Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2734 (6.10.1926)
- Date
- 1926-10-06
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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gfe SM äöJWn, SäumwaI} «otvllcl wivTlivRJV IIIIIIJ) «rttsn LÄvgisrtM. Beiden Kmmnenr Misst die irmeee Gssetzgebumg, aber es steht ihnen kein Einspruchsrecht mit bsAug auf fimmKiMe Ausgaben «nd inter- «ationaLe Derpflichtnngen W. Andere Punkte betreffen die GefchMSsÄmimg der beLden Häuser, Sie Prüfung der FincmygSßetze und inisvnationalen Abkommen und die Schaffung von 3 W a >h lfektionen, einer moflemttifchen, einer christlichen und einer jüdischen. Die Basis der Wahlen ist das Proportionailfyftem; Wähler nnid Gewählte dürfen nur Palästinenser sein. ~ In diesen Punkten waren die während der BchpveAuWen von dm Urabem geäußerten Wünsche stxrevt. » Wir haben bereits am SO. SsptemÜer LÄiHet, daß der Cheffekretär Mills Len Arabern die AnÄwott der Regierung übermittelt. Lord Plumer erklärte die (hier fixierten) DorMäge fiir unannehmbar und verwies die Amber auf den Weg der divekten BerhmMungen init der Londoner Regierung. Girr Memoruudum DizeugoffS m Weizmami Jerusalem, 1 Oktober. (I. T.-A-) Herr Dizeugoff, der frühere Bürgermeister von Tel Awüv, der vom 'Zionistischen Aktionskomitee in seiner letzten Sitzung in London zum Mitglied der Exekutive der Zionistischen Organisation gewählt worden war, hat an Dr. Weizmann als den Präsäenten der Zionistischen Organisation ein M'e m o r a nbtttn gerichtet, in welchem er die Bedingungen, unter denen er sein Amt in der Exekutive MSzUüben berät ist, «mseinandersttzt. Herr Dizengoff fordert im besonderen, baß sein Departement autonom sein und den Sitz in Del Iüviw hüben solle, ferner daß er selbst für die übrigen Departements der Exekutive keinerlei Verantwortung z!u tragen hätte. Herr Dizengoff ist bekanntlich der Repräsentant des iMttelstandselements in Palästina. Seme Aufgabe ist es, hie Änsivdlung von Angehörigen des Mittelstandes, sowie die Entwicklung von Handel und Industrie nüt Hilfe.der ernwandernden kapitalskräftigen Elemente Hu fördern. Katastrophe«. 65 Arbeiter zu Tode verschüttet. Neu York, 4. Oktober. In 'der Nähe von Rockwood in Tennessee ereignete sich in einer Kohlengrube der Roane- Gesellschast eine Explosion, durch die 6b B e r g l e u t e verschüttet wurden, die, als das Unglück geschah, in der Grube arbeiteten. Die sofort eingesetzte Rettungsmannschast konnte wegen giftiger Gase nicht zur Unglücksstelle Vordringen. Rach längerer Zeit erst kamen die Rettungsmannschaften vorwärts und konnten einige der Verschütteten, jedoch bereits als Leichen, bergen. Man befürchtet, daß sämtliche verschüttete Bergarbeiter den Tod gesunden haben. Ei» breuuendeS Schiff im Meto Yorker Hafen. Neuyork, 5. Oktober. Auf dem englischen Dampfer „Byron" ist in dichtem Nebel bei der Einfahrt zum Hafen von Neuyork Feuer ausgebrochen. Auf dem Dampfer befinden sich 4M Passagiere. Löschboote sind dem Dampfer zu Hilft geeilt. Der Mannschaft des Dampfers „Byron" ist es nach den letzten Meldungen gelungen, das Feuer zu löschen und das Schiss in den Hafen zu bringen. Bomben auf dem Jahrmarkt. Soerabaya (Java), 4. -Oktober. Auf dem hiesigen Jahrmarktsgelände wurde ein Bombenattentat verübt. Fünf Bomben wurden zur Explosion gebracht und dadurch drei europäische Frauen und zwei europäische Männer sowie fünf Eingeborene verletzt. Die Täter sind entkommen. Lokalaugenscheiu in der Laueutzienftraße. Spruch mit dem Revolver. Berlin, 8. Oktober. Heute nachmittags fand vor dem Juwelengeischä-st in der Tauenbienstratze ein Lokaltermin statt, zu dem sich eine