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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-16 · Heft 2744 (16.10.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2744 (16.10.1926)
Date
1926-10-16
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Mr. §74 Men, Samstsg Sn toll» Vater. *•« ««tun< - Tie amerikanischen Milliardäre, die sich durch aAerkei Launen auszeichnen, Hüven ihren Meister in dem „tollen Gates* dessen Beiname schon daraus hintveist, daß er zu den schrullenhaftesten ^Bewohnern «fattfSfcw gehört. Noch Heute, mehrere Jahre »ach seinem Tode, werden von ihm einige prachtvolle 'Scherze berichtet, da er merkwürdigerweise fast ausschließlich sein Geld zur Beglückung von Menschen verwendete, denn eS machte ihm Spaß, das starre Staunen von armen Leuten zu sehen, die zum erstenmal über ungeheure Summen-verfügen können. Charles Gilbert Gates hat von seinem Vater ein Vermögen dort 860 Millionen Dollar ererbt. Sein Hauptspaß bestand darin, Menschen durch ungeheure Geldgeschenke zu verblüffen. So sah er vor wenigen Jahren in Paris, wo er sich sehr oft aufhielt, eine Blumenhändlerin, die von einigen verhungerten Kmdern umgeben war. Er ging auf sie zu und kaufte ihr eine Rose fiir 10 Cts. av. Dabei gab er ihr einen 1000,-F^.nes-Schcin «und fragte sie im Scherz, ob sie wechseln könne. Als sie natürlich verneinte, sagte er ihr, sie könne den Rest behalten, und ging weiter. Nun aber lief ihm die Frau mit Geschrei nach, da sie glaubte, von einem Schwindler betrogen zu sein, Md ließ ihn festneHmen. Gates folgte lachend Mv Polizei und wies sich aus. Für die Blumenhändlerin war dies aber ein Glückstag, denn Gatesging sofort mit ihr in den nächsten großen Blumenladen und fragte den Besitzer, was daS Geschäft Laste. Der Kaufmann erklärte, er verkaufe es nicht. Gates Jagte aber ungeduldig, er wolle den Laden kaufen und .sofort bezahlen. Es gelang ihm auch, das Geschäft zu ergehen, bas er mit einem größeren Betriebskapital sofort der armen Witwe schenkte. Eine der spassigsten Geschichten kann eine wandernde Theatertruppe von Gates erzählen. Gates hatte in einer kleinen Stadt von Arkansas eine Panne, da er stets mit 100 Kilometer Geschwindigkeit fuhr. Er ging in ein Gasthaus^ wo der Direktor einer „Schmiere" mit feinen verhungerten Künstlern sorgenvoll saß und über die traurige Zukunft nachdachte. Gates kam mit ihm in ein Gespräch Md erfuhr, daß das Geschäft blühend werden könnte, wenn dem Direktor 100 Dollar zur Verftigung ständen. Der Direktor schlug seinem unbekannten Gefährten vor, sich an seinem Geschäft mit 200 Dollar zu beteiligen, falls es seine Mittel gestatteten. Er könne dafür monatlich 6 bis 10 Dollar verdienen. Gates lächelte und erklärte dem Direktor, daß ihn dieses Einkommen nicht mehr reize, da er im Jahre 100 Millionen verdiene und genug zum Leben habe. Er wolle über die ganze Triippe fest engagieren, damit sie überall umsonst spiele. Bevor noch der Direktor zur Besinnung kam, hatte Gates jedem der Anwesenden ein Honorar von 2000 Dollar, dem Direktor 3000 Dollar überreicht. Noch eine ganze Reihe anderer Schnurren werden von dem „tollen Gates" berichtet. Jedenfalls steht das eine fest, "daß alle feine Verrücktheiten nicht imstande gewesen wären, seinen ungeheuren Reichtum zu verringern, wenn er nicht bei einem überspannten Versuch, den Stahltrust zu sprengen, die Kleinigkeit von 300 MMonen Dollar verloren hätte. Alter Wein ans Henngem. Art die Weine Mit zunehmendem Mer immer besser werden, so läßt man sie in den Kellern der WeinMereim bis zum Verkauf lagern. Nun sind dazu freilich ausgedehnte Keller und zahlreiche Gefäße erforderlich, die ein großes Anlagekapital bedingen, das verzinst