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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-14 · Heft 2742 (14.10.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2742 (14.10.1926)
Date
1926-10-14
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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mrnrnmmmmmmmmmmmmm. mti i Wien, Donnerstag WiSN«e Mokg-ttzettung 14. Oktober 1926 Nr. 2742 -.... , .... . . ,,., , - ----.---- --- .... . 8ln FünfzehnjShriger verübt drei Morde. Si« surchtbarer Raubmord in Srauienburg. mögen mm, wenn sic irgenidwelche Bernfnngcn, oder sonstige BeWverven an die höheren Instanzen leiten iniissen, Mit ihren Anliegen nicht an die untergeordneten Tschinonniks. sondern d i r ekt zu ihn, dem Gouverneur kommen unb bei ihm den bestimmenden Betrag erlegen. Er tuerde diese Qklibcv nidft fiiv sich verwenden, sonidern d e r K a s s e d e r gesetzliche Judenst e u e r n znfiühren und sie für die Errichtung jüdischer Spitäler und anderer Wohlfahrtseinrichtungen verwenden. Diese Methode hat Nekljudow viele Jahre hindurch Praktiziert, rrnd soll über diese eigenartige „illegale" Jndensteuer immer ordnungsgemäß Rechnung gelegt und sie tatsächlich für jüdische Zwecke verwendet haben. Abgeordneter Dr. N o r u k setzt sich übrigens für eine Unterstützung des in Not befindlichen ehemaligen Gouverneurs ein. Schwere« SisenbahnunMck in Polnisch- Schlefien. Charley (Polnifch-Oberfchlesien). Wolfs.) Kurz . , Mitternacht stieß infolge falscher Weichenstellung bei der Station Ehar-leh-Piekar ein Person engug rmt einem Güterzug zusammen. Ein Gepäckswagen und mehrere Güterwagen wurden ans die Böschung hinausgeschoben. Bisher wurden zwei Tote und acht Schwerverletzte geborgen. Die Schwerverletzten befinden sich in einem derartigen Zustande, daß mit einer Erhöhung der Zahl rer Toten gerechnet werden muß. Der schuldige Weichensteller ist festgenommen worden. Das Unglück ist auf die Unachtsamkeit des SignalwarterS zurückzuführen, der, obgleich sich ein Güterzug mit zwei Lokomotiven auf dam Geleise befand, dem Personenzug dre Einfahrt nach dem Bahnhofe Charley frei gab. Der Signalwärter wurde in oem Augenblicke ergriffen, als er nach Beuthen flüchten wollte. Durch 'den Anprall beider Züge wurden die drei Lokomotiven vollständig ineinandergeschoben und stark beschädigt. Ein Personenwagen dritter Klaffe und ein Gepäckswagen gerieten durch Explosion des Gasbehälters in Brand und verbrannten vollständig. Don den sechs Schwerverletzten sind bereits zwei ihren Verletzungen erlegen. Die Unglücksstelle bietet ein Bild wüsten Durch- "inanderS. Eine Rede der Krakauer Rektors. Gegen die Überschätzung des Hochschulstudiums. Aus Krakau wird uns berichtet: Letzten Samstag simd die Eröffnung des neuen Schuljahres an der hiesigen Universität statt. In seiner Eröffnungsrede übte Rektor Dr. M a r ch l e w s k i an der bisherigen Tradition der polnischen Jugend scharfe Kritik. In Polen besuchen die Absolventen der Gymnasien die Hochschulen nur zu dem Zwecke, um auf diese Weise nach Absolvierung der Universität als Beamte Sinekuren zu erhalten. Es sei eine verfehlte Ansicht, die dazu geführt habe, daß der Absolvent einer Universität einen größeren gesellschaftlichen Wert besitze als der Kaufmann, Handwerker oder Arbeiter. Es gehen zu viele an die Universität. PHlen könne nur bann sicher und groß werden, wenn der Geist der Demokratie im Lande siegen werde. Wir müssen — schloß der Rektor seine aufsehenerregenden Ausführungen — r^ehr junge Leute in den Fachschulen ausbilden als an den Universitäten-. An die Universitäten mögen nach strenger Prüfung nur diejenigen ausgenommen werden, die kraft ihrer geistigen Qualitäten hiezu berechtigten . Anspruch haben. AndereKriterien