Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2737 (9.10.1926)
- Date
- 1926-10-09
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2979076-2981549-2981824--27794-3015767- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Gsttr S M«r. SsnMag DemWoven in Deutschland. —y Wien, 9. Oktober 1826. Mitten in die so aufschlußreichen Debatten des auf dem Münchner Hauptbahnhos unter Polizeischrch tagenden Femcausschusses fällt der Rücktritt des Mnistors Severing und des Generalobersten Seeckt. Der Minister, der die Putschdeivegung der Pogrvmbanden kontrolliert hat, und der General, unter dessen Augen die Schwarze Reichs-" :rehr entstanden ist und «es den HeereSbeständen ihre Waf fen bezog, scheiden aus der Oefsentlichkeit. Das fiitb Ercigniffe von höchster politischer Bedeutung. Ihre Tragweite wird klar angesichts der für die Zukunft so wich ugerr Verhandlungen zwischen Deutschland und denMäch ten, die dem Eintritt in den Völkerbund gefolgt sind. Es hat in Thoiry auf französischem Boden eine Besprechung Nresemanns mit Briand stattgesunden, die als 'o gewichtig aufgefaßt wurde, daß sich eine Woche später Chamberlain und Mussolini zu einstündiger Unterredung auf einem vor Störung geschützten Kriegsschiff zusammcnsetzten. Aus der Bierrede Strescmanns in Genf, noch mehr aber aus der unwirschen Antwort Poincares konnte man schließen, daß Deutschland die nunmehr geschaffene Situation im Sinne alter Pläne ausnützen will und daß es aus der unleugbar sehr schwach gewordenen Lage Frankreichs neue Hoffnungen zieht. Severing, der entschlossene Republikaner, und Seeckt, der unentschlossene Monarchist, treten in den Schatten zurück. Was ist der Sinn dieser Vorgänge? Severing ist müde geworden. Die Zermürbungstaktik seiner nationalistischen Feinde. hat ihn nach langem, schwerem Krankheitslager aus dem Sattel geworfen. Die Geheimverbände vom Wiking bis zum Werwolf, denen er die Daumen auf die Augen setzte, atmen erleichtert aus, und ihre segensreiche Tätigkeit, die man aus den Verhandlungen der Femeausschüsse so deutlich, als man nur will, sehen kann, wird wieder ausgenommen werden. Sie mußten sich doch auch bisher nicht allzu viel Mäßigung auserlegen, da doch die Beamten Severings nicht auf seiner Linie standen und da doch das Reichswehrministerium in seinem Bereich die Sabotage mtt preußischer Gründlichkeit durchführte. Daran wird auch der Nachfolger Severings nichts ändern, und der Rücktritt des Generals Seeckt, der doch nur wegen seiner Ungeschicklichkeit erfolgt, bedingt kernen Wechsel. Niemand kann annehmen, daß die Zulassung des Hohenzollernprinzen zu den Manövern der Reichswehr die sogenannten Freunde der Republik besonders aufgeregt hätte. Ter Zeitpunkt war schlecht gewählt, und dies nicht etwa in bezug aus die inneren Verhältnisse, als vielmehr aus das Ausland. In Deutschland hat diese Mänöveridylle keine Beunruhigung geschaffen, zumal doch gerade gestern der Absindungsvertrag zwischen Preußen und den Hohenzollern zustandegekommen ist- Das Land zahlt seiner Dynastie 15 Millionen Mark und 250.000» Morgen Land. Es räumt außerdem der Familie Wilhelm II. für den eventuellen Aufenthalt in Deutschland das Schloß in Homburg *ftn. -Bei devWstimmiutvg int Landtag wollen sich die Sozialdemokraten absent'ieren. 