Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2738 (10.10.1926)
- Date
- 1926-10-10
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite tO m<m Sonnte# Wiener Msr-OAze-üMS 10. fittdftet 1008 . 0h. 8738 A'.«—.—---- .— .... .1 •:—r.“s:r:rs£Xsif:SSSf.:.ji^— > 1 Das Buch der Zeit LITERATURBEILAGE DER .WIENER MORGENEEITUNG- Karl Sternhelmr „Sie Schale von Uznach". Das neue Luftspiel Carl Sternycinw ist ein Zeitstück üoit schärfster Profilierung. In der Hülle einer Persiflage des „mechanischen FleischtlUtmels" ist die ernste Frage behandelt, ob die Freiheit der mutternden, rythmisch tanzenden, sich schrankenlos „auslebenden" Jugerid nicht rein äußerlich und mit dem Preis innerer Knechtschaft erkauft ist. In der Schule von Uznach*) wirk» der neue Mädchentyp erzogen. ":6:c das vor sich geht, entnehme man auS den munteren Reden. mit denen die Schülerinnen von Uznach ihre Turnuns Tanzübungen begleiten. Sie sind zum Schreien, echter Sternheim, und wir grasen einige Exempek heraus: „Im aufrechten Stand, die Schulterblätter geschloffen, Brust zu freier Atmung gewblbt, die Schambeinfuge tief, gestellt, entwickelt sich das Bewußtsein einheitlicher Kraft im Körper." — „Geomerrksche und kriftollographischc Raumlehre wirst du ranzend begreifen.'^ — „Livischen Brust- und Beckenring spannt sich die geschmeidige Gürtelmus^llatnr die Organe der Sauren- und Fruchtbereitung umschließt. „Gierige Lust tst gekrümmt, freie Heiterkeit gehoben, starke Gemütserrcgung reißt eine ganze Seite des Körpers vor und zurück." . Prosit! — In diese rythmische Schule von Uznach kommt eine Novize, die noch „untänzerisch verknöchert" ist Daß sie „sitttge Schablone geht und steht", können die Mädchen von Uznach der frischen Kollegin verzeihen, nicht aber, daß .sie mit 18 Jahren noch Jungfrau'ist. „Gehemmtes Baby, warft du nie Wandervogel, in keiner freien Schul gemeindet küßt der böse Sternheim die Ungehemmten fragen. 'Gleichzeitig mit der unmöglichen Jungfrau, die man erst „uznachreif" machen miWe, 'ist «in Jüngling eingc trioffen, dev Sohn des JnstitutÄnhabers. MÄ ihm betM die neueste Jugend den 'Schauplatz 8« Begebenheiten. Dem graut es vor den neuen Weibern dieser zu 'BÄon verkalkten 'Welt. „.. . Wozu 'die formi- HM«j DWlevei. ewiges seelisches Erbeben und Erbrechen? Völker gibt es, die liegen im Sand und pfeifen auf Bambusrohr. Pfeifen, jahrtausendelang, völkerweise, auf was? Auf das Rezept, Bescheid zu wissen . . ." Prompt ivird er Mi zwei der Schülerinnen in feiner!9uöc überfallen, bfc — Vhne Eifersucht gegen — oder Scham voreinander — fichi «it ihm ergötz«! wollen. „Unsen: Fühler sollen fremder Reibungswärme zugängig sein", flötet die eine, „schon wrtd er^Hmecktastbar'^feufzt die andere. — ^Himm'elkrenzdounerwÄter, nein! An solcher Weltenwende muß doch der andere mrtwrvkend dabei sein!" ruft der gesunde Jüngling amt Stentorstimme und schmeißt Sonja und Thylla kräftig HuMs. Um sich dann mit der rmberührten Mathilde, — jener NQMNgekonmrenen uznach-mnreisen Jungfrau mis Lüneburg — M einem "Liebes idyll von einer Zartheit uüd Schönste?. M fnü>en, He man oem "Saür'iker Sterilhkim nicht zugetraut hätte. Der neue Jüngling, den: die körperlich durchbildeten, geistig Verschmockten, d.iefe sich schamlos preisgebenden, das Leben fressenden Weiber ein Greuel sind, und das unberührte Mädchen, das in seiner engelhaften Anmut Hölderlin hätte Modell stehen 'können (wenn auch „ihres Leibes Eurhythmik das träumende Fleisch noch nicht n-achgetanzt" hat und wenn 'sie sich auch — schrecklich! — die