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Wiener Morgenzeitung · 1926-10-03 · Heft 2731 (3.10.1926) · p. Seite 12

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2731 (3.10.1926)
Date
1926-10-03
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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*. «Fhjfet ISS« m:m ftr LITERATURBEILAGE DER .WIENER MORGENZEOT7NG' Sprache aav Slaabe. KpSt zweiter» Buch der Bibelübersetzung Buber-Aoseuz»»»ei-. Bo« Brrnard Ta-. «. / Beim Erscheinen des ersten der Fünf Bücher Woses haben wir unseren Standpunkt.gegenüber der neuen Bibeln Übersetzung' zu kennzeichnen versucht. Wir haben namentlich darauf hingewiesen*-, wie sehr f ü r .a f I c Bibelübersetz»» nge»» vornehmlich zlvri Moinente in Betracht kämen: daS eine. von der'Zeit und. Zeitgeschichte bedingt, das andere vom Grirndtrieb der einzelnen Individualitäten, die das Werk der Nebersctzung formen oder nensoriNen.. „Damit" — so durften wir sagen — „ordnet sich die Reihe und Folge der Bibclübersetzu»»gen — von ihren» Beginn bis auf unsere Tage — nahezu von selbst." Die Die'Septuaginta, die Bnlgata, die Luthcrbibel, und .noch hie deutsche Bibelübersetzung Mendelssohns sind die k^isfischen Zeugen tiefgehender historischer Wirkungen, und Wemdlnngen im Völker- und - Menschenleben. - Und dann folgt ein neuer Wandel: die grundstürzende prinzipielle Einstellung zur Bibel: ihre Kdritjk, und die stetig sich sortsetzende Dekomposition derselben im Zeichen wissenschaftlich sich unfehlbar dünkend« Uirtersnchungsmethoden: die Bibel, ganz eigentlich in Untersuchungshaft des Zeitgeistes, — ein Prozeß mit nnbe.- stivmkte»! Ausgang. Denn gleichzeitig mit der Tendenz ermt blssmnnrrgskosen Atomisierung der positiven Religüou, ja der Religiosität als solcher, bricht aus immer tieferen Gründen eine Strömung sich Bahn zur Erneuerung ‘ ftefec«: der positiven Religion und ihrer „unnachläßlichen" Fordernng einer Lebenshaltung nach dem „Gesetz"; aber mfy.gtt Erneuerung oder Neuschöpfting einer Religiosität, E M.tztt. chrer Bindung an die absi)Krte Gottheitgar rÄtzt.i«'- Äie Lage kommt, zu sündigen gegen den Geist'-der . .... ' .Dr^. K.denn auch der tiefere Grund, lvmmm aKe ervstle . K»8ik beim. Erscheinen der neuen Bibelübersetzung von Wartm Buber und Franz Rosenzweig an der Frage- »MH. der, mrMeideutig sich heischenden Einstellung beider LO^scher zum Zeit- und Geistgeschichtlichen nicht vorübergehen konnte-' nicht vorübergehen durfte.. Wie, eine n««. Bibelübersetzung leitet sich ein -oh»« ein Wort hör EvÜeftürpK? Wohl im Vertrauen daraus, daß Martin. Buber Äich - Franz Rosenzwerg keine —. Fremdwörter, Leme Fvomd namen sind? Aber hier, einer neuen Bibelichersetzung vorauf, voraus, heischte sich ein ZÄxrt des . BcknntnGes, ein ' Wort der Brenner geradezu! / Sicherlich, die Bibelübersetzung ist ja an sich ganz wt gar em Bekenntnis. Aber wiederum: gerade die. Eigen-. ad, das durchaus Neue derselben in . der Formgebung'und i« -Zusammenhang mit ihrer Geisteshaltung, konnte sich mit «tugen wenigen Worten klärend einführen. Daß die' Aebersetzer „in der Folge weiterer Bände das wesentliche" in ihrer prinzipiellen und problemhaften Einstel-. lung zur Bibel uns nicht vorenthalten würden, — dieser Bttmmtnng gab ich schon im Hinblick aus die