Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2731 (3.10.1926)
- Date
- 1926-10-03
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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f «MH wirken vorbeugend und lindernd die ärztlich erprobten und empfohlenen Semätlvem KnoWanchtroDfeti. Vorzüglich bei Frauen in den Wechseljahren. Preis 8 3.50. Erhältlich in allen Apotheken. iSt Erzeugung: Alte Feldapotheke, Wien, L Stephansplatz. U!$ Bauer aber leistete Widerstand, ergrrff ein Gewehr Mang Len Unbekannten, die Flucht zu ergreifen. Dieser Vorfall brachte ben Gendarmen auf bk. Spur GrappaS. Er brachte, in Erfahrung, daß Groppo in her. Tracht eines Bettlers in der kritischen Nacht auf dem Anwesen deS ermordeten Ccttnarda sich mvfgehallen habe. Der Gendarm vermutete mm, daß Bettler und FaSir sin und dieselbe Person seien und Tiefe zuerst einen gewissen Eerabona verhaften, den Groppo dem Bauern gegenüber, den er zu hypnotisieren versuchte, seinen Freund genannt hatte. Michele Ceder schon in der ersten Nacht einen Fluchtversuch aus dem Kerker unternahm, gestand» daß der geheimnisvolle Fättr rmr Domenico Groppo aus Fascinetto gewesen fein könne. Wsr und andere Kennzeichen stimmten auffallend. Groppo fft 30 sichre alt. groß, stank und an ihn: fällt seine B e c e df'«<arfent auf, die der Fakir und Bettler allerorts zur Schau stellte. 'UebrigenS wurde fcstgostellt, .daß Groppo wenige Tage vor der Erurordung des Casnarda und seiner Ängehörigen sich in Pofticci aufgshalten habe und dort auch mit dom Eenabona Mjammengetrofferi sei. GZ blisli nur noch übrig, des Mörders habhaft zu werden. Der Gendarm Nardottino batte erfahren, daß Groppo nach Castrrvillari in Äalabrierr geflüchtet sei. Dort, nahm man Groppo denn auch fest und brachte ihn nach Ferraribina zurück, wobei e§ nicht leicht war, den Verbrecher vor einer Achnchsustiz >durch die erregte Bevölkerung #n bewahren. Gleich nach soiirer Festnahme erbat Groppo von den Gendarmen einen Revolver, um Selbstmord begehen zu können. Er wollte, so sagte er, schon Tange Hand an sich legen, da ihn die Geister der Ermordeten bei Nacht peinigten. Er könne seit Wochen schon nicht mehr Ischlafen, da ihm die Ermordeten als Gespenster erscheinen und ihn durch ihr Schreien halb wahnsinnig «machten. «er Tiger km Sveifewage«. In dem Dcckodoh-D-Auge befand sich ein Güterwagen, in dem eine reisende Menagerie untergebracht war. Mau hatte natürlich alle BörfichtSmaßrsgeln zur Sicherheit Reisenden getroffen und glaubte, daß ein Mißgeschick ausgeschlossen tväpe. Der,Waggon.mit.den wilden Tieren befand sich ' dicht hinter der Lokomotive. An ihn schloß sich ein Schutzwagen und diesem'folgte der Speisewagen. Die Fahrgäste hatten eben imr die Mittagsstunde im Speisewagen Platz genommen, wo daZ Diner serviert werden sollte. Die Kellner liefen geschäftig hm und her und brachten den Gästen die Suppe, als sich plötzlich vor der Tür, die zu dem Schutzwaggon führte, ein Brummes sehr drohender Art vernehmen ließ. Die Tür war zwar •*jßffc verschlossen, aber einige Ddirruten später war die Glastür zerdÄrmnert und die Scherben fielen zur Erde. Die vor Schreck erstarrten Fahrgäste sahen plötzlich durch das zerbrochene Fenster den wilden Kopf eines Königstigers eyrftcmchen, der Miene machte, sich durch das zerbrochene