Achselhöhlen' nicht rasieren läßt) — diese Beiden sind in wunderbarer» Harmonie vereinigt und ihr Beispiel t^zinnt das verhexte 'Uznach zu entzaubern. * * / , Tatsächlich ein bedeutsames Werk, dieses Mut Lustspiel Stern heims. Es ruft, wenn eS richtjg gespielt wild, waS nicht leicht ist, zur Selbstbesinnung. Mt der mndringlichen Stimme ^oes Satirikers, In'e diesmal persönliche Anteilnahme, ja, sittliche Empörung verstärkt. Und die von der Szene viel tiefere Wirkung Men »tust, als aus dm Blättern der Buchausgabe, weil sich Sternheims hiAarreo Stil bekanntlich leichter hört, als Nest. 'Dtko Abel es. Jean RichUrd Bloch, der jüdische Dichter, pie große Hoff--, nung des neuen Fruukreichs, läßt beim Rotäpfel-Verlag, Zu-' rich, eine dentsä>e Ausgabe seiner Werke erscheinen. — In mustergültiger U-chersetzung von Paul Amamr, der. .durch Uebertragurisj der Werte. l>un Romain Rolland bekannt geworben ist. wird zunächst Blechs groban-ekest« jÄvischer Roman „Sim ler L Co." migolündigt. Zst diesem Buch hüt -Romain Rolland em-e begeisterte Einführung geschrieben, in der er.von Jean Richard Bloch sagt: „.. . ich erwarte von diesem Dichter das große Werk unserer Zeit. Jedesmal,'wenn ich Wses Buch las, erstand vor mir Balzacs Genie .. . Ohne Vorbehalt wage ich deshalb auszuspröchen, daß dies unter allen Mir beLanntey ft mzöstschen Romanen der einzige ist, der den Meisterwerken aus der Menschlichen Komödie' (BcrbzacS) an die Serie gestellt zu toerden verdient." Panait Jstrati, der abenteuerliche Grälp^tumäne, der durch sein Buch ,Fhra Kyrattna" rasch bsrühmt geworden ist, kommt bei Rütten & Loening m^it ejnFm^lwuIn .Band,,,Onkel flngiel", heraus, der gleichfalls -dem-favbiäen Geschichten, kreis des Adrian Zograffi angehvrt. Gail Sterntzerm, „Die Schule von Uznach, oder ttm ScktzkaPeit", LufissM. Paul Zsvlmch Vertag. I «eorg Hlrschseld« .Lmd Byroa". I Als 14. Band einer ArNturgeschichte in EiiiKeldarstclluug: .Menschen, 'Völker, "Zeiten" (hevausgegeben von Max Kemmerich) erschien im Verlag Karl König, Wien, eine Biographie Lock Byrons von Georg Hirschfeld. Es ist eine Biographie, gleichzeitig aber viel mehr. Sie wird dem 'Titel der Sammlung gerecht, denn sic stellt in den Mittespunlkt der 'Darstellung "das tragische Problem der Persvnlichkci Byrons, ein Problem von gewaltiger kulturgeschichtlicher Bedeutung. Volk und Manu heißt das Thema dieser 'Biographie. England, das mächtige, 'freie, starke und innerlich doch so schwache, kurzsichtige, begrenzte, auf der ernen, und sein größtes Genie nach Shakespeare, Lord Byron, der apollinisch-schöne Hinkende, der düstere Revolutionär, der »nahrhaft innerlich Freie, der un Heu cholerische Tyrann der Franenherzerr, der unmoralischeste Moralist aus der andern Seite. Hirschseld ist es nun gelungen und das ist wohl das größte Lob, das man diesem Buch zollen kann — diesen titanischen Kampf zwischen dem besten, größten, vornehmsten Sohn des Vaterlandes, der aber bis zum Bewußtsein der inneren Tragik seines Vaterlandes hinausgcdrungen ist, und — diesem, 'in der Große seiner Beschränktheit uiftcimlichen Bäte-land — ftaunend, deutlich, sachkundig und formgerecht zu gestatten. Ob es um daö literarisch-künstlerische Schassen Byrons, oder um feine zahlreichen und sehr interessanten Frauenbeziehungen oder schließlich um seine politischm 'Bestrebungen gehr, immer weist Hirschseld diesen Hintergrund des unerbittlichen Ringens des großen Briten mit dem starken England auf und fügt so die einzelnen Lebens und Schaffensstadien Byrons zu einem wahrhaft erschütternden