Individualität' Martin Bübers wie ebenfalls Franz Rosenzweigs'deutlichen Ausdruck; und ich gestehe, es ist mir eine Art Genugtuung, daß Eine Vermutung sich so bald -als richtig erwiesen hat. ,r )lüj Ir ehernen des zweiten Bandes;•« . ,-ä:.iüber-: ^etznug^) und die in einigen Blättern publizierten Ansichten und Aeußerungen der Ueberfetzer zu. ihrem Werk ermögkchen es der Kritik, nach weiteren Stützpunkten für ihren ursprünglichen Standort, sich, umzusehen oder ihr Urteil, wo. es erforderlich ist, zu revidieren und zu -berichtigen. Sie wird aber, denke ich, jedenfalls das erstere eher und leichter und lieber tun, als das letztere.' Es ist so schwer,, guch.Mnn man. der „Klügere" .zu sein glaubt,— nqchzugeben;. schwerer ein Urteil zurückzunehmen, tvomit. -man dtzn änderen Einmal verurteilt hat. Ginge ich unter die ' Krsti^r,' . welche die Bibelüberschung Buber-Rvsew. zweigt schon mit dem ersten Buch in Grund irnd Abgrund gebohrt Haber», fiele mir nichts leichter, als das Sündenregister ungewohnter und ungewöhnlicher. Wendungen und Neubildungen aus den Blättern des zweiten Buches. zu vetdotz^esi». Auch wir haben Vorbehalte; über einzelnes läßt sich rechten; — aber das Werk aus dem Ganzen seines Geistes bejahen wir durchaus. Denn was besagen schön derartige sporadisch verstreute, „willkürlich" verschränkte sprachliche. Einzelheiten gegen den strahlcrrden Geist und die werbende Kraft i'm Ganze») ihrer Sprache! , Man lese beu Abschnitt und Wochenabschnitt „Vschalach" in» Urtext*), lese die Lutherscho, die Men- , delssöhnsche Verdeutschung; und wenn die Sprachgervält Luthers' auch hier nicht versagt und man in der naip- - schlichten Uebersetzung Mendelsso.hns überrascht wirdvon '*) Vgl. „Wiener Morgenzeitung'' vom 5. Mai, Nr- 2385.- •*) Das Buch Namen. Verdeutscht von Martin' Buber SKWnso»» mit Franz Rosenzweig. Berlin. Verlag Lambert Gchnerder. *) Zweites Arsch, Kap. 12. ihrer Anmut und Kernigkeitso sehe man »üir, wie viel Sprachschönheit und Kraft - und Zartheit hier rn dieser neuen Uebersetzung aus der Urschrift entnominm mid gemehrt -ist. Und etwa denn niur hier? Strömt' es nicht in gleicher Art und gleichem Grad aus jedemAbschnitt, aris jedem Blatt, aus jeder Berszeile? Darin erblicke ich einen wesentlichen Zug dieser neuen Bibelübersetzitng, daß>»hr Charafter überall von der gleiche»» Stärke her Sprachsor»nung getragen unddurchgeistigt ist. Das wird erst recht' fühlbar im zweiten der.. fiinf Bücher Moses^ im Buch „Namen": wenn das vorwiegend Idyllische des ersten der fünf Bücher sich wandelt in die dramatische Wucht, Düsterkeit und Erhabenheit des zweiten Buches: im Zeichen der Befreiung aus tyra»mischem Truck und im Zeichen der Offenbarung des Gottes' woltes. An der . Glut der Ursprache entzündet sich die Flamme der deutschen — und brennt und läutert das Wort zu purer Form. / Dieselbe Kritik, die wir eben charakterisiert haben, hat auch die Parole von der „Stummheit der Bibel" geprägt; geprägt ad hoc gegenüber der Uebersetzung Buber-Rosenzweigs. Auf die kritischen Einwände gegen die besonderen Wortneueruirgen .und Wendungen haben, unsere beiden Ueberfetzer die Antwort jener Kritik erteilt.