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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-16 · Heft 2744 (16.10.1926) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2744 (16.10.1926)
Date
1926-10-16
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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©eUc 8 Wien, Samsttm Wiener Morgenzestung * 16. 3S6Ät MSB' Nc. 3744 BollWitt. Sie österreichische Handeirbilavz. Nach den Mitteilungen des HmcdelsstcitisusclM Dien fic3 betrug der Export Oesterreichs im Juli dieses Jahres 185 Millioneu Schilling, der Import nach Oesterreich 208 Millionen Schilling, so dass das M o n a t s p a s s i v u rn der HandclöbilanF im Juli dieses Jahres 76 Millionen S cli i l l i n g beträgt. Nach den Vormonaten bemessen, haben sowohl Einfuhr als auch Ausfuhr im Monat Juli abgenommen; da die Einfuhr stärker zurückgegangen ist, als die Ausfuhr, hat sich das Bilanzpassivnm etwas verriirgert; es betrug im Juni dieses Jahres 81 Milliouctk Schilling. Ju den ersten sieben Monaten des Jahres 1926 \ktrug der Import nach Oesterreich 154-1 Millionen Schilling, der Export 944 Millionen, somit das bisherige Passion in der Handelsbilanz 600 Millionen Schilling, also weit mehr als in den ersten'sieben-Monaten des Vorjahres. Unter den Importartikeln nehmen nach wie vor Nahrungs- und Genuß.nittel (417 Millionen S.), Fertigware (506 Millionen S.) und Halbfevtigware (844 Millionen S.) die erste Stelle ein. Der Export tveift an erster Stelle Fertigwaren (695 Milliotren S.) ans, was mit dem Veredluirgsverkehr zusammenhängt. An der Einfuhr nach Oesterreich ist in erster Rekho die Tschechoslowakei (18.9 Prozent der Gesamteinfuhr) beteiligt, dann folgen Deutschland (15.7 Prozent), Ungarn (10.7 Prozent) ltnb Polen (10.3 Prozent). In weitem; Abstand folgen sodann die Vereinigten Staaten (5.9 Prozent), Jugoslaivien, Schweiz, Rumänien und Italien mit Ziffern um 5 Prozent. Auch unter den Anssuhrländern Oesterreichs steht die Tschechoslowakei mit 12.5 Prozent des österreichischen Gesamtexportes an erster 'Stelle, gefolgt von Deutschland (11 Prozent), Italien (10.7 Prozent), Jugoslawien (9.1), Ungarn (8.8 Prozent). Rumänien ist mit 6.3 Prozent, Polen nur mit 3.0 Prozent am Export OesterreickM beteiligt. Een-' ^Versammlung des gewish-ßolouial- Trusi-; Keine Dividende für 1925. Am 12. Oktober fand in London die 28. ordentliche Generalversammlung des Jewish Colonial Trust statt. Nach dem Rechenschaftsbericht der Direktoren für das Jahr 1925 verfügt das Institut gegenwärtig über ein voll eingezahltcs Aktienkapital von 395.000 Pfund. Die Depositen sind bilanzmäßig mit 1,269.362 Pfund ausgewiesen. Der Bericht hebt u. a. hervor: Die ungeregelte polittsche Lage in gewissen Teilen des Orients und-die gespannte Wirtschaftslage in Palästina im letzten Halbjahr übten eine ungünstige Wirkung auf das Geschäft mit den Ländern des nahen Ostens aus. Trotz der finanziellen und polttischen Krise, die Polen eben ^urchgemacht hat, blieb die Lage der von der Kolonialbank begründeten Lodz er Depositenbank stabil, der Jewist) Colonial Trust hat aus seiner Beziehung mit diesem Institut einen zufriedenstellenden Gewinn erzielt. Ter Nettogewinn nach Abzug aller Ausgaben einschließlich der Leistungen an Einkommensteuer betrug 16.258 Pfund gegenüber 15.929 Pfund im vorauSgegangcnen Geschäftsjahr. Gemäß der gewohnten Taktik, 'die Reserven der Bank zu stärken, wird von der