Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1926-10-10 · Heft 2738 (10.10.1926) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2738 (10.10.1926)
Date
1926-10-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2981549-2981825--27805-3015779
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

«rffc t -W««, Somidag 'Itette* Morgeuzettmrg PELZWAREN „„ JEDER ART IN FEINSTER AUSFÜHRUNG BILLIGST BEI GEBRÜDER BRAININ WIEN, II., GLOÖKENGASSE 8 TEL. 45433 SK schwindende Hvvnose. ~y Wien, 10. Oktober 1826. Rabindranath Tagore hat seine Europareise beendet und wird bald in seine indische Heimat zurückkehren. Englische Plätter veröffentlichen das Urteil, das sich der Dichter und Philosoph auf seinen Reisen über Europa gebildet hat und dns er in einem Universitätsorgan niederschreibt.. Das Urteil ist eine scharfe Abrechnung mit dem Abendland und seiner Kultur. „Der Weltkrieg" — schreibt Tagore — „hat die ungeheure Selbstzufriedenheit Europas in Fetzen gerissen. Bis dahin stand es im Zenith seiner Macht und seines Glanzes. Aeußerlich hatte eS anscheinend endlose Zeit für sein grenzenloses Glück erobert, während es mit einein erbarmungslosen Erfolg das Schicksal von Millionen fremden Volkes zu seinem Fußschemel gemacht hatte und es beständig festhielt. Dann kam der Tag. wy alles das, was ihm die Oberherrschaft in der Welt verliehen hatte, sich gegen Europa zu wenden schien. Pas hat uns in Asien endlich die Gtzlegenheit geboten, Europa mit.unserem von der Hypnose des Erfolges nun befreiten Geiste zu beurteilen■- eine Gelegenheit, die zu unserer eigenen Rettung notwendig war. Dieses Urteil darf aber nicht erfolgen in einem Geist der Wiedervergeltung, der da kichert bei der Aussicht, einen Teil des übelriechenden Kotes auf den Wüsten zurückwerfen zu können.' den es auf den schmutzigen Osten zu schleudern nicht müde geworden war," Das ist hie Meinung eines auf der Höhe einer moralisch aufgefaßten Politik stehenden Mannes. Das Urteil der minder weisen und gebildeten Führer der asiatischen Völker ist Weniger höflich, aber nicht weniger scharf und genau so eindeutig. Und obgleich noch keine Möglichkeiten dafür bestehen, daß diese Meinung in absehbarer Zeit zum Ausgangspunkt einer aktiven Auflehnung gegen Europa ausreift, so sind jedenfalls die Stimmungen hiesür vorhanden. Weder die nationale, noch die wirtschaftliche Entwicklung der asiatischen Völker zeigt heute die von Europa befolgte Tendenz der Gtzyansioil und sie hat noch nicht einmal die ersten StMen überschritten. Sie hat die Elemente europäischen Wesens, diesen auf Profit und Unterdrückung gestellten Altruismus nicht erfaßt'und sie will ihre eigenen Wege gehen. Darin bestärkt sie der Zustand, in den Europa sich selbst versetzt hat. noch mehr aber das Bestreben des Kontinents, auch weiterhin für sich die Suprematie zu fordern, obzwar ihre Voraussetzungen schon längst politisch nicht mehr existieren. Die europäische Welt hat sich eine Lehrmission angemaht, auf die sie heute weniger Anspruch hat denn je. Die asiatischen Völker haben nicht dje Kraft, vielleicht auch noch nicht M? Lust, sich zu vereinigen und die zwischen ihnen bestehenden, sehr tief gehenden Unterschiede zu überbrücken. Sie besitzen ctudj nicht die Persönlichkeit, die ein Wagnis dieser Art beginnen könnte. Sie sind nicht imstande, auch nur den Gedanken des geschlossenen Widerstandes gegen die technische Überlegenheit Europas zu fassen. Aber die Idee des Widerstandes ist unstreitig vorhanden uns sie fließt automatisch aus dem Gefühl bitterer Verachtung gegen die Zwmgherpsn. deren Genie hinrsichte. aus den Völkern eine Fußmatte zu machen, nicht aber sich selbst vor der Zerfksischung zu bejvahxen. Der Weltkrieg hat die große Lüge von der moralischen Ueberwertigkeit aufgedeckt und er hat die.Hypnose Vertrieben. Auch die GeHsn. Braunen und Schwarzen sind in den Krieg gerufen worden und auch sie haben gelernt, die präzise Mechanik des Maschinengewehres zu meistern. Sie tonnen noch nicht daran