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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-07 · Heft 2735 (7.10.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2735 (7.10.1926)
Date
1926-10-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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gfcfee i Men. DomkerNas Die Vehrlose«. *—y Wien, 7. Oktober!$2t>. Die Ansprache, mit der Herr Coudcirhove-Kalergi gestern den ersten paneuropäischen Kongreß geschlossen hat, war ein im FanatiSinus glühendes Bekenntnis M. der Id«. Er sagte dem Kriege den Krieg an, geführt wn entschlossenem Wille«. Der Redner beging eine« Fehler. Er sah die Tagung als einen Kongretz an tntd bis Teilnehmer als .Führer. 3Satn diese Führer der Parteien, her Wirtschaft und der öffentlichen Meinung dem Gedanken der Einigung Europas eile Rücksichten opfern, daun wird Paneuropa verwirklicht lmbeit. Das Wenn bedingt das Dann. »Herr Eoudenbove mußte wohl diesen Fehler begehen, Werl er "an sich glaubt und weil ler!die Tatsache -^dss Kongresses so hoch einschätzt. Er setzt den Enthusias- ' MUS, der ihn ans Werk gehen ließ, bei allen Teilnehmern voraus. Es ist dies der gleiche Fehler, der ihn >zu Beginn der Tagung verkünden ließ, sie sei eine Vertretung der Völker, nicht der Negierungen. Man glaubt so gerne, was man wünscht, und so hofft auch Herr Eoudenhove, daß alle, die da waren, nun als Verkünder sund iVerfechter seiner Botschaft hinausgehen werden. 5lX>. Menschen, so ruft er aus, können Paneuropa verwirklichen. Es wäre, nicht gut für die Welt, wenn die Massen wirklich so »geartet wären, daß 500 Menschen sie fuhren könnten. Vielleicht hat Coudenhove an. den Krieg gedacht, der doch von einer Handvoil Personen in Szene gesetzt dvurde, denen dann in Schritt und Tritt die Menschen tfolgten. Aber sie gingen doch nur. tveil der Zwang des ririegsrcchtes zugegen war, sic gingen, »veil sie durch eine jahrelange, raffiniert und systematisch geführte Verfälschung ihres Wollens dazu gelangt waren, einander zu hassen. Wenn sie nun einander lieben sollen und diese ÜIc6c >m lebendige Politik umwandeln, dann gehört dazu ihr Verständnis, ihr Willen, der Verhetzung ein Ende zu bereiten und die Qual mit den Quälern anKzurotten. Das vermögen alle gemeinsam, schon deshalb, Mil die seelische Beveitschaft besteht.? Wäre sic nicht vorhanden, dann würden die Fünfhundert das Werk nicht fördern können. Vor allem deshalb, weil alle guten und freundlichen Vorsätze in Dunst zerstieben, wenn der Kongreß beendigt list und zu den: Einzelnen wieder der Alltag spricht. »Der Alltag, das ist der Beruf mit feinen Sorgen ,uiw Feindseligkeiten, die Partei mit ihrer Äklerose. Das Progranmr Paiieuropas ist, wie auch dieser Kongreß bewiesen hat, sehr eng gezogen. Es bietet unendlich viel des Wertvollen, das freilich auf dem Kongreß der /Referate, zu denen sich keine Aussprache gesellte, nicht so deutlich aufscheinett konnte.'Der Kongreß sollte und mußte ein Bild des europäischen Jammers sein; daswak sein ---esftkL-HweL Aber er sollte auch die Wege Ms dem Elend zeigen, so ins Licht stellen, daß auch die Massen >der Unkomplizierten sie sehen müssen. Das' fountcn ahtt all die fleißigen und wohl vorbereiteten Reden nicht tun,!tn denen gewesene Staatssekretäre und Minister sich ergingen. Auch Herr Eoudenhovc muß das Empfinden haben, daß die Völker hier nicht gesprochen haben. Es hat nur eine einzige Rede gegeben, die auf das Wesen der europäischen Frage, auf das Elend des Kontinents, das dys Eleiw der Welk ist, ging, und diese Rede hielt Frau Karin Michaelis. Sie sprach für die Wehrlosen und verlangte einen Wellgerichtshof für jene- Delikte, die das -Gesetz der Staaten nicht ahndet. In diesen Verbrechen, in diesen Bünden am Geist