Ausschüttung einer Dividende abgesehen und der Reingewinn zum Ausgleich der Abschreibungen alter noch ausstehendcr Schulden verwendet. Ist eiu wkrtschaMkches Balkan-Locarno möglich? Aus Belgrad wird uns geschrieben: Das Schlagwort vom wirtschaftlichen Balkan-Locarno oder vom Balkauzollbund spielt in den letzten Wochen eine itidjt unbedeutende Rolle bei allen Erörterungen über die künftige wirtschaftliche Entwicklung der Balkanländer. Es ist aber auch bei allergrößtem Optimismus nicht möglich, heute schon irgendwelche dauerhafte Unterlagen für einen WirtschaftSbrrud der Balkanstaaten zu erkennen. Die Magna Charta Libertatum der beiden grössten Ballanstaaten — S üdslaw ie n und Rumänien — war der Friede von Paris 1856, der bei Aufrechterhaltung der nominellen Souveränität der Hohen Pforte in den Art. 23 und 28 bestimmte, daß Rumänien und Serbien „die volle Freiheit der Gesetzgebung, des Handels und der Schiffahrt haben". Als Exportländer von agrarischen Produkten haben die beiden Länder schon vor dem Kriege stark konkurrierende Außenhandelsinteressen gehabt, die sich nach dem Kriege infolge der Angliedernng der Vojvodina an Sndslawien noch vermehrt haben; demr dadurch ist S ü d s l awien auch ein G e t re i dec xp or t la n d par excellence geworden, während sich bis -dahin seine Ausfuhr auf Schlachtvieh, Schweine und Pflaumen beschränkte. Die Gründung neuer Industrien in beiden Ländern hat die wirtschaftlichen Gegensätze jedenfalls nicht vermindert. Gemeinsam ist beiden Ländern der Kapitalmangel, der zum Unterschiede von Griechenland und kürzlich Bulgarien (Flüchtlingsanlerhe) nicht durch internationale Finanztransaktionen größeren Stiles befriedigt wurde. Als wesentliches Hindernis, das sich einem Ballanzollbund entgegenstellt, muß auch die Tatsache verzeichnet werden, daß ein interba lkani scher Güteraustausch von nennenswerter Bedeutung nicht besteht. Dazu kommen noch die Verschiedenheiten in der außenpolitischen Einstellung der Balkanstaaten. Abgesehen von Albanien, das eine italienische Interessensphäre ist, macht sich der italienischfranzösische Gegensatz am Balkan auch in wirtschaftlicher Bedeutung stark geltend. Zusammenfassend kann daher die Aussicht auf Verwirklichung eines Balkanzollbundes als gering bezeichnet.werden. Insolvenzen. Der Konkurs wurde eröffnet über Maximilian Schiller, Halghändler, Men, 10. Bez., Götzgasse Nr. 14; Mayer N o s e-nga r t e n, Kaufmann, Wien, 2. Bez., Obere Donaustraße 77. — Das Ausgleichsverfahren wurde eröffnet über „Oostag", Oesterreichische Glektro-Jnstallations-Geuossenschaft v«n konzessionierten Elektrotechnikern in Wien, r. G. m. b. H., Wien, 9. Bez., Seberingasse 9; Brüder Hölllrigl, Wien, 3. Bez., Rennweg 89a; Internationale Schuh ha nb e>l s-'A. - G., Wien, 7. Bezirk, Kafferstratze 45. Feste Lattindevism. Auch gestern waren die Devisenmärkte in den im Vordergrund deS Interesses stehenden Gattungen (Lira, französischer und belgischer Franc) fest, wenn auch nach den stürmischen Bewegungen und Schwankungen des Donnerstag eine wesentliche Beruhigung zu konstatieren mar. Ausfällig war die starke Steigerung der Devise Madrid, die sich in Zürich auf kiel in Mailand auf lll)>* und die Züricher Parität dar Lira war 20.97)* (gegen 20.82-6 am Vortage). Die Spannung zwischen französischem und belgischem Franc, die beide fest liegen, ist wieder verringert; Devise Paris notierte gestern (bei einem Pariser Pfunvkurs von zirka 169) 14.90 Parität Zürich, Devise Brüssel (dortiger Pfundkurs 171 %) 14.68. Der LeukurS ist mit 2.75 unverändert. Bei gleichgebliebenem Dollarkurs (517.50) ging der Schilling von 73.02)6 auf 73.