Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2741 (13.10.1926)
- Date
- 1926-10-13
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Jftt. 2741 Mm, MKwvH Wiener Morsenzettnns iS. LEöber 1928 Seite 5 «Verhaftung tuierustwMler Ladendiebe. In Elberfeld dm dies« Tage -Mt international« Ladendiede, Gerfon G witsch und Nathan Pydra, verhütet. Gi« ftehen im dachte» auch ausserhalb Deutschland- LadeNdtebstahl« verü habeu. Szkowitsch ist schon in Berlin und Wien wegen s Diebstähle abgestraft. Pydra ist polnischer Deferteur. * Lteruabend auf dem Gommerhetdenweg. Der Vortrag von Professor ThomaS: „Sind andere Sterne bewohnt?" wurde auf Dam Stag, den 16. Oktober, verschoben. Versammlung halb 8 Uhr in PWeinSdorf, Ende der 41«r Linie. Schluss 9 Uhr. * Ein „Nachbeben" in Wien. Die Meteorologische Zen* tralanstalt teilt mit: SamStaa, den 9. Oktober, wurde um 9 Uhr 26 Min. ein etwas stärkeres Erdbeben nördlich des Semmering-Passes bis Wiener-Neustadt verspürt. Eß wurde auch vom Wiener Seismographen ausgezeichnet. Auch diese Erschütterung ist ebenso wie die schwächere am 29. und 30. Deptember zu betrachten. Um genauen Einblick in den Zusammenhang dieser für die österreichischen Ostalpen seltenen Vebenreihe zu gewinnen, wird gebeten, Beobachtungen mit Angabe von Ort und Zeit an die Zentralanstalt für Meteorologie in Wien, 19. Bezirk, Hohe Warte, nur mittels frankierter Postkarte zu senden. * Die mystifizierten Astronomen. Anfangs September verzeichneten eine Anzahl englischer Sternwarten das Erscheinen eines ausserordentlichen grossen Meteors. Dem Observatorium von Cambridge gelang es sogar, eine Aufnahme von ihm zu machen. Nach der Spur des Meteors würge aber vergeblich gesucht. Jetzt stellt sich heraus, dass die ganze Angelegenheit auf den Ulk eines Londoner Photographen urrückzusühren ist. Er hatte einen Vorrat von altem Blitzlicht« pulver mit einem Bündel gewöhnlicher Kinderballons in die Höhe fliegen lassen und durch eine angebundene Lunte dafür gesorgt, -atz nach einiger Zeit eine Explosion stattsand. Cr hat sich jetzt selbst gemeldet und damit wochenlange Diskussionen Wischen den Astronomen und Meteorologen Englands zum Abschluss gebracht. * Japanische HeiratSannonee. In einer großen Zeitung «n Tokio war neulich folgender Heiratsantrag zu lesen: „Ich bin ein schönes Mädchen, mit einer wunderbaren Haarpracht, die sich um den Kopf schmiegt wie die Wellen des Meeres an oen Strand. Meine Haut ist seidenartig, mein Körper schlank und biegsam wie eine Weidengerte. Meine Augenbrauen ähneln der Rundung des zunehmenden Mondes. Mein Vermögen ermöglicht er mir, an der Seite meines Gatten ein angenehmes Leben zu führen, am Tage die Pracht der Blumen, in der Nacht sen Mond zu betrachten. Wo finde ich den Mann, der anständig, distinguiert und zugleich auch kultiviert ist und der zu all dem auch noch das gute Essen liebt? Mit »rnem sülchen Manne will ich mein Leben vereinen, mit ihm alle Freuden teilen und schließlich mit ihm zusammen in einer wettzmarmornen Gruft ruhen." * Ein furchtbarer Vatermvrd. Aus Blsegra-d wird gemeldet: In der Nacht ouf Montag wurde hier ein grauenvoller Mord verübt. Der Feldarbeiter Florian Papp, de mit seiner Frau und seinem 24jühriae.n Sohn in ständigem Unfrieden lest«, wurde von seinem Sohne ermordet. Der von der Gendarmerie verhaftete Sohn gestand, dass er auf Anstiften seiner Mutter dem im Stalle schafenden Vater den Hals mit einem grossen Messer durchschnitten und den Stall sodann angezündet habe. Auch die Frau des Ermordeten wurde verhaftet. iKpische weit * Sie Abstammung der Shriftoph Solumbu». Aus einer