Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2734 (6.10.1926)
- Date
- 1926-10-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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s. «Btt MS Nr. SM Gerte 4 'WWH/ Schicke Schuhe Pabefhafte nur bei ee? HBIIOST* SCHUH MODILU in DORN H&ndnütmea* Ausführung Alleinverkauf Wien, //. von BALLY- Schuhen Taborstraße Nr. 8a im S. Bezirk am AbcnL Lesestube,r öffnen und ihnen durch verschiedene Veranstaltungen Belehrung und Unterhaltung bieten. Es ist also im allgemeinen ein erfreulicher Euckruck, den wir bei einem prüfenden Blick über die gegemvstrtigen jüdischen Erziehungsbestrcbungen gewinnen. . Die Krise kann nicht dauernd schädigend wirken, wo bas ewig junge Mische Streben am Werke ist. S. A. Invalide desetzeo das Ardeitslosemmt. Das Jnvcrlldenamt in der JosefftäLütcrstraße wurdegestern von arbeitslosen KriegÄiefchädigten besetzt. Sie drangen in das Gebäude ein und schrien unausgosetzt: „Ärlbeiti Hunger!" Mit dieser Besetzung haben sie schon vor einiger Zeit gedroht, da.man ihnen nicht genügend Arbeitspostcn zuge-wicsen hatte. Sie verlangen nunmehr däe Verlängerung des Gesetzes über die Einstellung von Invaliden in Industriebetriebe und seine Ausdehnung aus via Staatsbetriebe, Anerkennung ihrer Arbeitsvermittlung, Durchführung einer BekleidungLaktion uf>w. Um IS Mr mittags zogen schließlich die KriegSbcschädintcn cib, nachdem ihnen zugesagt worden war, ihre Kors-erunaen würden an das Ministerium weitergeleitet werden. ^n der Umgebung der A r b e i t e r k a m m e r gab es gestern vormittags gleichfalls einen kleinen Wirbel. Etwa 200 ausgesteuerte Arbeitslose waren vom Wimberger in die Stadt gezogen, um bei der Avbeiterkammer eine Stur mp ctition eiwzubringen. Wache l^vsprengte schsietzrtcii die Arbeitslosen. : krhöhims der Aohleaprelse. Um 29 Groschen pro Zentner.. Las Syndikat der Wiener Kohlengroßhändlcr hat bejchtosien, die Preise sür Steinkohle um 29 Groschen pro 160 Kilogramm mit sofortiger Wirksamkeit zu e rhvHe n.'Begründet wird diese PrerShimnrfsetzung mit dem englischen K oh l e u a r b e i t e rsi r e i k und dein Waggon Mangel, der wäihrenL der Zuckerkompagne in der Tschechoslowakei und in Polen herrscht. ES wird sogar behauptet, daß bei einem weiteren Arrvaucrn des WaggonmangelS der Kohlenhandel a n ch bei dem nunmehr erhöhte n Pr e i s n i cht in der Lage wäre, den Be da r f de r I rrdmfft rievollständigzudccken. Seitz duldet die Ster nicht i« Wie». Nach dem österreichischen Wehrgesetz sind die einzelnen Trupenkörper grundsätzlich in jenen Bundesländern dauernd zu beqüartieren, aus denen sich ihre Mannschaft rekrutiert. Bürgermeister Seitz als Landeshauptmann von Wien hat nun an das Heeresministerium die Aufforderung gerichtet, daß das in Wien garniforrierende Infanterie-Regiment Nr. 5, dessen Mannschaft nur in Niederösterreich geworben wird, aus Wien weg verlegt rverde. Sollte sich das Heeresministerium weigern, dieser Aufforderung Folge zu leisten, so fei es, wie das „Neuigkeits-Weltblatt" berichtet, nicht ausgeschlossen, daß dxr Wiener Landeshauptmann die Entscheidung des Berfa s s u ng s g e r i ch t s h o f e s anrust. Das Verlangen des Landeshauptmanns S e i tz ist wohl in erster Linie darauf zurückzusühren, daß sich die Heeresverwaltungsstellen in den Bundesländern grundsätzlich weigern, auch wenn sie im eigenen Land nicht genügend Rekruten anwerben können, arbeitslose Wiener einzustellen, während z. B. bei der Wiener Sicherheitswache fast durchwegs Leute aus den Ländern außerhalb Wiens ausgenommen werden. Von anderer Seite wird dazu