Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2736 (8.10.1926)
- Date
- 1926-10-08
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 Wien, SI'Mber WS6 mrms' ve « und Sk« Z I o n i st« n --R e v i j i s«i st « n, beteiligen. Ter Chefredakteur der Pn;äftina-Regierung hat der Stadtverwaltung mitgeteiit, daß laut der Interpretation des Obersten Gerichtshofes, wonach nur S te u e r za >h-ler zu wahren haben, auch Fraa«n, die Steuern leisten, ebenso Pächter, das Wahlrecht erhalten. Die Wahllisten werden demgemäß ergänzt werden. Lr. Art« HmSe ko Meu. Der TLreSor des Keverr HctzeffoL», Herr Är. WM« Ha ntke. wind aniläWH -er Deäogömg -er Keren Hajesiod-Zentrabe tocat ßo*fcou «ach Gemchckem schon in der allernächsten ZeÄ «ach PuLWna übersteÄÄu. Vorher urrternimmt er «me ^nsovo«MlmSkeißL durch de» stimmte jüdische Zentren Europas, uw -ie Möglichkeiten einer Bestärkung -er zionistischen A-vbeit für das pcckastrnerOfche Aufibamoert, sowie die Landesstellen -es Keren Hajessod zu Prüfen. (lJn dieser Arbeit teÄt sich Dr. Hantke mit dem zweiten neu bestellten Direktor -es Keren Hasessoi-, Herrn Joffe, der wieder andere Länder -es Kontmonts -bssacht.) Montag, den 4. Oktober, traf Herr Dr. Artur Hant-ke in Wien ein. Es fanden eingehende Konferenzen mit den Dhrenden Märmiern -er zionistischen Lan-esorMmifation und mit dem Präsidium -er österreichischen Keren Hajessad-Krmmmsfion statt. In mehreren ZufammeMirrfton -er zionistischen Verttaueusmärmsr und der Keren i.Hassejöd-Zerchner hielt Herr Dr. .Hantke Vorträge über die gegenwärtige Lage in Erez Israel, über Ursache, Umifang und Abbau der wirtschaftlichen Krise, über den Stund des Aufbauwerkes und über die Notwendigkeit der nächsten Zeit. Gerne Referate, «r die sich lebhafte Debatten schlossen, erwiesen die drin gliche Notwendigkeit, das vom letzten Zionisten- Kongreß votierte PMfkmatzudget durch einen einmaligen außerordentlichen Betrag zu verstärke n, der durch eine So nd erleistnng für den Keren Hajes so - zu bestreiten ist. Unter dem Eindruck der Vorträge Hcmtkes haben zahlreiche Keren Hajessod-Zeichnor, insbesondere die Mitglieder der zionistischen Organisation, nebst ihrer Jahresleistung fiir den Keren- Hcrjesioeinen emmMgen Sonderbeitrag zur Verfügung gestellt. Nebst diesem Erfolge für den Keren Hajesfod, der nach iden MitteDumgen des Lstevreichrjichen Keren Hajessod- Büros als 'an seH n lich zu bezeichnen ist und sich noch auswirken wird, well die Vsvtra'uensmcMner, welche den Beratungen beiwohnten, es sich zur Pflicht gemacht haben, in ihrem Wirkungskreise, die Aktion fortGusetzen, haben die Aussprachen unter Zuziehmig Dr. Hantkes über die Londoner Tagung des zionistischen Aktionskomitees, über die Erfordernisse der Fonds und die zionistische Politik, die Basis für die organisatorischie und propagandistische Arbeit der österreichischen Zionisten geg-Äben, welche sie in der Zeit bis zum nächsten Ziomfftentkonyvetz durchzufli hren haben. Herr -Dr. Hantke reisttzerkbear-aDPrag weiter. Huffein und sein öekrUffr. Der entthronte König des Irak als Kläger. Im ganzen Orient spricht man jetzt über den Verlauf des Prozesses, den König H u -s sein gegen seinen Privatsekretür vor dem Bezirksgericht von Nikosia, der .HauMtadt von Zypern, wo Hussein in Verbannung lebt, angsstvengt hatte. Hussein beschuldigte seinen Sekretär, daß er 250 Pfund im Gold, die er zur Tilgung einer Schuld des Königs hätte verwenden sollen, unterschlagen habe. Die polizeilichen Erhebungen konnten nichts Positives zutage fördern. Ueber den 'bei einer Hausdurchsuchung im Koffer vorgeftmdonen Betrag von 217 Pfund beftagt, erklärte der Sekretär, daß dies se i n e Ersparnisse seien, was der König für unmöglich MM, da