Marannenfamilie. In Rom würbe dieser Tage der Internationale Kongress für die Erforschung "der Geschichte 'des neuen "Weltteils und der Völker, die Amerika bewohnen, abgehalten. In großer Zahl nahmen an den Verhandlungen amerikanische Gelehrte teil. Eines der Hauptziele des Kongresses war die Behandlung der Frage der Abkunst von Christoph Columbus im Zusammenhang mit den neuesten Forschungen auf diesem Gebiete, Auch jüdische Gelehrte beteiligten sich an den Verhandlungen, so u. a. Prof. Amagia (Rom), Professor Lev in (Florenz), Prof. Leo Wiener von der Harvard-Universität, Prof. Davidson (Philadelphia) und Prof. Sternberg von der Wissenschaftlichen Akademie in Leningrad. Der römisch: Korrespondent der Jüdischen Telcgraphen-Agentur hatte mit dem bedeutenden Columbus- Forscher Prof. Cortezao von der Universität Lissabon, ein Interview über die Frag: der nationalen Herkunft von Columbus. Prof. Cortezao sagte: Dia neuesten Forschungen spanischer und portugiesischer Gelehrter über die Herkunft von Columbus, hauptsächlich die Arbeiten von Don Enrique Zais, beweisen, daß der Entdecker Amerikas in der spanischen Provinz Galicia geboren wurde. Mit einem hohen Maß von Sicherheit kann nran sagen, daß Columbus einer „neurhristichen" Familie, d. h. einer Familie der Marranen, entstammt, die in der Provinz Galicia einen sehr bedeutenden Teil der Bevölkerung ausmachien. Man weiß, welchen hohen Anteil die Juden und Marranen Spaniens in dem 14, und 15. Jahrhundert an dm großen See-Forschungsreisen genommen haben. Der portugiesisch: Jude Prof. Joaiuim Bensaile, hat Unter dem Titel „Portugal in der Zeit seiner großen Entdeckungen" ein Buch veröffentlicht, in welchem in überzeugender Weise der Einfluß der jüdischen Wissenschaft in Spanien und Portugal auf d:n Erfolg der grossen Expedition von Columbus nachgewiesen wich. Die jüdischen Astronomen gaben die Grundlage für die Seereifen im Mittelalter. Der Jude Abram Zakutu verfaßte die astronomisch:n Tafeln gegen Ende des 15. Jahrhunderts. An allen großen Reise-Expeditionen nahmen Juden direkt teil, auch unter den Begleitern von Columbus waren einige Juden. Erwähnenswert sei. daß nach der Entdeckung von Brasilien König Manuel dieses Land einer Gesellschaft von Marranen in Pacht gab, an deren Spftw der Jude Fernando! Loron tra stand. Diese Gesellschaft wurde verpflichtet, in jedem Jahre mindestens 209 Meilen des Landes zu erforschen. Man übertreibt nicht, setzte Professor Cvrte'zao fort, wenn man sagt, daß die Entdeckung und Erforschlmg Amerikas «in Werk der Marranen sei. m selbst, schloß Prof. Corte?.ao. habe jüdisches Blut in meinen Adern, mein Urahne ist Ferrao MendeS Pinto, «in berühmter Geehrter und Reisoforfchsr, der durch Zwang den jüdisch?« Glauben verlassen mußte. Sntereffe Sudan» (Be da» jüdische Palüstiaa. Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Herr Kurv ki, der japanische Konsul in Port Said, stattete , dem Bureau der Exekutive einen Besuch ah und erbat sich zionistische Literatur zu seiner und seiner Regierung Information über die zionistische Tätigkeit in und außerhalb Palästinas. Rupvin — So,ent an der Setnfalemet ünlverftistt. Wie „Haaroz" berichtet, wurde Dr. Arthur Ruppin, der langjährige Leiter des jüdischen Kolonisatlousamtes in Palästina, zum Dozenten der Jerusalemer Universität ernannt. Dr. Ruppin wird Soziologie und Anthropologie vortragen. Tr. Sukentk wurde als Doreut Ar Archäologie berufen. Drei Jahrtausende hebräischer Sprache. Aus München wird uns geschrieben: Am 5. Oktober hielt Rabbiner Prof. Dr. Felix PerleS aus Königsberg im Nahmen der Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde