Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2737 (9.10.1926)
- Date
- 1926-10-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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| Polen: 35 groggy 1 Wien: Zum Abholen in der Expedition, 11., Taboretr 1-8 oder ineinerVersehleißstelle (Trafik) monatl.6 Schilling. Straßenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, l., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakei! Mon K 22 Jugoslawien: Mon. Din. 60 Polen: Mon. 6 Zloty Deutschland: Mon. Om. 4. Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 35 Nachxahianeen bei PtetjerbSboneen Vorbehalten Wiener I Preis «O g| England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 20 Lire Rumänien: Mon. 1A)Lei 8 ul ga r i en: Mon.100 Lewa. 8 c hw e i x und das übrige Anstand monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon: 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 Uhr : Tel. 31-209 M., Lerchenfelderstraße 1 (Druckerei „Inva“) Oesterroichisches Postsparkassenkonto Nr. 150 693 Rr. *737 Wim. Samstag, 8. Sftober 1926. 8. Saftrgang Der Beamtenstreil bis 12. Sttober verschoben. Me Sewerkschasirkommifiion eil Ham Streit ab. Im redaktis,retten Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen find durch ein vvrangesetzteS E gekennzeichnet. SCHNEESGHUHP«.8AlOSCHiM | I t>E-< I VJff lw 4 Bor einem neuen Putsch in Spanien? Paris, 8. Oktober. Wie vre Agenee Havas meldet, sollen sich aus Grund von Nachrichten, die aus- Lissab o n kommende Reisende mitgebracht haben, in der dergangenen Nacht in Spanien die ersten Kennzeichen einer neuen militärischen Bewegung gezeigt haben. Führer der Bewegung soll der abgesetzte ehemalige Verbindungsoffizier des Kriegsministers Oberst Jsay A l m e i d a sein. Seeckts Iemisfion genehnist. Berlin, 8. Oktober. Reichsprästiienl Hmdenburg hat! heute.mittag) 1 Uhr das Rückt riti^gsiuch des Gen.'ralober: sten v. See kt genehmigt. Der R-ich. Präsiden: hat de. Generaloberst in Audi N'. einpfangen und ihm noch münd lich seine Auerk-m iun.g^ und den Dank für seine uusopfe ruugsvolle Tättgkeit an der Spitze der Rüchttvehr ausge sprachen/ Reichspräsident Hindenburg. der sich, vergeblich um die BeilMing des Konfliktes Seeckt—Geßler bemüht hatte,' hat an den Generalobersten von Seeckt ein Handschreiben gerichtet, in dem er mit Brauern von seinem Rücktritt Kenntnis nimmt und ihm m herzlichen Worten den Dank s.ür seine Leistungen aus-drückt. Das Schreiben schließt: „Ich hoffe zuversichtlich, daß Ihr vielseitiges Wissen und Können, Ihre Tatkraft und Ihre Erfahrung auch künftig unserem Vaterlande nutzbar sein werden." Als Nachfolger des Generals von Seeckt werden verschiedene Persönlichkeiten genannt. An erster Stelle steht nach Ansicht weiter Kreise Generalleutnant Heye, der Kommandeur der in Königsberg stehenden Reichswehrdivision. Heye war Mitglied der Obersten Heeresleitung unter Hindenburg und hat in den Tagen des Zusammenbruches jene denkwürdige Ko mm and euv ersam mln n g einberufen, die Wilhelm n. den Rücktritt nahelegte. Später war er im Reichswehrministerium tätig und hat während des Kapp-Putsches das Reichswehrministerium sin Berlin, geleitet. Er soll , es auch gewesen sein, der General von Littwitz zur Abdankung veranlaßt hatte. Außer General Heye wird neben General Reinhardt, der jedoch, wie verlautet, schon abgelehnt hat, vor allem noch General Hasse, Divisionskommandeur von Berlin, als Nachfolger genannt. Wilhelm verträgt das filima in voorn nicht. Berlin, 8. Oktober. Ueiber Nebersiedtungsblöne des Exkaisers Wilhelm meldet ein Telegramm des „Berliner Tageblattes" aus dem Haag: „Wie verlautet, trägt sich der Exkaiser mit der Absicht, n>qch Deutschland und Klvar nach Homburg vor der Höhe zurückzukehven. Der Exkaiser begründet