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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-16 · Heft 2744 (16.10.1926) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2744 (16.10.1926)
Date
1926-10-16
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2741 Men, S-amsla'S, . Wk«er Morgenzettung . 16. Oktober 1926 Seite 7 Bühne und Kunst. „Basantaseua". Bnrgtheater. In prachtvoller Amfumchnng bringt das Bttrgthoater diese altindische LriebesgeWchte. Die Farben des Orients in märchenhafter Mille. Eine indische Strotze, alte Paläste rmb Denupvl, ein berückendes Bajaderen- A'ppartemont, ein üppiger Kvnigsgarien, ein nächtlicher Söller, für die Liebe sehr geeignet, ein exotischer Gerichtssaal, der sich sehen lassen kann, ein Blntgerüst mit Molterwerktzengen, furchtbar zirr schauen. Phantastisches Miiinengeranke, W'underbämne, Volksaufzüge, Tänze, Mon>ds'chein und Sonne nF nt, diisteres Gclnölke und stürzende Regengüsse. Mit Gold und Silber ist nicht gespart, auch mit Musik nicht und ein leibhafti'ger Elefant tut mit. Gegen 'diesen Glailz der Inszenier«ng ist nichts einziiwen'den. An sich ein Schau-Stück, mit dem es der farblose Film nicht ausnchmen kann, deckt die Tat des Bildners (Remigius G e y l i n g) und die Arbeitsfroube des Spielleiters (Direktor Herterich), die Dichtung Lion Feuchtwangers. Sie hat es nötig. Warum versuchte er auch das indische Liebesgeldicht in deutsche Verse und Knüttelverse zu bringen? — Die Affäre zwischen Dscharudatta, den: verarmten Kanfmann und Vasantasena, der reichen Bajadere, ist durchaus lyrisch. Sie sah ihn im Tempel, die Welt des Genutzlebens, der gut bezahlten Liebe versinkt für sie, es gibt nur mehr ein Hinstreben zu dem geliebten Mann. Diese starke Neigung der beiden zueinander, die sich erfüllte, wie es die Liebenden 'wünschen, gibt an sich keinen dramatisch'« Stoff. Er mutz sich aus einer Nebenhandlung ergeben. Prinz Samaskhanaka, eine interessante Figur, nämlich ein beschränkter, infantiler Bösewicht, wird von Vaisantasena abgewiesen. Er rächt sich, indem er sie in emem abgeschiedenen Winkel seines Gartens würgt und, wie der Schwächling 'triumphierend wähnt, mit seiner Hände Kraft erwürgt. Dann zei>ht er den Geliebten der Bajadere des Mordes, die Intrige glückt und beinahe auch ein indischer Justizmord.. Schon führt man den verurteilten Dscharudatta zur Pfählung. Aber des Menschen gute Werke verzinisen sich, schon im Diesseits. Einem jungen Hirten, der berechtigten Anspruch auf den Dhron hat und deshalb in: Gefänguis schmachtet, gelingt cs zu entfliehen und Tscharndatta verbirgt ihn, bis er das Weite suchen kann. Ein Bruder Leichsinn hinwiederum, der geliehenes Geld verspielte und von den Gläubigern verfolgt wird, sinder Hilfe bei der reichen Bajadere. Da geht er in sich und wirb ein frommer Mönch. Er findet die gewürgte Basantasenä in jenem Garten, aus ihrer Ohnmacht erwachend, just" hä die rÄhavfrichter mit' d.er Marterung beginnen, erscheint Vasantasena als lebendige Zeugin der Unschuld des 'Geliebten und jener Hivtenknabe, den Tschavudatta rettete, ist rechtmäßiger Herrscher geworden. Die guten Werke stehen den Menschen bei und der Mensch ist gut, weil er guter Werke fähig ist. So mutzte!V'§ indische Volksgedicht in allen Stücken gut ansgehen. Der edle Tscharudatta bewirkt, batz der böse Prinz begnadigt wird.'Und wenn er nicht gestorben ist, [o. lebt er noch heute. Starb er aber, so geschah es eines natürlichen