mitgeteilt, daß zwischen dem Heeresministerium und dem Rathaus Verhandlungen schweben, um eine Anrufung des VcrsassuugsgerichtShoses zu vermeiden. Das Ministerium wäre eventuell bereit, das in der Merdlinger Kaserne liegende Bataillon nach K l o st e r n e uti u r g zu verlegen. Bemerkt sei, daß das Infanterie-Regiment Nr. 5 als Nachfolger des zweiten Wiener Hausregiments, des ehemaligen k. u. k. Infanterie-Regiments Nr. 84 gilt. FahrbesünftiSllugen für Reisende Aus der F re m de nv er k eh r st a g un g, die letzt in Ischl abgohalten wird, regte der Vertreter des Vereines reisender Kauflcute, Kommerzialrat Epstein, unter anderem eine Erweiterung der Fahrpreis b e g ü n ft i g un g e n für reisende Ka u fleute nach dem Beispiel drs Auslandes und die Einführung von Schlafwagen 3. Klasse an. Hofrat G ehmachcr brachte die Frage der Vorverlegung der Schulferien auf den 1. Juli zur Sprache. Die heurige Fremdensaison habe, wie er sagte, in den Alpenländern fast durchwegs anfangs September ihr Grde genommen. Durch den späten Schulschluß sei die Saison auf k n a p p e s e ch s W o ch e n e i n g e e n g t worden. tzandelsmmister Dr. S ch ü r f f erwiderte, daß hinsichtlich der Vorverlegung der Ferien die Anschauungen geteilt seien. Bit' Landesverbände sür Fremdenverkehr hätten je* doch die Aufgabe, her ihre» Landesregierungen dahin zu wircken. daß die Landesschulräte diese Frage nicht allein vorn pädagogischer:, jortderu auch vom volkswirtschaftlichen .Sta»dp»ttM HeurteUsr. «Morte» a« Kauz Lppenheinm. Sine tUaMche Bers«»ml«»s la Wie». — Sttlcker «a WÄVmmm als Rrdner. Der Klvb der radikalen Zionisten veranstaltet« gestern in den dichtgesüllte« Olympiasälen eine Versammlung, in welcher das Mitglied des zionistischen Aktionskomitees Oberbaurat Stricket und Herr Dr. Israel Waldmann zu dem jüngsten Wiener Vorträge Professor Oppenheimers Stellung nahmen. Stricker führte im wesentlichen folgendes aus: Bom zionistischen Standpunkt gesehen, war der Vcvc*! trag Oppenheimers antizionistisch. Es wurden schon wie-! derholt antizionistische Reden in der großen Oefsentlichkeit > gehalten, aber keine hat eine derart alarmierende Wirkung ausgeübt, wie die Oppenheimers. Die assimi- 1 latorische Presse Hot sie unter den schreiendsten Titeln aus-; geschrotet. Umgekehrt hat diese Rede wiederum im zionistischen Lager selbst große Bestürzung verursacht,' Dies erklärt; sich daraus, daß diese antizionistische Rede im Rahmen einer offiziellen Veranstaltung der zionistischen Organisation gehalten wurde. Als Oppenheimer vor mehr als zwanzig Jahren im Zionismus auftauchte, hatte man sich an ihn als den Schöpfer eines Systems der landwirtschaftlichen Siedlung auf genossenschaftlicher Grundlage gewendet, um sein System . in den Dienst zionistischer Siedlungstätigkeit zu stellen. Die Zionisten haben diesen Versuch sehr ernst genommen, obzwax Oppenheimer mit seiner Siedlungsgenossenschaft in Deutschland wiederholt . Schiffbruch gelitten hatte. Sie verwendeten auf die Oppenheimersche Kolonie Merchavia 900.000 Friedenssranken. Als damals Oppenheimer auch mit seiner Person, in der zionistischen Bewegung hervortrat, habe Stricker sich dagegen gewendet, daß man im Zionismus Personen herausstelle, die leine Nationaljuden und Zionisten sind. Dies ist aber bei Oppenheimer der Fall, und er hat nie ein Hehl daraus gemacht. Er sieht im Zionismus keine befreiende Tat, sondern ein Versuchsfeld für seine Ideen, und hat mit der zionistischen Organisation so wenig gemein wie etwa' Professor Meat von der kalifornischen Universität, der ebenfalls als Experte. Palästina . studierte. Im