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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-13 · Heft 2741 (13.10.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2741 (13.10.1926)
Date
1926-10-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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(Seife - Wien, Mittwoch >>«»»« Feinste Herrengarderobe nach Maß liefert zu mäßigen Preise» in tadelloser ««»sührung tauch auf LeilzahUrugi Rudolf Goldstein, Zivil, und Uniformfchrieider S«gr. 1866 Wien, 9. Vez , TaborstraSeÜ4 Tel. 4V.S-3S «n» Justiz-Tal are sowie Barette r« Sraaniiation und Semolratie. -y Wien, 13. Oktober 1926. Jede Organisation ist Diskussion, jede Diskussion ist nach einem kürzlich ausgesprochenen Wort Masaryks Dsmokratie. Keine wirtschaftliche oder politische Frage entsteht aus sich selbst. sie ist eine Folge vorangegangener, mit einander zusammenhängender Prozesse. Es 'st die Ausgabe der Demokratie,' diese Bedingtheit auf- .uklären. Sie mutz sich an die Massen wenden und dies ist ein GrunderfordermS, wenn sie wirken soll. Sie muß deshalb die Organisation schaffen und sie so breit als nur immer möglich anlügen. Sie muß sich durch die Organisation, der Partei als eine reine Idee den Bedürfnissen des Lebens, die oftmals so rasch wechseln wie der Tag, anpassen und es gibt oft auch für die Partei die Notwendigkeit des Kompromisses, das aber nie den letzten Zweck verdunkeln und nie mit ihm in Widerspruch geraten darf. Das Kompromiß muß zeitlich begrenzt sein und es kann nur als taktisches Mittel eine plötzlich austauchende Schwierigkeit umgehen. Es darf nichü zum Selbstzweck werden, der die Bewegungsfreiheit der Organisation einengt. Alle Parteien, seien sie nun höhere oder niedrigere Formen der Organisation, müssen sich anstrengen, um die Massen für sich zu gewinnen. Sie wollen eine Idee durchsetzen, und jede Idee tritt offensiv auf. Sie mutz zu den Massen sprechen und die Existenznotwendigkeit, die innere Berechtigung dadurch beweisen, daß die Massen für sie sprechen. Die Organisation muh also ihren Bekennern einen Begriff von dem komplizierten Getriebe des modernen staatlichen Lebens vermitteln. Sie hat dem zu Werbenden zu erklären, weshalb das Programm das oder jenes betont oder verwirft; sie muh eine Methode der Argumentation anwenden, die dem Mann von der Straße einlvuchtet, ihm aber auch zw gleich das GefilW gibt, Piürger einer Gemeinschaft zu sein, der er sein bestes zu geben hat, deren Entwicklung er im Rahmen seiner Kenntnisse versteht, Er soll die UeberzeuMng erlangen, auf eine höhere Stufe gehoben zu sein, von der aus er seine Stellung zmn Nachbar urch zur Gemeinschaft freier und unbefangener - sehen kann. Die Partei, zu her er sich zählt,' muß. ihn wirtschaftlich und politisch denken lehren, sie muh daS Bilds" dgs er sich von der Wett bildet, beeinflussen und ihn lehren, daß er als dienendes Glied sich dem Ganzen einzufügon hat, daß sein Wohl nur gedeiht, wenn er sich gemäß den Hm vovgetvagenen Thesen verhält. Das ist sicher kein Jdealzustand. Das Urteil des Mannes wird vielfach ins falsche geleitet und je harmloser sein Denken ist, um so größer ist diese.Gefahr, Dre eine Partei zielt mehr auf die wirtschaftliche Entwicklung, die andere kehrt die