Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2737 (9.10.1926)
- Date
- 1926-10-09
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Gelte 4 xJHÜtWf RA9B Nr. NN Set mWeriSse Tod des Professors Schnabel. Ae grWche restamentssiitfcheriu i« drei Monaten «efilagair vernrteilt. wohl etwas erregten Aussprache, die inseiner, Professors Frankels Wobrrung, stattgefuuden Hobe, bestanden. Es ist «dabei jedoä-i nicht so heftig zngogan-gen, -weil Stadt-- rat Breitner. detbei Kuchen gegessen hat. Redner, der leidend sei, wolle wieder zu seiner Gelshrtenarbeit zurückkehrerr, da es Dr ihn bei dar „Wag" keme Archgaben mehr M Vftv gebe. Ans Gvrmd dieser EMärrrnyen des Professors Frän-kel zog derGnterpÄlant sainsr Dringlichkeitsantrag zurück. Im wette«« BeÄwf der Sktztzwtz wwLe eine Aenderung der Satzungen der Perrfiouskaffe der Gememdeangestellten besthlosscn. Die Opposition benützte dies, um an der Angestelltenpolitik der Gemeinde Kritik zu üben, die bet Referent Stadt rat Speiser mit dem Hinweis auf die von der Regierung heraufbeschworene Schande eines Beamtenstreiks zurückwies. Bei einem Referat auf Bewilligung von 36.000 Schilling für die Beethov en-Zentenarfeier stellte Stadtrat Rummelhart fest, daß bis heute iwchkeine Abrechnung über die gänzlich mißlungene Theater- und Musikwoche im Jahre 1924 vorliege. Diese Veranstaltung war, wie er sagte, nichts als eme Auge nauswischer ei. Re Mörder vo« der rabakregie. Die Untersuchung gegen die beiden Einbrecher Oetzbrugger und Hungere die den Nachtwächter Heinrich Ludwig in der Tckbakregie erschaffen habeil, bringt immer neue Einzelheiten aus dem Leben der beiden . Schwerverbrecher zutage. Besonders Oetzbrugger hat sich als zwar vorsichtiger, aber Ebenso verwegener und raffinierter Schränker erwiesen. Ms beide nach dem Morde an der Leiche Ludwigs standen, wurde ihnen offenbar, daß ihnen große Gefahr und schwere Strafe bei Entdeckung chver Täterschaft drohe. Am liebsten hätte sich jeder von ihnen des andern als gefährlichen Mitwissers entledigt. Angesichts der Leiche schwuren stie einande-r mttt vorgehaltenem Revolver, nie zu verraten, wer den Mann erschossen hat. Und nun hat Hunger, auf den die Indizien Hinweisen, als erster seinen Mordgenossen als den eigentlichen Täter bezeichnet, eine Beschuldigung, die Oetzbrugger ebenso entschi^en zurückweist. Oetzbrugger tzÄ teils allem, teils mit Hunger und nach dessen Verhaftung mit dem ertappten Kutscher Atzler noch eine große Reche anderer Einbrüche verübt. Er war beim Einbruch im Geschäfte der Weingroßhandlmrg Kornhäuser u. Schmied! in der Döblinger Hauptstraße beteiligt, beim unglücklich verlaufenen Einbruch bei der Textilfirma Reumann, bei dem er und Hunger auf die Verfolger schossen und bei dem Hunger selbst in den Arm geschossen und verhaftet wurde, und bei dielen anderem Auch die Provinz wurde häufig heimgesucht. Bezeichnend für Oetzbrugger ist es, daß er mit seinen Gefährten im vorigen Monat einen Einbruch in einem Eisengeschäft unternahm, nur zu dem Zwecke um sich wieder in den Bcfttz geeigneter W e-r kz^ u-g-e zu sehen. System