Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2736 (8.10.1926)
- Date
- 1926-10-08
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Jjßi U«!, . Men, Frsitag WWTMMMMDMM — dienet wtofgeu^roung 8. Dyor« 1896 Sh. »86 Vor dem Beamtenstreik. Letzter Tennin — Samstag früh. Heute abendläuft da^ von den Beamtenorgcmisatümrn und her Technischen filrion {Kitdltc u ltimatum ich. Waner bis dahin die Regienntg die Verlmrchhrrrgelr Mit den Bun« desangesielttenorganisntionen nicht Dpfnimmt, scheint der Streik unabwendbar. Es MM bau« moyg etzß mittags, Ms die NWernng mH M Mgjtzns HaMtH früh das versprochen PerhalLürngsmaier'ial unterbreitet, alle, von den Aktionsausschüßen >er Koheüsbeamten uM der Technischen Union vmchereiteten Maßrulliiuerr, in Vollzug gesetzt werden. MBWll sollten, wie es heißt, nicht nur Telegraph, Teckephvn und Post, sondern auch nWl staatlichen WM* und Anstalten in den Streik rknbezogcn werden. Nur auf We ihturnanitätsanstalten, Spitäler usw., urrd Ws jene Aenrter, von deren Funktionieren die Lebensnnttelversorgung abhängt, würde Rücksicht genommen werden. Tie Beamten betellern immer wieder, daß cs sich ihnen um keine Prestigefrage haMö, Zn Mer Mgepen Berlautbarlrng silchm sie zu beweisen, daß st? von der Re« gierung mit dem Berhandlungsbeginn über die desinjitive Gehaltsregelung seit Mai l. I. hingehälten werkelt. Es seien nickst so sehr die vier Tage — die Beamten hatten den Berbandlungsbeginlt für heut? befristet, die Regierung will die Verhandlungen erst am Dienstag beginnen — um Hst der Streit geht, sondern die Äxfcchr, daß nnt Rücksicht ans öie vorgeschrittene Jahreszeit, das neue Gehaltsgesßtz bis 'nw Jahresschlnß infolge Zeitmangels überhaupt nW mehr verahschiedet Wrden könne. Es müsse jetzt ganze Arbeit geleistet und nnt der Verschleppungstaktik Lberhmrpr Schluß gemacht WchtzN. Tie Negierung hat gestern nochmals einen Versuch gemacht, den Beamtenvertretern die kürze Berschi^Mtg des Verhandlungstermines bögreislich zU machen, hatte <ÜW haniit keinen Erfolg. ' .Ein Schreiben Dr. Rmneks. kkeber Wunsch des Bundeskanzlers erschienen Vonmkttags die Vertreter des 25er-Ausschnsses und der Technischen Union im Bundeskanzleramt. Dr. Rain«? teilte mit, daß' er die Gründe, welche die Regierung zur Verlosung W Verhandlungsbeginnes auf den 12. Vkttzber veranlaßt hübe, ist einem an den Vorsitzenden des Mr-Ausschusses gerichtetm Schreiben niedergelegt We und die Vertreter der Beamten zu sich gebeten hätte, um dem Direktor Hold diese schriftliche Erklärung zu übermitteln. Dr. Rcnnek brachte das für Direktor Hold bestimmte Schreiben M Perlesung, in welchen! es u. g. heißt: „Zitz Annahme, daß die. RegikMNg hie PerhcmdlungW hinausschieben wolle, die Motive, die man der kurzen Verschiebung des Verhandlungstermines um vier Tage zngrundolegt, sind vollkommen unbegründet. Dies gcht wohl Ms der Tatsache hervor, daß' ich, als ich Montc^l, den 4. Oktober, auf Grund der mir erstatteten Berichte die AeLerzeügnng gewann, 'daß die Arbeiten zu 'dem dön prir' beabsichtigten Termine, also Freitag, den 8. Oktober, aus technischest Gründen nicht abgeschlossen! sein könnten, trotzdem selbst eine Fallfrist ansetzte Und die-Organifationen der Bundesangestelltm bereits für den 1£, Oktober in das Bundeskanzleramt eingeladen habe, um die Perhandlungen zu beginnen. In der Festsetzung dieser Fallfrist liegt zunächst der Beweis, daß' der Regierung jede Bwschlkppnngstakti? ferne liegt. In ihr ist weiter der strikt? Mtstrag cm alle mit den Beqmtenfragen heslMstigtm Ressorts M erblicken, bis