Ferner will die Regierung die Einziehung der Steuern verbessern und wird dadurch, imstande sein, im ganzen Lande neue Straßen anzulegen. Der Automobilv erke'hr, der, neheMi bemerft, ständig im Wachsen ist, wird dadurch einen neuen Antrieb erhalten. Tie Behörden werden der Landwirtschaft und den landwirtschaftlichen Industrien ihre besondere Aufmerksamkeit zuwende'n und ausländische Investierungen zur Ausnützung der natürlichen Hilfsquellen des Landes sollen angeregt werden. Das ist tatsächlich ein sehr lobenswertes Programm ".nb des Mandatsprmzips würdig. 'Tie natürlichen Hilfsquellen des Landes und seine augenblickliche Produktivität scheinen den Optimismus der transjordanischen Behörde» auch zu rechtfertigen. Das Gebiet zwischen dem Flusse Varmuk und Tafila umfaßt rund gegen' 6000 Quadratmeilen. Das im vergangenen Jahr annektierte Gebiet zwischen Maan und Akaba im Süden Transjordaniens schätzt man auf etwa 15.000 Quadratmellen, eS ist jedoch nur stellenweise kultiviert und besteht größtenteils aus unfruchtbarem Boden. Die BevölkerungSzahl des gesamten Areals. beträgt 300.000, jedoch könnte das Land bei geeigneter Ausnützung eine weit größere Zahl Menschen ernähren. Dev gesamte kultivierte Boden im Norden TvanSjordanieirs beträgt runb 5,300.000 Acres, in die sich die arabischen Nomadenstämme und rund 300 Dörfer teilen. Außerdem gibt es noch 8 kleine Städte mit einer Bevölkerung von 3000 biß 14.000 Seelen. Das Land hat ausgedehnt« Phosphatlager und auch noch andere Minevalien. Kurz, es hat eine Zukunft und die Erwägung ist durchaus nicht unwahrscheinlich, baß die Palestiue Electric-Cvrporation es unternehmen wird, einig.' Landstrichs mit elektrischer Kraft zu versorgen, wodurch in verhältnismäßig kurzer Zeit viele Industrien ins Leben gerufen werden könnten. Bald werden die palästinensischen Kaufleute ins Land dringen. Hierfür müßten aber noch einige politische Barrieren fallen. Sehr wahrscheinlich wird die in Transjordanien durchgesührte Politik einer inneren und wirtschaftlichen Reform'der Einführung moderner Methoden, die allein schon die Produktivität des palästinensischen Bodens mehr als verdreifacht und die Errichtung vieler Industrien gerechtfertigt haben, den-Weg ebnen. Es sei auch darauf hingetviesen, daß eine ökonomische Erfassung des Landes durch Palästina die beste Einleitung zur Verschmelzung der beiden Hälften des historischen Palästina wesentlich und östlich des Jordans wäre. Vorläufig bildet Transjordanien das direkte Hinterland Palästinas, ein Hinterland, das nicht übersehen werden darf. Eine praktische Illustration zu den Bemühmrgen der palästinensischen Kaufleute, der syrisch:» Konkurrenz in Transjordanien entgegenzuwirken, bilden die Hinweise der Jerusalemer Handelskammer vom 6. Juli an das Zoll- und Handelsdepartement, ferner die Erwiderung des Leiters dieses Departements, daß das Problem durch die Regierung behandelt werden und gewisse Reformen für die Zukmlft vorgesehen werden sollen. Die Aufgabe des Departements wird dadurch erleichtert, daß in der transjordanischen Mmrinistration ehemalige palästinensische Regierungsbeamte tätig sind. (Aus „New Palestine"> Zionistische ßmehungs- und BWnngssaM Ein Wort an die österreichischen Zionisten nach dem deutschen Delegierten tag. Bon Dr. Stephan Krauß (derzeit Heidelberg). Die Stimme des Erfurter Delegiertentages der Zionistischen Vereinigung für Deutschland wird gewiß in der gangen zionistischen Welt aufmerksames Gehör fin/Den und verdient namentlich in Oesterreich, wo wir nn wesentlichen mit einer gleichen Umwelt zu rechnen, man könnte sagen: abzurochnen haben, ernsteste Beachtung. Man kann diesem Delegiertentag