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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-07 · Heft 2735 (7.10.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2735 (7.10.1926)
Date
1926-10-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2738 Men, Donnerstag Diener MorgenzettAttg 7. Oktober 1386 GKeS 5 i^JiUÜonen Xokospalmen liefern jährlich ihre Nüsse zur Herstellung des reinlichen, hygienisch einwandfreien Speisefettes too Prozent reines Fett aus Kokosnüssen. »27 Erzeugt unter streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrwurden des Herrn Oberrabbiners 8. B. Ehrenfeld, Mattersburg Sie Araber und die BalfiUtt' Dellaration. Das in Damaskus erscheinende arabische Blatt „Ms Bar" beschäftigt sich in einer seiner letzten Nummern mit den Verhandlungen des Stellvertreters des ZivilsekretLrs der palästinensischen Regierung, Mills, mit den Arabern und führt aus: „Wer die Einzelheiten der Verhandlungen Mills' mit den Arabern liest, staunt über das große Interesse, das Mills in diesen Unterhandlungen an den Tag legte. Mills machte aus diesen Gesprächen eine Art Grundgesch für Palästina, indem er erklärte, daß das Wesen der Erklärungen der sechs arabischen Notabeln sei, die das Gespräch mit ihm geführt hatten. Hinterher stellte es sich heraus, daß er bloß keine eigenen Ansichten zum besten gab, denn die Araber, denen er die Erklärungen zuschrieb, stellten dies in Abrede. Wir verlangen keine außergewöhnlichen Dinge. Wir begreifen den ernsten Stand der englischen Regierung in Palästina gegenüber den Arabern und -denZtonistcn. Sie ging noch weiter als der Mann, der dieHaut desBären verkauft hatte, ehe er ihn erlegt hatte. Sie hat dieses Bärenfell zweimal verkauft. Deshalb erleidet sie doppelten Verlust. Jetzt weiß sie nicht, wie sie den ersten und den zweiten Käufer zugleich befriedigen soll, Klarer gesprochen: die englische Regierung weiß jetzt nicht, wie sie ihre Versprechungen an die Zionisten durch die „B also ur-Deklaration" mit den Zusicherungen. an die Araber im Wege Husseins, des Haschemiten, vereinbaren soll. Das ist eine Situation, deren Ernst niemand leugnen wird. Unsere Väter pflegten zu sagen: „Nicht der ist weise, der nicht in die Grübe fällt, klug ist der, der weiß, wie er aus der Grube,'in die ex gefallen ist, wieder herauskommen kann." Wir sind der Meinung, daß die englische Regierung zu einer zweckdienlichen Lösung gelangen könnte, wenn sic. ihr Beginnen d e n b e i d e n Versprechungen, die sie da und dort gegeben, anp a ssen wollte. Das würde vielleicht nicht alle Teile befriedigen, dafür aber die Achtung vor der Regierung bei der öffentlichen Meinung der, Welt erhöhen. Es ist Pflicht der Regierung, die zur Vollendung ihres. Mandats erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, dann aber dem Lande zu gestatten, sich die Gesetze auf d e m l e g a l e n W e g e, den alle Völker der Welt stets gegangen sind und noch heute gehen, selbst zu schaffen. Weizmann in Rallen. Die Aussprache mit Mussolini. ^»om. 6. Okt. (I. T. A.) Wie jetzt.noch (bekannt wird, hat der Chef der italienischen Regierung Mussolini in seinem Gespräch mit dem Präsidenten der zionistishen Organisation Dr. Chaim Weizmann eine gute Kenntnis der zionistischen Fragen und Ziele bekundet. Bei Ler Verabschiedung drückte Mussolini den