zu dem von mir in Aussicht genoWnenänl Termin, dem 19. Oktober, die Arbeiten Unbedingt zu beend eint Wenn die Negierung aber ihre Wsicht, in ernste, zielführenhe Verhandlungen einzutreten, verwirklichen will, dann war es auch Me unbedingte Pflicht, die Materialien, die die Basis der Verhandlungen zu bilden haben, ist ernwmchfrM Weise flGrznstellen. . Dir Ant-vvrt der Beamten. Aach eingehender Aussprache über das Schreibendes Bundeskanzlers beschloß der Fünfundzwanzigerausschuß mch die Technische Union, Direktor Hold zu beauftragen, dem Bundeskanzler in Beantwortung seines Briefes folgende schriftliche Mitteilung zu machen: „Hochgeehrter Herr Bundeskanzler. Die im Fünfundzwanziger- Msschuß vertretenen Organisationen und die Technische Union bedauern es, daß ihnen die in Ihrem Schreiben enthaltenen Mitteilungen nicht schon früher gemacht wurden, wozu sich besonders am Dienstag, den 4. d.. M., nachmittags, durch hi? vom Exekutivkomitee und her Technischen Union angesuchte Unterredung mit Ihnen geboten hätte. Die Vertreter können, da sich die Lage fest Dienstag nachmittags für sie ivesentlich geändert hat, in Ihrem Schreiben, hochgeehrt«? Her» Bundeskanzler, für den gegenwärtigen Zeitpunkt einen Anlaß zur Aenderung des Ihnen bekannten Standpunktes nicht erblicken. Sie sind nicht in der Lage, die am gestrigen Tage gefaßten Bpschlüffe rückgängig zu machen, insofmw ftnicht noch vor Samstag früh jenes BerhaMungsmaterial.erhalten, das ihnen die. Gewähr für die sofortig» Aufnahme ernster PerhaMungen bietet." Nachmittags trat der Zentralaktionsausschuß neuerdings zu einer Beratung zusammen, um wett^rö Maßnahmen zu beschließen. HIZZA Ganz neu, mit modernstem Komfort eingerichtet Lrat» klassige, streng koscher« Köche unter Aufsicht dei Kabul« nats. Zimmerbestellung rechtzeitig erbeten. VM»«OW'.'M«I»'W»GW» Ä»«» NUS«. 987 *6&>ö&>QOQOöao6oöfitH06öiva6ti6aaennoaaan < Als sich rer christlich>nationale Kurs etablierte. «schWnche WWMmßea Lahlrla« schar«. Dir, chWMas «naaMche WeychpeW ..eit,fl, einer m taMrsten M WliMn Männer )es vtzrknechtetast Landes, Ist jüngst nach Wien geflüchtet, um M Schergen Horthys zu entgehen. Der Prälat Va ß, derzeit Wohlsahrtsminister, Hat ihn einen Verleumder genannt und ihn dadurch vor der Welt der anständigen Menschen geehrt. Fcnyes erzählt nun in der „Arbeiter-Zeitung" aus der Geschichte des chrlftlichnationalen Kurses einiges über Georg Scheft s i k, eines Massenmörders, jetzt Oberstuhlrichters von Stütz lweiWburg und Freundes das Bischofs Prochaska. Wir gevan vaS solgend« wieder! ... Au» Szylnok kam Kcheftfik al» Offizrersrechercheur ncrch Budapest, in die Kaserne von Kelenföld. Diese Kaserne war damals ein Gefängnis, aber von mardyürdigar Mr die Misten Gefangenen ergriffen dis Flacht' Aber Mndexlicharwoisc stiegen sic alle in die TvMN, mit schweren Steinen in ihrem mifgeschlitzten Bauche. DaS war die zweite Anklage, die ich gegen Scheftfik erhob; war er dpch AbteilnngSkommandant in K-l«tfsrd. Wen et als „Verdächtigen" verhaftete ünd nach Kelenföld brachte, der verschwand ans der Reiche her Lebenden oder wurde so viehisch mißhandelt wie die Frau Hamburger. Ich verrvies Vox dem 'Gericht cchf einen Bescheid der Milibäranwaltschaft, in dem das Verfahren gegen Scheftsik eingestellt wurde. Dieser Bescheid war mein zweiter Wahrheitsbeweis. Abraham Bitrivl, Belg Neu mann Md noch weitere sechs Männer wurden . ermordet aus der Donau gefischt. Me Familien erstatteten eine Anzeige gegen Scheftfik. Die Mlitävanwaltschaft stellt« das Berfahren eüt. An dem Bescheid wird gesagt; „Me Genannten wurdet: vvn Georg Scheftfik p«r ha stet,, nach Menföld gebracht Und späte«, mit anderen Lieschen zusammengedrahtet, mit St einen im Gewicht von fünf Kilogramm in ihren? aUfgefchlizten Bauche aus d«v ^vnau gezogen.