gehen, ihre Kenntnisse in organisier^ ter Form zu verwerten. Der Rassenhaß ist unter ihnen noch intensiver als in Europa und der Chinese, der kürzlich in einem Pariser Restaurant einen Araber niederschoß. sagte im Verhör ganz naiv: Er könne einen Araber nicht leiden und deshalb habe er ihn aus der Welt geschafft. Die Begründuitg ist asiatisch loyal und ehelich. Ein Europäer hätte irgendein Motiv vorgeschützt. Wer geschieht nicht in Europa ganz das gleiche und nicht bloß gegen einen einzelnen, sondern gegen ganze Massen von Menschen? Die WeMnchte Höflichkeit unserer politischen Kultur sucht, was sie an Verbrechen leistet, irgendwie aus einem hähereil Moment sn erklären. Aber sie starrt von Waffen und Gewehre haben nun einmal ihr eigenes LÄen. Sie erfüllen ihre Bestimmung. Die Lüge Europas hat sich eine militaristische Ideologie geschaffen und sie preßt in diesen Rahtnen alles, was sie zur Bemäntelung des raubgierigen Imperialismus vorschütze ivill. Die Unterdrückuug der Minderheiten geschieht zum Schutze von Sprache und Art, zur Verteidigung des Vaterlandes. Der Antisemitismus ist die Wahrung des sittlichen Gutes der Bodenständigkeit. Die soziale Rückschrittlerei ist der Schutz der Produktion und der.Konkurrenzfähigkeit. Diese Unwahrhastigkeit dauert auch nach dem Kriege fort und die asiatischen Zuschauer, die dem Dunstkreis der europäischen Phrasen entzogen sind, haben sich ihr unbefangenes Urteil bewahrt. ES fehlte ja nicht an Versuchen, sie auch in den mit unblutigen Mitteln fortgesetzten Krieg der europäischen Mächte wieder einander hineinzuziehen. Zu deutlich sind in den chinesischen Generalsraufereien die widerstreitenden Intrigen Europas und des von ihm assimilierten Amerikas und Japans einerseits, Sowjetrußlands anderseits zu sehen. In der jüdisch-arabischen Frage, die vor nicht zu langer Zeit gar keine Frage war, liegen die Giftmischereien europäischer Stellen, auch solcher, die sich ganz besondere Moralität vindizieren, klar zutage. Hier wird ein freches Spiel mit der Anwendung der in Europa Tag um Tag, Stunde um Stunde verleugneteu Demokratie getrieben, um die Brüderyölker der Juden und Araber in eine Todfeindschaft zu hetzen. Rabjndraneth Tagore, der den so tiefen Sinn des Zionismus, seinen Werteschaffenden Inhalt und seine heute noch kaum in Worte zu fassende Bedeutung für den Weltfrieden erfaßt hat. wird hoffentlich daß Sejnc dazu beitragen, daß auch im Bereich dieser, von Lügen k.->n "(".schütteten Frage, die Hypnose sich verflüchtigt. üKWDW ..... Sie llirWesHeit Polens und Sefterreichs. Senator De Frniveyel über dir Notwendigkeit neuer deut- Her Friedensgarantien Paris, 9. Oktober (Havas). Im „Matin" trist Senator De Jouvenelder frühere Oberkommissür kn Syrien, dafür ein, daß her den deutsch-französischen Verhandlungen die Garantien bezüglich der Westgrenze hurch solche bezüglich der Ost grenze ersetzt werden, insbesondere durch ein Wirtfchaftsübereinkommen zwischen Deutschland und Posen, Verpflichtungen Deutschlands bezüglich Oesterreichs (Verzicht auf den A n° sch ln ß) und Garantien betreffend allgemeine St" ch o r h e i t, die jenen glelchkommeu, die Frankreich im Westen übernehmen mußte. De Jonvenel schließt, die Sicherheit sei heute nicht mehr am rrhesir gefährdet, sondern durch die Unsicherh e i t b e z ii g l i ch Polens n n d O e st e r r e i ch s. W sei offensichtlich, daß gegenüber Amerika, das seine Bo« mtihnngen einheitlich gestaltet, Europa, das Zoll- und Wührungsgrenzen über die politischen Grenzen hinaus vervielfache, zur Katastrophe pexurteilt sei. Wir werden uns, sagt er, g e t r e n n t z n g r n n d e r i ch-- ten oder zusammen retten. Wenn wir Deutschland Zugeständnisse machen, muß dieses dafür Europa Zugeständnisse machen. Ser Magdeburger SuftWanSal. IMerpklation Im Aavdtag, Berlin, 9. Dktccher. In dev heuiügen Sitzung des preußischen. Landtages wurden b'w bekannten standalöson JustitzvgrgänHe in/ Mägde bürg fc«- sprachen, die zur Berfotzung des Wischon Hndnstriellen Haas