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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-13 · Heft 2741 (13.10.1926) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2741 (13.10.1926)
Date
1926-10-13
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Getto « m*tt, MMvvch Wiener Morgen-eMms iS. » i9@8 Rr. Sffö Au, ve« Aeatvm. B u r g t b c <t 1 e v. Donnerstag, halb 8 Uhr: „F e » ft e r". - Montag, halb 8 Uhr: a f a n t a,s e n a". A k a L e in i e t h e a t e r. Donnerstag, halb 8 Uhr: „D r e v u rchgängeri n", ebenso Montirg. Operntheater. Donnerstag, halb 8 lehr. Erstarrsnihrung von „t u r « it d o t" von Giaconw P " c c i u i. Besetzung: Turandot — Fr. Lehmann, Altouur — Herr Weringik, Timur — Herr Markhoff' Kalaf — Herr Slegak,Lrn — Fr. Kiurin«, Ping — Herr Duhan, Pang — Herr Gallos, Pong — Herr Mackl, Mandarine — H^rr Madin, Stimme — Herr Arnold, Prinz von Pechen — Herr Nemech. Scharfrichter — Herr Schreitter. musikalische Leitung — Schalk. Theater in der Iosefstadt. Donnerstags und Samstag „Fannys e r st e s Stück"; Freitag und Sonntag: „Regen"; Sonntag nachmittags „Der Jgel" mit San« Mose r. Johann-Strauß-Theater. Sonntag nachmittags „F l e d e r m a u s"; abends, 8 Uhr, täglich: ,M d i t u Mim t!" Deutsches Boltsth eater. Morgen „R einer Tisch!" mit Leopoldine Konstantin, Albert und Else Baffermann und Anton Edthofer; Freitag Abschiedsabend Leopoldine Konstantin in „Die Schule der Kokotten"; Samstag in neuer Einstudierung Goethes „Egmont" mit Beethovens vollständiger Musik ' und mit B a s s e r - mann in der Titelrolle. Diese Vorstellung beginnt ausnahmsweise um 7 Uhr. 2 u st s p i e l t h e a t e r. Heute und Freitag neu in Szene gesetzt „Die letzte Warnung" mit Josef Jarno. Modernes Theater. Sonntag, nachmittags 4 Uhr: Tanzmatinec der Edith Elger. Ka m m e r sp i el e. Bis einschließlich Freitag „Di e Nacht ist unser". Samstag Erstausführung von VerneuilS Lustspiel ,^ops oder Schrift". Die Bolksoper und die Gemeinde Men. Die Rathanskorrespondenz meldet: In einigen Blättern wird heute mitgeteilt, der Bürgermeister hätte einer Abordnung des Bühnenvereines seine Bereitwilligkeit erklärt, beim Theaterverem der Bolksoper im Sinne des Projektes Volk n.e r zu intervenieren. Diese Mitteilung ist unrichtig, insbesondere was die Intervention des Bürgermeisters Seitz beim Theaterverein. anlangt. Der Bürgermeister erachtet sich zu einer solchen Einflußnahme nicht beftHt. Bered«, Vorträge und Versammlungen. Wiener Bet-Hamidrasch, 2. Bez., Tempelgaffe 3. 6 Uhr: Lektor Dr.. Gelbhaus: „Liturgie". 7 Uhr: Lektor Dr. S. Rubin: „Die Philosophie des Maimomdes, Sinn und Bedeutung der biblischen Gebote." — Maimonides-Jnstitut. Heute 6K—7 Uhr: Rabbiner Dr. A. Kaminka: More Nebuchim. 7—8 Uhr: Dr. N. Goldstern: Talmudffches Recht. — Jugendoerein Erez-Jsrael, Wien, 2. Bez., Zirkusgaffe 93. Die Kurseinteilung ist folgende: Anfänger: Montag 8—9 Uhr und Donnerstag 8—9 Uhr. Vorgeschrittene: Dienstag 8—9 Uhr und Samstag 2 ÄS 3 Uhr; L i t e r a t u r k n r s (für perfekt Hebrmschsprechende): Dienstag 9—10 Uhr und Samstag 3—4 Uhr. — Zionistische Jugendgruppe Leopoldstadt, 2. Bez., Zirkusgasse 33. Heute, halb 8 Uhr, 3. ordentliche Generalversammlung. Erscheinen aller Mitglieder unbedingte Pflicht. In oer nächsten Woche beginnen Hebräisch-Kuvse und ein Seminar über jüdische Geschuhte. Einige Anmeldungen Erden noch täglich von 7 bis 10 Uhr entgegengenommen. Sonntag, den 17. Oktober, 7 Uhr, Heimabend. — Merkas hanoar hanori. Dienstag, den 19 Oktober, 2. Bez., Untere Augartenstr. 