Barry «ad Morrison. Wieder ei« Amerikaner hereingefallen. Barry' und Morrison befinden sich Pvar schon geraume Zeit Hinter Schloß' und Riegel, aber ihr System blüht weiter, da e&en die Opferlämmer nicht aussterben. Neulich wurde wieder ein Amerikaner in Berlin von Mei Hochstaplern anstärüng geschröpft. Als Mittel diente der bekannte Bauernfängertttck. Im Gespräch, mit einem „Landsmann", der sich dem Amerikaner angebiedert hatte, bemerkten die beider, wie ein „alter Herr" vor ihnen einen Rosenkranz fallen ließ. Der „Freund" des Amerikaners — er nannte sich Harrys — hob den Rosenkranz auf und stellte ihn dem Verlustträger zurück. Dieser war hocherfreut, htfr die beiden zu einer Flasche Wein ein und stellte sich ihnen als John Gronin aus Irland vor. Natürlich hieß es dann weiter, er habe eine Erbschaft von 400.000 Pfund gemacht, davon müsse er dem Papste 2000 Pfund persönlich überbringen und 50.000 Pfund an Arme der ganzen Welt verteilen. Er sei auch bereit, dem Amerikaner und Harrys je 2000 Pfund für die Armen ihrer Gegend zu übergeben.' Dann kam es zur gegenseitigen Vertrauensprobe. Zuerst bestand sie Harrys durch Einhändigung eines Bündels, das eilte erhebliche Summe zu enthalten schien. Dann kam der Amerikaner daran und überreichte dem Cronin 8590 Renten mark und 50 Dollar, worauf er in der Weinstube wartete. Als ihm ein Licht aufging, war es zu spät. Harrys und Cronin iuaven verschwunden. Beide sprechen englisch. Sie werden verfolgt. Mord vm eine Aatodroschke? Sine mysteriöse Bluttat bei Prag. Die Prager Polizei ist mit der Aufklärung eines mysteriösen Mordes beschäftigt, der sich Donnerstag auf der Landstraße nach K l a d n o ereignet hat. Auf der Straße wurde die Leiche eines Mannes gefunden, der als der Prager Autodroschkenbesitzer Patocka agnosziert wurde. Die Leiche wies einen Einschuß an der Schläfe auf, eine Waffe wurde nicht vorgefunden, so daß zweifellos ein Mord vorliegt. Patocka wurde zum letztenmal Donnerstag vormittags mit seinem Auto in Prag auf dem Alstätterring und später auf der Straße nach Kladno gesehen. Er ft'lhrte G»s B-e-rM« wird tm bmtäßek Der Prozeß gegen die ProfeffoMvittve Schnobe€, gebotene Gräfin Leiningen, die mit einem von Pr hergestellten Testament das anfthnftche Vermögen Pres verstorbenen Gatten an sich bringen wollte, wunde sehr kurz und summarisch geführt. Die Vertreter der Verwandten des verstorbenen Professors hatten tbie gerichtliche E xh« m ierang und O bduktion der Leiche 'beantragt, damit gerichtlich festgeftellt werde, ob Professor Schnabel tatsächlich an Seftfts 'infolge FurmEuilose gestorben ist oder ob vielleicht eine andere Todesursache vorliege. Das Potsdamer Schöffengericht hat jedoch diesen Antrag abgelehnt. Die Gräfin Leiningen hatte noch in der Voruntersuchung ein volles Geständnis abgelegt, nachdem durch -die Aussagen ihrer Wirtschafterin festgestellt wojrden war, daß sie sich nach dem Tode ihres Mannes mit Schreib üb ungen beschäftigt hatte, -mn den Namenszug des Professors Schnabel nachzuahmen. So beschränkte sich die ProzeßverhaEung rm wesentlichen