'Es wird also niemand Anstoß daran nehmen, daß ein Prinz so hintenherum in die Reichswehr gekommen ist, ohne den auf -zwölf Jahre lautenden Dienstvertrag zu unterschreiben. General Seeckt, der dies decken wollte, nimmt "den Abschied. Aber sein Nachfolger wird schließlich auch nicht anders sein. Sc wird nur ettvas vorsichtiger 'sein müssen, um nicht das außenpolitische Konzept der Regierung zu stören. Sie will Frankreich ganz vor ihren. Karren spannen und wäre sogar dazu bereit, an der Stützung der Valuta mitzuwirken, nicht, etwa aus altruistischen Erwägungen, sondern einfach darum, um für ihre „Gott strafe England"-Parole frischen Wind M bekommen. Deutschland hat die Weltherrschaftspläne nicht aufgegeben und nimmt sie wieder auf. Frankreich scheint als Gegner ausgespielt zu haben. Die Position Englands ist npch sehr stark, aber es gibt in der englischen Kolonialpolitik schwache Punkte in Menge, an denen eine feindliche, aus lange Sicht angelegte Propaganda anknüpfen kann. Dazu ist aber eine Belebung des nationalisttschen Geistes im Inneren ein Hmrptevsordernis und darum kommt dem Scheiden Severings und Seeckts die große Bedeutung eines demonstrativen Signals zu. Es hat in diesem Jahre schon einige solche Deuter gegeben, von denen der Fahnenerlaß am meisten bemerkt Aber so deutlich wie jetzt war doch keiner. I« Deutschland wird legal und ohne besonderen Widerstand die Rückkehr der Monarchie vorberoitei. Sie entspricht dem Volks empfinden, das die Republik schon wegen ihrer Schwäche ablehnt. Die Monarchie aber ist die Bersthävsnng des Kriegsgeistos, verbunden mit JmtenfiviyMng der antisemitischen Hetze und des aggressiven NMcmailiKmus. .Es scheint, daß die Revolntion jetzt «d-, Der nlsslsch-lttauifche Vertrag. irtUW^H Warschau, 8. Oktober. Die (.heMchte Wer die bevorstehende Wbsend-img einer polnischen Rote <m den B o t i chv fck e r rnst Ml ZchammAchang mit 3ww russischer^ tmt-ischon Vertrag werden entschieden dein e n t i e r t. Dagegen werden in den nächsten Dagen schon zwei Noten au die li t auis ch c Regier n n g lt Jt d a n d cn Volk e r b u n -d abgehen. Die Prüfung des Vertrages im Außonlninisterium ergab, das; er in eiuigen Punkten eine Verletzung 'des Artikels 16 des Bolkerbimdsstat>uts Erstelle. DieKonferenzen, die Marschall Pilsudski mit dem englischen Botschafter Max M i il I e t abbcilt, betreffen auch die Einzelheiton dieses Vertrages. S.LNvveeMk' SW He getonten. He Wen 6*1 Mnltti. Dir neuesten Ausreden im BamrnbnnWmtzvl. Die letzten GitztMgon des CeMrMlEkurchsHUchrmgs- «lSsthmstss brxnWM werrig Neues, es sei bm&, daß ttntt am Donnerstag aus «inet Relation der Wionsr PokrzerdiveMon erfuhr, daß jener Jesaias Aberbach, der ein noch ^berichtigtes Konto von 6 Milliarden bar «der Bauernbank hat rm'd auch in den diversen Konsortialgeschähen der christlichsozialen Politiker cmfscheint, kein Deckname ist, hinter .dem sich etwa einige verschämte Chrvftlichsozmle verbergen, sondern ein in W ü r z b u r g in Bayern geborener, nach R o h a t ym zuständiger Kaufmann. Er soll sich jetzt in K o P eutz ag e rr aufhalten. S«u polnische Bndaet. Kein Defizit. Warschau. 