Roman zusammen, der eine Monographie in Wirkung und Wert weit übersteigt. Ganz besonders hervorzuheven wäre noch das Kapitel über den „Cant", d. i. den Inbegriff der moralischen, geistigen, religiösen, kurzum: der garten 'öffentlichen Meinung Englands. Den Anfstand dieses Cant wider A)ron, den er durch sein persönliches Leben und sein literarisches Schaffen herausgefochert hat, schildert Hirschfeld anschaulich. Wie sic sein. „Child Hardel" ausinrckeM und sein „Don Juan" ausbremsen läßt, wie sie ihm Jein heißeS Herz, das, von einer nicht zu-ihm Passenden puritanischen Gattin entweiyr, neues Ansleben sucht, nicht-Mzeihen können, --tote--sieihn beschaffen,> verspotten und. Wienagen! Wie tty 8er Bett< ler-Lord, durch die Welt JtqWert, ein. freier Jzeröäftnter, immer' aufs Neue in Liebp Mtbrannt, imnrer wieder in Schöpferkraft erstarkend, bis nx auf fernen Feldern den Tod für eine fremde und doch eigenste Freiheit sinder — das wird znm farbenprächtigen Bild einer kulturgeschichrlich bedeutsamen und menschlich ergreifenden 'Tragödie. Und mit Recht verweist nuch Hirschseld auf die Aktualität dieser Tragik hin, di«-'zum Problem des heutigen Schriftsteller- -und - Dichtxrtums gehört, das so .vielfach, in die. beengenden und verstümmelnden Maschen des Gesellschaftsnetzes verstrickt ist. . Die Zeiten, die Probleme, die Konsiifte hoben sich geändert die Zeit, das Problem, der Konflill sind leider dieselben'geblieben uiw. haben vielleicht nur noch 'an 'Komplizierkheit,- Schärfe urid Zähl der Rei-. builgsftäche» gewonnen. SJ Leopold Thal er. „svyr AnttsemWmuS alSLGvuppeuorscheinung." Irr diesem't.Dersuch einer Soziologie petz JüdenhässeS unternimmt es F. Bernstein zum erstenmal, eine wirklich erschöpfende Erklärung des Antifelnitiismus' auf wissenschaftlicher Grundlage zu «bey. Auf'da-Buch, das in den nächsten' Tagen im I ü- Äiswey Berlay erichein-en wird, wevdvn wir noch ausführlich zurücflommen. San DuSnowS Weltgeschichte beS Jüdischen «olkes (in 10 Bänden) wird anfangs Dezember bereits der 5. .Band erscheinen. DaS Lgerlk darf heute schon alS das GtaNdarvwerk frei: neu-iMfchen .Geschichtsschreibung betrachtet werden. . zettfchrifteu. Jüdische Famittenforschung. M i t t e i l u n g e n d e r G ese'l'l'.'schaft für jüdische Familien-Jorschu ng») AuS'dem Jrthült desoeben erschienenen Heftes Nr. 7 (Septenrber 1936) Dr. Eütl' K ne t s ch Marburg) „Goldschmrdt- Friedstatt, ein Apostat aus der. HM des dreitzrgjähviaen Krieges." Rabbiner Dr. Heinrich Flesch lDolni^ounioe): „Berufe als Familiennamen bei Juden." -- Rabbiner Doktor (SBi«n); „Jüdische FanrilienNamen, 4." — Rallbkner Dr. ifaai Gr u n w ü l d (Wien): „Die Desze-denten Simon Äetthe!- mers," — Jüdische StudentenM Dienste der jüdischen Fann' ÜeNforschung. „Menorah", Jiid^ches Familienblatt für" Wissenschaft, Kunst und Lft-eratnr. Das soeben erschienene Oktober-Heft enthält u. a. eine StMe „Der üöse BIick" von Dr. Adolf L öwinger, einen Aufsatz von MttHas Mieses Gex „Die MnurncherungIremdet Feiertage", und die interessanten Mit- Älungen von Dr. I. Zoller üoer „Theater und Tänz in Hon italienischen, Ghettis." His- Retzaktjon dieser vornehmen Ddrschen Zeitschrift hat da». vörliegende Heft als Gondern-ummer „Bemräge zur jüdischen VolkÄunde" erschelnem lassen. Dr. Max Grün Wald, der sie herauSgab, steuerte eine bemerkenswerte SchildLruna von Schnorrergestalten bei und setzt die Mitteilungen Wer indische Volkslieder fort. Das Heft enthält eine Fülle vortrefflicher Mv-ktrationen, 20 fierrfidke iSflcAerf Beste Romane der Weltliteratur in soliden Einbänden zwei Schilling pro Bond P'Annuntio Die Unschuldige. Roman, 410 S. Bang Ein herrlicher Tag. 185 S. Bang Die Vaterlandslosen. Roman,355 §. Chester Das Geld auf derStraße.Rom. 415 8. Madeiung Die Gezeichneten. Roman, 410 S. Madelung Zirkus Mensch. Roman, 365 S. Maupassant Der schöne Georg. Roman, 385 S. Stiauß Der nackte Mann. Roman, 370 S. Sanen Bambi. Eine Lebensgesch. 