politische und die nationale Seite hervor. Eine innere Verbindung des eimelnen mit seiner Partei wird erst dann möglich, wenn sie auf seine Phantasie wirkt und auch seine Lebensführung von der Idee Abhängig werden läßt. Der Mann, der Ziel uNd Zweck seiner Partei in sich ausgenommen hat, wird nicht so leicht irre werden; und je großer hie Gruppe ist, zu der er sich stellt, umso stärker gravitiert er ihr und umso lebendiger fühlt er seine Verpflichtungen. Und je reicher die Fülle von Fragen ist, die an ihn hsrvntpeten und von ihm klare Antwort und Bekenntnis fordern, umso größer wich sein Verantwortlichkeitsempfinden. Der Sieg der Parte! ist sein Sieg, zu dom auch ex beigetragen hat, ihr Fehler ist. sein Fehler, den ex mitverschuldei. So wird die Partei eine große Schule und die Organisation ist der Apparat, durch welchen der Angehörige den Ausgabenkreis erfassen lernt, an dem er nach seinen Fähigkeiten und Mitteln mttzuwirken ha't. Das setzt voraus, daß die Organisation ihre Ungehörigen in Atem hält und sich selbst demokratisch ausgostaltek. Auch in ihr muß diskutiert und kritisiert werden; die Organisation muh Opfer fordern, aber sie muß so konstWisrt sein, haß jeder Zugehörige die Rot» wendigkett dieses Opfers erfühlt, daß er versiebt, wie sehr dann die Idee, das zu erreichende Ziel niWx gebracht wirb. Der Staat, den nicht das GomoinschaftSbswußtsein seiner Bürger «trägt, verdorrt und wird zu einer von allen gemeinsam gehaßten Zwang smaschrne. Der Staat hat, um Abfall m verhindern, die Exekutive in der Hand. Die Organisation hat nur den geistigen Zusammenhang, dis Wirkung von Wort und Zweck auf dis Seelen. Sie wird zur politischen und wirtschaftlichen Macht, wenn sie ihre Angehörigen so hcherrscht, daß sie die eigene Existenz mit der Gesamtheit derbinden und in ihr leben. So wird die Organisation au» einem Parteiapparat sin feines Willens, seines Strchens und seltner Kraft bewußter Körper. Dis Ass, der sr su dienen hat, mag sich gemäß den Einwirkungen von Zeit und Raum umfovmen, in ihrem Ksrn bleibt sie unverändert. Wer sie fordert von jedem da» Höchste, weil sie ihm da» Höchste gibt: Inhalt des Lebens, Gemeinschaftsgesm'hl und Freude an der Arbeit ftir ein großes Ziel. cM#m Mo-SMz«r<ims 5S. m&et l 928 Kr. mi Herzog Ludwig von Salem vor dem Semeausschuß. dl, eluseschvchterle «vUmlisto«. München, 12. Oktober. Die Szenen, dre sich gestern im Femeausschuß während der Einvernahme des Generals Epp abgespielt hatten, gaben der Hakenkreuz- Presse Anlaß, den Ansschuß zu beschimpfen. Der Vorsitzende wies heute diese Angriffe „mit Bedauern" zurück. Sodqnn kam Abgeordneter Mittelmann (einer der Redner des Pansuwpa-Kongresfes, Mitglied der Stresemann-Partei), ebenfalls auf den Fall Epp zu sprechen. Er hatte gestern den General als Flegel, bezeichnet. Der General forderte ihn, sogar während des Verhöres!, und Mittelmann zog heute seine Worte zurück. Er erklärte: „ES ist mir eine G enugtuung foststellen zu können, daß damit der auf ein Mißverständnis beruhend« Zwischenfall zwischen Männern aus der Welt gesichafft ist, die sich in ihrem Handeln allein N von vaterliindischm Erwägungen letten Sassen." Auf Grund der Mitteilung des Vorsitzenden, daß heute zunächst der Herzog Ludwig von Bayern und unmittelbar darauf