hiefür dürfe es nicht geben. Gültigkeit wurde mir weniger durch die Tatsache demonstriert, daß der Roman nach und nach in die meisten europäischen Sprachen übersetzt wurde (auch die französische Ausgabe ist jetzt beschlossen), nein, sondern ich bekam esmit eigenen Ohren zu hören, auf Reifen, im G. spräch mit Mensche^ verschiedener Länder. Wie oft, etwa in der Schweiz, in Holland, in Dänemark, habe ich junge Leute ausrufen hören: „Dieser. Prozeß der Entbürgerlichung, der biologischen Enttüchtigung durch Differenzierung, durch das Ueberhandnehmen der Sensibilität — genau wie bei uns!" Ms ich jetzt in Paris war, hatte ich bei einem Abendessen einen bekannten, französischen Kritiker und Essayisten zum Nachbarn: Edmond Jaloux. Er erzählte mir, daß er aus Marseille stamme, dieser südfranzösischen Hafenunb. Handelsstadt, deren Leben und materielle Kultur er mir als lübeckisch schilderte, mit dem Hinzufügen, er sei erstaunt gewesen, wie sehr meine Erzählung ihn, dem Künstler, Schriftsteller gewordenen, „entarteten" Marseiller, an heimische Verhältnisse und an seine Emanzipation daran gemahnt habe. Wenn ich mich Kl denen stelle, denen der Gedanke „Europa" am Herzen liegt, wenn ich einem internationalen Nationalismus widerstrebe, der eine Weltlage zu begreifen sich weigert, welche eine neue Solidarität der Völker Europas gebieterisch und jedem verständigen Sinn erkennbar fordert, so mögen wohl solche persönlich verbindende Erfahrungen dabei im Spiele sein: das Erlebnis europäischer Solidarität, das Erlebnis, daß die Völker Europas nur Abwandlungeu und Spielarten einer höheren seelischen Einheit darstellen. Eine solche Einsicht, meine Damen und Herren, ist weit genug entfernt von kulturwidrigem Demokratismus. Man gibt das Persönlichste und ist überrascht, das Nationale getroffen zu haben. Man gibt das Nationalste — und siehe, inan hat das Allgemeine und Menschliche getrosten, mit viel mehr Sicherheit getroffen, als tvenn man sich den Internationalismus ^-oqrammatisck vorgesetzt hätte.,." Aus Berlin wird uns berichtet: Dienstag abends wurde in Oranienburg eine furchtbare Bluttat verübt; der 75jährige pensionierte Oberpostfekretär D o - hrindt, seine um 9 Jahre jüngere gelähmte Gattin und die Tochter des Ehepaares, Käthe Dobrindt, wurden durch Messer st iche getötet. Der Mörder ist der Sohn eines B a u m e i st e r s aus Stargaard, Karl Ernst Müller, dessen verwitwete Mutter in dem genannten pommerschen Ort als achtbare Frau geschätzt ist. Müller ist nach seiner Angabe am 23. Mai 1911 gebovcn, also erst 15 I a h r e a l t, doch macht er den Eindruck eines etwa Zwanzigjährigen; auch seine Verwandten behaupten, daß er das 20. Lebensjahr überschritten habe. Müller, der seit langem Merkmale schwerer sittlicher Entartung zeigte, wurde über Anraten des Hausarztes der Familie in eine Erziehungsanstalt nach Belgarde gegeben; dort ist er vor einigen Tagen entlaufen, nach Berlin gekommen, hat hier Waffen, einen Revolver und einen Dolch, gekauft, und das Ehepaar Dobrindt, das ihm bekannt war, aufgesucht. Diese Familie hat nun Müller in grauenvoller Weise ermordet. Nach der Tat floh der Mörder, verletzte einen Hausbewohner, der sich ihm entgegenstellte, durch einen Messerstich und gewann so einen Borsprung; er rannte in den Sachsenhausener Wald und von dort aus kreuz und quer bis zur Försterei Te ero fen, wo er in der Gastwirtschaft festgenommen wurde, da er durch seine blutbefleckten Kleider Verdacht erregt hatte. Der Bursche gestand seine Tat bald ein und gab an, er habe dem greisen Ehepaar, das er durch Verwandte kannte, einen Besuch gemacht. Da sei die Washington, 13. Oktober. (Reuter.) Die seismogcaphi- )chen Apparate der Universität in Georgetown verzeichneten heute früh ein starkes