Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2733 (5.10.1926)
- Date
- 1926-10-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2788 5. LSÄvr WW Mm, MenUas Mische Welt. Hermann Pernsteiu fBafiig Fahre alt. Einer der bekanntesten englisch-jüdischen Journalisten in Amerika, der Herausgeber der ,Zewish Tribüne" in New Bork, Hermann Bernstein, feierte dieser Tage seinen KV. Geburtstag. Er stammt aus eurem russisch-polnischen Städtchen, kam als Siebzehnjähriger nach Rußland, wo er sich bald als Journalist, Novellist und Uebersetzer russischer Klassiker einen Namen machte. Später müde er Chefredakteur des jüdischen Tagblattes „Ter Tag", zu dessen Gründern er gehörte. Dann war er Redatteur der englisch-jüdischen Wochenschrift „American Hcibrew". Seit 1933 gibt er die „Jewish Tribüne" heraus. Aufsehen erregte Bernstein mit seinem sensationellen Buch: „Die Geschichte einer Lüge", dem es zu danken ist, daß die „Protokolle der Weisen von Zion", die man in englischer Ausgabe auch in Amerika zu verbreiten suchte, in den Vereinigten Staaten wirkungslos blichen. Bernstein, der weite Reisen durch Europa unternommen hat, wurde zweimal die Einreise nach Rußland verweigert. Einmal von der zaristischen. Regierung, weil er zu „radikal" war, und vor nicht langer Zeit von der Sowjetregierung wegen seiner Kritik an dem Verhalten der Sowjets gegenüber Inden und Zionisten. Auch im Kampf gegen Henry Ford Hat BÄmstem vorbildlich gewirkt. Ein von chm gegen Ford angestrengter Prozeß ist noch in Schwebe. Rosenthal—Rose—Rosenthal «sw. In Cambridge, tm Staate Mossasuchetos der Büretnigten Staaten amüsiert man sich, wie amsvckanische Blätter melde», über den Mischen GeschäftMs-wnenten Harry Rosenthal, der in einer aMmilatorischen Anwandlung vor einigen Monaten bei dem zuständigen Gericht bittstellig geworden war, seinen aus Russisch-Polen über das große Wasser herüiberge-brachten jüdisch-dsutschen Familiennamen in den englischen „Rase", was auch im englischen Ro-se beldeutet, ändern zu dichfen. Das Gericht genehmigte die SLamensände» rung. Man lachte wohl über den „beschnittenen" Familiennamen, aber Harry Rose zählte jetzt zu den glücklichen, fast hundertprogentigen AmorÄanern und das mar schließlich die Hauptsache. Das dauerte aber nicht lange. Kein Jahr war seit..der Amorikanisierung des Harry Rüfenthal, recte Rose vergangen und er erschien abermals beim zuständigen Gericht von CainOridge. Diesmal jedoch nicht mehr so wohlgemut und ssLbsiLswußt wie das erstemal. ,Lch möchte wieder meinen <rlte»r Namen Rosen tihal zurückhäben" bat Harry Rose demütig. „Was ist -denn passiert?" fragte der Richter teilnahmsvoll. .AS ist einfach nicht arrHzuhalten" entschuldigte sich Ro« fenthal-Rase-Rofenthal. »Meine Freunde und Bekannten nehmen mich als „Rose" einfach nicht zur Kenntnis. Ich bleibe für ste der Rasenthal. Man kann mit dii-ssen Leuten nichts anfangen . . Der Richter hatte ein Einsehen und gab dem armen Rose feinen alten Namen wieder. Mer der arme Teufel hat kein Glück. Bis die Sache bei Gericht ausgetragen war, hatte sich ein großer Teil fernes FreundeKkreises bereits an den „Rose" gewöhnt und Harry reute schon der übereilte Rückschritt. Und er erschien a-bermäls vor dem Gericht . . . Diesmal aber ist der Richter bereits grantig geworden, Inzwischen lacht man in Cambridge. Irr sllnfzigfte Todestag des Mischen Schachmeisters Löwenthal. In den englischen Tagesblättern wird jetzt des fünfzigsten Todestages „des englischen Schachmeisters" Jakob Löwenthal gedacht. Jakob Löwerrthal stammte aus Ungarn und hat schon in den