das Zeugnis ausstellen, daß er seiner Parole, die auf „hundertprozentige Sachlichkeit und Selb st Prüfung bis auf den Grund" lautete, vom Anfang bis zum Ende treu geblieben ist. Wenn man in riesen großen Arbeitstagen des deutschen Zionismus Ende August in seiner Sphäre weilte, aus der Folge der Referate eine in ihrer Vergeistigung ungewöhnliche Bilanz erwachsen fah, die dom Kleinen treu und dem Großen darum ebenso gewachsen blieb, wenn man in einer Konzentration, die kaum auf einem Kongreß möglich ist, die Fülle der zionistischen Probleme nicht in wirr durcheinanderlausenden Fäden behandelt, sondern zu weltanschaulicher Geschlossenheit vevwoben empfand, so konnteman — wenn auch nicht bis ins letzte übereinstimmend, wie hier gleich bemerkt sei — die vorbildliche zionistische Höhe unserer Gesinnungsgenossen restlos anerkennen. ES ist nicht anders möglich, als das Kevnhcrste der gehaltenen Referate, in denen dieser von anderen Tagungen her *u 2P 3 feMMinü in der fäi&clkmwswtkwewnimG D IOWIT / WIEN 1. Itolen^vmstKoil« Mw. 22 ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦♦ ♦ ♦ cfr ♦ [♦ ♦ ♦ > fast mißkreditrerte Begriff wieder zu Ehren kam, tm allgemeinen hier bloß andeuten. Blumenfelds bekannter soziologischer Blick bewährte sich in einer vortrefflichen Analyse der deutschjüdischen Gesellschaft. Die Analsye dieser Situativ« in jedem Gliede der Bewegung geistig geweckt und verankert zu haben und mit der geschlossen errungenen Wahrheit Weg und Kampf, auch mit den innerjüdischen Gegnern, antrete« zu können, ist einer der größten Erfolge des deutschen Zionismus. Wir erwähnen noch das in eine optimistische Beurteilung der Wirtschaftskrise, die das Wachse« unseres Werkes bezeuge, ausklingende Palästinareferat von Ruppin und wenden uns speziell den ErziehungS« und BlldungSfragen zu, die erfreulicherweise einen breiten Raum einnahmen. Zionismus in deutschem Kulturmilieu ist eine „radikale" Menschentumsfrage. so lautet ungefähr die neue Erkenntnis, die man zu den alten zählen zu können gerne gchbaubt hätte. Zionist sein, so will ich's einmal sagen, überwächst nicht, wie beim Ostjuden, die vorhandene Fläche des JudeseinS, sondern schärft den menschlichen Bestand bis zu den Wurzeln auf mit neuer jüdischer Forderung. Sehr recht tat Wolfsberg, wenn er in seinem philosophisch-psychologischen Referat über dag zionistische BildungSproblem „Bildung", die Polarität von „Wissen" und „Leben" überw im den ließ und an die Tiefendimension im jüdisch neu aufgewühlten Zionisten appellierte, sich zu ver- . senilen in die W e r t e d e r T rad i t i o n, bte jenen Bildungsprozeß so spezifisch in der „Ha lach ah" (eigentlich gleich: geistiger Fortschritt") verkörpert habe. Vorteilhaft wendete er neue Lehren der Psychologie an-, wenn er auf das „W er t e r le b ni s" als auf jene Grund st immungen der Religionsnation hinwies, die auch heute noch für den seelischen Aufbau bedeutsam werden können und tie vollzogene Eingliederung der jüdischon Billungsteile in die Struktur des lebenstezogenen Systems der Wissenschaften in der Möglichkeit des „G e st a l t g a n z e n" sah. Die spezielle Erziehungsdebatte stand unter dem: Eindruck des Zusammenbruches des Blau-Weiß, des einst so hoffnungsvollen Vortrupps des deutschen Zionismus. Ich hatte den Eindruck, daß der Schimmer von Resignation, den diese Tatsache zunächst hinterlässen hatte, scheinbar günstig verwischt war durch die stark betonte WandlungSbereitschaft, die an die Stelle der gewissen Distanz dem OMudentum gegenüber nicht die „Assimilation", aber die gesunde Synthese setzt; andererseits trat aber eine „Jugendpolitik" der Leitung — denn als solche muß ihr