Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2741 (13.10.1926)
- Date
- 1926-10-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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✓ | Polen i 35 gros2y | IPreis »<Tg| Wien: Zorn Abbolen in der Expedition, II., Taboratr. 1-3 oder ineinerVerschleißatelle (Trafik) monatl.5 Schilling Straßenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, - I., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich B Schilling Tscheche - Slowakei: Mon. K22. Jugoslawiens Mon. Din. 60. Polen: Mon. 6 Zloty Deutschland: Mon. Om.4. Frankreich. Belgien: Mon. Frcs. 3& En gl an d:Mon.4Schilling. Italien: Monatl. 20 Lire. Rumänien: Mon. 170Lei Bulgarien: Mon.100 Lewa. S c hw e i z und das übrige Ausland monatlich Frcs. B Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon: 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 Uhr: Tel. 31-209 Vll., Lerchenfelderstraße 1 (Druckerei „Inva“) Oesterreichisches Postsparbuch Zahlungen b*l r * ® * efhötanntfen ««rbehmliea Rk. 2741 Wim, Mittwoch. 12. Sktobtt 1926. kassenkonto Nr. 1B0 693 8. Jahrgang Im redaktionellen Teil enthalte« entgelMche Mtteilungen find dnrch ein vorangesetzteS E gekennzeichnet. «««»«,>»«» n mmtm mb Gesunden Körper Starke Nerven Frischen Geist schafft Sanatogen durch seine DoppelwirkMg als Körperkrästigungs- und Nervennährmiüel. Ueber 24.000 vorliegende schriftliche Gutachten namhafter Aerzte empfehlen den Gebrauch von P*S;/-y , bei den verschiedensten Schwächezuständen. Fordern Sie von der Firma B au er & Cie.,B erlin SW. 48, kostenlos und unverbindlich für Sie hie Broschüre „Wegweiser zur Gesundheit-und Lebensfreude" und die Sonderbroschüren über die Anwendung des „Sanatogen" als Nähr- und Kräftigungsmittel fütMertkMeitzende für^Kinder •' £ . „ Lungenleidende - . bei. Bleichsucht und Blut- . „ Magenu. Darmkranke armut „ Frauen ' „ EtnährungSstörungen ferner das Merkblattfür werdende Mütter u. Wöchnerinnen. Packungen von § S.6S au risse in allen Apotheken nnd Drogerien n ■ ■ » Ein politischer Mord in Warschau. Der Borfitzende des jüdischen Gepäckträgerverbandes erschossen. Warschau, 12. Oktober. Das Mitglied-der sozialdemokratischen Partei Mako w ieeki hat gestern abend nach einem kurzen Wortwechsel den Vorsitzenden des jüdischen Gepäckträgerverbandes Lubelski durch einen Revolverschuß getötet. Beim polizeilichen Verhör erklärte Makowieeki, daß Lubelski seine Partei verraten habe, indem er im Verband, dessen Vorsitzender er war, kommunistische Tendenzen propagiert habe. Rn verhindertes Attentat ans Poimare. Berlin, 12. Oktober. Das, „8 Uhr Zlbendblätt" meldet aus Paris: Durch die Aufmerksamkeit der Polizei wurde gestern ein Atten tats der such auf den Ministerpräsidenten P o i n e a r e. verhindert. Ein Spanier betrat das. Palais Royal und verlangte dringendst Poincare persönlich zu sprechen. Da,sein Benehmen ausfiel,-wurde er einer Leibesvisitation unterzogen, wobei man einen scharf geladenen Revolver fand, Der Spanier wurde sofort verhaftet. kinskihrung des Termlnhandel» au der Prager kffMenbörse. Prag, 12. -Oktober (Tel.