Wunsch unh die Hoffnung aus, daß die zionistische, Sache Erfolg haben werde. ' In einem Interview mit dem Chef des offiziellen Organs der faschistischen Partei „Popolo d'Jtalia" entwickelte Dr. Weizmann ausführlich die Aussichten ' der jüdischen Kolonisation in Palästina. Das Entstehen' immer rctu'ar H au'b elsunterne.hmungen, sagte Doktor Weizmann, beweise, daß Palästina in voller Entwicklung begriffen ist. Die jüdischen Einwanderer legen den Grundstein zu einer neuen Kultur und zu einem gesunden Volkstum. Das zionistische Experiment' ist als' vollkommen gelungen zu bezeichnen; die Arbeit . ist bereits aus dom S.tadium des Experiments, her- 1 ansgetilLten. Die erste Phase der .Entwicklung ist mit Erfolg abgeschlossen; in di.ftm Jahre worden die Energien verdoppelt werden. Wir Juden, schloß Doktor- W e t zmann, die wir in der Vergangenheit nur Trauriges erlebt hatten, kennen nun mit Hoffnung in firfe Zukunft sehen. England und PalMna. Der Jerusalemer Kyoxespondent der - „Reichspost", der dem lateinischan Patriarchat nahesteht, kündigt die Ernennung des Marschalls' Lord A l l e n b y (die wir bereits gemeldet haben) als nahe bevorstehend an. Lord A l l e n b y sei als Oberkommissär für Pal üst i n a und als Generolkoinmantdant der britischen Land-, See- und Luftmacht im Mitte-lorient, das ist in Palästina, Transjordanslande, Irak.. Aegypten, Sudan, O ma n, Aden' und Cypern ausersehen. Der Oberkommissär Palästinas wird also zugleich Generatgouvertteur im Mittelorieut sein. Diese Mitteilung, deren Bestätigung noch abzuwarten ist. würde besagen, daß Palästina als Kronkolonie angesehen wivd. Es wird immer dringender, daß . der Völkerbund das rechtliche Verhältnis Palästinas -zu England aus allen Zweis^lu.heraushsbt. .. ' - titnilens Baltanintercffen. Der bulgarische Außenminister bei Mussolini. Rom, 6. Oktober. (Te!.-Comp.) Heute fand eilte Unterredung zwischen Mussolini und dem bulgarischen Außenminister B u r o w statt, über die es in einem amtliches Kommunique heißt: In der langen und herzlichen Unterredung zwischen den beiden Staatsutänuern. sind alle Fragen. geprüft worden, die zur Bestätigung der freundschaftlichen Beziehungen 'zwischen Italien und B ü lg a r i e n von Interesse sind. Mussolini drückte Burow im Namen der Regierung und des italienischen Volkes beu Dank für den angenehmen Besuch aus, der als ein neuer Beweis der herzlichen Biehungen zwischen den beiden - ang-sebn norden kann- I Sie anttfemitifdie Agitation unter Den Ukrainern. Warschau, 6. Oktober. Hier ist vor kurzem ein ukmiulscher Verein „Petlsura" entstanden. Diese Deremigung beabsichtigt, eine Aktion im Zusammenhang mit dem S ch w a r z b a r t h - P r o g e ß zu imterm'hmen. Sie sammelt Dokumente, veröffentlicht Berichtigungen in der Schuldfrage Petljuras und gründet einen Fonds für Prozetzzwecke. An der Spitze dieses Komitees steht ein gewisser Elias Zolotnic k i. Gleichzeitig hat wieder in der ukrainischen Presse die antisemitische Hetze -begonnen. PaSmanit bleibt in einer jüdischen Frage neutral. Paris, 6. Oktober (I. T. A.). Die Sowjet-Prdsse hat vor kurzem mitgeteilt, der in Paris lebende jüdische Rechtsanwalt Dr. Pasmanik hättie sich den Ukrainern als Rechtsbeistand der Familie Petljuras gegen Schw a r z b a r t h angeboten. Dr. Pasmanik bittet die jüdische