Fenster hindurchzuKvmrgen, um in den Speisewagen einzudringen. Ein ungeheurer Schreck bemächtigte sich der Fahrgäste, die in wilder Panik davonstürzten, um ihr Leben zu retten, zumal der Tiger sich eben anschickte. mit der Gewalt seiner Pranken die Holzfüllung der Tür und die Messtngstäbe der Verkleidung zu zerbrechen. Durch den Widerstand, den ihm die verschlossene Tür bot und durch die Verwundungen, die er durch die GlaSsplitter sich zugszogen hatte, wütend gemacht, stieß er ein furästbares Brüllen aus und arbeitete mit Maul und Pranken daran, das Hindernis, daß ihm den Eintritt in den Speisewagen verwehrte, Zu zerbrechen und sich auf diese Werse den Eintritt zu erzwingen. Die Panik in dem Speisewagen war inzwischen gewachsen, da der Ausgang sehr klein war und durch die Windungen der Gänge des D-Zuges nur eine langsame Leerung des Speisewagens erfolgen " In diesem Augenblick der höchsten Not erschien plötzlich der Tierbändiger auf der Bildfläche. Ein Kellner, der den Tiger zuerst gesehen und die Situation überschaut halt, raste sofort durch alle Wagen des D-Zuges und rief nach dem Tierbündiger und Besitzer der Dümagerie, der sich nach seiner Meirvmg im Arge befinden mußte. Glücklicherweise fand er ihn auch sofort in einem Wagen schlafend und rief ihn zur Hilfe herbei. Ws die Leute hörten, daß der Tierbändiger da sei, beruhigten Ke sich sofort und machten Platz, um ihn zu dem Tiger gelegen zu losten. Nun ereignete sich ein interessantes Schauspiel. Kaum sich der Tiger seinen Herrn, als Ä sich mit furchtbarem. Brüllen duckte urrd fich vor dessen starren Blick langsam und scheu zurückzvg.' Der Tierbändiger wartete, bis die Fahrgäste den Speisewagen in voller Ruhe verlassen hatten; erst setzt schloß er die LluSgangStür und öffnete die von dem Tiger zerbrochene Tür, «m ihn mit Revölverschüssen und Peitschenschlägen langsam in den Käsig zurückzutreiben. Die Hilfe durch den Tierbändiger ta tatsächlich im Augenblick der höchsten Rot, da die Tür fasst völlig zerstört war und dem Tiger nur noch wenige Minuten Widerstand geleistet hätte. Der Tiger — das wurde jetzt fostaostellt — hatte die Stäbe seines Käfigs auseiiiandergebögen rmd fich dann hindurchgezwängt. Auf diese Weise hat er seine Wviheit gewonnen, die beinahe Men Reffende« vertzängrr!siMsAwiödesMSr«. Ae iSdischev Vaiieni iu Beflarabiell. rSMM ÄmtzkarLe war OessavMm immer aK satte und reiche Provinz verzeichnet, welche Petersburg und Moskau mit Obst und Wein versorgte; dich: Fruchtbarkeit hat jedoch Bessarabien seither nicht bewiesen. Gs gab Zetten, wo das Getreide Bessarabiens bis nach Rotterdam ging; der Wein von Schabo feiner kleinen Schweizer Kolonie) hatte besonderen Ruf in ganz Rußland und schon die Angabe, daß man aus Bessarabien stamme, bedeutete Satthett und Gesundheit. DaS war vor zehn Jahren. Heute aber ist Bassarabien in wirtschaftlicher Beziehung ruüriert. Die Jahre deS Krieges haben viele Menschenopfer gefordert, daS ganze Land ruiniert und auch den Viehstand vernichtet. Dies und der Mangel in landwirtschaftlichen Maschinen, der die Bauern zwang, die Felder mtt den primitivsten Werkzeugen, wie z. B. dem Holzpflug zu bearbeiten —- das alles hat zur Verringerung der Produktion im Lande geführt. Die russische Revolution hat zwar die Agrarreform gebracht, aber sie hat den