sein Vorl-aben mit den seiner Gesundheit unzuträglichen klimatischen Verhältnissen seines jetzigen Wohnsitzes. Die Frage seiner eventuellen Rückkehr nach Deutschland habe der Exkaiser bereits öfter mit dem niederländischen Innenminister erörtert. Auch habe der Exkaiser durch ihm befreundete niederländische Kreise am Hofe von St. James Schritte unternommen, um. zu erfahren, welche Halbung die b r i t i sch e Regierung im Falle seiner Uebersiedlung nach Deutschland einzu- ’ nehmen gedenke. Weiter verlautet, daß sich der Quai d'Orsay im Haag wogen der Rückkehrwim s.ck»d Exkaisers informiert habe. In letzter Stunde sind die Vertreter der öffentlichen Angestellten davon abgekommen, bereits heute mit dem Streik einzusetzen. Telephon und Telegraph lahmzulegen und den Beamten anzubefchlen, Schreibtisch und Schalter zu verlassen. Es ist dem Einschreiten der Gewerkschasts ko m Mission der Arbeiter und Angestellten zuzuschreiben, daß die angedrvhte Kalamität vertagt wird. Sie gab namentlich den Staatsarbeitern zu bedenken, daß ein Streik nicht gegen und ohne den Willen der Gewerkschaftskommi'ssion durchgeführt werden könne. Dadurch war die Position der von Abgeordneten Zelenka geführten Techni>chen Union schwer erschüttert, denn dir Staatsarbeiter mußten sich sogar im Falle des Boamamtenstreits daraus gefaßt machen, baß die der Gewerkschastskommission unterstehenden Fachgeuosjen, zum Beispiel Trucker,.iarbeiter, aber auch Metallarbeiter, Elektriker usw. Streiksrbeit für den Staat leisten würden. Nun lenkte zuerst Abgeordneter Zelenka ein und ihm altomodierten sich schließlich auch die Vertreter der Hvhcitsbeamten, deren Streik ja schließlich ohne die Mitwirkung des Telegraphen- und Telephonpersonals sowie der Arbeiter in den staatlichen Betrieben ziemlich unwirtsam gewesen wäte. Dir Regierung ist fest geblieben. Ter Minifürrat 'hat nachmittags in einer mehrstündigen Sitzung auf Grund eines eingehenden Referates des Finanzmi..i,lers Kol l m a n n. soroohl Wer die ,Forderringen der Bu ndesattgestellt en als auch über die Mögtich^ileu, den Wünschen der'BÜndesangestellten im Rahmen des pvo 1927 zu' erstellenden Budgets entgegenzulommen, berateil. Ferner wurde über die Maßnahmen, die von den Behörden für d e n F a l l eines Streiks durchzuführen sind, Beschluß gefaßt. Es ergab sich die Notivendigkeit, das Budget einer nochmaligen Ueberprüfung zu unterziehen. Tas Ergebnis dieser durch das Finanzministerium iln Eiuveritehmen mit den Ressorts vorzunehmenden Ueberprüfung wird dem Ministerrat vorgelegt werden, der sodann die endgültigen Beschlüsse für die am 12. Oktober mit den Vertretern der Bmrdesangestellten beginnenden Verhandlungen fassen ivird. Noch dem Minrsterrat traben der 26er Ausschuß und die Technische Union zu einer Sitzung zusammen, die bis l4t2 Uhr nachts dauerte. Zunächst wurde folgende Mitteilung zur Kenntnis gebracht: Der Ratschlag der Gewerkschaftskommission. Die Oesterreichische Gewerkschastsk o m m i s s i o n hat mittags die Vertreter der freien Gewerkschaften der Bundesangestellten einberufen unid ihnen mitgeteilt, daß sie folgende Tatsachen mit voller Sicherheit m Erfahrung gebracht halbe: Die Regierung hat die Absicht, den Bundesangestellten einen Vorschlag bezüglich der Regelung der Besoldungsverhältnisse im Jahre 1927 zu machen, der bedeuten würde, daß die Bundesangestellten im Jahre 1927 nicht emnial ebenso hohe Gesamtlbezüge hätten, wie im Jahre 1926. Die Regierung ist sich sehr wohl dessen bewußt, daß das Bekanntwerden eines solchen Vorschlages unabw.'ndbar einen S t r e i f .5 « r Bundesangestellten zur Folge hätte und die geschlossene Einheitsfront der Bundesangestellten gegen die Regierung Herstellen würde. Die Regierung hält daHer den allgemeinen Streik der Bundesangestellten für