-Comp.). In der heutigen Sitzung der Börsekammer wurde die Einführung des Effektenterminhandels cm der Prager Börse ab l.Nov ein der beschloffen. Im Terminhandel sollen auch die Titres der österreichischen Völkerbundanleihe eingoführt werden. Rtnteleas Sude? Das Parteiblatt der steirischen Chrrstlkchsozialen, das Grazer Vvlksblatt, bemerkt zu den stürmischen Vorgängen im steirischen Landtag, durch die die Wahl Dr. 9tinieten ö zum Landeshauptmann uumögich gemacht wuchs, u..: „OL seine Wahl jetzt erfolgen wird, muß bezweifelt werden, wahrscheinlicher ist die Auflösung des Landtages." Die mue ffchechische Regierung. Svehla Präsident. — Benesch bleibt. — zwei Sentsche im Kabinett. Prag, 12. Oktober. Heute vormitkags wurden die politischen Verhandlungen betreffs der Bildung der neuen Regierung beendet. Der designierte Ministerpräsident Svehla erstattettelegraphisch dem Präsidenten der Republik Vorschläge bezüglich der Zusammensetzung des künftigen Kabinetts. Am Vormittag hielt der Ministerrat der alten Regierung eine Sitzung ab und beschloß, dem Präsidenten der Republik feine Demission zu überreichen. Der Präsident der Republik hat daraufhin folgendes Handschreiben erlassen. Herrn Johann Cerny, Vorsitzender der Regierung der tschechoslowakischen Republik in Prag. Herr Vorsitzender der Regiemng! Ich entspreche dem Ansuchen der Regierung und enthebe Sie und die anderen Mitglieder vom Amte. Mit einem zweiten Handschreiben hat der Präsident der Republik das neue Kabinett Svehla. ernannt. Es hat folgende Mitglieder: Präsidium: Svehla, AeußeM: Dr. Benesch., JnueMnnd BolksgesundheU: Dr. Cerny, .^WngWMk.Dr^ EnglyS, - Handel'Dr. Pöroutka, Nationale Verteidigung: Udrzal, Justiz: Dr. Mayr-Harting (deutscher Christlichsozialer), Oesfentliche Arbeiten: Dr. Spira (deutscher Agrarier), Post: Dr. Nasch Soziale Fürsorge: Msgre. Sramek, Ackerbau: Srdinko,. Unterricht: Dr. Hodza, Eisenbahnen: Najmau, Slowakei: Dr, Kallay. Die neuen Minister werden sich morgen nach Dopolesany begeben, um vom Präsidenten ner§«tag in der ersten Sitzung des Parlaments dem Hanse vorstellen. * Das neue Kabinett, das dritte, <m dessen Spitze Svchla steht, setzt sich aus fünf vom früheren Kabinett übernommenen Beamtenministern (Benesch, Cerny, Englis, Peroutka, Kallay), vier tschechischen Agrariern, zwei tschechischen Klerikalem und einem tschechischen Gewerbeparteiler (Najmau), einem deutschen Agrarier und einem deutschen Christlichsozialen zusammen. Im Sinne der Vereinbarung mit den Deutschen tritt der Professor für Nationalökonomie, Dr. Uhli g als Sektionsches ins Handelsministerium ein. Es -treten also zwei deutsche Parlamentarier in die Regierung ein. Diese' Tatsache ist von größter Bedeutung für die innere und äußere Politik der tschechischen Republik, die sich nunmehr umstellen muß. Tschechen wie DMM müssen umlernen mrd der bisher fo; starr festgehaltene Begriff der Staatsnation, die mit der Mehrheit identisch 'ist, wird' zumindest elastischer werden muffen. Der Eintritt der Deutschen kündigte sich schon in ihrem Anschluß au die Zollmehrheit an. Obzwar sicherlich Agrier und Christlichsoziake aus diesen Zöllen auch für sich großen Nutzen ziehen, also ihr Votum .aus schr egoistischen. Mottven abgaben, konnte man ' doch aus ihrer Stellungnahme die Bereitschaft erkeirnen,-auch einen Teil der Verantwortung für die Führung des Staates zu übernehmen. Weder aüf deutscher noch aus tschechischer Seite war ein besonders starker Widerstand zu merken. Die Ueberzeugung, daß' die Politik der kompakten Majorität, ebenso wie das Abstinenzsystem der Minderheit, Unhaltbar gewöhn ist, sprach stärker als der Chauvinismus- . 