35, um 7 Uhr abends, Eröffnung des hebr. Klubs für die Jugend. — Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt. Die hebräische Schule eröffnet demnächst im Heime, Zirkusgaffe 33, Kurses für Anfänger und Fortgeschrittene gegen 2.50 Schilling monatlich. Einschreibungen täglich, mit Ausnahme von Freitagen, ab halb 8 Uhr abends. — Die Mitglieder der Sektion werden verständigt, daß der Lesesaal im Heime eröffnet wurde. — Leopoldstädter Volksheim, 2. Bez., Zirkusgaffe 48. Heute beginnen: 7 Uhr: Der Zerfall der österreichifch-ungarischen Monarchie, Humor in der deutschen Dichtung, Sprechmro Reveübungen. 8 Uhr: Die modemrfien Schöpfungen des Maschinenbaues. Gerichtssaai. MuH man auf der Bahn für das Kl«- auf dem Schoß bezahle». Die Arbeitersgattin Anna B. fuhr von Sebenstein mit ihrem vierjährigen Kinde, das sie auf den Schoß genomrnen hatte, nach Wien. Als der revidierende Kondukteur von ihr die Fahrkarte auch für das Kind verlangte, weigerte sie sich, eine Karte samt der Aufzahlung zu bezahlen mit dem Hinweis darauf, daß das Kind .leinen eigenen. Platz einnchme. Die Frau hatte sich wegen Prellerei beim Bezirksgericht zu verantworten. Sie gab an, daß sie der Meinung gewesen sei, für Kinder bis zu sechs Jahrerl fei die Fahrt frei. Uebri« gens sei sie noch heute Her Ueberzeugung. Der Richter, QLGR. Dr. Nehoda sprach die Angeklagte frei mit der Begründung, daß der Tatbestand der Prellerei nicht gegeben sei, weil die Angeklagte den Betrag nicht unter der Anwendung listiger Vorspiegelungen der Bahn vorenthalten habe, sondern in Vertretung eines wenn auch anfechtbaren Mechtsstandpnnkktes. Der staatsanwaltschaftliche Funktionär meldete die Berufung an. Wenn man Stoff bei der Schneiderin liegen läßt. Die Schneiderin Anastasia H. hatte von einer Frau, die bei ihr arbeiten ließ, einige Meter Etamine zur Verwahrung für einen späteren Auftrag übernommen. Das war im November 1924. Erst im Apru d. I. fand sich die Frau wieder ein. Der Stoff war nicht mehr da. Die Schneiderin hatte daraus Kleidungsstücke für Kunden angefevtigt. Es kam. zum Prozeß. Die Schneiderin, die sich auf Grund der Anzeige wegen. Veruntreuung zu verantworten hatte, berief sich darauf, daß sie 18 Monate vergeblich gewartet habe und den Stoff wider ihren Willen in Verwahrung halten mutzte, wofür sie eine Lagergebühr beanspruchen könnte. Nach so langer Zeit sei sie für den Stoff nicht mehr haftbar zu machen. Die Anzeigerin gab auf die Frage des Richters, warum sie sich so lange nicht gezeigt habe, an, sie sei die ganze Zeit arbeitslos gewesen. Der Richter meinte, daß ihr Vorgehen gleichfalls nicht richtig sei. Cr empfahl der Angeklagten, die Sache auszugleichen und den Stoff zu bezahlen. Die Schneiderin legte hierauf 30 Schill, auf den Gerichtstisch, womit die Klägerin ihre Ansprüche für befriedigt erklärte. Die Schneiderin wurde hierauf freigesprochen. Volkswirt. Polnischer Wlrtschastsbries. Finanzminister Czechowicz über feite wirtschaftliche Lage. — Das polnische Bankervwesen. — Der Lodzer Textilexport. — Baisse an der Effektenbörse. (Von unserem Warschauer Korrespondenten.) Warschau, 10. Oktober. .er neue Finanzminister Czechowicz äußerte sich eiucut Vertreter der Presse gegenüber über die finanziÄle iittb wirtschaftliche Lage des Staates und wies auf beit Fortschritt der öffentlichen Meinung hin, die schon die drei Grundprinzi pien jeder gesunden Volkswirtschaft: geregeltes Tanz: »SM |I. pra Kurse um schule Si terstraße 48, Tel. Einzelunterrich nger 44-8-61 t täglich Ä Mittwoch v. 7 bis 11 (Ihr üsiinion, Soonfag vorm.?