— zurück. Amerikanisch-englische Kreditbcleilignng an Mitteleuropäische Unternehmungen. Kürzlich ist unter Führung deS amerikanischen Bankhauses Blythelitter u. Co. und deS Londoner Bankhauses Schroeder eine Trustkompagnie gegründet wc-cd;n, die sich in verschiedenen Ländern, auch in Zentraleuropa, an geschäftlichen Unternehmungen beteiligen will. Es sollen an erstklassige Gesellschaften - spezielle Kredite gewährt werden. Vertretungen dieses Trustes werden in verschiedenen Ländern errichtet. In der Tschechoslowakei dürfte die Böhmische Unionbank, in Berlin die Dresdner Bank, in Paris die Banque de Paris e§ de Pays Bas, in Oesterreich die Bodankredi tan statt als Vertretungen fungieren. Der Effektenterminhandel in Prag. Wie bereits gemeldet, wird 1. November der Terminhandcl an der Prager Effesk« wnbörso einige führt; „Tribuna" erfährt nun, daß vorläufig nur folgende acht Effekten zürn Tormmhaudol zugelassen werden sollen : Mehlanleihe. Kon'solidierungsanleihe, Oesterreichische Völkorbun'd-anleihe, ZivnostenSka, Skoda, Poldi, Danek, Aussige, r Chemische. Der Viktoria-Mühlenkonzern wird aufgelöst. Aus Budapest wird uns berichtet: Dem Abkommen zwischen .den Vertretern des Viktoria-Konzerns und den englischen Kreditoren zufolge werden die dem Viktoria-Konzern angehörenden neun Mühlen in emer neuen Aktiengesellschaft vereinigt. Diese neue Aktiengesellschaft wird unter der Firma „Vereinigte Mühlenindustrie-Ä.--G. in das Handelsregister eingetragen. Die auf die Vermögensobjekte tntabulievten Forderungen dar englischen Kreditoren werden gestrichen. Demgegenüber erhalten die englischen Kreditoren gemeinsam mit der Molinurn- A.-G. sämtliche Mtien des neuen Konzerns. Die auf den Besitz der Viktoria-Mühle intabulierten Forderungen werden aus Grund eines Zahlungsplanes getilgt, doch wurde die Bezahlung der Schuld auf drei Jahre prolongiert. Die deutsch-polnischen HandelSvertragsoerhandlunger». Die deutsch-polnischen Verhandlungen zwecks Abschlusses emc3 definitiven Handelsvertrages, der dem Zollkriegszustand ein Ende Kohle, während Deutschland nur 70.000 zugeben will. Polen fordert Zollermäßigungen und Frachterleichterungen für den Export von Vieh und Fleisch, während Deutschland dasselbe für die Ausfuhr von Farben, Textilwaren, Uhren und Schuhen verlangt. Die Frage der Zinsfußermäßigung in Polen. Obwohl das Finanzministerium seinerzeit den Gvldzinsfutz von 10 atff- 8 Prozent heruntergesetzt hat, ist der private Kränl nicht billiger geworden. Nach wie vor stellt sich der private Diskont auf 8—4 Prozent monatlich. Es verlautet nun, daß Me Regierung gesonnen sei, einen starken Druck auf die Privatban« Len auAjNÜben, außerdem wolle sie eine strenge Kontrolle über den privaten Zinsfuß einführon und jede Zins« sußüberschreitung bestrafen. Neuordnung der Devisenaussuhr aus Rußland. Die Ueber« Weisung und der Versand von ausländischen Devisen aus der Union her Sowjetrepubliken ist, wie die Telegraphenagentur der Sowjetunion mitteilt, neu geregelt worden. Danach dürfen ohne besondere Genehmigung monatlich bis zu 100 Rubel von jeder Copyright 1926 by R. Löwit Verlag, Wcen. Iajin Kiddusch. Eine Erzählung aus dem alten Prag. (7. Fortsetzung.) Die Wirtin tat hastig, was sie Rybar geheißen, hatte, und ging