die BePige seines Sekretärs s -o gering seien, daß er davon keine Ersparnisse machen konnte. Die Verhandlung, die einen starken Zulauf von Zuhörern hatte, nahm zwei Tage im Anspruch: zahlreiche Zeugen aus der Hingebung des Königs wurden verhört. Der bekbagte Sekretär erklärte sich nichtschuldig und sc^te, die Mage Husseins fei ein Racheakt -dafür, daß er als des Königs Sekretär in einem andern Prozeß mit eurem H o t e l i e -r. der Wahrheit entsprechend gegen seinen Herrn aussagen mußte. Das Gerrcht nahm die Schuldlosigkeit des Sekretärs als erwiesen an, sprach i h n frei und verurteilte König Hussein zur Bezahlung der rückständigen Bezüge seines Sekretärs und zur Tragung der Prozeßkosten. Ae bebende Sede. Erdstöße im Altai, katastrophales Beben in Indien. Wiq aus Moskau gemeldet wird, wurde im Altaigebirge ein heftiges Erdbeben beobachtet. Dadurch dürste das Fernbeben vom 4. Oktober nachts, das die Erdbebenwarten von Faenza und Paris in eine Entferttmg öon etwa 11.000 Kilometern registrierten, lolalbestimmt sein. Das Maigebirge, das einen Teil der. Ostgreuze Sibiriens gegen China bildet und mit einem Ast die Wüste Gobi teilt, wird verhältnismäßig häufig von Erdbeben heimgesucht. Ferner meldet „Matist" aus B o m b a Y, daß ein furchtbares Erdbeben, vvn eitlem Wirbel sturm begleitet, die Gegend von Karachi in Indien verwüstet habe. Der angerichtere Schade wird auf 25 Millionen Rupien geschätzt. Zahlreiche Bewohner strü» obdachlos. Wayl zvm NvsümWm »«esiemn' las füt Seltene!- MS. Das Zionistische Lmdeskomitee derkautbart «achsteyerche Krmdmachuugr 1. Zur HiutmchaKnng AM MWekMch«W» Mrd damuis aufmerksam gemacht, daß laut Punkt 6 des Wahlregnlattvs in Wahlkretzen, in wAchen nur ein Delegierter zn wähle» ist» dir Dnreichimg von WaYwyrstWsen unterbleibt und daß somit in diesen Wahlkreisen jeder passiv Wahlberechtigte ohne jede SyrnraliW M bmditieren bevechtigt ist. 3. Mr Re nachsdchenden Wahlkreise, dem« dvS Recht zur Wahl von wehr als einem Delegierten zusteht, daS fbw Wahlkreis Sektion ll, Wahlkreis Prater» Wahßkrois VI. bis VIII. Bezirk WayAreiS X. Bezirk,Wahlkreis Zwischenbrückeu und Wahlkreis Graz, wird die Frist zur Einreichung von Wahrvorschlägen (8 6 des Regulativs) bis SamStag» den 9. d. M., S Uhr abends, fre#* lämgert. 1 Auszag arrS dem Wahlregulativ. Die Abstimmung ist geheim. Das Wahlrecht ist. persönlich im Wahllokal auszuüben, Stellvertretungen sind unzulässig. Jeder Wähler hat der Wahlkmmnission seinen Namen und seine Adresse zu nennen und die Quittung über den entrichteten Schekel vorzuweiseu. Die Wahlkmmnission hat daraufhin die Wahlbevechttgnng festzustellen. Die Wahlkonnnisfionen haben Maßnahmen zu treffen, die eine ordnungsmäßige Legitimierung der Wähler gewährleisten, um eine doppelte Ausübung des Wahlrechtes zu verhindern. Sofern der Wähler der Wahlkommission nicht bekannt ist, gilt als Legitimation das Vorkommen seines Namens in der offiziellen WähleMste sowie eine seine Jdentttät und den Wohnsitz hinlänglich bescheinigende Urkunbe (Meldezettel, Legitimation, Straßenbahnkarte und so weiter). Ist der Wähler nicht im Besitz solcher Urkunden, so kann seine Agnosziermrg durch der Wahlkommission bekannte Personen erfolgen. Hiezu ist ein besonderer Beschluß der Wahlkmmnission erforderlich, der in dem Wahlprotokolt zu vermerken ist. Bei Zweifel über das Alter des Wählers ist die Kommission berechttgt, die Vorlage eines Dokuments zu verlangen, aus dem die Erreichung des 18. Lebensjahres nachgewiesen wird. Der vom Wähler abzugeibende Stimmzettel kann jede beliebige Form haben. In Wahlkreisen, in denen nach Wahl- Vorschlägen zu wählen ist, ist der Stimmzettel gWig, wenn er entweder die Partekbezeichnung oder