^ Ich zögere, die nachfolgende Geste des Bescheid» nicheiMschreiben, sie klingt Ar UNwchrfHeinlich. UO demroch ist , il in dLeftm DokOE .,. . zU lesen; „Es konnte trotz alledem nicht das Borhcmdenscht «mej Verbrechens feftgestellt wecken, jq es ist möglich, daß dm Genannten uns WnM Selbstmord begm- M" ' l i > Das Gericht wre^ Minen MtLxag aUs Verlesung dieses Dokuments ab. tzch liest es Mir aber nicht nehmen, den Tatbestand, dev sich ans dem BescheP ergab, M konMieren: Der 74jährige Abraham Pftrivl ünd die sechs anderen brächen «Ms dem Gefängnis WS. Sie gingen zUr Donau, fischim aus ihr einige Leichen heraus, befestigten die Leichen auf ihren Rücken. Dann schlitzten sie ihre eigenen Bäuche auf,. fegwu Mtftve Steine in ihre offenen BMHHWrn «ch WWgen Mit ihrer fyndecharcn Last in die Donau... DaS Gericht fand keinen Anlaß, diese gewiß sonderbare Art des Selbstmordes zu prüfen. Es war einfacher, mich zu sechs Monaten Gefängnis und zwanzig Millionen Geldstrafe, im Falle der Unetnbrirlglichkeit zu weiteren zweihundert Tagen Gefängnis zu verurteilen. . - Scheftfik verließ lachend de« GrrichtSsaal, ftchr nach Gzelnok und wurde dort von seinen Kumpaujen als der Mann des Reichsverwesers zum Oberstuhlrichtec gewählt. Srel gahte Kerl« ffir die Wahrheit. Ans BndWsst wich uns berichtet: Im Herbst 1924 vewffenMchtö der Beamte Josef S z e k « I y «ms Reihe von Aeü'keln, in idensn >dte SitMsamvaltschaft den Dat- Heftand d^r BevbvochM dm Aufpeizu-ng und der Schmähung der uugavilschön Ration erblickte. In einem dieser Artikel heißt es: ,^undech-ansenHe UirschMiiger schmach. ten i m Kerker, Während 'diejenigen, die mochvn und rauhen, als natioimle Helden gefeiert werden. Antisemitische S ch m ä h >l i e d e r gelten als nationale Hymne," In einem ainderen Artikel -wich gesagt: „Die Gerichte eifern die vassenschtitzbsrische Presse und deren Anhänger durch ihre Urteile zu strafbaren Handlungen an. Dasselbe tun auch die Geistlichen, die van der Kanzel herab den Gläubigen Haß pvsdigen." In der Verhandlung vor dem Straf^erichtshofe erklärte 'der Angeklagte, er wolle zu fetruer Verhandlung nichts Vorbringen. Der Gevichshof verurteilte ihn wegen dveifachen Verbrechens der MlfreiMng und wogen 'sechsfacher Schmähung der ungarischen Nation zu iMtzi Jahren Kerker und 12 Millionen Kronen Geldstrafe, schme Kn drei Jahvvn AmkArerlust und Visvluft der Palitsschen Rechte. Hnfoilge Berufung kam di« Anigelegenheit vor die AmigAche Tafel, die nach »durchgefülhrter Vechaudlu'Ng diches n-nerMte Urtsil in vollem Umfange bestiitigtv. Ist der Bagründumg wird als belastend hervorgehoben. daß Szekety „seine verleumderischen BehauptungiM ^bewußt und in der Absicht veröffentlicht habe, die Leser für seine Jldee zu gew'mnsn." Daß es Szekely nicht gelungen fst, seine WbisWt durchKusetzen, beweist am ^besten dieses SchawdurteÄ. In Ungarn' hat sich nichts geäudert. Ae Mlamentsloft Aera in Polen. Bekämpfteug -er Teuernust. — Reform des Steuersystems. WachhW, Oktober, In der nächstm Äett wird eine Verordnung des Präsidenten ühtzv di« Bekämpf ung dev Teuerung verlgsttbqxt werden, Gleichzeitig werden Verordnungen apgekündigt, die picht nur weitere Preiserhöhungen verhindern, sondern stuch Preisermäßistung en in den ÄlvMeln des täglichen Bedarfes, dft stoch immer mit AN gwßem