Vierzigerjcrhren des vorigen Jahrhunderts als hervorragender Schachspieler die Aufmerksamkeit der Schachwelt auf sich gelenkt. Damals war das Schachmeistertriumvirat Szen —Grimm — Löwenthal berühmt. Löwenthal war einer der Leiter der erster: Korrespondenzpartien Pest — Paris, die kurz vor der 1848er-Revolntion zur Austragung gelangte. Nachher wanderte er nach Amerika aus. Cr starb 1876 in Hastings and St. Leonards, einer amerikanischen Stadt, die als altes S ch a ch s p i e l z e n t r u m bekannt ist. * Der zionistische Parteitag Jugoslawiens. Wie wir be- ' reits gemeldet haben, wird diese Tagung am 17., 18. und 19. Oktober in Zagreb abgchalten. Namens der zionistischen Exekutive wird der Leiter des Organrsationsdepartements, Doktor F e l i x Rosenblüth dem Parteitag beiwohnen. — Anläßlich des Parteitages werden verschiäene Veranstaltungen (Sinaaogalkonzert, gymnastische Akademie des Zagreber „Makabi", Vorführung des neuesten Palästinafilmes usw.) stattfinden. — Die Hitachduth in Jugoslawien, die zionistischen Frauen, sowie Mitglieder der zionistischen Jugendvereine werden besondere ^Konferenzen abhalten. — Für alle Besucher des Parteitages gewährt die Direktion der jugoslawischen Staatsbahnen 60 Prozent Nachlaß auf allen jugoslawischen Staatsbahnen. Für die Einquartierung der Parteitagsbesucher, die aus allen Orten Jugoslawiens erwartet werden, wurde beim Zionistischen Landesverband in Zagreb ein besonderes Komitee gebildet, das Amtteldungen für Zimmer entgegenni-mmt. Auskünfte über den Parteitag erteilt der Zionistische Landesverband Jugoslawiens (Zagreb, Jlica 88). Hyamson in Rumänien. Am 90. September traf Herr Hyamson in Czernowitz ein und wurde am Bahnhof von sämtlichen zionistischen Parteien begrüßt. Cr besuchte die Ausbildungsformen der Chaluzim und äußerte sich lobend über das Men'schemrnrteriai, welches er bei dev Arbeit auf dem Gute veö Herrn AdlerSberg in Negüistina voofano. In der Mckowina und in Beffqrabien gibt es ein.großes Reservoir von Chaluziün, rvelche schon ztvsi Jahre ihre Ausbildung in der Landwirtschaft genießen im& ein vorzügliches Clement sch Palästina abgeben werden. Auf einem Bankett, das zu Ehren deS Herrn Hymnisou stattfand, betonte Mr. AMTS Hyamson ganz SssondsrS sie Forderung, daß «an nach Palästina ei» ^rndsLipLozenttgsr ShalugmateriaL schicken muffe, wenn «ab daß zionistische Ideal in Vezug Mf Sen Aitrwau Palästinaerfüllt scheu will. Am S8. Geptember reiste Herr Hyamson von t^ernowltz noch Bukarest ab, um dann Äber CoEansa nach Palästina ourück-ncksbren. MALOWAN vom. XiLowm & rium WUQI,L,oraiNMN6 29 Bühne und Kunst. Tschechisches SverngasWel. Me tschechische Lper aus Ol mutz ist im Sccrf* theater mit der gleichen HevzNchbsrt empfangen Morden wie vor zwei Jathrsn im MettopEhsater. Wieder frente man sich der satten ländlichen Farben auf der Bühne, die so schön mit der volksdüMichen tschechischen Musik zusammenklrngen, wenn sich auch in der mehr ,/vndeutenden" Jnszememrng.modernes Empfinden gdltsnS macht. Und wieder hatte man seine Freude M!der Bsgsvsterirnig aller M-riwirkenden, an dem mähchenfreien Spiel gesunder Komö-dianten, die anscheinend noch nichts von Star-Allüren wissen und mit Hingabe an ihrem Führer hängen, an dem OPernchef Karl NedLal, dessen Temperament ulNd SachlichköÄ seinem 'berühmten Namen alle Ehre macht. In der verkauften Braut" brillierte Herr K u b I a als Hans — vor dem ständigen Zu-tief-S'mgen sollte er sich freilich in acht nehmen — Frau Dlkov war eine stimmlich ansehnliche Marie und Herr H a vl ff sang den Heiratsvermittler ebenso erfolgreich wie