Telagraphen-Ageittur um die Mitteilung; daß es ihm ui« eingefallen sei, als Vertreter der Familie Petljuras zu wirken und -daß er in der Angelegenheit der Ermordung Petljuras 'durch Schwarzbarth für keine Seite Partei ergreifen wolle. Jin der Sowjet-Presse waren 'mehrere scharfe Angriffe gegen Dr. Pasmanik erschienen, dem vorgeworfen wurde, daß er den Weißgardisten nahesteht. Las rnmänische BSegerrecht- > Bukarest, 6. Oktober. (I. T. A.) Mehrere tausend jüdische Familien waren unter der alten Regierung der Rechte eines rumänischen Bürgers für verlustig erklärt worden, weil sie nicht rechtzeitig um die Anerkennung ihrer Bürgerrechte nachgesucht hatten. Die jetzige Regierung hat nun einen Gesetzentwurf vorbereitet, der die Ansetzung eines neuen Termins für die Gesilche um Bürgerrechte vorsieht. Der Gesetzentwurf wird demnächst von der Kcnnmer behandelt werden. Hochzeit in Haman. Pie nachfolgende Schilderung entnehmen wir dem d&dn int Mstem-Derlqg erschienenen Buch von Ernst K l i p p et.-; „Unter Drusen, Kurden und. Teufelsantbetepn.* Das Buch gehört'in die Sammlung „Woge Mm Wissen." Der Verfasser hat seine Reise in der Maske eines älghptisch-aratischen Beduinen gemacht. Die Reid. „Dü reitest mit. uns nach Äaf .üdex nicht, p Wbhel-- wahid?" fragte der Schech, aus den vom zweiten Höfe aus zugänglichen Fraüengemächern kontmend, „her Schechsohn nimmt ein Weib!"! „Auf Herz und Auge! Mit Allah!" entgegnet« ich, erfreut, der Hochzeit von Oasenbewohnern beiwohnen zu können. Meine feiertägliche Kopfbedeckung unb der Staatsmantel waren schnell umgelegt und mein Türschloß mit dem aus Hartholz bestehenden, mit eisernen Zinken besetzten Schlüssel abgeschlossen. Kaltnt war mein Tier, nach dem Pferde des Hausherrtt, durch delt engen Gang ins Freie gezerrt, als , e- . die Hinterbeine spreizte- Eine vorbeikommende Frau mit einem Korbe auf dem Kopfe, setzte diesen schleunigst 'auf die Erde, zog blitzschnell das ihr Gesicht bedeckende schlvarze Kopftuch ab, stellte sich hinter Tanhidah (das Kamel. Red.) und rieb mit der Linken auf ihrem! oben glatten, unten in eine Unmenge Zäpfchen auslaufenden Haar umher. „Kamelsurin hilft gegen Haarausfall und reinigt die Kopfhaut und erregt ängenehntes Gefühl und durchduftet lieblich das'Haar!" 'sagte ich laut mtb ernst fcu f.-nw jetzt hexaustretertden Schech, der mir betpflichtete. Auf Stirn, Wangen, Kinn und Lippen der Frau befand sich die kunstgerechte Zeichnung etwa eines Spitzenschleiers aus grünen Punkten. Leider war es nicht tunlich, über die Herklmft der Frau und die Umstände -ihrer seltenen Tätowierung Aufschluß zu erlangen. Ihr Gewand erschien ausfallend sauber,' ant Nasenflügel trug sie ein silbernes Broschchen. Sie' rieb noch einige Augeitbltcke, ' legte dann ihr Kopftuch wieder äuf, bedeckte ihr Gesicht und verschwand wortlos, ihr Gewand wie eilte Schleppe in dem feinen Saude nachschleifeltd und eine Staubwolke erzeugend. - ' ' Hinter mir saß der Vielleicht zehnjährige Sohlt meines Gastgebers auf, in auffallend reinem Hemde, seine halbseidene Koffije (Kopftuch) durch den silberdurchwiröten Okal (Stirlthand) festgehalton. Wohl der größte Teil der männlichen Erwachsenen und einige Frauen schloff.m sich auf Eseln oder zu Fuß uns aniEinige hundert Schritt von Kaf zündeten die Waffentragenden ihre Lunten an; auch jch feuerte, um unsere Ankunft zu melden. Als wir artkamen, lagerten im Schatten der Lehmmauern fremde, schrecklich verwahrloste Beduinen, ihre braune Haut mit feinem Sandstaube wie bepudert, und spielten mit ihren Krummstäben im Sande oder bissen steinharte Dattelkerne zwischen ihren weißen, perleitgleichen Zähnen entzwei. Ich benützte die Gelegenheit, den Oasenbarbier in seiner Lehmbude aufzusuchen.