sein will. Bor allem aber stellt der lagernde Wein selbst ein bedeutendes totes Kapital dar. Da alte Weine wegen ihres besseren Wohlgeschmackes zu einem höheren Preise verkaust werden können, so mag dev Zinsverlust für die Zeit des Lagerns wohl ausgeglichen werden, doch erschien es immer als ein lohnendes Ziel, das Altern des Weinedurch irgendein Mittel zu beschleunigen, um auf diese Weife höhere Preise ohne die sonst üblichen Zinsvetluste schielen zu können. Ihrer ganzen Natur nach war dies eine Aufgabe für die Nahrungsmittelchemie. Einem Chemiker ist es denn auch gelungen, diese Aufgabe zu lösen. Der Chemiker Professor Charles Henry versuchte es mit .Wechselstrom von etwa 100.000 Volt Spannung, den er auf dem im Faß oingeschlossensn Wein wirken ließ. Die Elektroden werden in zwei Zapfhähnen befestigt, die in die beiden Böden des Fasses singeschlagen werden. Durch den Strom werden die in dem Wein schwebenden mikroskopisch kleinen Teilchen abgeschieden und oen Elektroden zugeführt. Gleichzeitig gehen die chemischen UmwaMungen des Weines vor sich, die den Geruch und Geschmack herbeifühven. Während die natürliche Alterung oft erst nach Jahren die von Kennern geschätzte „Blume" und da- „Bouquet" herbeiführt, vollzieht sich dieser Vorgang der künstlichen Alterung deS Weines in wenigen Stunden. Ob der sv gewonnene „alte" Wein auch billiger in den Handel kommen wird- Eine eigene Währung für den Irak. Nach einer Meldung dar „Times"MS Bagdad bestätigte es sich, daß die Regiermrg Irak beabsichtigt, der Kammer Vorschläge für die Einführung einer nationalen Währung für den Irak zu unterbreiten. mrnammmimmKBmmmmmmemsmsBsmsmmmmmamem Ins fQdlsdie Haus - Wiener Morgenzettung Letzte Nachrichten. 6in Programm fllr NütftaMarbelten in Palästina. Jerusalem, 1*,!. Oktober. Der sozialdemokratische „Dawar" fordert, daß angesichts der Lage im Laude die Regierung neben Ihren im Etat vorgesehenen Arbeiten neue außergewöhnliche in Angriff nehme. SS gäbe eine Anzahl von Reserve arbeiten, die gemeinschaftlich mit den Gemeinden ausgeführt werden könnten und das Budget der Regierung nur teilweise zu belasten brauchten. Als solche Reservearbeiten führte er vor allem große Straßenbauprojekte (Haifa-Jaffa und Haifa-Liberias) an, Pie schon länger geplant seien, ferner die Anlage guter Bevbind u t>ß sstraIe «.zwischen den Babtzstatipnen und den dazugehörigen jüdischen Siedlungen, wie Sichren, Benjamina, Chedera, AMt usw., die den Siedlungen und der Bahn ungleich größere Entwicklungsmöglichkeiten schaffen würden. In den Einzelheiten müsse mau versuchen, jeweils zu einer Verständigung mit der Regierung zu kommen, und es wäre gut, darüber sofort ein ausführliches Memorandum an die Regierung zu richten und sich zu bemühen, die Regierung zur Annahme unserer Forderungen zu bewegen. Die Regierung hat außerhalb des Budgets mehr als 100.000 Pfund Sterling zur Bekämpfung der Rinderpest Übrig gehabt. Sollte sie nicht verstehen, daß die Arbeitslosigkeit in Palästina für seine Bevölkerung eine Gefahr von nicht geringerer Tragweite darstellt? Sa» palästinensische Gemelnde-Autouomiegejetz. Jerusalem, 16. Oktober. (I. L. A.) Das auf Grund dev MandatsbestimmilNg ßetisjenb Anto no m ie der Genre i n d e v e r w a l L n n g geschaffene Gesetz Über Wahlen zu den Staatsverwaltungen ist soeben veröffent licht worden. Das Wahlrecht hat jeder über 26 Jahre alte Bürger, der als Grundbesitzer mindestens 10 Schilling (engl.) jährlich oder als Land-Pächter mindestens 1- Pfund jährlich an Stenern leistet. Für Bürger von 30 Jahren aufwärts erhöht sich das Minimum der Steuerleistung als Boransschni g für die Ausübung des Wahlrechtes um das'Doppelte. Die Zahl der Stadt rat s