liegt das begründet, was Europa nicht. zur. Ruhe kommen läßt, in dem täglichen Mißbrauch des Wortes, in der Fälschung des Denkens, in der zum System gewordenen, durch Gesetz und Praxis geheiligten Lüge, die zur Politik erstarrt ist. Europa hat sich eine hohe technische Kultur geschaffen, aber nicht mehr; sein stolzer Anspruch auf die Führung und Bevormundung der Welt ist heute schon «zerschlissen und wird morgen nicht mehr sein. Denn diese Kultur ist zum willenlosen Sklaven eines verdorbenen In-, tellekts geworden, der seine-Machtgier und die Niedrigkeit' seines Denkens kaum mehr verhüllt und der seist neue Idee mir darauf prüft, wie sie sich am Vesten Ar den egoistischen Zweck der Macht ausnützen läßt. Unter der Herrschaft dieses Intellekts geschehen täglich die ärgsten Verbrechen, werden Rechte von Menschen, von Völkern, von Massen in den Staub getreten, wächst die Schar der Wehrlosen, die keine Tribüne, für ihre Klage findet. Das ist die wunde Seele Europas. Die warmherzige, gütige Frau, die die 'Forderung stellte, hat vielleicht nicht gewußt, daß sie in einer Stadt spricht, in der man von der Sanierung der Seelen geredet hat, von der moralischen Reinigung und der Sittlichkeit. Aber diese Stadt ist wie so und so viele andere zugleich auch ein lebendiges Beispiel für hie Notwendigkeit dieses Tuns, Hier konnte der Kongreß sehen, was an Wehrlosen verbrochen wird, wie gegen Menschen gehetzt wird, die man und weil man sie für wehrlos hält. Und wenn es nichts gebe als die Judenjustiz in Wien, als das Pogromgebrüll in dem benachbarten verfaulten Ungarn,, als die infame Berjagung der jüdischen. Jugend von den Bildungsstätten wenn c& nichts gäbe als das, so wäre schon die Redic der Ficau 'Michaelis berechtigt gewesen. -'Es gibt aber noch tausendfach mehr an Verbrecher! gegen Wehrlose, an Delikten MM Minderheiten, -die kein Gesetz ahndet und solange t? die Möglichkeit zu ihnen gibt, solange bleibt jede Einigung Danetttopas ein leerer Wunsch und auch 'dir Fünfhundert werden nichts anderes tu« können — ihren guten Wilsen vorausgesetzt, sogar anerkannt — als an der Behebung dieses. moralistlM Defektes, zu arbeiten. Ecrasez l'infame! Dazu Hedqrf es keines Programmes und keines Kongresses. Nur eines Gerichtshofes. 1 7. meto* tm Ms. MSB Samstag mittags — Beginn des Beamten ftretts? Si» «orasa atait» toWi noft WflöMrtet DK «fttta neOfifune *» «« MMchuW mit den Vertretern «de« Technischen Union hat As BefchlM« des ExekubivkomiltMt vom 5. OStoder genehm itzt. Der Zentrcüekkiionsü'U-schnß Mrrde daher beauftragt, an die, Mtionsausschiisfe sofort alle Weisungen für jene Maßnahmen hinanszug-eden, die notwendig ,verden, falls die Regierung As 8. Oktober ernste Vor- Handlungen nicht cmfnimmt. Der Z c n t r a l a k t. i o n sanSfchntz wird ad 7. Oktöver «in «Permanenz erklärt. In der Debatte wurde «dev Meinung Aufdruck ge« geben, daß die Regierung mit rhen Veröffentlichurwen die Bevölkerung irre führe. §4 handle sich Ä BstrmKkschaft hier n i ch t u m eine P r e.sti Gefrage, auch nicht ugt. die vier Tage, . u.m welche., dcr Verhandlungsierntin hinauSgszogsn werden soll, sondern um-die für «die Be- : amtenschaft schon so unerträglich gewordsne. Verschleppungstaktik der Regierung. Die BuirdeSanMtell'ton haben ihre Forderung noch einer Danerregulierung schon vormehr als einem Jahr« erhoben und jedesmal, wenn es #u ernsten Verhandlungen kommen sollte, -wobei die Regierung selbst die. VerhandtungSfrift. angegeben, hat sie. immer etwas gefmiiden, wodurch die Verhandlnngen unmöglich - gemacht oder verschleppt wurden. Dis B-undeSauWstellten sind dagegen, daß die Bevölkerung jedes Vierteljahr m i t V e r- Handlungen über Beamtenfragen belästigt und in Aufregung gebracht wir»), ohne daß es