Gewinn verkauft werden, heweiführen sotten. Der neue "FinauMmistM Tze"chywrez heBsichttgt, eine Kommission Ms dm Fachleuten für die Reform des Steuersystems, zst bilden. Zum Präsidenten dieser Kommission soll der nationaldemokratische Mgeordnetk Wi^ chg lski ernannt werden, der sich Mei MstarbMr>MswätzlM soll. , '!Jn wirtschaftlichen Weisen verlckutst, dag der treUsrnmmtä Minister für Handel Und JMstrie Kw iat kowf k i bereits «mtsmüde geworden ist. Ms sein Nachfolger wich der gewesene Handelsmimster Ossowski genannt. ' pottttschen Kreisen wich der nüuerllchm Ernenchrttg Zaleskis rum Außenminister, eine große Bedeutung zugeschrieben, denn matt sieht darin eine Garantie für dis Beibehaltung der friedlichen AuslandSpvlitik Polens- ^em litauisch-russischen Vertrag legt man jetzt kein allzu großes Gewicht bei. Der GesandteMechsek in Berlin soll zu einer rascheren Beilegung der Streitfragen mit Deutschland und zur endgültigen MbMeßnng eines deutsch -'pblutschen Be^r-trage'- bettvagsn. «er Numerus elsusu« «, den tzolnifchm Hochschulen- Warschan, 7- Oktober. Das Hentraktomiwe des DeW" hilfeverbandeS der akcwemischen Äugend nahm eine Protestzresolution gegeir die Anwendung des Numerus MrfuS m de« polnischen Universttüten am Dis RefoMon stellt soft, daßsder Numerus e'lausvs geütznühKvdsr jüdi- ,schsn tFugenb mit tzvller Strenge gehand* Habt wird, rms die Zahkv.der E MflststommMen)Msckßn Kittzschomt«« au tzE siMeluar kWUÜMA! beweisen. Die jüdische Jugend kündigt einen scharfen Kampf gegen den NunierUS emuius Mlü Mn die Wlle GkefMsMWganü an. Set englische Betsatbetterstreik geht weiter. Perschärfyny des LyhnkawpfeS. Mtl, 7- Oktober. In der heut« ' stattgesundemst Konferenz her Delegierten des Bergarbeiterverbandes wurde zunächst ßas heMsweift Ahstinmungsorgebis über die Komj» promißvorschllig.1 der Regierung (Verlängerung der Arbeitszeit um eine halbe Stunde bei gleichbleibenden Löhnen) mit» geteilt, ign den Distrikten haben 730.000 Stimmen die Vorschläge ab ge lehnt und nur 43.000 Stimmen wurden für dis Annahme abgegeben.,Dis Kvnferenz beschloß Hierauf die Vorschläge der Regierung abzulehnen. Dia RM gisrnng hat in einem Schreiben an die Konserantz die Mp« schlüge zurückgezvgen. Mchdam dw Konfevenz «der BsvgcwbÄterdÄsgierton . die Reg'ievrmgsvovWäge Mir Baulög>u>ng des Gruden. konfWs. als unanmelhmdar bezsichnete, wurde mit 614.000 gegen 194.000 Stimmen eine Entschließung voll außerordentlich wvtttrayendom EharaHev angenornmen. Dietse Gnhschsießun'g' fovdvvt die Zurückziehung der Arbeiter von den Pumpen, ferner sollen alle inkerestierten Gsloerckschaften aufigefovdert werden, sich der Einfuhr voit 'ausiländifcher Kohle na ch E ng la nd zu widersetzen, weiters soll dar Kampf in schärferer Art als bisher geführt wschsn. tzln RegieMugsErevsen wird versichert, die RegterunV sck entschlossen, die Zmückzishung der Arbeiter von den Pumpen mild die LmauS folgende E"r"f"ä"u"fu"ngF . Pumpen Wch die davaus folgende Erfäufung - ex Grubest wtte allen Umständen zu verhindern. .EvsNduell sollen Matrosen an die Wmpsn in den KWengmOen. MstM werden. Dev Gtveik u«v dev Koh leupveiS. Der Kohlenpreis ist haute auf 86 Shihling Pro Lonne erhöht nmden gegenüber 46 Shilling vor dem Sitreik. In der Bevölkerung macht sich eine stark« Bewemma MMsten einer behördlichere FMchuW Mst HSchftpVt^jM für Ko^e geltend. 1P&<"mw-.— 9BufTo»«l - -»«Wehl,Häver »et MUH. Asm, 7. Oktober. Gerwral Gonzaga nimmt litt eistem Tagesbefehl vvn'der Nattonalmiliz Wschttd M Mf, geichfalls bekannt, daß Wu sfo liui den Oberbefthl SSS‘