Todes, ohne Marterung und Henkerbeil, weil der Kaufmann Dscharudatta, der Fromme und Gütige,, keine Rache kennt und auch den Verworfensten an seinem GNck teilhaftig werden lätzt. Das Liebespaar, H a r t m a n n und W a g e n e r, Hat wenig Gelegenheit 31t schauspielerischen Taten. Sie sprechen ihre Arien innig, so innig, daß sie in dem riesigen Hause mitunter verhallen. Aber Frcm Wagener zu sehen, die schlanke, zarte Königin aller Bajaderen (sie hat auch die beste, geschmackvollste und teuerste indische Schneiderin), ist ein großes Ergötzen. Und Herr Hartmann, zum Blutgerüst schreitend,, hat das ganze Pnblikum für sich, besonders das weibliche., Die markanteste Rolle des Spiels, jenen boshaften Kretin königlichen Geblüts, gibt Herr Tr ehier. Er ist von der Behendigkeit eines indischen Gauklers. Mit der Gestaltung des degenerierten pathologischen Prinzen gibt er sich nicht weiter ab und spielt den dummen Intriganten durchaus als Operettensigur. Er könnte erfolgreich einen Schlager aus der göttlichen Operette „Die Bajadere" einsügen. Sonst buntbewegte Nebengestailten, Rüpelszenen a la Shakespeare und viel „Stimmung". Ueberraschend frisch Herr Andersen in der Rolle des leichtsinnigen aber kreuzbraven indischen Jünglings. Die körperliche Beweglichkeit, in der er selbst einem Tretzler nahekommt, hat ein erfreuliches. Gegen>gw'icht in geistiger Beweglichkeit' Sonst ragen in dieser indischen Revue (gegen deren Reichtum und Geschmack die von Herrn Marischkä UN Stadttheater herausgöbrachte nicht auskommt) darstellerisch noch hervor: Die Herren Braun und Z e s k a der Aeltere al§ humorvolle, bärbeißige Hauptleute der königlich-indischen Leibwache, Herr S t r a tz n y als Erdiger Richter, Herr H a e u s s e r m a n n als braver, heiterer und erheiternder Diener Dscharudattas uud Herr H e n n i n g s der den Hofmeister des sauberen Prinzen sehr. adelig als das Gewissen der Potentaten spielt-und — kein höfischer Speichellecker — die Untertanen vor dem feilen, schadenfrohen pr'mzlichen Wüterich schlitzt -nnd rettet, soweit er es vermag. Nur, daß er den rachsüchtigen, vertrottelten Zögling mit der himmlischen Bajadere allein läßt, trotzdem er die Gefahr kennt, in der ihr Leiben schweÄ, war seiner Migheit nn-d Vorsicht nicht zuznmuten. — Aber dafür trägt Fvuchtwcmger die Verantwortung. Für die Musik hingegen, die fast länger währt als das Stück, nebst Herrn Salmhofer, der sie schrieb, Herr Herterich, der sie zuließ. Otto Abeles. Aenderungen in der Seltttna der „Habima". Ein fünfgliedriges VerwaUnngskomitee. — Schmur der literarische Leiter des Theaters. Aus Berlin, wo die Habima jetzt ein erfolgreiches Gastspiel absolviert, wird uns geschrieben: In der letzten Zeit sind innerhalb der Habima wichtige Organisationsändernngen eingetreten. Der bisherige Leiter der Habima, N. Zemach> verzichtete auf sein Amt und wird sich von nun an nur als Schauspieler betätigen. Die Verwaltung der Habima >mrd jetzt von fünf Mitglteberu geführt: Tschet s chi Efrati, Ben C h a j i w, T s ch e m e r i n s k y, M e s k i n und P r u t k i n. Ter bekannte hebräische Dichter Z. Schneur wird die literarische Leitung des Theaters inne haben und von nun an in der Habima Mitarbeiten, und zwar insbesondexs bei der Nepcrtoirebildung. Habima bleibt noch bis zum 10. November in Berlin und begibt sich dann für die Wintersaison nach Amerika. * Schon während des Wiener Gastspieles der Habima war deutlich zu bemerken, daß innerhalb