Mitglied er schwankt zwischen 6 und 12 und richtet sich nach der Wühierzahl. Den Bürgermeister ernennt "der ^Dberkomnüssär aus der Mitte der erwählten Stadträtsmllglieder. Am ersten Dezember d. I. werden die Gouverneure die Wahlkommissionen zwecks Ausstellung der Listen der Wahlberechtigten ernennen. Innerhalb eines Monats müssen die Listen fertiggestelll sein. Die Wahlen selbst werden anfangs 1027 vorgmommen' werden. Arabische Beschwerben am Zmnsjokdanie«. Jerusalem, Oktober. (Ii T. A.) Mehrere transjordanisch: Notabeln haben an das Kolonien Ministerium in London ein Memorandum gerichtet, irr welchem gegen das Regime des Emir Abdullah von Transjordanien geklagt wird. Der Enlir, heißt es darin, tue nichts für das Land, sondern verwende alle öffentlichen Einkünfte für seinen persönlichen Gebrauch; er herrsche rote ein mittelalterlicher Despot.' In dem Memorandum wird gefordert, daß das Kolonialamt Abdullahs Einkünfte von 24.000 Pfund auf 5000 Pfund reduziere, und daß dev Rest zur Förderung der Landwirts chnft verwendet werde. Bekanntlich hat Lord Raglan vor einiger Zeit im britischen Oberhaus gegen den Despotismus und die Verschwendungssucht des Emirs von Trattsjordanien Klage geführt und gesagt, Transjordanien entwickle sich unter Abdullahs Herrschaft zu einer Stätte der Korruption und des Chaos. Das dürfe nicht unter britischem Rainen geschehen. Groß-Britannien müsse eingreisen. Emir Abdullah selbst weilt gegenwärtig in Palästina, wv er einen Ausgleich zwischen den arabischen Parteien zu vermitteln versucht. Gr hatte Unterredungen mit dem Oberkommifsär Lord P l u m e r, dem Chefsekretär Colvnev Symes und war Gast arabischer Notabeln in Jerusalem, Jaffa und Namleh. Mg II ' wil l i «wMim. Sine mM'M.sche Gemeinde in Paris. Auf Initiative des bekannten russische Rechtsanwaltes Henri Sliosberg, der im jüdischen öffentlichen Leben stets eine hervorragende Rolle gespielt hat. Hat sich in Paris eine russisch-jüdische Gemeinde gebildet. Herr Sliosberg erklärte dem I. T. A.-Vertreter gegenüber, es bestehe der Wunsch, alle aus Rußland stammenden jüdischen Emigranten in Frankreich in einer Organisation zusammenzufchließen und für sie ein geistiges und religiöses Zentrum zu schaffen, Me russisch-jüdischen Emigranten bedürfen eines Rechtsschutzes, der Beratung in der Erziehung ihrer Kinder u. a. m. Cs ist eine traurige Tatsache, daß die jüdische Jugend, den Lockungen von Paris erliegend, sich schnell der jüdischen Familie entfremdet. Dem soll nun vorgebeugt werden. Der Oberrabbiner von Frankreich, Israel Levi, unterstützt das Projekt. Rabbiner der neuen Gemeinde/ die den Namen „Ohel Jacob" tragen wird, wird der frühere Obewrabbinev von Leningrad, Tr. E i f e n st a d t, sein. aas jadisdie Blaut 6. Oktober 1036 vsteHte o Ihre Gesundheit können Sie vollständig wieder zuruckerUngen, von allen Ihren Schmerzen werden Sie gründlich befreit, wenn Sie DIANA- * FRANZBRANNTWEIN MIT MiNTHOL äußerlich zu Einreibungen, innerlich auf Zucker, tropfenweise genommen, verwenden. Das beste Hausmittel. ÜBERALL ERHÄLTLICH! Gin hebräischer gngendllnb in Wien. In den nächsten Lagen wird in der unteren Augartenstraße 35 ein hebräischer Klub für die Jugend eröffnet. Der Verein „Soziale Hilfsgemeinschast Anitta Mütter" hat sich in anerkennenswerter Weise bereit erklärt, dem Klub die hiesür nötigen Räume zur Verfügung zu stellen. Damit geht ein langgehegter Wunsch der hebräischsprechenden Jugend in Erfüllung, der Wunsch nach einer Stätte, wo sie zu gemeinsamer Lektüre, zu Vorträgen und Wechselreden über hebräische Kultur sich zusammenfindet. Der hebräisch lernenden Jugend wird aber Gelegenheit geboten, die Sprache durch Konversation sich praktisch