185 S. Strindberg Heiraten. Ehegeschichten. 420 S. Str/ndberg Schwarze Fahnen, Roman. 355 S. Schmitz Buch der Katastrophen. 230 S. Andersen Märchen. 175 S. Tharaua Im Schatten d. Kreuzes. Rom. 2808.. Qourmoht Ein jungfräul. Herz. Roman. 180 8. Qourmont. Komödien einer Frau. Roman,! 75 S. Oerierstam Geschichte e.Ungiücklichen.175S. Kohl Die roten Namen. 170 S. Großmann Die Partei. Roman, 380 8. Wilde Das Bildnis des Dorlan Gray.320S. Kommen Sie, elie die Vorräte eraohöpft sind! BÜCHERSCH WEMME R.LÖWIT, WIEN I Roten eraße 22 Der Jüdische Verlag, Berlin, kündigt ein neues Sonderheft tix Zeitschrift „Der Jude" an. das unter dem Gesamttitel „Deutschtum und Judentum" erscheinen wird »ud neben Beiträgen^don .Theodor Lesstng, Martin Bicher, Ernst . Weiß usm. eine ausführliche Arbeit von ^Prof. '-Simon DiBnow Hxingt.-di« das alte und neue Fudentürn.' einander aeädnübor- Wellt. Eine: BStÄchtüüg-'von': Freihöpv-'v.' Schönaich über die Iu-rrn als Soldatvn beschließt das außerordentlich inhnASceicho Dondech-eft. Mcher-ßinlauf. Heinrich Berl: Das Judentum in der Musik, Deutsche Berlags-Anstalt, Stuttgart, Berlin und Leipzig. Hans Brandenburg: Pangraz, der Hirtenbub. (Ein Idyll für Jung und Alt). Verlag H. Haessel, Leipzig. Bruno Dietrich: U. S. A. Das heutige Gesicht, Verlag Ferdinand Hirth, Breslau. Artur Fürst: Der Ozeanriese (Wege zum Wissen), Ullstein-Verlag, Berlin. John GalSnwrthy: Der weiße Affe. (Roman). Verlag Paul Zsolnay, Wien-Berlin-Leipzig. Oskar Jelltnekr Die Mutter der Neun (Novelle). Verlag von Paul Zsolnay,' Wien. Alfred Klaarr Spinoza (Wege zum Wissen), Ullstein-Verlag, Berlin. . Ernst Klippel: Unter Drusen, Kurden und Teufelsanbetern (Woge zum Wissen), Ullstein-Verlag, Berlin. , Rabbiner Dr. Louis Lewiu: Die Landessynode der großpolnischen Judenschaft (Schriften der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, 27), Verlag I. Kausftrtann, Frmckfurt a. M. MrS. Belloe Loumdes: What really happened, Verlag Bernhard TauchNltz, Leipzig. Arnold Meyer: Die Mechanik in Grundzügen (Mge zum Wissen), Ullstein-Verlag, Berlin. Pros. Ernst Preitz: Neue Wege der Körperkultur. Verlag Dieck ll. Co.,. Stuttgart. Albert Schaefser: Des Apulejlis sogenannter goldener Esel. J>:- sel-Berlag, Leipzig. Ma»e- Sperber: Alfred Adler, der Mensch und seine Lehre. (Gin Essy.) Verlag I. F. Bergmann» Leipzig. Gerl Sternhel«: Di« Schule von Uznach oder Neue Sachlichkeit (Lustspiel), Verlag Paul Zsolnah, Berlin-Wien-Leipzig. Paul Tilllch: Die' religiöse Lage der Gegenwart (Wege zum Wissen), Ullstein-Verlag, Berlin. Trrgius Böronoffr Or^anÜberpslanzung und ihre praktische Verwertung beim Haustier, ^Verlag Dr. Werner Klin- Hardt, Leipzig. Dr. Albrecht Wirthr Das Geheimnis der Uvworte. Rassenkunde und Rassenphilosophie, Berber "in Deutschland. Sis-Verlag- Zritz. . Die Religion in Geschichte und Gegenumrt (Handwörterbuch für Theologie und Ralionswissenschast), Herausgegeben von Hermann Gunkel und Leopold Ascharnack. Verlag I. E. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübiirgen. Stickereien und Spitzen. Blätter für kunslliebende Frauen (Oktober^Heft). Herausgeber Alexander Koch, Darmstadt.