Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2738 (10.10.1926)
- Date
- 1926-10-10
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2798 IS. Oktober 1938 Wten, Seite 9 Feldschers versammelt, fiebernd vor Neugier und mit Versuchen beschäftigt, zu erraten, was. mchl in der Truhe drinnen wäre. Mit Herzklopfen und zitternden Händen stecke der Feldscher das goldene Schlüsselchen ins Schlüsselloch der Truhe. Die Truhe, war alt, mit eisernen Bändern und Ecken beschlagen, und das Schloß hätte eine uralte Feder. Vergebens versuchte Chaim einige Male, den Schlüssel im Schlosse umzudrehen; es war verrostet und wollte nicht nachgeben. In diesen wenigen Minuten starken alle Herzen still vor Neugier und Erwartung. Zwei kräftige Männer aus der Familie, dieselben, die den Kasten hereingetragen hatten, versuchten mit aller Kraft, den Schlüssel umzudrehcn, aber das Schloß wollte noch immer nicht nachgeben. Es wurde mit einem Fläschchen Schmieröl grtränkt; dann begann es zu röcheln wie ein Huhn beim Schlachten; plötzlich — ein Knacken, Aufspringen einer Feder — endlich ließ sich die Truhe öffnen. Der Schlüssel drehte sich und mit einem Male sprang Schloß um Schloß auf, drei Bäu der lösten sich und ragten an dem offenen Teckel der Truhe empor. . Im Innern lag zu oberst ein uraltes Stück Brokat, das den Inhalt der Truhe bedeckte. Vorsichtig faßte Chaim die Brokatdecke an; Rufe: „Nicht berühren! Nicht berühren!" Fünfzehn Köpfe beugten sich über die offene Truhe. „Sachte, sachte!" mahnte jemand. Chaim schob den Seidenbrokat weg; dumpfe Feuchtigkeit, aus Alter und Staub gemischt, stieg aus. der Truhe auf. „Zuerst das Testament lesen! das Testament!" riefen mehrere Stimmen. Es dauerte nicht lange, da fand Chaim das Testament obenauf liegen. Auf einem großen Bogen Papier stand, mit unsicherer Frauenhand geschrieben, eilte lange Epistel. „Lesen! Lesen!" rief es im Chor. „An alle meine Kinder und Enkelkinder, die um mein Bett versammelt sind, wende ich mich, die Magd Chaje-öeje, Tochter der Jente zugleich, mit einem aufrichtigen Gebet zum Herrn der Welt..." ' „Weiter, weiter!" tönten ungeduldige Rufe. Chaim übersprang einige Zeilen und fuhr fort: „Ich bitte zu Gott, er möge euren Herzen den Geist des Friedens einflössen, daß ihr alle in Eintracht und Rühe lebet. So wie ich für euch, meine Kinder, gesorgt uÄ> keinen vergessen habe, tz> möge auch der . Herr der Welt für euch sorgen. ,Meüer, weiter!" tönten die ungeduldigen Stimmen schon lauter. Chaim übersprang wieder einige Zeilen und begann: „Ich verteile unter euch mein bißchen Armut, das, was ich als Erbe von meinen Eltern erhalten, und auch das, was ich selbst durch meine schwere Arbeit ehrlich erworben habe — jedem von eu: ein Stück, wie ich es hier aufzähle..." „Rrchst Ruhe!" unterbrachen neue Ruße den Feldscher. ChcM blich «Mn ftt AM fkdm. Die Buchstaben dWte« sich m. feinen Mtgsn. Ee versuchte, weiter zu lesen, doch weder er nach die Umstehenden verstanden, was er las. ,Mb her! Gib her!, Ach weide, lesen!" rief ein älterer Mann aus der FWlft, der als Gelehrter großes Ansehen genoß, und entriß Chaim bas Testament. Alle Herzen standen M: . den Nfenbeinzahn, ein ' bewährtes Mittel fülÄ Zahnen ist, vermache ich meiner ältesten Enkelin Gitel- Jcnte, möge sie ihn zü Glück und Gesundheit, für ihre Kinder benützen, bis sie, so GÄt Ml, welche bekommt." „Weiter! Weiter!" die Stimmen rasten vyr Ungeduld. „...das Buch Asriel, ein kräftiges Mittel für Wöchnerinnerr, um leW zu entbinden, vermache ich meiner Tochter, Frau Perle, auf daß sie eine glückliche Stunde habe..." _ „Weiter! Weiter!" riefen, schon alle. „... das Amulet, das ich von meiner Mutter, sie ruhe in Frieden, überkommen