-11-1 Uhr Tanz- Matinee. Erstkl. Jazzband 59MTHUTE große Mode - in größer Auswahl bei HORWITZ, Wien, VH., Staatsbudget uird stabilisierte Valuta zu schätzen gelernt hat. Der Minister beschäftigte sich sehr intensiv mit dem Preisprob lein und wandte sich insbesondere gegen die P reiserh öhun gspv litik der verschiedenen industriellen Kartelle und Syndikate. Die Restaurierung der freien Konkurrenz und Preisermäßigungen der Artikel des dringenden Bedar fes betrachtet Finanzminister Czechowicz als die wichtigsten Gebote der wirtschaftlichen Politik. Schließlich sprach Minister Czechowicz über das Steuersystem, das nach den Prinzipien eines mäßigen Satzes bei streirger Enthebung refor nriert rverden muß und über die Verbesserung der Monopol- Wirtschaft. In dem verspäteten Bericht der polnischen Bankverein' gnng für das Jahr 1925, der aus technischen Gründen erst jetzt veröffentlicht wurde, ist eine Statistik der Banken in Polen enthalten, nach der im Jahre 1925 die Zahl! der polnischen Banken infolge Liquidiermrg der schwächeren! Institute und der Schließung einer Reihe von Filialen eine Verringerung erfahren hat. Am ersten Jänner 1926 betrug die Zahl der polnischen Privatbanken 87 und der Filialen 216. Berücksichtigt man die Bank Polski mit- 49i Filialen, die Bank Eukrownieta mit 20 Filialen «und die staatliche Bank RoliU) mit vier Filialen, so belief sich die Zahl, der polnischen Banken ani 1. Jänner 1926 auf insgesamt 386, darunter 370 im Jnlande und 16 im Auslände. Im Jahre 1924 befanden sich in Polen 751 Banken. In den wichtigsten Städten war die Zahl der polnischen Banken am 1'. Jänner 1926: Warschau 46, Lemberg 24, Posen 22, Kattowitz 18, Lodz 17, Krakau 16, Wilna 8. Trotz dev Verringerung der Zahl der Banken, gibt es in Polen noch immer eine Hypertrophie der Banken, die schon 'Kemmerer 7n feinem 'Gutachten gekugt hat. Da aber die Banken meist mit großen Handels- und Jndustrielmterney'mungen in Verbindung 'stehen, 'Wunen 'sie nichl'. so leicht liquidiert werden. Eine Entspannung der schwierigen Lage verspricht man sich von einer weiteren Herabsetzung der Bankrate von 10 auf 9 Prozent. Der Export von Lodzer Textiwareu im Monat September hat einen geringen Rückgang aufzuweisen, was auf verschiedene Gründe zurückzuführen fft. Erstens wurde seitens der rumänischen Eisenbahnbehörden der Manufakturwarentransport erschwert, während andererseits die Lodzer Kauflente mit Rücksicht auf die unsichere Wirtschaftslage sich von den rumänischen Märkten^ zurückhielten. Die Geschäftsabschlüsse mit Litauen und einigen Ländern des nahen Ostens erhielten sich aus derselben Höhe. Mit Rücksicht auf die Arbeitseinschräukungen in den englischen Spinnereien durch den Kohlewmangel haben, die englischen Handelskreife Verhandlungen mit der Lodzer Industrie angebahnt, welche die Lieferung von Manufakturwaren für die britischen Kolonien durch Vermittlung englischer Firmen betreffen. In den nächsten Tagen sollen, die fn Warschau. weilenden. Seit drei Tagen hat sich das ganze Interesse der kommenum die erwähnten Verhandlungen abzuschließen. Vertreter der Federation os British Industries nach Lodz Börse von