Erdbeben in der Dauer von zweieinhalb Stunden. Die Entfernung des Erdbebenherdes wird auf ungefähr 4800 Meilen (über 5000 Kilometer) geschätzt. . Lar Wiener Kinogefetz — verfassungswidrig? Wie die „Politische Korrespondenz" erfährt, hat die Bundesregierung beim Verfassnngsgerichtshof den Antrag gestellt, bestimmte Stellen des Wiener Landesgesetzes vom 11. Juni 1926. betreffend die Vorführung von Lichtbildern. (Wiener Kinogesetz), wegen Verfasfungswidrigkeit aufzuheben. Die Verfassungswidrigköit der angefochtenen Stellen wird darin erblickt, daß dadurch Kompetenzen, die im Sinne der Bundesverfassung der Wiener Polizeidirektion züstehen, dem Wiener Magi st rat zugesprochen werden. Der Gemeinderat als Landtag hat bekanntlich das neue Kinogesetz trotz des Einspruches der Regierung beschlossen und der Wiener Magistrat hierauf die seinerzeit von Der Po-lizer ausgegebenen Kinotizenzen m Konzessionen umgewandelt. Gegen die Verteilung dieser Konzessionen wurden nun von vielen Seiten Einwendungen erhoben, namentlich von den bisherigen Lizenzinhabern, die keine Konzession vom Magistrat erhalten hatten. Mischer äentrm» der..Sozialen Hilssgemeinschalt Anilta Müller". Im Rahmen des .jüdischen Zentrums" werden im Wintersemester folgende Kurse, abgehalten; Hebräische Sprache. Konversation und Stenographie: Leitung Prof. Jona Gelernter. Englische Sprache: Mrq» Cornsreld. Französische Sprache: Prof. Dr. Hirschel. Deutsch für Ausländer: Dir. Siegfried Altmann. Jüdische Geschichte: Rabb. Dr. Bach. Geschichte der Juden in Wien: Prof. Dr. S. KrauS. Judenstaats Projekt e: 1746 bis 1846: Dr. 9k N. Gelber. Palästinakunde: Doktor N. Blauer. Soziale Arbeit für jüd. Menschen: Dr. Isidor Klaber. Soziale unb wirtschaftliche Gliederung der Juden: Dr. Leo Goldhammer. Praktische Handwerkstätten: Ing. Otto Singer. Schwedisches Turnen für Frauen und Mädchen: Ing. Patlatschenko. Handfertigkeiten für Mädchen: Liese Jvanyi-Hof>mamr. . Weitere Borträge: Heber jüdische Geschichte, Literatur und WirtschaftSprobleme: Oberrabbiner Dr. EhajeS, Rabb. Dr. D. Feuchtwang. Doktor Otto Abeles, Siegfried Abeles, Dr. Arnold Ascher. Ludwig Bato, Adolf Böhm. Mano Vierer, Dr. Siogmund Finkelstein, Hofrat Prof. Dr. A. Frankfurter, Dr. Desider Frredmann, Dr. Herzberg, Prof. Dr. Martha Hofmann, Prof. Kappelmacher, Dr. Karbach. Direktor Dr. Viktor Kellner. Gernenrderat Dr. Leopold Plaschkes, Dr. Ernst Müller, Heinrich Jork- Steiner. — Naturwissenschaft und Medizin: Dr. Hedwig Fischer, Dr. Ludwig Hofbauer, Dozent Schwarz, Prini. Dr. Jsak Robinsohn, Dozent Dr. Hugo Stern, Frau Dr. Kalisch. Jüdische K u n st: Prof. Max Eisler. Dr. Else Hoftnann. Anmeldungen und Auskünfte täglich zwischen 6—8 Uhr im Sekretariat, 2. Bez.. Untere Augartenstraße 36. Tochter der Eheleute Dobrindt, Fräulein Käthe, vom Dienst nach Hause gekommen, habe ihm auf den Kopf zugesagt, daß er aus der Erziehungsanstalt entlaufen sei und ihm gedroht, ihn der Polizei zu übergeben. Ans Furcht vor der Anzeige habe er auf Käthe Dobrindt losgestochen, bis sie bewußtlos war, und dann ihre Eltern getötet, um die Mitwisser seines Verbrechens aus der Welt zu schaffen. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß die Angaben Müllers erlogen sind; er scheint (darauf deutet schon der Einkauf von Waffen in Berlin hin) einen Raubmord wohl vorbereitet zu haben. Er dürfte zuerst das alte Ehepaar hinterrücks ntodergestochen haben, um das Haus auszurauben, scheint aber von der helmkehrenden Tochter überrascht worden zu sein» die er dann gleichfalls ermordete. Zum Raub ist Müller nicht gekommen, da die Hausbewohner durch die Hilferufe des dritten Opfers alamiert wurden. Als der jugendliche Mordgeselle nach Oranienburg gebracht wuvde, wollte ihn die Menge lynchen. Zwei