dabei'jemals zu. einem-definitiven Ergebnis -ünd zu einer endlichen Bereinigung idsr geftellten Forderungen komnnt. . Es wurde daher die Meinung ausgesprochen, man solle bis 8. Oktober abends-zu war tan und falls bis dorthin Hie VerhaNÄnirgen nicht ausgenommen - werden, am 9. Oktober, 12 tthr mittags mit dem Streik der gesamten Buudesattgestellte,: beginnen, lieber die Art der Durchführung des" Streits wurde die OeffentlichEeit Noch nicht unterrichtet. Es heißt nur, daß zunächst sä m t l i ch e T e l-s-p h o n 0 d e c Mini- . st e ri e n ini'd gewisser staatlicher Aemwr Santstag mit? - tagsa ud g e sch Ä l tack -werden. . Die übvi-gen Gdvöik- : hij') Risistsnzmaßnahmen sollen e ta p p en w e-i's e unter tunlichster MÄftHtyWhmsM das WWOum durchgeführt werden, vorausgesetzt, daß es überhaupt zum Streik kommt^.Deün .öK ' ist^ durchaus ftM sinKusehe-n, lvarmn die.se Kalamitätheraußbeschworen worden muß, wenn die Beamten selbst her Meitrung sind, daß die viertägige BerzÜg^ru-ng. des. Derhan-d-ltrngKbdg'iEs feine Rolle spiele. -Durch. - > dk Lahmlügung des TelephMverkehreS uwd idi'e- Etttstell-üng etwa des Betriebes der Steuerättcher Mchen «die Bundssangestellten kaum rascher KU m von ihnen gewünschten definitiven Gshaltsrsgulie« rung ko Minen. Der angedrohte Mveikbogiivt, Samstag - mittags, zeigt jedenfalls, daß die Bearnten die Sache nicht von. allem Anfang an allzu scharf angöhen wollen, schließen doch gerade am Samstag die meisten Aemter und Geschäfte in den ersten Nachmittagsstunden, so daß ein allfäÜiger Streik sich cm diesem Tag noch nicht zu arg auswirken würde. lBemerkt muß werden, daß es zu dieser Zuspitzung . des BeanfteukonflMs, dis zum StvL'iköeschluß, nicht hätte kommen müssen, lw^nn nicht Porlmncilt und Regierung seit Wochen ganz ohne ' Führung bastünden. Dr. R a m e k, der sich bereits anschickt, das ' BuMskanzleaamt zu verlassen, scheint nicht gesonnen -zu sein, seinem stlachfolger die Kastanien aus dein Feuer zu holen.und.läßt die Dinge gehen, wie sie oben gehen. -Die Parteien des Nationalrates sind mit der Cent rat- ^bank und den Dingen um d-i-sse herum beschäftigt und ' haben. nur das. eine Bestreben, aus «dem herrschenden Wirrwarr ihre Mandate hrmuszuretten. Seit mehr als , Wochenfrist konnte nicht einmal sine Nationalratsitzung ' abgehalten werden, denn auch dem .Hause mangelt jede Führung und.Initiative. Bezeichnend für die durch , die Centralbankaffäre entstandene Z e r r ü t t u n g d e r , t n ne rpo fi tischen Verhältnisse ist es, «daß das.WienersOrgan der gxoßdsutschen Regierungspartei bereits in, zwei Leitaufsätzen die'Beamten gegen dde Regierung gehetzt hat. In dieser Weise können die Dinge nicht mehr larige tvelitergehen, sollen nicht Staat, und MMchaft u-nHeil'barell Schaden nehmen.. Gin Deemitilirng'Kv-Lfüch de« Großdentschett. Fm Aufträge der Ärvßdeutschen Volk.-Partei haben nachmittags Parteiobmann- Dr, Wotawa mid Uvei Äbgeordnets beim Bundeskanzler Dr. Ramek vorgesprochen, un! ihn über die Stimmung in der Bcamtonschast zu unterrichten und die Ursachen einer Verschiebung des Verhandlungttermines zu besprechen. Der Bundeskanzler fetzte auseinander, -daß die ihm bisher vorliegenden, vom Finanzmil'-nisteriuini-ausgearbeitcten' Berechnungen kein c g enügendett.' Gvundlagoft fAr .ernste'B^erhan.dl-'uwL-en bilÄen und deshalbeiner - Ergänzung. Mrürfen. Die Mite* ler der Großdeutschenn Volkspartei hätten den Eindruck, daß die Gegensätze ztvischen der Regierung und den Düftdesbeamten in. der Frag-" des Verhandlungsbeginnes t e t tt e . u-n ü b c r b r ü ck b a 7 e n. seien. Sie neue Koalition in der Tschechoslowakei. DaS Kabinett Gvehlq., Präg, 6. Liktober. -Das Kabinett S p e f) I a, das in seinen Umrissen bereits fsstfteht, soll Sa m St a-g er« nemut