bei seinem letzten Wiener Gastspiel. Am zweiten Abend gab es Dborak's „Rusalka", die erst KirgÄH im Buvggarten in dsutscher Sprache zu Hoven war. In «der tschechischen Aufführung folgt man williger der umständlichen'romantischen Geschichte der slawischen UNdme. Ne sich vergebens nach Liebesglück im Menschenreich sehnt und bei allem Reichtum an lyrischen Episoden des dramatischen Rügrates ermangelt. Frau B l k o v sang die „Rnsalka" warm, mit beseelter Empfindung -und hatte . in Frau H ad ra sb ov, einer slawischen Ortrud, eine obenbürtig-e Rivalin. Von den übrigen Mvtwirkenden, die alle Niveau halten, sei noch Frau Schnalov als dratische Hexe erwähnt, und besonders der von seinem früheren Gastspiel in Wien vortsilhaft bekannte Herr M u n ch i n g e r als Wassermann. (dessen Engagement an die Wiener Staatsoper leider $u Wasser wurde). Es ist überhaupt erstaunlich, wie viel schöne, tragende und gut geschulte Stimmen dieses, Deine Provinztheater in sich friedlich vereinigt uNd sich zu erhalten imstande D, während die größten Opernhäuser über wirtschaftlichen Zusammenbruch klagen und vor lauter Star-Intrigen zu keiner Ensemblekunst gelangen. W, Revue im Stadttheater ,Men lacht wieder." Im Stadttheater ist Hubert Marischka Hausherr geworden Während er im Theater an der Wien großen Wert darauf legt, das zu bleiben, was «tan in der pperetteiv* inbufhie „vorn-ehm-dezent" nennt, hat er im Stadttheater eine Nachtrevue inszeniert. Man sieht, er kann auch anders. Der verunglückte Theatersaal wurde adaptiert und steht mit den eingebauten Parterrelogen, bunten Glühlampen und dem vergoldeten Verputz wie ein Vorstadtnachtlokal ans. Die Akustik ist nicht besser geworden, tvas faber sweiter lerne! Sprachen dann werdet Ihr des Lehen meistern! 1000 Worte französisch die neue amüsante Method« nim Selbstunterricht aus dem Verlag UllstelnL liefert Ihnen ln leicht beschädigten Exemplaren rum Preis von nur S 4. (statt S 8.—} die BSehsreehweinme R* LÜWIT WIEN, I. '' 22 , bringt für die heurige Herbst« und Wintersaisoa' ROCKE ■MUHMMMMiHur ta herrlichen Dessins und Farben auf Seide f Ifin gearbeitet, rum Preise von. 0 JOUe HAARHUTE in den modernsten Fassons, durchwegs mit Seide gefüttert, dazu passend, zum Preise von (mxmmmxxxxxmxxxxxx?ooooO<«ooo nicht stört, denn diese Riesenrevue soll vor allem iaus -bie Augen wirken. Der verbindende Text zwischen den Tänzen, Paraden gut gebauter, möglichst entblößter Fvauensigureir und prächtigen lebenden Bildern besteht zum"großen Teil Ms gut bekannten alten Witzen. Man braucht nur ein jWort verstehen und ergänzt sich leicht die Pointe. Die Redakteure der Revue Grünbaum und Farkas waren diesmal die bescheidenen Handlanger, und die Angelegenheit ist bei weitem nicht so amüsant, frisch und bunt, wie es im Vorjahr „Das Journal der Liebe" war. ES ist hall ein großes Unternehmen, an welchem nebst Künstlerinnen vom Range der Rita Georg und. Elfte Altmann, nebst internationalen Tcmzstars und Varietekrästen eine große Zahl von Firmen ganz hervorragend beschäftigt sind, weshalb sie auch am Programm als „mitwirkende Firmen" figurieren. Die beiden Dichter gaberr mcht viel mehr als ihren Namen her, traten aber dafür persönlich auf, und Grünbaum gestand möglichst humorvoll, daß es ihm nicht gerade angenehm sei, das Ztoerchfell des Publikums durch seine Erscheinung und Verkleidung erschüttern zu müssen. Die Premiere wahrte ungefähr so lange wie die „Meistersinger", an Ausstattung wurde nicht gespart. Wbft einheimischen Größen sah man zum ersten Male die rassige Pariser Tänzerin und Parterreakrobattn