der aus dem Zuchthaus vorzufÜhrende Pracher dernommen werden sollen, verlassen die Mitglieder der Deut-schnationalen, der bayrischen Volks- Partei und der völkischen Arbeitsgemeinschaft gemeinsam ihre Plätze. In seiner leidenschaftlichen Aussage Dthche Herzog Ludwig aus, daß Hm der frühere Leutnant Schweikhardt, der wegen zweier Morde verfolgt wurde, von seiner Schwester, der Gräfin Törring, empfohlen worden sei, die ihn telephonisch befragt 'habe, ob er einen Mann untechringen könne, der wegen politischen Sachen in Untersuchungshaft war, aber wieder entlassen wovden sei. Es handle sich um einen, durchaus anständigen Mann. Die Sache sei damit erledigt gewesen. Er habe dann Schweikhardt zuerst kommen lassen, dann habe ex Hn zu einem Förster als Gehilfe gegeben. Dort sei er anständig und fleißig gewesen. Im Jahre 1924 hieß es dann, ex sei' wieder fort, nachdem die Untersuchung wieder ausgenommen worden fest. Weiters erklärte der Zeuge, er «habe mit dem Mann nie über politische Fragen und über sein Vorleben gesprochen, auch nicht über die Gründe seiner Verhaftung. Er habe auch nsibt gewußt, was der.Angeklagte angestestt habe. Der Paneuropäer Mittelmann nimmt nun wieder eine Feststellung vor, nämlich die, daß nicht der leiseste Verdacht auf den vernommenen Zeugen vuhe. Dies ausdrücklich auszusprechen, sei ihm eine Genugtuung. Ein Verhör des Herzogs unterblieb, und so wurde nicht „festgestellt", daß es doch einigermaßen auffällig sei, daß der Herzog den ihm. vorgestellten Mörder nicht einmal fragte, weshM er in Haft war. Der Ausschuß ist. auf Grund der «Sprache der Münchener nationalen Presse, auf solche Dinge nicht mehr neugierig. Nach der herzoglichen Sensation kamen wieder , gewöhnliche" Zeugen; es wiederholte sich das alte schöne Spiel „Ich kann mich nicht erinnern", das der frühere juristische Berater der Leitung der Einwohnerwehren Dr. Gademann und hie anderen Zeugen aufführten. Es sind noch neun Zeugen zu vernehmen, so daß die Münchner Komödie Donnerstag oder- Freitag ihr Ende finden dürfte. V Der Hitter-Hauptmann Römer, verhaftet. Berlin, 12. Oktober. Wie die „Vosftsche Zeitung" meldet, hat die Berliner Polizei den aus dem Hitler- Prozeß bekannten Führer, Ha-uptmann a. D. Romer, festgenommen. Kapirön Erhardt beim Stahlhelm. Perlin, 12. Oktober. Die „Nachtausgabe" meldet aus Magdeburg: Kapitän E r h a r d t ist dem „S t a h l h e l m" beigetreten und wird künftighin in engster Zusammenarbeit Mit der BuydeMhr^ng dMMuhlMms,!pp.^ft i sch tätig sein. "v'"' " ' . ' "" . COT^^^y^COOCXXXXX^OOOOPOQQCXXXX^OOQOOO KLUB ijUttlKAiER ZIOHISTEH Heute Mittwoch, den 13. Oktober, 8 Uhr abends, findet!m Cafö Atlashof, I. Aspernplatz (Klublokal), ... KU0«EttSMI1U!NO .... Tagesordnung: 500 £ira ./fugenxeuge Iftltav fite Jtfolonisati&n um. in &4*lU9tina. fralt JMinpraihBi Referent Pr« Alfred Liwy. OOOOQOOOOQOQOQqOPOQOOOQQOQQOCQOOQPOOOO Bor einer Krise km polnischen Finanzministerium? Warschau, 12, Oktober. Der VtzemiMer Mr Finanzen Dang el hat heute fctne Demission gegeben. Ferner ist der Präsident der landwirtschaftlichen Bank Stoczköwski zurückgetretem Der Präsident der Republik Maseieki ÜesuHtt Herrn Steczkowskt und ersuchte ihn um Zurückziehung de« Gesuches, Hterzkowftt war damit einverstanden und bleibt