Verhallen bezeichnet werden — zutage, die aus den schlimmen Ereignissen nichts gelernt zu hoben schien. Ka nowitz setzte in seinem Jugendreferat mit einer richtigen Analyse der Ntuation in der Jugend ein, kam aber nicht zu der richtigen Bewertung der Funktion der zionistischen Jugend überhaupt. Nie darf Jugend auf ihren Nutzeffekt hin berechnet werden — das gibt auch Kanowitz zu. doch rechnet er mit ihrer .Gewährung", während sich tatsächlich an der Gestaltungskraft, an dem ungetrübten sozialethischen Sinn jeder neuen Generation der Zionismus der alten Generation, mit den Möglichkeiten, die er ihm gibt, zu „bewähren" hat; so ist Funktion der zionistischen Jugend vorwärts- und rückwärtswivkende Erneuerung im Angesicht des Heute („Bewährung" erst sub specie aeternitatts), nicht weribestimmt, sondern wertbestimmend. Gang falsch war es schon, dem jung-jüdischen WcmdertunL vorzuwerfen, daß sein Weg über Ostjudentum zur Arbeiterschaft nicht 'beispielgebend für die westjüdische Jugend sein könne. Es herrscht also noch immer das Dogma derEinzigartig. keit oder vom unüberwindlichon Deutschtumsrost, das den Blau-Weiß vom Brith Hanoar weg und in den Abgrund führte. Warum gelingt denn doch recht vielen unserer Jungend in Oesterreich, in der Tschechoslowakei und nrit gutem Willen in Deutschand sell^ der Weg der Eingliederung in die Arbeit Palästinas? Cs muß die Scheinpshchologie einer leicht entschuldigendenSeWstbespiegelung fallen. Wirke — und d u wirst gewirkt! Ich glaube, daß die Ablehnung des neuerlich erstarkten Gedenkens einer l a n d sma n nsch af tlichen Cha l uzi msi ed'lü ng, der auch in dem sonst so treffenden Referat von Felix Rosenülüh über die Eingliederung des deutschen Zionisten in Palästina eine Rolle spielte, eine ebenso scharfe Ablehnung erfahren muß, wie. ein Ugandaprojekt. Lieber in die Schwierigkeit hinein, als auf einen Um¬ oder möglicherweise Abweg — und vor allein zunächst eine Erziehung für die palästinensische Wirklichkeit! Diese verfocht, den Intentionen des Brith Hanoar folgend, Noack: nur die Wirklichkeit des neuen Lebensstils, der im Emek Jesreel zu ethischer Höhe erwächst, könne auf eine wirklich jüdische Jugend wirken. Besser als Blu menfeld wahrte Rosenöl ü t h die soziale Grundkonzeption des deutschen Zionismus, indem er den „Respekt vor dem sozialen und sittlichen Wollen der Arbeiterschaft" von der Jugend forderte und di« Schaffung neuer Formen durch eine in ein Kolonisationsland strebende Jugend als selbstverständlich ansah; Blumenfeld erklärte: „Die Z. B. f. D. kann nur für solche Jugendorganisationen etwas tun, die sich mit der Allgemeinheit der Bewegung identifizieren, keinen Eondevcharakter tragen". Das heißt, etwas, was zur Vorbereitung für Palästina notwendig ist, hemmen. Wenn, wie «s den Anschein hat, die Z. B. f. D. statt des Sondercharakters die „neutrale" Jugend bevorzugen will, so ist es mit Ernst S i m o n ein Sich- Häuslich-Niederlassen auf dem Nullp".nkt zu nennen. Nicht war in dieser Frage wirksam der Geist, der aus dem Gvzlehungsheft des „Juden" gesprochen hatte, noch nicht genug hat das Wort von Gerda Arlojoroff in der AkklimatiflerungSsrage aufgerüttelt: „Doch mein Divan bleibt west-westlich". Aus Intuition findet den Weg zum Volke, fühlt den Pulsschlag deS Volkes der menschlich Große. Dies zeigte ln seiner geistigen, Gestalt Martin Bub er. In seinem Referat „Bolkserziehung als unsere Aufgabe" umriß er, um die Fortsetzung ' der nationalen Mion, durch geeignete Träger sorgend, Form , und Aufgabe einer .Lehrverknüpfung dor General tionen". Die VolkShochsch u lb ew eg ung soll ümaen —Mi ÜB

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