der Truppe' bestimmte Gegensätze über die Form der künstlerischen Führung der Habima bestehen. Gegen Zemach, der stets die Ansicht vertrat, daß ein Theater fünftlerifcfj nur von einer Person geführt werden könne, machte sich eine Opposition, geltend, die den Gedanken der Arbeitsgemeinschaft vertrat und deren Vertreter Tschemerinsky war. Wie man aus der Konstituierung eines fünfgliedrigen Direktoriums ersieht, hat Tschemerinsky obsiegt. Die Rolle, die Schneur zufällt, scheint die eines Dramaturgen zu sein. Es wäre zu wünschen, daß die Habima nicht in eine innere Krise mit nachfolgender Spaltung (in mehrere Ensembles) gerät,, wie sie leider bei der „Wilnaer Truppe" eintrat. Aus den Theater».. Burgtheater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr zu Nacknniitagspreisen „Jnr weißen Rössel". Abends, 4/28 Uhr, „Vasantasena". Akademietheater. Sonntag,' nachmittags 3 Uhr, „Der Schwan". Abends, 1/28 Uhr, „Das grobe Hemd". O p c r n t h e a t e r. Sonntag bei aufgehobenem Abonnement „Die Walküre". Anfang 6 Uhr. Frau Helene Wildbrunn tritt, in dieser Vorstellung als - Vrunhilde zum erstenmal in dieser Spielzeit auf. Kammerspiele. Heute Samstag Erstaufführungvon Louis Verneuils Lustspiel „Kopf oder Schrift" (Pike ou face). Bühnenbilder und Inszenierung .Robert Blum. Beginn der Vorstellung präzise 8 Uhr. T h e a t e r i n d e r I 0 s e s st a d t. Mittwoch Premiere der Komödie „Der Mann 0hne M0ral" mit Richard Romano ws-kv. --V Abänderung der heutigen Burgtt'ratervorstellung Im Burgtheater - inuß die heutige Vorstellung von „Der junge Aar" wegen Unpäßlichkeit der Frau Roland abgeündert werden. Es gelangt „Lady Windermeeres Fächer" zur Aufführung. Anfang 1/28 Uhr. Vereine, Bortriige und Versammlungen. Wlener Bet-Hamidrasch, 2. Bez. Tempelgafse 3. Heute, Samstag, 3 Uhr: Lektor Dr. S. Rubin: „Die Moral der alten Hebräer". — Misrachi und Zerri-Msrachi, 2. Bez.. Praterstraße 43. Heute, 7- Uhr abends, im Vereinslokale, Vortrag des Seine wichtigsten Werke: Voltaire br. S 12.— geb. S 15.— Des Recht zu lenen and die Pflicht zu sterben br. S 4.80 geb. S 6.30 Fürst Bismarck und der Antisemitismus br. S 4.80 geb. S 6.30 Philosophie des Strafrechts br. S 2.40 geb. S 3.60 lieber Religion br. S 5,80 geb. S 7.20 Gespräche geb. S 6.— ..... tiMiili Mnlulr nrtinilm Um Minir mit L l tiilnUn-lilHil ihr nmr-Uiiin. VERL9G H Rotenturmstraße Sejmdeputiertcn Dr. Simon F c d e r b u s ch, Lemberg: „Hat die moderne Nationalbewegung die Assimilation überwunden?" Gäste willkommctr. — Lese- und ^dehalle jüdischer Hochschüler ist Wien. Heute, 8 Uhr abettds, Gciiercillonvent im Bereinslokake, 9. Bez., Türkettstraße 9. — Toynbrehalle, 20. Bez., Denisgasse Nr. 33. Heute, 7 Uhr, Konzert. M'uwirlend: Helene Lampl, Emmy H e i nt, Witlter G r a f. — Zion. Kulturgruppe, 20. Bez., Karl Meißlstr. ü/1. Hettte, halb 8 Uhr abends, Vortrag des Herrn Dr. Israel T a u b e s über „I ü d i s ch e Wänderungsp rodle me". Morgen, Sottntag, halb 8 Uhr, Heim«' abend, mit reichhaltigem Prograinnt. Gäste herzlich willkommen. ■ Das für morgen, Sonntag, den 17. in der Toynbeehalle festgesetzte Konzert wurde ans technischen Gründen verschoben. '— Zionistische Jngendgrnppe Leopoldstadt, 2. Bez., Zirktisgasse 33. Morgen, SontNag, 7 Uhr abends, H e i m a b c n d. Mittwoch, 8 Uhr abends Plenarversammlnng mit Referat. Gäste willkommen. Für die in der nächsten Woche beginnenden hebräischen Kurse und das jüdische Geschichtsseminar werden