öffnen. Jtzig Klebler trat ein: „Nun, Rybar, ist's vorüber? Kann ich das Flaschet Blut haben!? Bist verdrießlich, sch' ich?" — „Meinst du, ich habe gar kein Gewissen?" entgegnete Rybar und schnitt ein betrübtes Gesicht. — „Da - nimm und beruhige dein Gewissen!" Jtzig warf einen Beutel mit Geld auf Rybars Tisch. — „Ich will dein Blutgeld nicht; ich will dich auf dem Scheiterhaufen sehen, Judenhund!" schrie Rybar. — „Du bist besoffen oder närrisch!" entgegnete Jtzig, den Rybars Worte schaudern machten. „Da hast du noch etwas!" Er legte einen zweiten Beutel vor Rybar hin. „Gut, diesmal will ich noch schweigen!" sagte Rybar lachend und schob Jtzig die Flasche zu. „Da hast du deinen Lieblingssaft, Schuft!" — „Und was bekomme ich fürs Schweigen, Jtzig?" fiel die Wirtin ein und trat an den Tisch. Seufzend holte Jtzig noch einen Beutel Ms der Tasche und reichte ihn der Frau. „Teuer genug, das bissel Blut!" murmelte er, während er, um sich vom Inhalt der Flasche zu überzeugen, einige Tropfen auf die flache Hand fließen ließ. „Aber das bißchen Blut soll noch ganze Fässer voll kosten; ihr habt mich ausgestoßen; gut, ich bin Euer Feind, und das sollt ihr spüren." Er verbarg die Flasche unter dem Mantel. Rybar steckte sein Geld ein. Frau Sabina öffnete die Tür. Die Schenke lag Ml. Als am nächsten Morgen Doktor Leon, der Leibarzt des Erzbischofs von Mainz, bei seinem Herrn eintrat, fand er ihn in tiefes Nachdenken versunken. Nach langem Schweigen begann der Statthalter: „Doktor, heute möchte ich Eure Belesenheit irr den Schriften aller Völker, besonders Eure Bekanntschaft mit den Sitten und Gebräuchen des jüdischen Volkes in Anspruch nehmen." — „Wenn mein geringes Wissen Euch dienen kann, gnädiger Herr," entgegnete der Arzt sich verneigend, „verfüget darüber." -- „Woher kommt eigentlich die Beschuldigung, daß die Inder: zu Ostern Christenblut vertuenden? Findet man vielleicht in rnystischen Büchern oder in der Ueberlieferung Andeutung davon, oder ist das ein Geheimnis, das nur Eingeweihten bekannt ist? Könnt Ihr mir das sagen. Doktor?" — „Mein gnädiger Herr, weder im Talmud noch sonst in einem religiösen Buche der Juden, findet sich eine Spur, auf die man diese abscheuliche Beschuldigung stützen könnte; sie ist eine Ausgeburt des Hasses!" entgegnete Leon eifrig. — Und; wenn sich nun ein unwiderlegliches Zeugnis für diese Beschuldigung fhtbet?" fragte der Erzbischof. — „Mir ist kein solches jemals bekannt geworden, gnädiger Herr!" — „Und was rverdet Ihr sagen, Doktor, wenn ich Euch versichere, daß soeben ein Jude in unserer Stadt des Mordes an einem Chriftenkinde angeklagt wurde und daß man diesen Mord durch unwiderlegliches Zeugnis beweisen will?" — „Wie, in unserer Stadt hätte ein Jude ein Christenkind ermordet?" rief Leon in höchstem Erstaunen aus. — „Tretet ins Nebenzimmer und höret mit eigenen Ohren, Doktor!" Leon gehorchte. Der Erzbischof schellte einem Diener: „Laß die Witwe Rogan cintreten." Ludmilla wurde vor den Statthalter geführt und warf sich ihm zu Füßen. Auf Befragen des Erzbischofs erzählte sie die Geschichte von den: Verschwinden ihres Knaben und von der Warnung des Unbekannten. Der Statthalter hörte aufmerksam zu, befragte die Frau über allerlei Einzelheiten und entließ sie mit dem Versprechen, die Sache genau zu untersuchen: „Findet sich bestätigt, Frau," fügte er hinzu, „wessen Ihr die Juden anklagt, so soll Euch volles Recht werden, des seid gewiß. Nur