8. Oktober. (Poln. Tel.-Ag.) Im Ministerratspräsidium ist in einer Reihe von Besprechungen das Budget für das Jahr 1927 unter Berücksichtigung der äußersten Sparsamkeit aufgestellt worden. Es bewegt sich zwischen 1760 bis 1830 Millionen Zloty, so daß im kommenden Jahre von einem Defizit könne Rede sein kann. Die Regierung rechnet damit, daß im Hinblick auf den Steuerzahlungstermin und auf die getroffenen Sparmaßnahmen am 1. Jänner 1927 starke Reserven im de-n Staatsk-affe-n vochanden sein werden. Ser Uebersall aas Mkechowski. Warschau, 8. Oktober. Die Untersuchung des Reberfallesl auf den Abgeordneten Zdziechowski hat einwandfrei ergeben, daß Offiziere den Uebersall ausgeführt hckben. ES verlautet, daß bereits sechs Attentäter verhaftet wMden. Die Namen werden vorläufig geheim gehalten. Meder ew Zwischenfall im besetzte» Gebiet. DiesmÄ in Mainz. Mainz, 8. Oktober. Die Agence Havcrs melldeb: Ein unbekannter Radschihrer gab csvf zwei französisch e U n t e >t o ff f i % i e t e, als diese sich heute -nachts friedlich in ihre Kasernen begaben, Revolverschüsse ab und verletzte den einen von Äh-nen leicht. Der Radfahrer beging die Dcrt ohne irgend eine Provokation von Seite der Mlitärpersionen. Die Polizei hat eine Untersuchung eingeleitet. Sie Geheimfonds der tschechische« Reglenmg. Prag, 8. Oktober. Wie im Parlament verlautet, wird die neue Regierung in ihrem Programm als ersten Punkt die Aufhebung der geheimen, der repräsentativen außenpolitischen und aller übrigen Fonds verlangen mit der Begründung, daß sie dem Staate und der Nation zum Schaden gereichen. Diese Fonds beschwerten überflüssig das Staatsbudget und verschlangen mehrere Millionen. Außerdem wurden sie nicht immer zU denjenigen Zwecken verwendet, für welche sie vorgesehen waren. Sin Erlaß der Bischof« von Linz. Versammlungsbesuchsv erbot. Der Bischof von Linz hat in einem von allen Kanzeln der Diözese zu verlesenden Erlasse, folgendes bekanntgegeben: ,-Jch verbiete kraft meiner bischöflichen Autorität allen Katholiken meiner Diözese den Besuch von Versammlungen, die von Freidenkern und religiösen Sekten, Bibelforschern usw. veranstaltet werden. Dieses Verbot gilt um so mehr, -wenn in solchen Dersammtl'umigen umglückliche Priester austreten, die von der Kirche abgesallen sind. Wer 'dieses Verbot nicht beachtet, macht sich des U ng eh o rsa m s g egen di e Kirche schuldig." Zur Begründung wird unter anderem gesagt: „Wie rnan ohne ausdrückliche kirchliche Erlaubnis keine glaubensfeindlichen Bücher, Zeitungen rmd Schriften lesen darf, so darf man auch keine Reden gegen den G -l a u b e n f r e i w i ll l i g a n h ö r e n und darum auch keine solchen gegimreschen Vvvsammlmvgen aussnchen, in derven soklche Reden den Hautptgogoystand bilden. Wer zu solchen Versammlungen hmgeht, ivemt auch vm aus sträflicher Rangier, setzt leimen Glauben schweren Gefahren aus, gibt m öffentliches Aergerrr-ch-s, unterstützt die Gegaor und G mÄschEg an dsr Uvtzov- -Msbung tdör ReSiWou^nnd des WsGbeus^" Mm Mittwoch wurden außer S t ö ck >l e r -und Dr. B.it res ch der Wiener Landtag Spräsident