München einen Bortrag über das Thema „Drei Jcchrtausen.de hebräischer Sprache". Der Referent gab einen geschichtlichen Ueberblick. über die Entwicklung der hebräischen Sprüche von ihren Anfängen bis auf die Gegenwart. Er charakterisierte an Hand lexikogvaph sicher und phraseologischer Verspiele die großen Perioden der hebräischen Sprachenentioicklung, zugleich auch den Einfluss des ägyptischen, babylonisch-assyrischen, aramäischen, griechischen und arabischen Sprach- und Kulturkreises auf diese Entwicklung aufzeigend. Er behandelte insbesondere die biblische, klassische und nachklassische Periode, das Hebräische der Mischna, Tosefta und des Midrasch, die synagogale Poesie, und die spanisch-arabische Blütezeit und ging dann, nach Schilderung der hebräischen Studien des christlichen Abendlandes zur Zeit der Renaissance und des Humanismus, zu den beiden letzten Stadien hebräischer Sprach- und Literaturentwicklung über: der „Haskalah" in Deutschland und Osteuropa und der nationalen Periode der letzten Jahrzehnte in den Ostländern und vor allem im Lande der Wiege des Hebräischen, in P alästin a. Dieser letzten Entwicklungs- Phase der hebräischen Sprache und Literatur widmete der Referent Worte hoher Anerkennung. Das Hebräische sei in der Gegenwart wieder zu einer lebeden, das ist gesprochenen Sprache geworden. In Litauen und anderen Ländern,des Ostens sei diese Sprache wieder zur Unterrichts-^ und Vers am mlungssprache geworden. Sämtliche, auch die allgemeinen Unterrichtsfächer, wie Mahteniatik, Physik, Naturkunde usw., werden in den hebräischen Schulen dieser Länder in Hebräisch gelehrt. Die ruhmvollste Entwicklung jedoch habe die Sprache im Palästina der Gegenwart erlebt, indem sie dort ein blühendes hebräisches Schulwesen hervorgebracht habe. Alle Kindergärten, Grundschulen, Mittelschulen und Hochschulen haben dort ausschließlich hebräische Unterrichtssprache. Hier eröffnet sich nach Ansicht des Referenten unabsehbare Entwicklungsmöglichkeiten für diese Sprache. sthrnng de» Andenken» jüdischer Kriegrgesallener m Susoliawien. Aus Belgrad wird uns berichtet: Dieser Tage besuchte KriegSmintster General Trifunovie den hiesigen jüdisch m Friedhof, uM das Modell des zu Ehren der auf dom jüdischen Friedhof bestatteten jüdischen Kriegsgefaflonen zu errichtenden Mausoleum zu besichtigen. Der Kriegsministev äußMo Grandrabbiner Dr. Isaak Alkalay gegenüber seine Bewunderung über die musterhafte Ordnung, Einteilung und Einrichtung auf dem jüdischen Friedhof und fügte hinzu, daß er diese Einrichtung dem Zentralkomitee für gefallene Soldaten als nachahmensivertes Beispiel empfehlen werde. Er teilte mit, daß über die gefallenen jüdischen Soldaten in Jugoslawien auf Kosten des Kriegsministeriums ein Gedenkbuch mit Photographien und Lebensbeschreibung der Gefallenen herausgegeben werden wird. Ein 17jührtger jüdischer Schachmeister. Bei den Turnieren de- Schlesischen Schach-Kongresses, der in Bad Alt- Heide aögchalten wurde und an dem sich 68 Spieler beteiligten, entschied das Hauptturnier ver erst 17jährige Breslauer Schüler Fördyr zu seinem Gunsten. Fürder verspricht nach der Meinung der Schachautoritäten für die Zukunft sehr viel. Man veranstaltete eine ernste Partie zwischen Fürder und dem weltberühmten Sä misch, die Sämisch erst nach se^yseinhalbstündigem Kampfs mühsam gewinnen konnte. Klein- Mitirtlungen aus Jerusalem. Dm Beamten fotz Finanzabteilung des Keren Hajusod sind aus England eingetroffen und haben ihre Tätigkeit m dem im Pasteur-Institut (Suleiman Road) gelegenen Bureau des Keren Hajessod aufglSlwmmen. — Herr. Di. Uffischkin, der Vorsitzende des Direktoriums des Jüdischen Nationalfonds, ist nach Jerusalem zurückgekehrt, nachdem er in Europa der A.