Jahre 1913 hat Oppenheimer im zionistischen ' Zentralorgan „Die Welt" seine Theorien entwickelt und erklärt, er erkenne den Bestand eines jüdischen.Volkes nicht an und bekenne sich deshalb zum deutschen Volke. Schon damals hat er es für unsinnig erklärt,-Juden-jemals dazu bringen zu wollen, daß sie in einer Einsamkeit leben oder Schafe hüten. Schon damals antwortete ich,, daß ein Mann mit dieser Mentalität im zionistischen Lager nichts zu suchen habe. Als Oppenheimers Versuch in Merchavia gescheitert war, ist er allsobald aus den zionistischen Reihen versAvunden. Während des Krieges habe Oppenheimer sich wieder Politisch betätigt, und zwar im Rahmen jenes deutschen Komitees fürdie Ost j u d e n, das auch nach Oesterreich herübergriff. Es war eine Arbeit für Deutschland, nicht für die Juden, und von Deutschland aus hätte man Stricker auch davor gewarnt, mit ihm in nationalen jüdischen Angelegenheiten zusammen zu arbeiten. Nun trete er wieder vor die jüdische Ocsfentlichfcit und spreche über den Zionismus. De» schärfsten Protest müsse man dagegen erheben', daß Oppenheimer erklärte, die meisten maßgebenden Zionisten stimmten mit ihm darin übaxein, die Juden hätten keine Majorität in Palästina zu bilden, und es sei auch gar nicht wünsch e n s w e r t, daß sie die Majorität erlangen. Das heißt nichts anderes, als den Zionismus zu liquidieren. Es ist uttiöflh r, daß die Zionisten aus die Erlangung der Majorität in Palästina verzichtet haben. Zionismus heißt, den Judenstaat in Palästina anzuftrchen und zu diesem Zwecke sei die Erlangung der Majorität selbstverständlich. Wer die Majorität nicht anstrebt, ist kein Zion ist. .Oppenheimer sagte ferner, er habe schon vor zwanzig Jahren davor gewarnt, die Araber zu unterdrücken und tat es mit dem Untertonc: ,Zch ha.be keine silbernen Löffel gestohlen." Wan« hat bei uns Zionisten die Tendenz bestanden, die Araber zu unterdrücken? Diese Redensart Oppenheimers klingt wie eine Denunziation. Ich wünsche dem arabischen Volke, eS möge nicht darauf angewiesen sein, von Oppenheimer den Zionisten gegenüber verteidigt zu werden." ES gäbe keine Krise des Zionismus, wohl aber eine Krise im Zionismus und st« äußere sich u. a. darin, daß Oppenheimer im Rahmen der zionistischen Organisation diesen Bortrag halten konnte. Der Zionismus gelange allmählich dahin, daß man ihn wie die Reklame für ein Geschäft zu betreiben beginnt. Man arbeite mit großen Namen und schicke sie auf Reifen. Der ZioniSntUs lasse sich nicht ohne Nachteil zu einem leicht anbringlichen billigen Artikel machen. Man habe darauf verzichtet, den Gedanken des Judenstaates zu propagieren, weil man — von her besten Absicht getragen — sich einen großen Erfolg versprach, wenn man n i ch tna t i o n al« Iu d e n oit der Leitung des Palästinaaufbaues beteilige. Unter den Nichtzionisten O OtztzMÄNex HM nM Ke-r KMem Momente. Wie würden erst die anderen aussehen, die als Nichtzionisten in die erweiterte! Jewish Agency kämen? Man braucht mit dem Worte Judenstaat nicht herumzuwerfe«, und der Redner selbst habe es jahrelang nicht gebraucht. Jetzt, wo man fühle, daß der Gedanke des Judenstaates aus den Herzen schwinde, muffe man öS immer wiederum aussprechen. Als zweiter Reidner kritisierte Herr Dr. Israel Wald mann Qppen'hsimers ' Referat vom wirtschaftlichen Standpunkt. Er sei persönlich ein Anhänger der Oppenheimer'scheu Siedlungsgenossenschaff. Aber während diese für ihn bloß ein Mittel des Aufbaues sei, sei für Oppenheimer die ganze Judenfrage ein Mittel zur Durchführung seiwr SiMnn>gsgenossenschaff. Es sei eine große Tragödie, daß