riesige Menschenmenge eingefunden hatte. In Anwesenheit der KrnninaMvmm-issäre und der Staatsanwaltschaft schilderte der Juwelenräuber Spruch noch einmal genau die Eirizevheiien des Raubes, denwnstrierte dre Tat noch einmal. Als Spruch dabei mit vor gehaltenem Revolver aus dem Laden auf die Straße sprang, stob die Menge in panischem Schrecken fluchtartig auseinander, da sie an einen wirklichen Fluchtversuch des Räubers AlnEitc. Ae SchadeuersatzaugnÄche des Fabröauteu Haas. Eine halbe Million Mark. Aus Mag d e b u t g wird gemeldet: Die Mordaffäre S ch r o e d e r hat ein Sdachspiel gefunden, indem der Großindustrielle Haas seine Schadenersatzansprüche für die unschuldig ü>be>r ihn vechängte Untersuchungshaft vom Staate jetzt geltend macht. Er fordert eine Summe von einer halben Million Mark. Die Ansprüche werden begründet durch den entstandenen B a r s chaden sowie die K r e d it s chä d ig u ng der Fivrna und G e i ch a f lsentgan.g durch die Beohaftung des Geschäftsinhabers. Da der Staat eilte so hohe Summe wahrscheirttich nicht bezahlen wird, dürfte es au einem interessante Prozeß koinmen. ' ätoü HKortau Charlotte Qruber, Wien dlpbbi ZMoses Xeiter, *New-york empfehlen sieh als Verlobte. 25 ‘Gtschri 5687 ms Sin Matt Papier. Seit vielen Dagen trage ich ein Blatt Papier mit mü: herum; ei» «rEeschnebenes Watt aus guten Hadern, schneeweiß unü ßfott, ein vollendetes Produkt unser«: Industrie. Hcmdelsformckl .Holzfrei, satiniert, 83 X S4, 64 KAogramm schwer". Ich weiß, jedes Blatt Papier hat fein Fatum, und eS muß den Weg alles Irdischen gehen, Ich weiß, ich bin der Herr iifcec sein Schicksal, aber mir fehlt der Entschluß zur Dat. MllabeMich, wenn ich meine Brusttasche entleere, fordert mich das Blatt Pcchier heraus: „Gib mir Äne Aitsigaibe, daß ich das Gesetz meines Seins erfülle, damit ich nicht an den Kanten einschrumpfe, verwelke und am Mst verrecke. Entschließe dich, ch' es Kn spät ist!" Ich Kogere. Kann ich die Verantwortung dafirr Mornehmen, das reine Blatt Papier mit schmutzigen Buchstaben zu besudeln? Ich fühle eK über meinem Herren brennen und wenn ich es auf meinem Schreibtisch entfalte und glatte, dann überfällt mich mrdeutbare Schäm, dann würgt mich die Angst, es zu entehren. Die edelste Bestimmung noch reicht nicht an die Wirde des Matts Papier heran. Wäre ich ein Zyniker, fiele es mir Leicht, 'das Papier mit einer g-äungenen Anekdote zu bekritzeln, die mein Gasthausnachbar kürzlich zum besten gegeben hat. WÄlch' entsetzlicher Gedanke! Oder soll ich vielleicht eine Aufstellung meiner Schulden machen, Barrikaden bauen aus den Ziffern für Schneider, Schuster, Steueramt, Milchfrau, Wäscheputzerin, fein säuberlich zur Rechten die Gläubiger und zur Linken am Rande die dämonischen Zahlen? Schade um das Blatt Papier. Ich verlasse mich auf das Gedächtnis jener, die Vertrauen in meine Redlichkett haben, auf die Buchführung des Kapitalismus, der sich nicht im Stiche lassen wird. Die Antwort, die ich meiner Geliebten schuldig bin, könnte ich auf das Matt Papier schreiben. Ich versuche, den Text des-Briefes zu komponieren. Durch die Schönheit der Straßen erregt, streife ich den Gedanken ab. Mein Hertz wird klar, ich beginne zu dichten. Die klingendsten Verse fallen mir ein, das Gedicht ist fertig. Ss Mt nur, daß ich es nielderschrerbe. Da zerstieben auch schon die Worte, die Reime bröckeln ab und das Blatt Papier knistert in der Tasche. .Die Tage rollen ah. Das Blatt Papier wird schmutzig, abgegriffen, an der Kante eingerissen. Ich trage einen Fetzen Papier mtt mir herum. - Bis zum nächsten Straßeneck widerstehe ich. Dort -wird es zerknüllt, weggsworfen. Ein