wenigstens den Namen eiries Bewerbers der Liste nnzweideuttg dartut. Dagegen sind Sttmmzettel ungültig, wenn darauf mehrere Listen oder mehrere Namen aus verschiedenen Listen^ bezeichnet sind oder wenn sie auf andere als die eingereichten Wahlvorschläge lauten. UngMige Stimmen sind ebenso wie leere Stimmzettel bei der Berechmmg des Wahlergebnisses nicht in Betracht zu ziehen. , -Sttf Wahlkreisen, in webchen nur ein Delegierter zu Wählen ist, ist die Wahl des Delegierten und seines Ersatzmannes in einem Wahlgange vorzunehmen. Als Delegierter vzw. Ersatzdelegierter erscheint derjenige Wahlwevber gewählt, welcher die höchste Sttmmenanzahl auf sich vereinigt (relattve Majorität). Enthält ein Sttmmzettel zwei oder mehrere Namen, so werden die Stimmen für den an erster Stelle Stehenden für die Wahl des Delegierten, des Nächstfolgenden für die Wahl des Ersatzmannes angerechnet. Wenn aus zwei Kandidaten dieselbe Sttmmenanzahl entfällt, entscheidet das Los. Ehrung des Sberrabbiuers Sr. Ehajes dmch die Salzburger gudeMaft. Aus Anlaß feines 50. Geburtstages. Mvn schreibt uns ans SalzbuLg: Durch Lire „Wiener MorgenFeitnirg" erfuhr foie Saltzbrrvger zionistische Ortsgriuppe, daß Herr Oberräbbnrer Professor Ehajes seinen 50. Geburtstag zur Zeit beiging, als er als Delegierter der jüdischen VMerbundliga Oesterreichs der Tagung der VWkerbundligen in -unserer Stadt beiwohnte. Noch am Wend des 3. Oktober, dem Tage -des Gebuvtsfestes, -Lud die zionistische Ortsgruppe die Salzburger Jutdenschaft m einer Metier ein, bei welcher Herr Oberrabbiner Ehajes in Begloitrmg des Präsidenten «der österreichischen zionDischsn Organisation, Herrn Dr. Desider Friedmmm -und des Sekretärs der österreichischen jüdischen BälkerbunAiga Herrn Dr. Oskar Karbach erschien. Der Obmann der zionistischen Ortsgruppe Satlizbuvg., Herr Schönhorn, ferner Herr Obsrvechntungsrat P o l l a k und der Salzburger Rabbiner, Herr Dr. P a p o feierten Dr. EhajeS als den großen Sohn >untd Erzieher des jüdischem Volkes, als hervorragenden Gelehrtem und als zion-istischen Mhirer. Nach den Gastgebern ergriff der Präsident des zionifttschen Lamdeskomiises für Oesterreich, Herr Dr. F ri ed m a n n Las Wort, ülberbmchte idie Glückwünsche der zionWschen Organisation Oesterreichs an Oberrabbiner Dr. Ehajes und sprach sodarm über die Ursache der Anwesenheit der Debogabion der österreichischen jüdischen VolkevbuMiga in Salzburg, über den Verlauf dieser Tagung «der Miberbundligen, über die Notwendigkeit der Wa-hnung Ler Rechte der jüdischen MinoviE, fwner über zionistische Kuiftm-, Erziehungs- und OvganisatiomsfmgM. Nach Hm sprach noch Herr Dr. K a rb a ch über die Idee der Bölkerbundligen und ihre Be- «dentiung. Zum SchÜrch hatte die Salzburger Judenschaft die große Freude, auch Herrn Obevrabbiner Dr. C h a- .: santJ .l.'L. .2» je 8 sprechen zu hören, der wichtige PrMeme der zionistischen Bewegung behandelte. Der eindrucksvolle Abend, an welchem auch Herr KluttusprüsidLnt Löiwy Mn ahm, wird allen eine erhebonde Erkmevung Aeiibsn. .Ser heutige Mensch und die Bibel'. Der dvitte Bovtdag Martin BuberL». IHN brüten Bvttray beschäfttgte sich Martin Bub er mit der Charakterisierung des besteherrden Verhältnisses des Menschen zur Bibel und entwarf ein Bild, wie sich diese Beziehung, um für die Mrklichkeit des Menschen fruchtbar zu sein, gestalten mutz. Der heutige Mensch hat zur Bibel ein symbolisches, ein geistiges Berhältms. Gerade aber dem heutigen, der immer zwischen Geist und Welt schwankt, der zerrissen und gespalten in diesem tiefften Sinne ist, kann die Bibel, das heißt das Alte Testament, 'über "das Bober eigentlich spmch, noch sehr viel geben mtb fein. Es. kommt nur auf die Bereitschaft des