den Effekten abgewandt und am Devisen-! rnarkt konzentriert. Obwohl der normale Bedarf der Devisen der Warschauer Börse von der Bank Polski vollchändig gedeckt wird, wurde der Dollar privat doch sehr gesucht und erfuhr eine einprozentige Kurserhöhung. Diese Erhöhung ist keineswegs in der wirtschaftlichen und finanziellen Situation des Staates begründet, die ja Copyright 1926 bv R. Löwit Verlag, Wien. Zajin Kiddusch. Eine Erzählung aus dem alten Prag. (4. Fortsetzung.) -ue Zeit des Wartens verbrachte der Arzt im Gespräch mit der Tochter des Hauses. Dina war heute bei weitem nicht so gesprächig wie gestern; sie hört« Leon freundlich zu und erwiderte seine Fragen; aber jenes hingebende Vertrauen, das er gestern an dem Mädchen wahrgenommen hatte, fand er nicht wieder; Dina schien ihm zurückhaltend, ja mißtrauisch zu sein. Leon schrieb diese Umwandlung ihrem Brautstande zu. Nach einer Stunde kam Salom zurück. „Es geht!" sprach er freudig erregt zu Leon, „Ihr könnt unserem gnädigen Herrn Statthalter die Nachricht bringen, daß er noch heute die verlangte Summe erhält." Dev Arzt dankte Salom herzlich, verbeugte sich vor Dina und entfernte sich. Noch an demselben Tage wurde das Geld dem Erzbischof übergeben und die Ruhe war für einige Zeit im Lande hergestellt. Von nun an war Leon fast täglicher Gast in Saloms Hause; je öfter xr kam, desto stärker wurde seine Zuneigung Mna und wurde schließlich zur Leidenschaft. Dina hingegen blieb in ihrem Benchmen immer gleich. Sie verehrte den Mann, der ihr und ihrem Vater in der Not beigeftanden war, aber so oft er von Verbindung und Ehe sprach, schMelte sie bedächtig den Mpf und erwiderte: „Verlanget nichts Unmögliches, Herr; ich bin eine Tochter Israels, die erklärte Braut eines andern und kann nicht Euer Weib werden." So verstrichen mehrere Wochen, und Leon, der mit seiner Werbung nicht weitergekommen war, wollte seine Besuche im Hause Saloms aufgeben. Doch ein unvermutetes Abenteuer änderte seinen Vorsatz. Damals wurde das Purimfest von den Juden aufs glänzendste gefeiett.. Der Purimtag war ein Tag allgemeiner Freude; kein Jude durfte an ihm trauern. In den Häusern der Reichen gab's große wohlbcsetztc Tafeln, arme Verivandtwurdep eingeladen, ein Nachbar schickte dem andern wertvolle Geschenke. In den Gaffen wimmelte es von konnschen Masken, die von lärmender Musik begleitet waren. Die Lustbarkeit, die bei Tag begann, war nur ein Vorspiel zu dem nächtlichen Treiben. Da wurden die Zimmer erleuchtet, die Tische waren mit allerhand Leckerbissen besetzt und in der Mitte der Tafel paradierte, mit wten Bändern geputzt, ein gesottener Kalbskopf als Sinnbild des Haman-Kopfes. Wein uud andere Getränke strömten in Menge. Die Häuser waren die ganze Nacht offen. Maskenzüge, die Szenen aus der jüdischen Geschichte darstellten, zogen von Haus zu Haus und führten Tänze und Spiele auf. Der Hausherr saß an seinem Tische obenan, eine große Schüssel kleiner Münze vor sich und einen Beutel mit größeren Münzen zur Rechten, und teilte freudig lächelnd das Geld unter die Gäste nach der Güte ihrer Spässe aus. Essen und Trinken war in dieser Nacht frei; jeder ditrfte nehmen, was chm schmeckte, die Scheidewand zwischen Herr und Diener war gefallen. In dieser Puvimuacht hatte Leon den sonderbaren Einfall, das Haus des Salom maskiert zu besuchen. Er kleidete sich in die damalige Tracht eines jüdischen Heiratskandidaten, und um den Scherz zu