Wachlnann, der meine Untat bemerkt, nimmt mfc zwei -Schilling Geldstrafe ab. Wegen Stratzenvernnreinigung. „ Recht geschieht mir, der ich die innere Bestimmung eines Dinges mißachtet habe. „ . natac Rosenkeld. Sie Katalonier. Ein vergessene- Volk. Auf beim MinoritättrEongred in Genf tft zmtt erstenmal eine Abordnung der spanischen Kaiatanier vor die OeffentlWett getreten. In du ,Msstschen Zeitung" schreibt nun Frau Jlse^Nosen.!hLrg über dieses vergessene $5oU£ twt Nordosten Ä'hr’rmp.ttS! ftn den europäischen Kulturzentren wußte man vor wenigen Jahren nichts von dem Vorhandensein einer katalanischen Frage. Erst seit 1683 beginnen einige der großen Weltzeitungen sich mit der katalanischen Bewegung zu beschäftigen. Je mehr ich -mit Kennern der katalanischen VoASseele und Literatur bei meiner Rückreise durch vaS katalanische Spanien, besonders in Barcelona, in Berührung kam. desto mehr fiel mir die warime Begeistevung auf. mit der man sich . für das Katalanische einsetzt. Da« Ideal der Pankatalanismur ist der Zusammenschluß der Katalanen zu eiüär Nation. Zu ihr gehören ungefähr vier Millionen Einwohner und ein Gebiet von 60j86ß Quadratkilometer, da« heißt Katalonien wäre größer als Belgien, Holland oder Dänemark. SS verlohnt sich der Mühe, sich mit diesem fleißigen und intelligenten BoAe zu üoschäftig-en. „ Es gab eine Zeitz da die ganze wissenschaftliche Welt aufhorchte. als ein Katalane ihr seine theologischen und philosophischen Ideen rlarlegte. Der Mann, der es sogar wagen durfte, in seiner Muttersprache zu 'den Gebildeten Europas zu sprechen, war R a m o n L l u l I (noch heute als Raimu nduS LulliuS den Philosophen wohlbekannt). Gr lebte in der Mitte de« IS. Jahrhunderts, zu einer Zett, da in den meisten aicheren Ländern Lateinisch allein die Sprache der Wissenschoift war — ein Zeichen, einen wie hohen Rang die katalanische Kultur damals in der gelehrten Welt einnahm. Die katalanische Sprache hat eine mehr als tausendjährige Vergangenheit. KatÄonion ist ein' lateinisches Land geblieben, während sich in dem öiest idee Bevölkerung der semi-afrikanische Charakter zeigt. Die katalanische Sprache hat Aehnlichkeit mit dem PvovtznoÄischen, ja, man hat , Ifttfiftiftn ülB ti. mig AitA ” 9WwW. •* 1^*** nsch «ch KlMurM die Hinneigung Katalomer« $& Südfrankreich stets ekae sehr große war. Ga- Katalanische ist r« der Klm-fache etwas r«ch« d$ das Gpmttsche. M Smf* der Jahrhunderte hat wohl hauptsächlich wegen der politischen llntevdrückuug, aber vielleicht auch aus bet Tatsache heraus, daß der Hof Kastilisch sprach, das Katalanische viel kasÄffche Elemente i» sich ausgenommen, aber in unsere» Lagen habe» sich die Philologe« um die Reinigung der Sprache bemAht. Die Mutesrit der LaiaLanischen Bteratnr fällt in die Mitte des 13. Jahrhunderts und währt das ganze 14. und Ift. Jahrhnnbstt hindurch. Jener Mamon Llull war ihr bobeutondster Vertreter. Gin seltsamer Mann dieser Philosoph von Maliorea, der sich zum Missionar auMDete und die Kunst er- > fundeu zu hcSen glaubte, durch Dsweffe und Gründe feine Mitmenschen gnr Einsicht der 2Lahrheit zn zwingen. VevmtttelS dieser Kunst versuchte er Juden und Muselmänner zum Ehristentum zu bekehren. Aber die Mohammedaner spielten ihm übel mit, und als er zmn drittenmal zvm gleichen Zwecke nach Afrika fuhr, erlag er Len Folgen der dort erlittenen Mißhandlungen. Doch noch drei Jahrhunderte später wirkte die „Ars magna Äulli" in Giovdano Brunos Philosophie weiter. Der gleichen Epoche wie Llull gehört auch Arnal'do de Volanova an» der gleichfalls seine Werke inkatalanischer Sprache schrieb. Durch die günstige Lage des bedeutenden Mttolmeerhafens