Franz -OpPvnheimer, den er als guten Juiden kenne, aus Palästina komme und eine Krümervechrmug rniit zerbro<l)enen Fenstevscheiben und zerschlagenen Btaschinen präsentiere, weil ihm das z i o n ist i s ch e U rt t e r!bewußtfein fehl e. We il er niemals erkannt habe, daß es sich nicht hier um eine Frage des augenbliMchen Erfolges sondern um '-die Gwigkeitsfrage und - - ■ btt Souveränitatsfragc des jüdischen Volkes handle, das überall in der Mmorität lebe und in Erez- Jsrael die Majorität erlangen müsse. Waldmcum ^behandelte dann die einzelnen von Oppenheimer aufgeworfenen Probleme und benrerktc. insbesondsre, gerade 'Oppenheimer hätte hinausposannerr müssen, daß die organisierten jüdische-u Arbeiter das Nivea-n unid die Lebenshaltung der arabischen Arbeiter gehoben hätten. Daß wir Zionisten in Palästina als dem einzigen Lande drc Quellen des Bodenwuchers durch Schaffung des Jüdischen Naiio-nalfonds zu verst opfen begonnen haben, daß die Gowerkschasten der jüdischen Arbeibsr in Palästina ganz anders aussehen wie jene, die in bestimmten europäischen Ländern zu rein politischen Kampfzwecken rrrrtzbraiucht werden, und er 'hätte es ganz besonders anerkenn«» nmssen, daß der neue jüdische Bauer Palästinas sich davor hütet, ein Ausbeuter zu sein. Die beiden Referate wurden mlit großem Betfäll ausgenommen.. Sie Berhsndlungen über die Ber« faffuna für Palästina. Die Forderungen der Araber. Jerusalem, 5. Oktober Kl. T. A.). Die Presse veröffentlicht , mit arabischer Autorisation euren ausführliche ir Bericht über die Verhandlungen, die vor kurzem zwischen arabischen No tadeln rrnd dem stellvertretenden Chefsekretär der P-alästina-Negierung, E. Mills, über die Möglichkeit einer Zusammenarbeit -der Regierung! mit den Arabern geführt worden sind. Danach standen die aiabffchen Unterhändler im Verlauf der Unterhandlungen, die vier Sitzungen m Anspruch nähmen, irr , ständigem Kontakt mit den arabischen Führern. Herr Mills versprach, die während der Sitzungg von den Arabern ausgesprochenen Gedanken und Wünsche in einem Memorandum zusammenMassen urrd es dem' Oberkomtnissär z-u überreichen. Dieses Memorandum wurde den arabischen Unterhändlern vorgelegt. Diese behaupteten aber, es.sei ganz und gar nicht i-n dem Geiste , medergeschrieben, in dem die Verhandlungen geführt worden seien. Sie verfaßten ein eigenes Memörandüm und übermittelten es bem Qberkonnnissär. In einem Zusatz von Hevrn Mills wird föstgeste'llt, daß die 'veröffentLichte Mu ni zi p a l° Wahlordnung ein großes EnbgegenLommerr seitens der Rogievung und einen Schritt vorwärts auf dem Wege zur inneren Freihett Palästinas bedeute. Die Ovitungen veröffentlichen auch den Text des von MM unterbreitetem Memorandums, in welchem die folgenden Punkte, die sich aus 'den Verhandlungen kristallisiert haben, fixiert werden: Slhäffung einer . parlamentarisch komtrollierten Verwaltung in der Weise, daß die Bevölkerung an der Gesetzgebung des Landes mitarbeitet. Dabei ergibt sich die Schwierigkeit, diesen Bovschlag mtt ldsr Balfour-Deklaration in Gmklang §u bringen. Besprochen wurde 'die .Herbeiführung einer Erklärung der britischen Republik, wie sie in ldem Weißbuch von IW enthalten ist, zur neuen palästinensischen Vvvsassung. Fixierung einer Klausel in der Verfassung, die besagt, daß die B e v ö lker-nug an die inte rnati analen Ab machun geu der Regierung nicht unbedingt gebundom ist. Schaffung eines Senats nn!d einer urttepen Kammer, voll deneir der evsteve aus Regierungsbsamten und gÄvählten Notablen, und der zweite aus Delogierten W ManMWscht. K; 20.000 Es 2&.Q0Q Mnwochnsr wählen