DoraDuby, das famose deutsche Tänzerpaar Erik Garden nud Hilda I r m e r mtb das englische Tänzecpaar Elsio Percival und George Shnrley. Grütrbaum und Farkas sind unenüv^gtel ZargMdialektiker. Sie haben Witz, Geschmack, sogar Haltung. In bezug auf die jüdische Selbstachtung hat sich faß Niveau seit der Eisenbach-Zeit schr gchobeu. Bei den Komikern. Nicht aber bei ihrem Publikum. Die Schichte aufgedonnerter, kulturlos herausgeputzter, genußsüchtiger israelitischer Mitbürger, welche bei solchen Spsttakelsüemieren das Parkett und Parterre füllt, hat «ichls gelernt und nichts vergessen. Auf diesen Dell des Wiener Judentums haben wir uns nichts einzubildmr. CtSSL E Die im Neuen Wiener Stadttheater verwendet«! Tapeten, die wegen ihrer besonders geschmackvolle« Auslführmrg allgemeinen Beifall finden, stammen aus der „Law-i^, Lcrpeiensabriks-Akt.-Ges., Wien, 1. Be^. Aus den Theater«. Burgtheater. Morgen 7 Uhr „Der junge Aar" vorr Edmavd Rostand. Madsmietheater. Morgen 3A8 Uhr zum erstemnccke JS3aS grobe Hemd", Komödie in vier Akten von C. Kariweis. Operntheater. Morgen 7 Uhr bei abgehobenem M«moment „Der Rosenkavalier". Theater in der Josefstadt. Shaws Komödie „Fannys erstes Stück" heute, Donnerstag und Freitag H8 Uhr, Mittwoch, Samstag und Sonntag „Regen". Deutsches Volkstheater. Heute und Freitag 7 Uhr Goethes „FaUlt" (1. und 2. Ml), morgen (Mittwoch) 8 Uhr „Die Schule der Kokotten" mit Leopoldine KomtaMin, Donnerstag Hauptmanns „Kollege Crampton" mit Albert Baffermcrnn. Kammerspiele. Infolge Erkrankung des Herrn Zesch-Ballot müßte die für morgen cnraesetzte Premiere von Mstemaokers „Die Nacht ist unser^. auf Freitag verschoben werden. Bis einschließlich Donnerstag bleibt Lenaus „Faust" auf dem Sprelplan. Janaeeks „Jemrsa" im Carltheater. 'Das Olmützer Opernensemble, dessen GasMel im Carltheater mit so großem Erfolg eingesetzt hat, bringt heute' die . Over „Jenusa" von Janacek. Der Komponist wurde von der Drrektiou eingeladen, dieser Vorstellung persönlich Leizuwohnen. Das Werk wird in großartiger Aufmachung und in den flovakffchen Originallostümen zur Aufführung gebracht. DaS Berliner Gastsviel der Habima. Die Hab im a hat am 1. Oktober ihr Gastspiel in Berlin im Theater am Nollendorfplatz mit der Ausführung des An—sfischen „Dybuk" eröffnet. Auch hier errang daS hebräische Theater einen vollen Erfolg. Die Blättevsttmmen sind durchwegs enthusiastisch unv so schreibt u> a. Max Krell in der Boffischen Zeitung": „Wir hlwen vom Meater herab einen tiefen Eindruck enrpfanäen, der mehr als Theater war. Aus Moskau ist das künstlerische Theater „Habima" gekommen. Genauer: ein Volk ist zu uns gekommen, und cms seiner kultisc^n Haltung, die mrt dem Spiel sich, auf geradezu magische Weise mischt, sind wir fast wreder an die Anfänge des Theaters gedrängt, dorthin, wo Theater und religiöser Kult eins waren. Wir hatten das wohl längst vergeffen unter den Zuckungen von Jazz und kläglichem 35H& ... SH« Bilder Marc Chagalls sind Mendig geworden. So wie er, der ruflffche Jude, Ke geheimnisvollen Weisen in ihren schäbigen Mänteln, in ihrer Armut und Gottbesessenheit schaute, sind sie auf die Bühne gekommen. Verzückten Lewes, Sänger chres Leids und Glucks, Tänzer ihrer Triebe und beschwörende Lehrer ihrer östlichen Weisheit." Selbstmord eines deutschen Schriftstellers. Aus Weimar wird gemeldet: Der unter oeut Pseudonym Freiherr von Schlicht bekannte Schriftsteller Graf Wolff - Bartdiffin ist tot in seinem Schlafzimmer aufgefunden worden. Es wird vernrutet, daß der Gras, per in zerMteten VchMnWu lebte, GM genommen bat. 44^90656