auf die Vernehmung der Angeklagten, ihre auch rückhaltslos zugab, das falsche Testament selbst geschrieben und in ein Buch gelegt zu haben, so daß es bald gefunden werden konnte. (Tatsächlich wurde es auch von den ärztlichen Kölleg e n des Professors Schnabel gefunden -rmd .der Fa«Me eingesendet.) eine elegante Dame und einen Herrn im Wagen. Die Autodroschke und das Paar sind verschwunden. Man vermutet, daß die Fahrgäste Patockas ihn ermordet und die Autodroschke geraubt haben. Die Polizei fahndet nach dm beiden Personen. Re Wahlen mm Nelegiertentag der österreichischen Zionisten. Das Zionistische Larcheskomitee für Oesterreich verlautbart: Die für die in der grestrigen Kundmachung angeführten Wahlkreise, ivelche mehr als einen Delegierten zu wählm haben, bis heute Samstag, 9 Uhr abends, einzure-ichenden Wahlvorschläge, werdm als gültig anerkannt werden, wenn die Unterstützung des Vorschlages durch die Unterschrift von zehn Wählern des diesbezüglichen Wahlkreises bis längstens Mittwoch, 6 Uhr abends, im Landeskomitee beigebracht wird. Die Wahlen zum Delegiertentag finden am Sonntag, dm 10. Oktober, statt. Nachsteheick geben wir die Wahllokale und Wahlzetten bekannt: Zionisttsche Bezirkssektion II, 2. Bez., Zirkusgaffe 33, 9 bis 11 Uhr vormittags. (Wahlleiter: David: N ebenzahl.) Zionistische Sektion Prater, 2. Bezirk, Jungstraße 8. 9 bis 11 Uhr vormittags. (Wahlleiter:: Gerfon W i t t l i n.) Zionistische Bezirkssektton III, 3. Bez., Löwengasse 36 (Cafe Lovrana), 10 bis 12 Uhr vormittags. (Wahlleiter: Sigmund Wechsberg.) , Zionistische Bezirkssettion IV/V, Pfadfinderheim Zttrenu, 4. Bezirk, Margaretenstraße 10, rechter Hausflur, halb 10 bis halb IS Uhr vormittags. (Wahlletter: Friedttch Müll e*~) Zionistische Bezirkssektton VI/VHI, 8. Bez., Bennoplatz Nr. 1 a, 8 bis 10 Uhr vormittags. (Wahlleiter: Paul Stein.) Zionistische Bezirksseltion IX, 9. Bez., Liechtensteinstraße Nr. 11/13, 10 bis 12 Uh« vormittags. (Wahlletter: Simon Picker.) Zionistische Bezirksorganisatton X, 10. Bez., Favorttenstraße 130, 10 bis 12 Uhr vormittags. (WaHlleiter: Ing. Josef Fischmann.) Zionistische Bezirkssektton XVI/XVII, Cafe Bergmann. 16. Bez., Ottakttngerstraße 37, 1ü bis 1 Uhr vormittags. (Wahlloiter: Dr. S. Bo h in.) Zionistische Bezirkssektton, XIX, 10. Bez., Silbergasse 19 (Cafe Döblinger Cottage), 3 bis'4 Uhr nachmittags. (Wahlleiter: Hofrat Stein.)' Kurse und Einzelunterricht täglich Ueber die Motive der Fälschung befragt, ließ die gräfliche Fülscherm ihren Jnfttirkten fteien Lauf, indem sie gegen -die Verwandten ihres verstorbenen Mannes irr wüste Schmrpfvporeu ausbrach; sie seien arbeitsscheu, .habgierig mb sMstsüchtig gewesen. Sie erzählte cmch, Professor Schnabel habe seine Angehörtgen ebenso gehaßt wie sie es getan habe; es ist aber fostgestellt, daß der verstorbene Gelehrte an seinen Angehörigen mit großer Liebe hing. MU diesen Erzählungen wollte Frau Schnabel-Leiningen glaubhaft machen, daß sie das Testament so ab gefaßt habe, wie es im Sinne ihres Manne-s lag. Auf «die Frage des Dovsitzeniden, wavmn sie später die