störet nicht durch übermäßiges Klagen den Gang des Gesetzes; verhaltet Euch ruhig und verlaßt Euch auf mein Wort." Tie Frau entfernte sich. Leon stürzte bleich und zitternd ins Zimmer: „Hochwürdigster Herr! Tor Jude Sälom, den das Weib anklagt, ist unschuldig, dafür setze ich mein Leben zum Pfand." — „Kennt Ihr den Juden so genau, da Ihr Euer Leben für ihn einsetzen wollt?" fragte der Erzbischof spötttsch. „Er ist derselbe, Euer Gnaden, bei dem ich die Anleihe gemacht habe; seitdem bin ich öfters in sein Haus gekommen; der Mann ist einer solchen Tat nicht fähig." — „Beruhigt Euch, Doktor, dem Juden soll kein Haar gekrümmt werden, so lange seine Schuld nicht unzweifelhaft erwiesen ist. Aber noch eines müßt Ihr wissen: Nicht bloß die Anklggss des Weibes macht die hiesigen Juden verdächtig; ein Jude hat sich bei mir gemeldet, der mit unwiderleglichen Tatsachen beweisen will, daß die Inden wirklich Christenblut gebrauchen." Entsetzt schrie Leon auf: „Wie, ein Jude hätte sein eigenes Volk angeklagt?" — „Ihr seid für heute entlassen, Doktor!" unterbrach ihn der Erzbischof warnend. „Seid vorsichtig! Ich merke, daß Ihr mit den Juden in näherer Verbindung stehet, als schicklich ist." Schweigend verneigte sich Leon und verließ das Gemach. Die Warnung seines Herrn lag schwer auf seinem Herzen. Sein erster Gedanke war Tina. Sie wollte er womöglich der Gefahr entziehen, die der gesamten Judenstadt drohte. Er eilte in Saloms Haus. Dort erfuhr er, daß die ganze Familie Saloms im Kerker schmachte. Leon erloirkte sofort vom Erzbischof die Erlaubnis,'" die Gefangenen im Gefängnis besuchen zu dürfen. Die Unglücklichen saßen weinend auf dem schmutzige!: Boden ihrer Zelle. Entsetzt schrien sie auf, als Leon eintrat; sie meinten, nran komme sie vor Gericht zu führen. Um so größer war die Freude, als sie den Doktor erkannten. Tina stürzte Leon entgegen: „Ich wußte es, Ihr werdet uns nicht verlassen! Nicht wahr, Ihr werdet uns retten, Herr?" sprach sie vertrauensvoll. „Das will ich«," entgegnete Leon, „doch es ist nicht leicht." — „Gnädiger Herr," nahm Salom das Wort, „Ihr wisset, daß ich unschuldig bin. Ihr seid der Nächste bei unserem Statthalter, sprecht ein günstiges Wort für mich. Die Schuld^- scheine sollen vernichtet werden, wenn man nur den Weg des Rechtes geht und uns nicht ohne Beweis verurteilt." „Seid ohne Furcht!" tröstete Leon, „so lange Eure Schuld nicht klar bewiesen ist, soll Euch nichts geschehen. Aber habt Ihr gar keine Mutmaßung eines Feindes, der Euch aus Rache so übel mitgespielt hätte? Einer Eurer Brüder soll Euch angeklagt haben." „Gott vergebe mir die Sünde, wenn ich. jemand mit Unrecht beschuldige!" rief Salom aus, „Jtzig Klebler, Tinas früherer Bräutigam, hat uns beim Ravhi gedroht!" „Daß ich nicht gleich an ihn gedacht habe! Keilt an? derer wäre fähig, sein Volk dem Verderben prciszngeben!" sprach Leon und eilte hastig davon. * Nach dem jüdischen Gesetz muß in der Nacht vvL dem ersten Peßachabend alles Gesäuerte, das „Chomez", aus dem Hause geschafft werden. Daher ist jeder Hausherr verpflichtet, mit einer Wachskerze alle Ecken und Winkel der Zimmer und Kammern zu dprchstöbern, vb nicht irgendwo ein Stückchm Brot oder sonstiges Geisäuertes liegen geblieben ist; was er findet, kehrt er in! einen Lappm zusammen und am nächsten Morgen verbrennt er das Pächhen. Diese Zeremonie Heißt ChwNW-' batteln. (Schluß tom

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