führten. Es liegt eine von den Sozialdemokraten etugebrachte große AnkNW und eine Interpellation der KommunWn vor. Mgeorneter Auttner (GotzlMemsVrck) erinnerte an «das Wort des Professors Dr. Kahl, daß die Wsterrz einer Vertrauenskrise in de« Kusiiz sich nicht mehr leugnen lasse. Dev MaOchuMr Fall bs* stätige das. Es sei unverständlich, wie es möOich gewesen stzi, «über Unschuldig« 8it(0*RGebäudS aufsurichten. Der Raubmörder Schräder tfte Men gekannt Wen. Die Bausteine lagen in dm Mdeu schon bereit. Schröder , iö. iOMec 1906 Wk. SM CESCHKÄ die Marke de 5 eleganten Herrn VlI., Kaiserstraße 123 IX., Alsesrtraße 6 brauchte sie nur zu nehmen, um «sein Lügengebäude zu errichten. SchrNer selbst schilderte ibei einer Vernehmung, wie Beamte stich in seiner Nähe über Haas unterhielten und th n so beschrieben, daß Schröder t |j n nennen konnte. .Auch Fischer habe seinem Vater gegenüber erklärt: „Man will gar nicht die Wahrheit von mir. Ich soll den Haas belasten, obwohl ich ihn gar nicht kenne." Als man nun aus Schröder den Namen Haas Heraus« gepreßt hatte, wurde überhaupt nur mehr gegen Haas yorgegangen. Die Aktensührung des Landgerichtsrates Kölling, der die Untersuchung so merkwilivdig fitfjrte, grenzt haarscharf an A k 1 e n f ä I s ch u n -g. ' Gegen Haas lag bei seiner Verhaftung — fährt Redner fort — gar nichts vor. Die von Haas angehoitenen Entla st un g s bew e ise würben nicht beachte t. Dagegen wurden -die Zeugen von Kölling beeinflußt. Es macht geradezu den Eindruck, als ob Kölling durch Benutzung seiner Machtbefugnisse verhindern wollte, d aß das Gestäydni s desSchröder protokolliert werde. Am schlimmsten ist für mich, daß Kölling und Hofsmann nicht selber den Mut hatten, schweigend den R i ch t e r t a l a r a u s z u z i e Ij e it, der durch sie b esudelt wurde. (Zustimmung links.) Staatssekretär Fritze teilte mit, daß gegen K ö I» ling und gegen den LanbgerichMirektor Hoffmann daß DWplinarverfahren eröffnet wurde; der minister habe den . Generalstaatsanwalt angewiesen, gegen Hoffmann die Verhängung der Amtssuspendierung beim Diszip'linarxat zu beantragen. ArrMemrrg Zugoslatviens an Ungarn. Arhitragrvertrag. — Ungarische Freihafenzone in einem jugoslawischen Hafen. Belgrad, '9, Oktober. Außenminister Dr. Nincie empfing heute abends die »Pressevertreter und gab ihnen ein ausführliches Expose über di« außenpolitische Lage Jugoslawiens. Dabei kam er auf. das Verhältnis Jugoslawiens zu Ungarn zu sprechen und sagte U. a.: Jugoslawien und Ungarn waren mehrere Jahrhunderte lang in enger, historischer Schicksalsgemeinschaft verbunden. Damit, ist eine aünstiqe Grundlage^geschafsen, um ein« Politik der freundschaftlichen Annäherung an Ungarn etuzuleiton. Zwischen d«n beiden Staaten ist bereits prinzipiell der Abschluß eines Arbitrageverträges vereinbart Warden. Dieser Vertrag wird in Bälde unterzeichnet werden, und zwar mit Kenntnis der anderen Negierungen der kleinen, Ententestaawn, Mp Ru- Was die Gerüchte über die Einräumung Hinex Freihafen z o n e in Gpalato an Ungarn betrifft, erklärte Dr. Nineic weiter, sind hiGer über diesz ffragtz keine Verhandlungen mit der Budapester Regierung geführt worden. Jugoslawien hegvelft aber, daß Ungarn einen Ansganq zum Meere hrgucht, und der Tag ist nicht mehr alltzu fern, an dem die Frage einer ungarischen Freizone in ßinen jugoslawischen Hafen aus die Dagesorduung kommen wird. «In amerikanischer rroüenleo« in PalMna. Paris, 9. Oktober. Wie die „Chicago Tribüne" aus Jerusalem meldet, ist der bekannte MäßigkaitSapoftek Md seinerzeitige Propagandist für die Trockenlegrrng der Bereinigten Staaten, Johnsen, in Jerusalem emgetroff fetz, um die 5Zdee des Puohibittontsmns ln Pa- Wina durch Vortrüge zu vschreiten. Unter der weinbcmtrsibenden BebMerung Palästinas macht sich lebhafte Unzufriedenhett über den Besuch des amerikanischen Mäßige keitsapostels in Palästina geltend. („Chicago Tribüne" ist im allgemeinen keine ante Quelle. Rch.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.