«C.-Sitzung bLigswohnt und im Anschluß daran noch einen kurzen Ferienaufenthalt genommen hat. Er hat sofort die Arbeit im Hauptbureau des Fonds wieder ausgenommen, wo man jetzt die Vorbereitungen für die silbern« Jubiläumsaktion trifft, die zu Chanukkah beginnen soll. — In der Sukkoth-Woche besuchte der Bürgermeister von Jerusalem, Naschaschibt (bekanntlich der Führer der gemäßigten Araber), von dem jüdischen Sekretär der Stadtverwaltung begleitet, einige führende Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinde anläßlich oieseS Festes. Er stattete den Oberrabbinern A. I. Kock und Jacob Meir, ferner Herrn Joseph Me huch a S, dem Präsidenten des Stadtrates der Jerusalemer Juden, und anderen Besuche ab. Ein jüdischer Präsident des Obersten StaatSgerichtShofeS in Rewhork. Aus N e w y o r k wird uns berichtet: Bei den Vorwahlen zur Nominierung der Kandidaten für die vorzunehmenden Wahlen der Funktionär« des Staates Ncwhork haben sich die republikanische und die demokratische Parte: für daS Amt des Präsidenten des Obersten Staatsgertchtshafcs in der Person des jüdischen Richters Benjamin Cord oza als gemeinsamen Kandidaten geeinigt. Bühne und Kunst. „Amerikanerinnen." Modernes Theater. Die Eigenart verachten, gedankenlos fremden Glanz bewundern, im fremden Milieu untevkviechen, mit dem Golid des Gatten oder Vaters Duldung bezahlen. — wir Juden kennen dieses Problem, das hier Artur R i ch m a n an einer anderen, wesen sverwanüten Assimilation aufzeigt: Amerika in Paris. Die Frau eines Ameriikvners, der sich seinen Reichtum erarbeitet hat, lebt mit ihren Dollarwechseln skrupellos und herrlich an der Seine, läßt hier die Tochter französisch „erziehen", verheiratet sie cm einen gut angezogenen Tagedieb, bewundert 'die Halbwelt, ist ganz ihren fragwürdigen Vergnügungen ergeben: L^uartier latin, prunkvolles Hotolleben, Toiletten, Gelage, Verhältnisse usw. Die Tochter sicht den Slibgrun'd. Md findet, eine kernige Natur, zu einem mnerikanischen jungen Menschen zurück; einem werbenden Künstlet/ der ebenfalls rechtzeMg entdeckt hat, daß er in einem Sumpf zu verkommen droht. ' Das Stück wäre leidlich, die Charakterisiemmg der Mutter, des Vaters und ganz besonders der Tochter ist micftt Übel — aber die Darstellung ist unmöglich, dieses feinen intimen Theaters und seiner neuen Leitung (DirMor Körner) unwürdig. Fräulein M ei x n e r, welche die kluge, wissende, sich gegen den Verfall kräftig wehrende Tochter zu spielen hat, kann dieser, komplizierten Rolle nicht gerecht werden unb geht drei Akte lang auf die Nerven. Der sonst so sympathische Herr Smith ist für den jungen Liebhaber ameriLanischen Geblütes untauglich. Auch die gewandte, tüchtige Frau Marietta Weber (Mutter) bleibt ganz. 'blaß. Sehr fein hingegen Herr Iensen als Vater, den er mit einem Unterton bitterer Ironie rührend gestaltet. Tauglich Herr 93 e r ft I als windiger Großstadtischmarotzer. Sonst noch manche FohWefetzung, die anzukreiden besser unterbleibtdenn es war leider ein mißglückter Abend. O. A. 9er Prophet Poneuropo-Bewegung Joseph Popper-Lpheus Seine wichtigsten Werket: Voltaire br, S 12.— geb. S IS.— Das Recht zu leben und die Piilchf za sterben br. S 4.80 geb. S 6-30 Fürst Bismarck und der. br. 9 4.80 geb. S 6.30 Philosophie des Stroirechts br. S 2.40 geb. S 3.60 lieber Pension br. S 3.60 geb. S 7.20 Qesprdche geb. S 6.— .ksmmnde UiMi «rin »Inn Und ittni" agit 1.1 Miitit-KM Dir Wi-iMm VEKLflG 1. tÖWIT, HIE« I. Rotenturmötraßa 22. 52073454