noch einige Anmeldungen entgogengenommen. — Zionistische Brzirkssektion Alsergrund. Montag, den 18. Oktober, um 8 Uhr abettds, im Cafe Citz, 9. Bez., Porzcttangasse 1. Borlrng des Herrn Bezircsrates Dr. Georg Weiner über das Thema: „Stelliing der.iuneren Politik im Zioirismus". — Hiimchduth, 2. Bez.,' Gloclengasse 30. Heute, 7 Uhr abends, Vortrag des Herrn Dr. Oskar Karbach über das Thema „Zwei Jahre jüdischer Europapolitik". Hitachduth-Jugetid, 2. Bez., G'.vchengasso 30. Heute, V\i Uhr abettds, wichtige Besprechung. — Zionistische Bezirkssektion und zionistische Frauengrnppe Döbling. Die Generalversammlung findet am Montag, den 18. Oktober, 8 Uhr abends, im Cafe Döblingerhof, 19. Bez., Billrothstraße 49, statt. Sie wird durch einen Vortrag des Gg. Dr. Ehaim T a r t a k ower über das Thema: Krise i n P a l ä fti.it tx? eingeleitet. Gäste willkomnten. — Maimonides-Jnfiitnt, Hetzgasse 40. Heute, 3—4 Uhr, Rabbiner Dr. A. Kaminra: „Philos allegorische Deutung der Erzvätergeschichte." Montag, 18. Oktober, r>—7 Uhr, Rabbiner Dr. A. Kaminka, „Das Buch Hofea, unter Berücksichtigung der Septuaginta". 7—8 Uhr: Maimonides More Nebuchun, Teil 2. — Leopoldstädtcr Volksheim, 2. Bez., Zirknsqasse Nr. 48. 7 Uhr: Dr. Ernst Forall: „Recht nnd Gerechtigkeit". Eintritt frei. — Londstraßer Volksheim, 3. Bez., Kutrdmanngasse 22. 7 Uhr: Dr. Ernst Stengel: Uober Infektionskrankheiten.^ Mit Lichtbildern. Eintritt frei. — Veth wand l'iwrim. Heute, um 8 Uhr abends, im Saale des VoMheimes „Jüdisches Zentrum", 2. Bez., Untere Augartenstraße 35, Sichah: Sch..'eechah> roim bazionuch: Oppenheimer, Brainin, Buber. ,, Eine Milliardenkrida. Der Kaufmann Adolst We isz,'der m Wien auf den Tuchlauben etabliert war, hatte sich gestern vor - eitlem Schöffensenat wegen betrügerischer und. fahrlässiger Krida- . zu verantworten. Weisz unterhielt ein Kotttmifsiönsgeschast''sür, Bordüren, Trikotwaren und Pikeebrüste. Er war bereits im Jahre"' 1905 etabliert. In den Nachkriegsjahren wurde das Geschäft ungünstiger, weil sich die Marktlage verschlimmerte, und Weisz versuchte darum, beit Schwerpunkt seines Handels nach Polen zu -verlegen. Er erlitt dabei nan hafte Verluste, zumal er sich , wegen unrichtiger Zolldeklaration hohe Strafen z'uzog. Er ging eine Verbindung mit einem gewissen Philipp V og-l/-ein, der int Sommer 1925 gestorben sein soll. Angeblich soll dieser Vogl. . ihm Werte von 110.060 Schilling unterschlagLN tzäben, doch' : äußert die Anklage den Verdacht, daß eine Zmammenarbeit der beiden stattgefunden habe, zu dem Zwecke, um Waren nach Polen zu schaffen, sie dort zu verkanfen utld den Erlös dem Zugriff der . Gläubiger zu entziehen. Die Anklage schildert die verschiedenen Geschäfte des Weisz und teilt mit, daß endlich Ende 1924'von dem Angeklagten das Ausgleichsverfahren angemeldet und von ' seiten des Ausgleichsverwalters festgestellt 'wurde, daß die Ueberschuldung nicht weniger als 131.554 Schilling be- - trage, die später noch eine weitere Erhöhung um 34.000' Schilling erfuhr. .Nach längerer Beratung eVkannte der Gerichtshof, den Angeklagten Adolf Weisz des Vergehens der fahrlässigen Krida ' ' schuldig und verurteilte ihn zu vier Monaten stren.g.en. ' - Arre st. Vom Verbrechen der betrügerischen Krida wurde - Weisz freigesprochen. Weisz hielt'sich gegen das Urteil die- Be- . denkzeit offen. . Zulasstmg von Frauen zum Chauffeurdienst. Felieia Fi-' scher hatte die Chauffeurprüsnn-g mit bestem.Erfolge