anzueignen und die bei Kursen und in Schulen erworbenen theoretischen Kenntnisse in täglichem Gebrauche zu vervollkommnen. Dienstag, den 10. d. M., um 7 Uhr abends, wirb der Klub eröffnet. Die hebräischsprechsnde Jugend wird gebeten, zur Eröffnung des Klubs zu erscheinenin denn die Pflege des jüdischen Geistes und der nationalen Sprache ihre Heimstätte finden soll. Wien, den 16. Oktober 1962. * Das Wetter. Gestern herrschte geradezu Hochsommerwetter. Die Mittagstemperatur erreichte fast 25 Grad. Die Voraussage lautet: Herrschender Charakter wenig verändert. ' * Fünfzehnte österreichische Klassenlotttrie. Gör SM. gestern atgeWtenen Mehung des vierten Tages (& Massch gewannen (Schilling): 26.000 das Los Nr. 60.120; 20.000 &b£ Los Nr. 60.870; 8Ö0Ö das Los Nr. 20.787; je . 4000 die Lofb Nr. 37.063, 46.34«; 3000 das Los Nr. 576; je 2000 die Nr. 31.073, 48.180, 96.835; je 1000 die Lose Nr. 3&M% 48,404a 61.302, 70.107, 03.000, 07.796; außerdem wurden 3186 Gewinne zwischen 600 und 160 Schilling ausgelost. * Jüdisches Zentrum der Sozialen Hilfsgemeinschaft Attitiü Müller. Heute, 8 Uhr abends, findet die feierliche Eröffn u n g des „Jüdischen Zentrum", 2. Bez., Untere Augartenstraße 36, statt. Im Laufe i>er nächsten Woche werden folgende Kurse beginnen: Hebräische Sp rächet Für Ansänger, Vorgeschrittene: Montag, den iS. Oktober, 7 Uhr abends, Vorbesprechung. Leitung Prof. Gelernter. Hebräischer Konversatlonsklub Und Stenographie: Vorbesprechung Dienstag, den 10. Oktober, 7 Uhr abends. Englische Sprache: Für Anfänger Dienstag von 7 bis HM 9 Uhr abends, für Vorgeschrittene Myntag von 7—8 Uhr abends. Französische Sprache: Dienstag von 8-0 Uhr abends, Leitung Pros. Bevtovd Hirsch!. Deutsch für Ausländer: Dienstag von 8—9 Uhr abends, Leitung Direktor S. Altmann. Schwedisches Turnen für Mädchen: Montag von 8—9 Uhr abends, Leitung Ing. Palatschenko. Praktische HandwerkSkurse: Leitung Ing. Otto Singer, sowie eine Reihe von Kursen Über jüdische Geschichte, Literatur, Kunst und Wissenschaft. Termin wird noch bekanntgegeösn. GinschreKungen. täglich von 6—8 Uhr abends im Sekretariat, 3. Bez., Untere Augartenstratze 86. * Mädchenhandel mit Varietee-Elevinnen. Das PrKWÄm der Internationalen Artisten-Organisation ersucht um Veröffentlichung nachstehender Warnung: Seit einiger Zeit machen es sich verschiedene unbekannte „Unternehmer" zur Aufgabe, durch Zeitungsinserate junge Mädchen zu veranlassen, sogenannten „Tanz- oder Varioteetvuppen" beigutreten, wobei sie ganz unglaubliche, natürlich glänzende Versprechungen machen und ihnen eine künstlerische, rosige Zukunft Vortäuschen. Das Fazit ist dann erfahrungsgemäß zuerst eine Geldabnahme und dann der Abtransport nach den Balkanländern. Nach dortigen Sitten und Gebräuchen^ eHallen die armen Mädchen wohl ein Engagement in irgendein Nachtlokal, wo sie jedoch nie als Künstlerin gewertet werden I Bon ungeschulton Kräften, die in einem Zeitraum von 4 bis 8 Wochen „studierten", kann ntan auch Um anderes Resultat voraussetzen. Ferner erhalten die bedauernswerten Geschöpfe Schill. 60.— Monatsgage mvd Berpfiegung, so daß sich der Gedanke aufdrängt, daß die artistische Flagge eigentlich nichts anderes als einen Deckmantel zur Prostitution bWdsu soll. Wir warne-n daher alle Eltern und jungen Mädchen, solchen Lockungen unter keinen wie immer gearteten Amständen Folge zu leisten und laden solche, die bereits irgendwelche schriftliche VerpfiichMngen eingegangen sind, ein, sich unter Vorweisung ihrer „Verträge" bei der ,Linterrmtionalen Avtrsten-Organisation", Men, 2. Bez., Pvaterstvaße 48, sofort zu melden. Nicht ahspringen! Gestern MchnMW woSW der SMv^e

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