Zimmert, fber einige Zeit lang Direktor 'bei der Bauernbank war, und der Derwaltungsrat Bartl als Zeugen einvernomncen. Für den größten Teil der Schweinereien, die bei der Bank geschehen sind, lehnte Zimmerl die Verantwortun-g ab, da sie eben vor seiner Direktionsfühvivng vorkamen. Die Schuld an dem Mihständen matz er dem verstorbenen Direktor Miksch bei und den Beamten, die Miksch über die Details nicht orientierten. Uebrigens seien ähnliche Sachen auch bei anderen Banken vorgekommen. Die B a u e r n b a n k sei stir die Centralbank kein schlechtes Geschäft gewesen. Die Centvalbank habe von der Bauernbank 86 Milliarden bekommen, was der Centralbank unter Umständen die Möglichkeit hätte geben können, dadurch ülbevhcmpt hinaufFukommen Der Vevwaltnngsrat B e r t l verwahrte sich dagegen, daß er der Bauernbank noch Milliarden schulidig sei. Seine angebliche Schuld rühre davon her, daß ihn Landeshanptmcvnnstellvertreter Z w e tz b a ch e r gedrängt habe, Dr Papieve des verstorbrnen Dr. H e d e n i g g zu imtorschreiben und damit gewisse Konti anzuerkemnen. Die Unterschrift fei ihm in einer Verwastuugsratssitznng direkt ab gerungen worden. ' , Am Donnerstag wurde zunächst der gewesene Qberprokurist der Bauernbank Haslinger mksgefragt. Er machte einige unwesentliche Angaben Wer das Frankenspekulationsgeschä'ft, aus denen hervorgeht, daß es sich um kein Konsovtiäl-geschäft gehandelt haben dürste. Die Einvernahme des von den Chriistlichsozialen abgesehteu LandeAhau'ptmannstellvertreters Z w e tz. b a ch e r braichte ebenfalls nicht -die erwartete Sensation. Die Sozialdemokraten, die der Meinung waren, Zwetzb a ch e r werde aus Rache über seine Aus-schiffimg aus der Schmie schwätzen, wurden a-vg enttäuscht. Er lbestättgte nur, daß bei der Bauevnbank, die Raiffeisengelder M Vevwalteir lyMe, ganz wild sPekrUievt wurde und daß Direktor 'Miksch für diese Spekulationsgeschäfte nicht 'der geeignete Mann war. Die Beamten taten mit ihm, was sie wollten. Aus die Francsgeschiichte habe er ebenso wie die übrigen Mtglieder des Direktionsrates daranfgezahtt. Das Genevattonsulat vo« Peru hat seine A»ntSr6«o«e nunmehr im Hauise, 3. Bez., Rennweg 3, untevgeibsscht. Amtssümden von ZLL bis 3 Uhr. Tel.-Wr. 62-4-06. Sie Polizei in der Me. Ms Paris wttd gemaldvt: lJn den letzten Ääjjät rnuHe die Staatsbahngesellschast in Paris andauernd große WaggoüdiebstäGe feststellen, ohne daß es gelang, eine Sp«r der Täter zü finden. Es wurde auf atten Bahnhöfen vor und in Paris ein fchavser UeLerwachungsdienst eingeriDet, aber auch diese Maßnahme fruchtete nichts. Endlich schloß man zwei Pvkizeikommisfäve in eine große Kiste «m und' beförderte dieselbe genau wie sonstiges Eistubahngütt. Die Häftlinge Hatten Nahrungsmittel mcd MidtzurgHücke De acht Tage mit sich. Zwei Tage lang wwcden sie in rhvem' Wage« auf sämtlichen Berschiebebahnhöfen vvn Paris hvramr geleitet. Endlich meldeten sich di» EffenbahmMbov. D«ß Effenbchnbeamte öffneten während der Nacht den Wogemj wch begannen, ihtn sachgemäß! M euttadW. >Jhr Schwck war nicht gering, als die beiden KvmmWwe mit Rvvdlvsw str der Hand <m %jm KWe sMUW». ,Ay bm müm Mfaä HB?.« ’)n^"tjäCTi8Br.TiiJ;',|