abgelegt, und wollte, sich nun dem.Chauffeurbcrufe zuwenden, konnte jedoch die behördliche Genehmigung hiezu mit der Begründung nicht erhalten, daß der Chausfeurbernf auf Grund, gesetzlicher - Bestimmungen nur für männliche Personen zugäng-ig sei... Gegen diesen Bescheid hat Felicia Fischer die Beschwerde an den - Berfas f u u g s gerichtshof gerichtet. Der Berfässungsgerichtshof erkannte, daß durch die Nichtzulassnng der Bescchwerdeführerin eine Verletzung der verfassungsmäßig gewährleiste-- . ten Rechte stattgefunden hat. Durch Artikel 7 der'Bundesverfassung ist die Gleichheit der Bebandlnng der Ges ch l e ch t e r ausgesprochen worden. Allerdings können gewisse Unterschiede, gemacht werden, so beim Verbot der- Nachtarbeit - der Frauen. Allein dafür müssen Umstände der Nichteignung, die aus dem Geschlechtsnnterschied'stammen, angeführt werden.' Solche hat das Handelsministerium nicht angeführt. Vielmehr ist durch das Zeugnis zur Eignung der Führung von Kraftwagen und den ausgestellten Führerschein die Eignung ausgesprochen wordetk. Der Paragraph 7 .der Betriebsordnung für das Wiener. . Platzfuhrwerk, der nur Männer zum Chanffetirbernf zuläßt, erscheint daher durch den Artikel 7' des Bnndesverfgssungsgesetzes über die Gleichstellung der Geschlechter aufgehoben. Widerrechtlich? Entnahme von elektrischem Strom ist kein / Diebstahl. Der Direktor einer Privatschnle hatte an das städtische. Elektrizitätstverk eine kleine.Rechnung für elektrische Beleuchtung in seiner Privatschnle zu bezahlen. Da er jedoch zu bezahlen nicht imstande war, wurde ihm. der Strom abgesperrt und die Leitung plombiert. Als seine Schüler kamen Half er sich damit,, daß er in den Keller ging und durch gewisse Manipulationen es ' zustande brachte, daß das elektrische Üicht wieder funktionierte: Kürze Zeit darauf kam ein Revisiotrsorgan der Elektrizitätswerke, konstatierte diesen widerrechtlichen Vorgang, worauf der Schuldirektor anfgefordert wurde, die fällige Rechnnng samt den inzwischen änfgelaufenen Mehrverbrauch zu bezahlen. Der Verbrauch, der sich sonst in müßtzten Grenzen bewegte, war in dieser Zeit auf unerklärliche Weife hoch gestiegen. Eine abermalige Revision der Elektrizitätswerke ergab,' daß wieder in der Zwischenzeit Strom entnommen worden >var. Nunmehr erstatteten die Elektrizitätswerke gegen den Schuldirektor die Anze-ige, worüber vor dem Bezirksgericht Margareten (Bezirksrichter B ä r n a t) die Verhandlung tvegen D i e b st a h l und B e t r u- , ge s stattfand. In Vertretung des nicht erschienenen Angeklagten kam dessen Gattin. Sie gab air, daß infolge der mangelhaften Asphaltierung des Hofes nnd des Durchdringens von Regenfeuch- : . tigkeit ein Erdschluß eingetreten sei, der diesen großen Stromverbrauch zur Folge hätte. Der Richter fragte den anwesenden Vertreter der Elektrizitätswerke, ob atts dem Zähler jederzeit der ' Verbrauch konstatiert werden könne, was dieser bejahte. Bezirks- ' richter Dp Bärnat sprach den.Angeklagten frei mit folgender •.- Begründung: Der Tatbestand des Diebstahles sei nicht ge» - geben, denn elektrischer Strom sei keine bewegliche Sache, ebensowenig aber liege auch Betrug vor, dä die Elektrizitätswerke sich ja jederzeit von dem tatsächlichen Stromverb r ° >it ch überzeugen konnten und diesbezüglich nicht irregefüh jt wurden. Der staatsanwaltschaftliche Funktionär inel«. dete gege l den Freispruch die Berufung an.

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