**) Die „allgemeine These von i.c Stummheit der Bibel" m . „unserer Zeit' eine These, „die wir für irrig und verderblich hatten, wünschen nur. nicht ün Zw sammenhang mit jenem Angriff" zu widerlegen.' .. Es trifft sich gut und wie eine Fügung, daß die Antwort darauf, bei uns hier in Wien von Marti»». Buber. selbst gegeben werden wird: denn der dritte in der Reihcseiner Vorträge lautet: „Der heutige Mensch usid die Bibel" ' /, . : Ist es notwendig, vor solchem Augenblick es/ besonders zu bstonen, »mt welch freudiger Spanmrng »vir ferner. Antwort .LntgMnsehen.? Zurrral sie. nach zwei Fronten gegebenwewen-.'rriuß. — cm.Christen ürch an Jrü»en? -- .-- v -v. Ich söktte hier schießen das Wmck hat jetzt Martin Buber. Aber mit.reinem) letzten muß, bte. lieber^ schrrft rechtfertigen,: diä ,ich der . Betrachtung - des zweiten Briches her. U^bersetzurrg ^. gegebenä Sprache und Glaube. Dieses alte- »rrältestä Büch, itnser, Erbium, ist die Bibel» ." sie ist und wird' ewiger Jugend, An ihr. und. mü. ihr, wixd ^d^^Sßgchr der ..Erneuerung der totgefagten Sprache, -^ unfere^ und nicht nur unserer, -nran redet ja heute!auch MN' Sprachentod' der Gegen- *)' Btzl.. „FranHsürfer Zeitung". Nr.. 366.., Die Werke von Daniel Gespräche von'der VerwIrWkhtwg geh. S 810 . Ekstatische Konfessionen geh. S 11*70 Ich und Du / geh. S 0 — Ereignisse und Begegniingen geb. S 7^20 Die Rede, die Lehre und das Lied .; geb. 3 7 20 \ Nachthann . geh. S ^eb. S 9 — Basischem geh. S 7-60, geb. S 10-50 Der. große Maggid geh. § 9;-, geb. S 13-50 ., , / , Das verborgene Licht . geh. S 9*-, geb: 5 15 - Reden (Gesemteusg.) geh. 8,7 00. geb. S 10-50 Per heilige Weg geh. S 2 40, geb. S 4*50 Die Schrift pro Bd. geb. S 7‘20 Band U Das Buch ,,Im Anfang'* Band II: Das Bdch ,.Na|nen" Zu beziehen durch die Buchhandlung R. LÖWIT / WIEN RötenturtnstrD&e Nr. 22 102 wart — ebenso sichtbär werben wie die andere, die religiöse Erneuerung des totgesagten Glaubens, Wir grüßen Martin Buber und in ihm auch dem Genossen und Bruder seiner Geistes- und AÄwitsge^ mqinfchast, Frau- Rosenzweig. Möge ihr gemeürsamvs Werk der Bollenidnng zureiferr. Martin Nnberr Bedeutung. - Nun1 kam Martin Buber wieder einmql nach Dien, Er kam, um zur Jrrgend zu sprechen, mn ihr das zu sagen, was ihn jetzt am tiefsten, am stärksten bewegt. Tenn Buber spricht im»ner nur zur Zugend, wenn auch manchmal zur Jugend unter den Erwachsenen. Man mag über manche Einzelheit der manchmal etwas eigenartigen Buberschen Deutung des Wescmtlichen am Judentum verschiedener Meinung sein, die Reinheit,: Ursprünglichkeit u»id Echtheit seiner Gefühle rmdUeberzeugungen ist unverrückbar., und über jd>en.Zweifel enhaben; und dies allein »st es, das eine bedeutende geistige Persönlichkeit der Jugendfühterschaft würdig macht: Die' Wahrheit, die kann der Jugend und: dem Volke nienraird geben, die suchen und finden sic selbst, jeder einzelne .für sich; sie zum Wert und zur Wirklichkeit ehrlich und mit Demut zu führen, ist Buber vornehmlich be- - rufen. Bubers größtes Verdienst fstr das jüdische Volk- und vielleicht rwch mehr für die jüdische Jugend liegt. in seiner Erneuerung des Chassidismus; jener religiösen-' Bewegung im Ostjudentum des 18, Jahrhunderts, die äm ehesten eine Quelle bum« neuer Inbrunst und ungebrochener Kraft für die Anstrengungen um unsere. Wiedergeburt sein kann. „D i e L e g*e n d e d e s B a al-> fchem", „Die Geschichten des Rabbi Nachman", „Der große Maggiel" und amh ,/Das verborgene Licht" geben ein Bild des innerliWey. Lebens des Judentums, weil es hier sozusagenin seine kleinste» Atome zergliedert wurde, von denen jedes du abgeschlossenes Ganzes für sich fit und den, Sinn des ganzen offenbart. Tie Legende und die. Anekdote sind darum die . Lieblingsformen der chossidischen Dichtung, weil es das tiefste Wesen des Chassidismus ist, in der.