dreizrh jährige Burschen ermorden ihren Kameraden. Wie aus Kolomea telegraphiert wird, hat sich im Dorfe Hruszew bei Kolomea ein schreckliches Ereignis abgespielt. Zwei 13jährige Burschen haben ihren gleichalterigen Kameraden ermordet, da er eine Schuld von zwei Zloty nicht zurückzahlen wollte. Sie lockten ihn in den Wald und brachten ihn auf gräßliche Art um. Die Polizei hat beide Burschen verhaftet und dem Gericht überstellt. Srsterreichische Lnndeskonserenz der Keren Kajemeth Das Präsidium des Keren Kajemeth teilt mit: Samstag, den 33. d. M., s/i7 Uhr abends, findet in den Räumen der Zionistischen Bezirkssektion Leopcstdstadt, 2. Bez., Zirkurgasse 33, die diesjäh ige Landeskonferenz des Keren Kajemeth ft.ttt. Tagesordnung: 1. Referat des Herrn Dr. Jscnl Waldmann über den Keren Kajemeth als Mittel für eine i geistige Propaganda; 2. Rechenschaftsbericht über das Jahr 6686; 3. Arbeitsplan für das Jahr 6687; 4. Verlesung der Neueintragungen in den Pinkas des Keren Kajemeth; 5. Neuwahlen. . , Wahlberechtigung rJede Gruppe, die das Mindestkontingent von 15 Pfund aufgebracht hat, hat das Recht, einen Delegierten zu entsenden, bei Aufbringung von 50 Pfund und darüber zwei Delegierte. Die Gruppen werden ersucht, die Delegieren beim Bureau des Keren Kajemeth Ehestens anzümelden. Max Mfluer ln Amerika. Der.Seidenfaürikant Max Delfiner, der bekanntlich in Tel-Awiw eine Seiden abrik errichtet hat, weilt seit einigen Tagen in Amerika. Jüdischen Zeitnngskorrespondenten g genüber äußerte sich Herr Delsiner über den Zweck seiner Amerikareise wie folgt: Die Juden in Amerika wissen sehr wenig über die Möglichkeiten und die Wichtigkeit einer, großen SeideniMlstrie in Palästina, um eine Vorstellung davon z,u haben, welche großmr Aussichten diese Industrie in Palästina hat. Herr Delsiner will Tel-Awiw zu einem Zentrum der Seidenfabrikation machen. Er sehe nicht ein, warum Tel-Awiw für Palästina nicht dasselbe werden soll, was. Lyon für Frankreich. In Lyon arbeiten 600.000 Arbeiter in der Seldenindustrie, obgleich Lyon vor der Entwicklung dieser Industrie ein unbekanntes bedeutungsloses Städtchen in Frankreich war. Dieselbe Wirkung, die! die Seidenindustrie auf die Entwicklung Lyons geübt hat, würde auch eine große Seidenindustrie in Tel-Awiw auf diese jüdische Stadt üben. Der Orient, Aegypten und die Mchbarländer konsumieren Massen von Seide und Palästina ist diesen Ländern näher und vermag daher die Konkurrenz mit Frankreich erfolgreich zu führen. Erstens ist Fracht und Zoll viel billiger als aus Frankreich, zweitens vermag der palästinensische Fabrikant die Aufträge rascher auszuführen tu nd auf diese Weise mehr Zeit , zu gewinnen. Mer, der palästinensische Fabrikant kennt auch den Geschmack sund die Verhältnisse der orientalischen Länder besser. Der Orientale als einfacher Mensch zieht heimische Produkte den ausländischen vor. Er betrachtet die Industrie des Auslandes als etwas Fremdes und würde mit großer Freude Produkte, die in der Heimat oder in der Nachbarschaft erzeugt werden, kmrfen und verbreiten. In Palästina darf man keine Experimente Mächen. Man muß bloß Produkte erzeugen, die auch in anderen' Länderrr leicht an den Mann gebracht werden können. Herr Delsiner will deshalb in Amerika aus eigener Anschauung feststellen, welche Sovten der Seidenindustrie in Amerika beliebt und am meisten gekauft werden, um für seine Seidenprodukte einen neuen Markt zu gewinuerr. Jüdische Kaufleute in Amerika könnten in Palästina mit verhältnismäßig geringen Kapitalien als Seidenproduzenten viel verdienen. Nur inüsse praktische Arbeit begonnen werden. Wir brauchen weniger Politiker und mehr Unternehmer in Palästina' Sie bebende Erde. u

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