Erbschaft «msgeschkagen habe, antwortete «die Gräfin: ,Ach wollte die Mut ter meines Mannes sicher,stellew; mich hat Eigennutz nie g ei eitet." Stuf die Erbschaft hat in Wirklichkstt die uneigennützige Gräfin erst verzichtet, aB sie bereits der Testa me nt s fälsch ung überführt und Me Anzeige erstattet war. In solcher Weise wollte die gräfliche Falscherm die Tat, die schmutzigster Habgier entsprang, ^beschönigen, fand jedoch beim Gericht keinen Glauben. Auf die Einvernahme von Zeugen wurde vernichtet, 'da «der Tatbestand völlig klarzustellen war und 'die Tatmotive offen zutage lagen. Die Gräfin Leiningen wurde unter Zubilligung mildernder Umstände vom Schöffengericht zu drei Monaten Gefängnis vevurteN. Zionistische Bezirkssettion XX, 20. Bez., Jägerstraße 30, 6 bis 8 Uhr abends. (Wahlleiter: Moses Brüll.) Zionistische Sektion Zwischenbrücken, 20. Bez., Ley--> straße 81 (Souterrain), 11 bis 1 Uhr vormittags. (Wahlletter: Julius Katz.) Httachduch, 2. Bez., Glockengasse 30, halb £t ÖS halb 1 Uhr mtttags. (Wahlleiter: Dr. Josef Gelbard.) Akademischer Landesverband, 9. Bez., Türkenstraßs 9, 2 bis 4 Uhr nachmittags. (Wahlleiter: HansKandl.) Jüdischer Sportverband Hakoah, 1. Bez., Wipplingoostraße 24/26, 10 bis 12 Uhr Vvrrntttags. (Wahlletter: Dr. I. H. Körner.) Zionistische Ottsgruppe Mödling, MödKng, Hauptstraße Nr. 73, 10 bis 12 Uhr vormtttags. (Wahlletter: Jafob Kaufmann) Die Wahlvorschläge werden Sonntag, den 10. d. M., in der „Morgenzeitung" publiziett werden. Srsterreichische Landeslonsereuz der Keren Kaiemety. Am Samstag, den 23. Oktober 1926, dreiviettel 7 Uhr abends, findet in den Räumen der Zionistischen Bezirkssektion Leopoldstädt, 2. Bezirk, Circusgasse 33, die diesjährige Landeskonferenz des Kewen Kajemeth statt. Tagesordnung: 1. Referat des Herrn Dr. Israel Wald mann über den Keren Kajemeth als Mittel für vme geistige Pwpaganda; 2. Rechenschaftsbericht über das Jahr 5686!; 3. Arbettsplan für das Jahr 5687; 4. Verlesung der Neueintxagmrgen r» den Pmtcu, des Keren Kajemeth' 5. Neuwahlen. Wahlberechtigung: Jede Geuppe, dbe das Mindestkonttngmt von M> Pfund aufgebracht hat, hat das Recht, einen Delegierten zu entsenden, bei Ausbringung von 60 Pfund und darüber züvoi Delegierte. Die Gruppen werden ersucht die Telegietterr beim Burieau des Keren Kajemeth chostens anzumelden. Sie Boykottmttatio« des polnischen Rorwoy. Warschait, 8. Oktober (I. T. A.). Die 'cmtiisem'ltvsche Gesellschaft „R o z iw o f" Ohrt gegenwärttg in der Provinz eine systematische I itt d enhetz wobei die Ritual m ord- Leg ende eine große Rolle spielt. Irr dem Städtcherr L i >d z b a r k (>Po>mmerellen) wurden m der Nacht zum Jahvmarttstag die Dünen der jüdischen Geschäftslädetr mit roter Farbe kenMich gemacht. Ueberall prangte in RiesenibrMtaben das Wort „Zpd". Unter per Baiüemschaft wunden maffs»- haft Hetzschriften gegen die Inden verbreitet. Krakauer Movdblätter berichten am den: Kmort Zakopane, eine jüdische Frau hätte ein christliches Mädchen vom Lande in ihr Hmts gelockt, «dort hätten schon Juden mit langen Bärten arff sie gewartet, die