- . Beziehung zu jedein kleinsten Ding, in jeder unscheinbarsten Handlung das Allerheiligstc zu tun und zu erleben. Hier führt auch der Weg Bubers, des Mystikers und Chassids —, zur Wirklichkeit, zu einer Erfassung der Dinge, wie sie tatsächlich sind, »mt der ganzeir,^Kawcnzah", das heißt Inbrunst, der sehnsüchtigen Seele. U»st> was »st für die Jugend eines Volkes, das den Freiheitskampf kämpft — einen Freiheitskampf, der nicht in einer einzelnen Schlacht oder Revolution besteht, sondern in unermüdlicher, täglich« Erneuerungs a r b e i t — was ist für diese Jugend nichtiger als eine deutliche, Ihre, sachliche, von der Konpentüm der Worte und der Lebenskompvomisse nicht verstümmelte Beziehung zu denu Dingen?! Zu den Dingen, wie sie sind, und nicht, wie sie zu sein scheinen, zu dem Ding an sich, nicht im metaphysischen Sinne, sondern im lebendigsten, für diese Welt einzig erreichbaren: als intensive. Bemühung des Subjekts, restlos sachlich zu sein, die Wirklichkeit bis zum letzten ernst zu nehmen, sie durch die FlaiNmen des tätigen B«ftchenwollens zu heilige»». Das ist Bubers Chassidislnus und sein Verdienst um. die jüdische Jugend. Nicht üm der Theosophie oder Religion willen erzWt. Buber. vom Baalschem oder von Ghandi, sonderir nur um des realen Lebens willen, das rechtmäßig zu erfassen des Menschen höchste Aufgabe ist. Hub des sqme H'offmmg herbeihämmernden Juden. . > / Leopold THaler, Bon Siknüd UndsetS rasch berühmt gewordener Romantrilogie Jftit ist i n Lab r ansto'ch t er" ersch'eüit jetzt der ' dritte Band unter dem Titel a s K r e u z". - Die GesamtomsgaSe von Knut Hamfüns Werken im Verlag Albert Langen, München, ist um weitere-zwei Bänden gefordert, urtb zwar bringt Band XI die Dramen,. Band XII neben den beiden Dramen „Mimten Bendt" und „Königin Tamara". ausgewählte Gedichte. , , Ferdinand Ofsondowsti kündigt durch seinen Berläg Carl Reißrrer, Dresden, ein neues, großes Werk, „Flammendes ,A f r i k a" an. DaS billige, gute Buch. Der Verlag Krepenyeuer bringt-die wohlbekannte Liebhaberbibliothek nmrmchr im neuen Getvanöe und größtenteils mit neuen Autoren zunächst in 10 Bänden heraus. Die Werte erschemon in Friedensausstattung zu einem Preis, der für jeden erschwinglich ist. (Sie kosten trt. 1.50 Rn»., in Leinen 2.60 Rm. und in Halbldder 3.50 Rm.) Die erste Serie enthält , folgende Werke: Olai Äslagssohn, Trampleben. Barbey.d'Aurevilly, Die Leuflischen. A- B e n n o t t, Geschichten aus den fünf Städten. Ventura -Garcka. C a l d e r o n. Peruanische -Lovellen.' Jcms Peter Jacobsen. Növellen..:Die sieben Schlösser des MÄik Schah, arabische Märchen, gesammelt von A. L i n d e in an n, Ecjart von Ra so, Chronik der Gistrnischerin. W'ä cke nr o d er. Hörzensergietzitngen. Arnold Zweig, Der Spiegel des großen „ Kaisers. Stefan Zweig, Volpone.

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