auf seinem Posten. In diesem Zusammenhang behauptet sich wicher das Gerücht vom hevorstehenden Rücktritt das FinanzmintfterS Ezschowtez. Der Kandidat für den Posten eines Direktors des Departements für Geldumlauf im Finanzministerium Baranfki richtete einen Brief an dm Mäatspräftdenten, an dm Ministerpräsidenten und an dm Gekretär' des Finanzministeriums, in dem er die Annahme der ihm zugedachten Stelle ablednt, weil er an de» Desorganisation diese- Ministeriums nicht Mitwirken will. Baranfki Mt sich vom Staatsdienst zurück und will die Direktion einer Privatbank übernehmen. Mi wwwjii »mm »m polnische Vndget. mmw der MtttärauSgadoy. Warschau, II. Oktober. Der Wnistervat hat gestern das Budget für da- Jahr 19S7 genehmigt, das noch im Laufe d. M. dem Sejm zur Behandlung zugehen wird. Es sieht Einnahmen von 1900 Millionen Zloty (gegen 1770 im Jahre 1986) und Ausgaben von 1699 Millionen Zloty (1819 Millionen im Jahre 1926) vor. Dies ist daS erste Budget, das im Gleichgewicht balanciert ist. Die Mt* litärausgahen, die für das Jahr 1987 vorgesehen sind, betragen 688 Millionen Zloty, das Ist sin Drittel des Gesamtbudgets und sind um 35 Millionen Zloty» .höher.als die für das Jahr 1926 budgetierte Summe. Für das laufende Jahr beträgt bisher das tatsächliche Defizit tm Staatshaushalte 38 Millionen Zloty; der Ministerrat gedenkt es durch die Mehreinnahmen, die in den nächsten Monaten zu gewärtigen sind, bis W Jahresschluß abzude^len. Sin msWchMkcher Slcherheltrpsttt. Warschau, 12. Oktohev. Nach Blättermeldungen hat , daß polnische Außsnamt energische Schritte eingeleitet, um eine Klärung der außenpolitischen Lage und, soweit wie Möglich, eine Pefchleunigung her Bß r st and i gu n g Mit Sowjetrußlanh zu erreichen, Diese Perstänbtf gung soll in der Unterzeichnung eines ,',N i ch t a n g r i f f spaktes^ (Sicherheitspakt) mft Moskau seine Verwirklichung finden. Gleichzeitig findet ein reger Meinungsaustausch mit den Randstaaten statt. Kommunistenlratvaile im prentzischen Landtag. Bet den Bevatung de- HohengollerngesetzeS. Berlin, 12. Oktober. Bei der zweiten Lesung des Gesetzes über die Abfindung der Hohmzollenl, verstärkten die Kommuntsten, die schon die erste Lesung durch lärmend« Obstruktion zu hinbenl versucht hatten, diese ihre Taktik bedeutend- M gB unbeschreibliche Lärmszenen und die Atzung mußte, mehrmals unterhrochm werden; als 7 kommunistische Abgeordnete vom Präsidenten M dem Sitzungssaal gewiesen wurden, gab es einen förmlichen StUrm der Kommunisten, gegen das Präfix deutenpult, wo sie alle Gegenstände, deren sie habhaft werden konnten, dem Präsidium an die Köpfe warfen. Die Sitzung muhte wieder unterbrochen werden. Dis Hauptpunkte des Gesetzes wur'den vom Landtag Wch in zweite« Lesung angenommen; die Sozialdemokraten enthielten sich dar Stimme- Wieder eine Slseadahnkatgftrophe In Frankkeich. Im Bahnhof von Lyon. Paris, 12. Oktober (Wolfs). Heute früh stieß bet der Einfahrt in den Lyoner Pahnihof der Mai» lündsr Exprehsug mtt einem Psrfonenzug zusammen. Dis Maschine und der KMenwagen dsS SxPrsßzugsS sntgleistsn. Die Heiden letzten Wagon des Psrfon-enzuges wurden beschädigt. Hiedurch wuode ein Reisender getötet, 26 zum Teil schwerverletzt.

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