- Als Stuhl diente eine überhohe, lehmgemauerte Bank mt, der Langwand, vor die sich hinstellte, meine Beine zwischen die seinen nehmend, mir eilten bunten Fetzen vorband mtd einen runden, laugbegrifften, blinden Spiegel in die Rechte steckte. Unter meinen vorgestreckten Kopf hielt er das etwa vierzig Zentimeter Durchmesser groß? ZiimbeckHi und wusch mich dann müer sparsamster^ Verwendung, von Seife mit lauwarmem Wasser. Seiilen rechten, uilbekleidetelt Fuß setzte er auf dje Bank und fegte meinelt Kops aus sein behentdetes Knie. Mit meinem Solinger Rasiermesser kam er inhjes nicht vorwärts, so daß er lvieder zu seiner zwischen »zivei Holzstäbchen gebundenen unförmigen Schabellinge griff und ohne zu schlteiden mir die Kopfhaut rasierte. Auch sbei der Bartbehandlung blieb ich bei der ägyptischen Sitte, den Backenbart nach oben in das ^Kopfhaar spitz zulauferid, den Hals «aber ausrasiert zu tragen. Er schien isaftigekrältkt, als ich ihm sägte, daß seine Hand leicht 'sei, ja&er tfem -öerät nichts tauge. , > „Möge es dir wohl ergeheir, o Schech der sBeduinen!" wünschte er, nachdem er inir Koffije urtd Okal kunstgerecht aufgelegt hatte, beglückt über die hohe Entlohnung. Mit Mühe bahnte ich mir dann, das Gewehr über der Schulter, den Säbel lose tu der Hand, freit »Weg 'zum Hochzeitshause. Von dem Schech und dem vierzehnjährigen säbelbehangenen Bräutigam begrüßt und beküßt, beglückwürtschte ich beu Glücklichen: „Mögen alle Zeiten Freudenzeiten für dich sein!" Unausgesetzt drangen aus dem zweiten Hofe die schrillen Freudentriller der mit der Braut versammelten Frauen. Immer neue Tamariskenzweige wurden zur Ehrung der Gäste in die beckenartige Vertiefung neben dem Feuerherde geworfen. Gern hätte ich mich meines Mantels eittledigt, aber die Vornehnren hockten in einer Festbekleidung da, die zur völligen Belleidung von drei Erwachsenen vus- , gereicht haben würde. Nach der feierlichen Beräucherung, dem Uncherreichett des Kaffees und der Handwaschung stopften wir ttns die Koffije in den Okal jttnb streiften den rechten Hemdärmel hoch. Den ersten acht Kupferplatteq mit Dattelbergen folgten acht weitere mit Reis, auf denen große Stücke gekochten Kamelfleisches lasteten. In fürchterlicher Enge drängtm wir uns wohl je zehn jum ptne Platt«; unten int Hofe die Gäste zweiter Ordnung. In Aegyptell an die Fliegenplage gewöhnt, hatte ich hier die dreifache Anzahl auf Gesicht und Händen zu ertragen, mich das Essen war sofort mit einem dichten Schwarm »bedeckt, so daß die drei Fliegenabwehrsklaven bei weitem nicht ausreichten. Als Ehrengast kauerte ich neben dem Brälttigam. Ein Beduinenesselt war eine heilige Sache, und daß dabei vollkommene Stille herrschte, verstand sich von selbst. Ein verspätet eintreffender Gast wurde daher keines Gegengrußes gelvürdigt. Nur das Bewegen der Kauwerkzeuge, das Schmatzen der Äser und der Ruf wrch Daffer

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