1 : Wir die äußere Politik ergeben sich ganz neüe Richtlinien. Die Tschechoslowakei muß nnirmehr aus' jeder gegen Deutschland gerichteten Kombination ausscheiden, was freilich angesichts der 'durch Locarno und Genf erfolgten -Bindung Deutschlands nicht schwer ist. Bedeutsamer aber als dies ist der Umstand) daß zum erstenmal Minoritäten- Vevtveter in eine Regierung Mitteleuropas eintreten. Kein neues Ultimatum der Bundesangestellten. Dr. Ramek gegen Steuererhöhunge«. Bundeskanzler Dr. Ramek hat gestern mittags den Vertretern des 25er-Ausschusses und der Technischen Union die lange erwartete .Antwort auf das Forderungsprogramm der Beamten erteilt. Er verwahrte sich zunächst gegen den Vorwurf der Beamtenfeindlichkeit imbi beteuerte, daß - bifl Regiemng nicht lttnglich Wünsche und Forderungen berücksichtigen könne, svndem diese auch in Einklang bringen! müsse mit der finanziellen Lage des Bundes und den Bedürfnissen der Volkswirtschaft. „Wir sind nicht in der Lage, sagte er, die Steuern zu erhöhen, auch im nächsten Jahrö'niHs.t. Das ist unmöglich. Unsere Volkswirtschaft würde das nicht vertragen. Wir sind nicht in der Lage, der Volkswirtschaft, den Unternehmungen verschiedeyer Art, seien es Nun Bauern, Gewerbetreibende öder Industrie, neue'Stouern auf zu erlegen, um auf diese Weise die Möglichkeit zu erhöhten -Ausgaben ztu bekommen." Dev Kanzler verwies darauf, daß das Jnv estitionsbudget ohnehin schon allzusehr gedrosselt sei. Urtter Berücksichtigung dieser Umstände verwarf er die Forderung nach einem neuert Gehaltsgesetz, erklärte jedoch die Bereitwilligkeit-der Regierung, auch im kommenden Jahr einen 13. Monat s geh alt, der in das Gehaltsschema cmfzunehmen ist und darüber hinaus noch em Viertel eines MonatsMaltes zu gewährm. Das macht insgesamt eine IGehattserhichttns von Ifi.yS Prozent aus. Jene Angestellte, diemcht den Mindestbezug von 180 Schilling erreichen, sollen eine Ergänzung auf 180 Schilling erhalten. Die Kinderzulage für Familien mit mehr als einem Kind wird von 5 auf 10 S. erhöht. Die bedürftigsten Altpensivnisten werden individuelle Zulagen erhalten.' Alle diese Zuwendungenerreichen in ihrer Gesamtheit bereits einen Betrag Von über 70 Millionen. Mehr könne im Budget nicht aufgebracht werden. Was die Regierung jetzt geben wolle, sei nur eine Etappe. Durch ein Gesetz festzuftellen, wann die nächste Etappe sein werde, sei unmöglich, da man die wirtschaftliche Situation im Jahre 1928 nicht kenne. Sie werde in diesem Jahre viel schwieriger sein, Für 1927 sind noch Kreditreste für J'nvestitivnen Vorhänden. Die Regierung lveiß aber nicht, wie sie die notwendigen Investitionen im Jahre 1928 bedecken soll. Me Bundesangestellteuvertreter ivaren^von dieser Llntwbvt nicht sonderlich erbaut und beschlossen, das Anbot der Regiemng abzulehnen. Sie wollten ursprünglich für he ute ab ends ei« neues ttktimatiim ftÄlen und bis dahin ein neues Anbot der Regierung verlangen. uAbends erschienen sie im Bundeskanzleramt Und hEen hier eine mehrstündige Aussprache mit dem Kanzler, dem sie u. a. erklärten, daß die Zuwendung von 10.33 Prozent zu gering sei, da sie im Jahre 1927 nur um 12/gM Mehr erhalten würden als Heuer. -Auch die Kinderzu'lägen' und die Zuwendung der Altpensionisteu sotvie der angebo-i tene Mindestgehalt von 150 Schilling scheint ihneir zur wenig, Bundeskanzler Dr. Ramek nahm diese Beschwer^ den der Berichterstattung an den Ministerrat entgegen und lud die Boamtenvertreter für heute 3 Nhr nachmittags zur? Entgegennahme der neuen Entschlüsse des Ministerrates' ein. Unter tüesen Umstanden verzichteten die Berttetcr des 25er-Ausschusfes und der Technischen Union auf das Ultimatum, das sie, wie erwähnt, mit heute abends befristen wollten. Das Exekutivkomitee der Beamten wird sich morgen nachmittags zur Entgegennahme der Antwort der Regierung im Bundeskanzleramt einsindßn.