erhöhen, genau so, wie Jtzig Klebler am Tage der Verlobung, gekleidet war. Eine Larve vor dem Gesicht, trat er mit anderen Masken in Saloms Wohnung. Da er Jtzigs Geberden und Eigenatt gut nachzuahmm verstand, erregte er bald allgemeine Heiterkeit, ohne jedoch erkannt zu werden. Nur Tina hatte den Doktor hinter der Maske erkannt, als sie einige Worte mit ihm sprach. „Euer Scherz tut weh, Herr!" flüsterte sie Leon zu und entfernte sich. Leon fühlte sich beschämt, da er einsah, wie unzart er gehandelt hatte, und verließ eilig das Haus. Die Luft war feucht und neblig und nur spärlich beleuchtete der Mond.oio Gassen, die von umherziehMden Masken belebt umreit. Kaum war Leon einige Schritte gegangm, da trat ihm ein schmutziges Weib in den Weg: „Jtzig, kommet sofort zu uns; mein Mann liegt schwer darnieder, ein Häscher hat ihn in die Lende gestochen," sprach die Frau leise. — „Wer ist dein Manch wo wohnt Ihr'?" fragte Leon mit verstellter Sttmme. „Habt Ihr heute zu viel getrunken, Jtzig? Ihr seid doch oft gettug bei Waclaw Rhbar gewesen. Vor acht Tagen erst habt Ihr doch biß goldenen Borten vom Meßgewand bei uns abgcholt! Kommt schnell, die Wunde ist gefährlich!" Dem Arzt schien das ganze verdächtig, er nahm sich vor, seine Rolle als Jtzig Klcbter unbedingt weiterzuspielen: „Geh voran, ich folge dir" — sprach er zu dev Frau. Dia führte ihn durch mehrere Winkelgäßchen bis in die Gegend des Moldauufers. Hier blieb sie bei einem niedrigen Häuschen stehen und öffnete die Tür. Leon trat ein und stand in einem Raum, der eher einer Mördqrhöhle als einer Wohnung ähnlich sah. Auf einem Strohlager lag ein Mann und stieß von Zeit zu Zeit lästerliche Berlvünschuugeu mrs; er schielt den Ankömmling nicht zu bemerken und inr Ueüev zu reden: „Verfluchter Huud! Willst du nicht kommen? Sollen wir für dich Kirchen plünderrr und unser Leben einsetzen, während du Possen treibst? Aufs Rad nnt dir, Jtzig Klebler!" Leon hörte den verworrenen Reden eine Weile zu uud sprach dmtn, Kleblers Stimme nachahmettd: „Da bin ich. Was gibt es?" Der Maitn schütg die Augen auf: „Was es gibt? Siehst du nicht, daß ich in meinem Blut schwimme, verdammter Jude? Laß geschwind einett geschickten Bader holen! Ich Hab— kein Geld. Der Teufel hat ütrs heute das Spiel verdorben! Weißt es ja, Jtzig, heute sollte die St. Mnrkitskirche drailkoutmeu, Alles ging am Schtrürchen, wir waren unser dreie in der Sakristei versteckt. Schvn hatten wir Monstranz rtnd Kelch samt den Leuchtern zusam- ' mengepackt; da wird das Pförtchen geöffnet und ein Haufe Söldner dringt ein. Meine zwei Gesellett sind in der DUttkelheit glücklich enttvischt. Ich kotmte nicht mehr davott. Da gab's nur eitteS: ntich mit Gewalt durchschlagert. Im VevtrMett an deitt Amulett entteiß' ich dem Nächsten die Hellebarde, schleudere die Sölditer rechts und links Meder und entfliehe zur MoldM. Die Häscher hinter tttir. Ich springe in den Fluss, schwimme eine Zeit lang unter Wasser Und rette tnich so ans andere Ufer. Mer dein Talismmtn ist ein Schwindel, Jude; du sagtest, er mache hieb- Und stichfest, doch das Eisen eines Söldrters hat mir die Lertde durchbohrt. Da hast du dein Vetrügerisches Zeug zurück!" — nnt diesen Worten warf der Mann dem erstaunten Leon eine auf Pergament geschriebene Mesusah zu wtb sank, vorn vielen Reden erschöpft, ohnmächtig aufs Lager zurück. GottsetzW folgt,)

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