Mmschen an, sie fo Mfzunehmen, daß sie für eine Ganzheit, eure Einheit tAav i stelle, und nicht nur eine Sache des Geistes, eine Abteilung des Geistes. Religion will ganz ausgenommen werden, sie Mutz als unzertrennlicher, sich immer wieder in der Mit und im Menschen verwirNichender Prozeß von Schöpfung, Offenbarung und Erlösung aufgefatzt werden. ■; :!2fo einigen Markanten Stellen «aUs den ersten vier Büchern Moses, die Buber nach seiner eigenen UeLerschung wundervoll vovtrug, bewies Buber, daß! es in der Bibel keine Zweiheit von Geist Und Welt gebe, daß sich vielmehr sowohl im Bereich der Schöpfung, als auch der Offewbw> rimg und Erlösung eine Einheit von Geistigem «üb Körperlichem offenbare. Der Mensch muß' Äben"diese Einheit aufnehmen, die ihn erst mit wahrhafter Religiosität erfüllt I und seine Beziehung zur Wirklichkeit rechtmäßig gestalte» kann. Im Men Testament, wo das Religiös-Wirkliche deutlich wird, ist alles konkret und mcht Sache der Wstyrkttonl. Gott durH>rrnge den Menschen. - < >; i Ae Laube im Gotteshaus. Es war am ersten Morgen des Laubhüttenfestes im Tempel. Ich saß auf der Mittelgalerie der Frauenabteilung und verrichtete meine Andacht; ich lauschte —;m» ehrlich zu sein, es war ein durchaus weMiches IGenießen — den wundervollen Gesängen des Borbeters und Chores. Da Men meine Blicke auf etwas Seltsanres, Wunderbares. Seitwärts, unweit der Orgel, saß auf einem der Kronleuchter ganz am Rande des Zylinders etwas Lebendes, Braunes.— eine Taube. Wie kam sie hieher, woher kam! sie? Ruhig, Grr ab und zu mit dem Köpfchen nickend, blickt« sie tzunher auf die betenden Frauen. Die Orgel erbrauste, jubelnde Weisen steigen empor, nichts schreckte M es schien vielmehr, als fänden sie ihren Beifall, die iheikigeu Weder, die hier zum Lobe Gottes erklangen. Du liebes Täubchen, just zu uns führte dich dein Weg, heute, am Sonntag, wo alle Kirchen offen ^stehen? Weißt du denn nichts von Rassenunterschieden, hast du nie et'lvas vom Numerus clausus gehört, von ftommen und „freien" Turn- und Alpenvereinen und ähnlichen kulttlrfördernden Einrichtungen? Und weiter wanderten meine Gedanken. Richard Wagners „Gesammelte Schriften" fielen mir eiil. Seine vernichtende Krittk über idie JiLen, über das Judentum überhaupt. Wie komcte dieser große Denker, Wahrheitssucher und Kämpfer, der das Heil der Menschheit, die Erlösung in der Liebe, sOpferwilligkeit, im MitÜeid sah, so ungerecht fein und ßo abftiMg, ja gchässig urteilen.? „Der Jude hat nie eine eigerre Kunst gchabt, daher nie ein Leben von kunstfähigem GchaÜe", heißt es im 5. Band der „Gesammelten Schriften" Richard Wagners, und cm anderer Stelle: „Wer nie die fteche Zerstreutheit und Gleichgültigkeit einer jüdischen Gemeinde tvährend ihres musikalisch ausgeführten Gottesdienstes' in der Synagoge beobachtet hat..Unwillkürlich glitten meine Augen über die Rechen der anwesenden Frauen. Bon einer „frechen Zerstreutheit" konnte ich hier nichts wcchrnchmen. Ich f'We Gattes Whe überall, in der Synagoge, draußen in dar freien Natur, W Haufe -und Gottes Hcnrch imrvwsht mich am stärksten — es mag ja sündhaft klmgen — im Theater beim Anchören Wa-gner'fcher Tondrmnen. Unb wieder machte -ich Hinsehen zu Äer Meinen mrbttümmerten Dcvrt-be. Bon meiin-er ftühoston Kinidheit <m »war ich nie sorglos gewesen. Evimrerungen aus der Jugendzeit stiegen auf. Ich sah nckh als kleines Schulinädchen zur Schicke gehen. Unterwegs begegnete rrckr ein Harrfe Brkben, «die liefen hinter mir -her, fchbugan mit "»den Fmlsten auf NWine Rückentasthe -und schvieen, «häßliche Fratzen fchlwidend: ,^Zidovko, zidovko!" Wie 'karnen diese Jurrgen dazu, mich zu verchöhnen? Weder inr EttemlMrse noch im Verkehr mit -imseren jüldiWm