u n v e r m e i d l i ch. Deshalb hat sie Die morgige Ausgabe Oer „ Wiener Morgenzeitung“ erscheint in verstä rktem Um fange und enthält u. ä,: „DIE ERBSCHAFT“ Novelle vop Scha'/om Asch, ferner „DAS BUCH DER ZEIT“ sowie zum ersten Male die Rubrik „Automobilrsmus“, die fortab Jeden Sonntag erscheint <QOQQCXXXXXXXXXXXXXXX>OOOQOQOQOOQQOOOQQQ -die Absicht, den Bundesangestellten eine Falle zu stellen, um sie dazu zu verleiten, den Streik unter Bedingungen zu beginnen, die für die Regierung möglichst vorteilhaft und für die Bundesangestellten möglichst nachteilig sein sollen. Zu diesem Zwecke hat die Regierung den von ihr versprochenen Verhandlungstermin vom 8. Oktober nicht eingehakten, um den 26er-Ansschutz und die Technische Union in die Zwangslage zu bringen, wegen des Aufschubes der Verhandlungen den Streikzubeginnen, in einem Augenblick, in dem die Absichten der Regierung bezüglich der Besoldungsregelung für das Jahr 1987 noch nicht bekannt sind. Die Regierung glaubt, daß ein solcher Streik die öffentliche Meinung gegn sich hätte, weil sie glauben würde, daß -der Streik nur aus dem Streit über den Verhandlungstermin entstanden ist, und daß daher ein solcher Streik für die Regierung viel vorteilhafter ist als der Streik, den die Regierung selbst als unvermeidlich ansieht, m dem Augenblick, in dem ihre Abfichten für das Jahr 1927 bekannt werden. Die Regierung glaubt weiter, daß, wenn der Streik jetzt wegen der Frage des Verhandlungstermines ausbricht, sie in. die Lage kommen wird, erst nach Beendigung des Streiks den definitiven Vorschlag für das Jahr 1927 zu machen, und daß „die Bundesangestellten dann nicht in der Lage sein werden, den Streik sofort zu wiederholen. Die Absicht der Regierung ist also, die Bundesangestellten in eine Lage hinein zu manövrieren, in der sie gegenüber dem unannehmbaren Vorschlag, sich im Jahre 1927 mit niedrigeren Bezügen zu begnügen als im Jahre 1926, überhaupt Mer k«n gewerkschaftliches Mittel mehr verfügen würden. Die Oesterreichische Gewerkschaftskomnrission hat von diesen Tatsachen, die sie mit voller Sicherheit kennt, den ihr angeschlossenen freien Gewerkstch asten der Bundesangestellten Mitteilung gemacht und ihnen geraten, zu erwägen, ob angesichts dieser Sachlage es nicht zweckmäßiger wäre, den Kampfbeginn zu verschieben, die Vorschläge, die die Negierung für den 12. Oktober in Aussicht gestellt hat, a b z u w är t e n und dann erforderlichenfalls den KamPf unter g ü n st i g e r e n B edingungen zu führen. Die freien Gewerkschaften haben den 25er-Ausschuß von diesen Mitteilungen der Oesterreichischen Gewerkschaftskommission verständigt. Nach eingehender Aussprache faßte der 25er-Ausfchuß und die Technische Union einstimmig den Beschluß, die Gegenvorschläge der Regierung am 12. Oktober . abzuwarten und daher den für den 9. Oktober, 12 Uhr mittags angeordneten Streikbeginn bis auf weiteres zu verschiebe«. Die für die Durchführung des Streiks getroffenen Vereinbarungen bleiben aufrecht. Die Aktionsausschüsse werden angewiesen, sich bereit zu halte«, um auf eine kurze Weisung hin sofort wieder in Funktion treten M könne«. Ut englische Streik. Die Verschärfungen trete« nicht sofort in Kraft. London, 8. Oktober. Die Bergarbeiterkonftrenz hat beschlossen, keine unverzügsiche Aktion ztir Durchführung dev gesiern gefaßten Beschlüsse auf Verschärfung desoItreM einzuleiten. Diese sollen vielmehr dm einzelneit Distrikten zur Ratifizierung vorgelegt iverden. Es herrscht der Eindruck vor, daß die von den BerMttm bei der gestrigen Delegiertenkonferenz bezogene KampsfivSlnng den letzten Versuch bedeutet, zu einem natio^ nal en Abkommen zu gelangen, und damit dm nationa-, nalen Verband der Bergarbeiter zu retten, den §u zerschlag gen, bi< Grubenbesitzer ent schlosst MchWj.