habe, ist sehr gut, um bösen Blick zu besprechen; ich vermache es Meinem Sohn." Tie Familie stürzte sich ungeduldig auf die Truhe und durchwühlte sic. Die Truhe war voll Mit Amuletten, Fläschchen, Heilmitteln, Esfenbeinzähnen, alten Schriften und ähnlichen Dingen. Die Familie kehrte in das Zimmer zurück, in bein die Tote lag. Auf dem Antlitz der toten Chaje Leje lüg noch' immer jenes unschuldige, kindlich-verlegene Lächeln, das zusammen mit der alten, verrunzelten Haut des Gesichtes» erstarrt war. Und die es sahen, lvaren im Zweifel: lacht die tote Chaje-Leje ucks aus oder bittet sie uns wie ein hilfoses Kind um Verzeihung. (Autorisierte Uebertragung von' Siegfried S ch in i tz.) vcxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxr^ VEREIN DER FREUNDE DER «WIENER MORGEN- \; ZEITUNG» . y/wn, L, Rathqusstraße 8. Dienstag, dcri 12. d. M:, Um halb 9 Uhr abends, findet im Klublokale des Cafe Atlashof, L, Aspernplatz t, eine VOLLVERSAMMLUNG DER MITGLIEDER DES VEREINES statt. Um pünktliches Erscheinen wird dringend ersucht. ocx)OQOöboocxxxxxxxaa*ro Möbelfabrik j. SPIRA . Fein. °>» väii, VII., Siebinsternj.l—2 Woh rtungseiAWchtungen r! '\!(Ecke >■ Karl-Schweighofergaisse) Hervorrage«- he«Shtt z«e BrtSmps«nBrh»>imatIsch«r, iRichlifcher, aervSser »t« ««er»»- tritt ,»«ltttt»»t tu». ftei** schldlicheä Rt»UM«er»,sseti. '—Tttam «»»»»««> litt«» bepurachtt». —?n ave« «P»»tzekt». mmsm^ seinem Solirt ciao aussichtsreiche Zukunft sichern will, findet jetzt Gelegenheit hiezu. Die Art des Vorschlages wird für diesen sprechen: allererste Referenzen für den Anregenden. Ein Kapital tön lSÖO Pfund Sterling ist nötig. Mitarbeit im Europabüfeau möglich, niu' nicht Bedingung. Direkte seriöse Interessen i erfahren alles Nähere und stellen ‘ha Verhim >r durch Benutzung der, Chiffre . Ootnlnioir. rnoncenexpedltloti SChalCk, I., Wo!lzei!i.‘ 2pi ÄÄ Zaltiunpserltiphteruiig Auffrischung«.- pezia! verfahren, iül jedem Stück ersichtliche Kasta^reise, Im WARENHAUS FÜRST, WIEN VI. Sfnnperiiosne i) m GesehHftsbe&tand 40 Jahre . Eigene PeizreparaturwarkstStten / Eigene PelzfSrbar^l, hier Wirkliche Garantie nur beim ßne Unentgeltliche liniersodmnihon tiashelilMeh .Oie städtischen Gatwerke machen aufmerksam, däß sie auch heuer über Verlangen die Untersuchung; ybn Qäkheizöfen durch mit Erken nun gskarte versehene Bedieristetfc unentgeltlich durchführen. Die Behebung festgesteUter Mängel ist einem konzessionierten Installateur zu übertragen. Die in der Regel verhältnismäßig geringen Instandsetzungskosten machen sich rasch bezahlt. Direktion der städt. Gaswerke viil., Josefstädterstr. 10. 1IEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale: IX., Bezirk, Berggasse 19, Telephon 17^99 u, 16-9-34 Lieferant für H eil an stallen; Abteilung für '"Itj^-Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabblnats der. Isr: Kultus* gemeinde Wien . . 4Q. IX., Berggasse 15 XVIII., WähringerstraAe 97 33» v.i- E’ R AN G Unsere billige Mantelwoche, findet großen Ankiang und ist dar Zustrom ein derart großer, daB wir uns trotz der durch- «kettenden Vergrößerung unserer berkaufslokalltßten gezwungen sehen, diese einzigartige Blnkaufsaeleaenheit zu verlängern, um allen bamen dla Möglichkeit zu geben, gut und billig elnzukaufon, nn HM: aus Ia Flausch, ab S 12.50, Vetaoramfintel, elee. Fasson, ab S Äl — Fesche Sehulkl older, aus «item Stoff^ ab darTearUket für Knaben und Mhdchen in retehator Auswahl! £*5 ui itosiiidaAW.^u^. jg. imw a- MNSSWMii». «.MM« sü-fSi a._ SsafBaSKffiS 1». Winterbit farbig 8 5.00. VeloursbarehentkleWei „ __^_,-_jr S moo. WUrterschlÄtröcfce S 0iS0 ftinbwliMd«ke 81700. VII.KAIS E R 5TR. 111 112- <3 R ÖSSTES S P E ZI AL HAUS STE R R E I CHS : . . : 1 i