werden. Es wird ans P v r l a.m e n t a t i e t tt und Fachmanns r-n bestehen, und den Charakter eines Ueberga n^ skabinetts tragen, «da die Deutschen erst ttach Erfülluipg gewisser Voraussetzungen ihre Minister nominieven wenden. Den Deut- ' schon, »deren Ein tr 11i ö efchl ossen e .DaKfache ist. worden, .zwei Po rt efeu i-l le s reserviert, die - einstweilen mit WatzhülterN brsetzt werden. Äon den Mit-gliedern des ge-genwärti-gen -Kabinetts Cerny werden mit aller Bestimmtheit tmt d r eiM i n t* st e r in die neue Regierung übernommen, und zwar A-utzenMinister Dr. Bene s ch, Finan-m-mrstsr Dr. Englisch und Mnister «des Innern Eerny. Die Agrarier entsenden in das neue .Kabinett autzeiden Ministerpräsidenten -Svshla noch Dr. H o dza als Ackerbau- und Dr. Srdinko M Unterrichts«, minister. Die tschechWen Klerikalen werden, in der -neuen Rsgwvuna durch ihren MhrSr Mons. Schrämet als GesuMheitS- oder Postminister, durch den früheren Minister des Innern Nofek und dm früheren. Justiz« minister D o l a n S t y vertreten sein. Die slowakischen Klerikalen.nominieren Dr. G a z i k als Minister für die Slowakei, wodurch zum erstenmal die Vcvlvaltung der Slowakei einem AnhängerHlinkas übertmgsn wird. Die -tschechis»che Gewerbepavtai ents'stchot Na j m a n oder H o rat . , llncntüdllldic Mer sndiaitfnmeasiicizoicn Diö städtiflchen da*werke m ch heuer über Verlange« die t eben aufmerksam, daß niersueniinf von Oas- Ver«8htnei Bedienstete bun« te Meauch heuer über Verlangen stlL« BeheBun« teS*geste„ter MÄflÄeTjit Slftym kofliwalortJ|fÄh Initaiiateur au übertragen. Vis ln der Regel vefhältniamäölß ftetingen Instandsetzungskoiten machen sich rasch bwahlt; Direktion*der M<tt. daswerke V1IL Jösefstldterstr. 10.! MMLrrevolte in Brasilien? London, 6. Oktober. (Reuter.) Wie die Blätter aus B u e n o s Ä i r e s melderr, ist. in der Nähe der boilidifchen Grenze im Gebiete von Matto. Grosso eine vom General P re st eS geführte revolutionäre Bewegung ansgebrochöN, Die Regierung hat energi'che Maßnahmen zur Niederwerfung der^ Revolte getroffen. Frankreich gegen die italienischen Hmigranten. Paris, -'6. Oktober. (Tel.-Comp.) Der Minister des Innern hat an die. Präfekten ein RundschreiÜLN über ihr Verhalten, (gegenüber Am s l ä n der n gerichtet, das offensichtlich eine Spitze gegen die in.Frankreich lebondetr ant i f a s ch i st i sH.e n- Italiener enthält. In dem Rundschreibenwerden^ bie tprüfeftcu angewiesen, jede politische Agitationstätigkeit von Aus.ländern.zuver« ' hindtzv N' und insbesondere die in fremden Sprachen.gedruckten! Zeitungen zu überwachen. Maueranschläge in frenoden Sprachen müssen fortab gleichzeitig die französische Uebersetzuv g des., Textes, bringen. - . MmW sardert streagfte Raffenabsouderaug. Budapest. 6. -Oktober. In der Landeöverfamnckung deq Erwachenden-, vertrat.der Mihrer der Raffenfchützlsr iPrlius Gömbös, die strengste Absonderung der Magyaren vyn den fremden Rassen. Mes müsse die neue Losung der Magyaren werden. Die Mgyaren bvouchen weder die;^uden, noch die F r a n z o s e n oder Engländer. Die -Arbeiterschaft müsst sich diesem Grimdsatz anpassen, wenn' fie in Ungar,: zur Geltung kommen will. Düs Gesetz-dös numerirs. clausus dürfe nicht gelvckevt werden, in: Gegenteile müsse jetzt mit frischer Energie an der Verschärfung gearbeitet werden. ' '' ' rjrfl n Sie AuHebung Les BisumManger. Pr«,. 8. Oktober. (TIch, P. B.) Der MIMsker d« Inner:: hat im Mnvermhmen M. dembeteiligten Mtplisterien nut' Gültigkeit'VM 1. November 1626, den Visums zivang für Anhaber von Reisepässen nach Danzig chrfgs- Mm, Die GntsHMng erfHte a!uf GAnd «Ms i». Wn letzten Lägst: zwischen der TMchosloWasti wck DarMZe- MMerr UOereinkymmens.

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