Barcelona in regen wirtschaftlichen Verkehr mit den anderen Mittelmeerländern gebracht, hegte. Katalonien von jch« den Wunsch, auch an dam geistigen Leben anderer Nätionen ttttzunehmen. Gin Zeugnis dafür sind die Ueberfetzungen Homers, Virgils ti. a. m. Ärürren Febrer, em Katalane, war einer der ersten Uckbsrsetzer der „Divina Comedia". Dieses Interesse an fremdländischem Geistesleben hat sich bis zum heutigen Tage erhalten. Das Suchen nach Berührungspunkten mit der geistigen Umwelt ist vielmehr im letzten Jahrhundert, besonders in den letzten Jahrzehnten, -mit erneuter Stärke hervorgetteten. Mischer Humor. Die „Gojtm". 1. .Frage und Antwort. Ein Christ und ein Jude plaudern miteinander; natürlich kommt das Gespräch auf die Juden. Der Christ zählt allerhand Eigenheiten und Eigenschaften, der Judm auf, die er sich nicht erllären kann. „Besonders eines verstehe ich nicht," sagt er, „erklären Sie es mir doch: Warum antworten die Juden auf eine Frage stets mü einer Frage?" Ohne viel zu überlegen antwortet der Jude: „Warum soll ein Jude auf eine Frage nicht mi't einer Frage antworten?" 2. Der Sohn des reichen ManneS. ' Gin kcttholrscher Priester, der mtt einem Rabbiner gut befreundet war, üisputterte gern mit ihm über religiöse Fragen und liebt« es, den Rabbi in Glaubenssachen ein wenig zu hänseln. So sagte er einmal: „Ihr Juden habt, wie jeder weiß, einen stärken Glauben <m Gott; wie kommt es dann, daß ein so geschäftstüchtiges Volk nicht an Gottes Sohn glaubt? Ihr wisset doch aus eueren Geschäften — der Sohn eines reichen Mannes hat immer und überall Kredit dem Vater zuliebe?" „Das ist richtig," antwortete der Rabbi, tz,aber wie kann man dem Sohn eines reichen Vaters, - der nie stirbt, Kredit geben?" 3. Zu viele Juden. Ein bekannter jüdischer Bankier in Wien nahm die Taufe und wurde Protestant. Als er am näch>sipu Tage an die Börse kommt, fragt ihn ein Bekannter: „Sagen Sie, warum sind Sie eigentlich ausgerechnet Protestant geworden und nicht Katholik? In Oesterreich ist doch der Katholizismus die herrschende Religion und am liebsten gesehen?" „Ich willls Ihnen ehrlich sagen," 'war die Antwort, „es kommt mir vor — unter den Katholik>en gibt eS schon zu viele Juden!" 4. Seelenrettung. Ein Jude, der ein schweres Verbrechen begangen hat, wird zum Tode verutteilt. Der Tag der Hinrichtung ist erschienen und der Jude wird auf die Exekution, vorberettet. Mn Priester kommt und fragt den Juden, ob er noch einen Wunsch habe; er solle ihn nur nennen, , man werde ihm denselben erfüllen. Nach kurzem Nachdenkm sagt der Jude: „Ich habe eine Bitte: ich möchte mich taufen lassen." ■ Wie der Priester das hört, hüpft ihm das Herz por Freude: eine Seele ist gerettet! Er taust den Juden und fragt ihn dann: „Sage, mein Reber Sohn^ was hat dich erleuchtet, daß du vor deinem Tode die Taufe genommen hast?" Darauf der Delinquent: „Die Sache ist so: wenn schon hängen, fo soll lieber ein Goj hängen." S. Fasten. . Mn Jude beschließt sich lausen zu lassen, imb teilt diesen Entschluß dem Pfarrer mtt./ Der sagt: ,7Gm, ich will dich taufen. Aber du mußt mir versprechen, ein guter Katholik zu sein. Bor unseren Ostern haben wir sieben Woche« Fastenzeit, da man kein Fleisch essen darf. Dieses Gebot mußt du halten: Kartoffel. Heringe, Fische darfst du essen, aber ja kein Fleisch. Ich werde dich eimnal besuchen, um zu sehen, ob du die Fastenzeit hältst." Der Jude versprach, die Gebote des christlichen Glaubens erfüllen, der Pfarrer besprengt« ihlr init Weihwasser und die Tarife 'war vollzogen. Eines Tages in der Fasterrzeit konmtt der Pfarrer Untzemrmtst zp seinem Mufliug zu Besuch mü» ßchet W