Bauern nicht mehr als die Erde gegeben, die sie jedoch aus Mangel an. Krediten und Maschinen nicht bearbeiten konnten. Der Krieg, die russische Revolution, dic Uebergangszert, da die Bevölkerung nicht wußte, an welchen Staat sie fallen werde, da die Bauern noch nicht sicher waren, ob ihnen der Boden gehören wird, die Entwertuzrg des russischen Rubel und der Währungs- Wechsel in rumänische Lei — diese alle Gründe mutzten auf dic wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes zurückttürken und gleichzeitig auch auf die jüdische Wirtschaft. In Bessaravien sind etwa 300.600 Juden ansässig. Von ihnen sind noch aus der russischen Zeit etwa 6000 jüdische Landwirte» die Wer das ganze Land verbreitet sind und in Kolonien leben, so in DunÄrewem, Alexandrenk, Markulesti, Briczewa. In der Zeit der Agrarreform, die im Jahre 1017/18 vom Bessarabischcn Landtag (Swatul- Zeri") im Prinzip angenommen und van der rumänischen Regierung durchgeführt wurde, sollten auch die Söhne der jüdischen Kolonisten Boden bekommen. Selbstverständlich haben nicht alle Juden Parzellen erhalten. Das gesetzliche Maximum von 6 Hektar hat nicht jeder bekommen; der größte Teil erhielt nur die Hälfte dieses Aftrximums, was jedoch nicht für die Erhaltung einer Familie ausreichte. Nur denjenigen, die beweisen konnten, daß sie früher als Landarbetter tätig tvaren, wurden Parzellen zu dem Preise von 1 englischen Pfund pro Hektar, zahlbar auf lange Frist, zugespro^.' . " Drmrg zur Landwirtschaft bei den Juden war sehr, groß, die Regierung hgtte ihn jedoch nicht befriedigt, weil sie kein Interesse darän hatte, die Mische Klasse von Händlern und Lustmenschen in produktive Elemente umzuwandeln. Trotzdem haben im Zug dieser Agrarre-form mehr als 5000 jüdische Familien Boden Lekonmren. Aber hier begann erst die große Arbeit der jüdischen Allgemeinheit. Der jüdische Landwirt hatte m der Zeit des Krieges seine wirtschaftliche Lage durch Handel verbessern müssen. Infolge des wirtschaftlichen Verfalls nach dem Kriege war er gezwungen, zu seinem früheren Beruf zurückzukehxeu. Da er jedoch die Bedingungen für eure maximale Produktion nicht erreichen konnte, so wäre er gezwungen gewesen. fernen Boden zu verkaufen und auszuwandern. Mau mußte ihm also die Bedingungen schaffen, die ihm ermöglichten, den Boden zu bearbeiten. Da 20 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung in Bessaravien bei der Landwirtschaft beschäftigt sind, mußte man alle Möglichkeiten suchen, sie an dem Boden festzühalten. Die Müschen Organisationen, die sich mit dem Aufbau der wirtschaftlich ruinierten jüdischen Massen befassen, haben dies mit derartigem Flerß und Eifer begormen, daß sie den Mischen Landwirten Hilfe und auch Schaden gebracht haben. Die 11—12:000 jüdischen Bauern waren schließlich von der „Jca" und „Ort" so umzingelt, daß sich schließlich 'die beiden Organisationen stritten, wer Hilfe bringen soll. Die „Jen" Üsmftragte nun den «Ort'" Arbettsgolegetrherten in. Rußland zu sudM, hingegen schickte der „Ort" die „Jca" nach Argentinien, wie dies der Baron Hirsch in seinem Testament bestimmt hatte'. Da beide Teile sich nicht einigen konnten, begann man eine Parallolaktion, die dem einen zuviel und dem andern gar nichts gab. Diese Streitigketten wurden aber nicht als lokale Fragen behandelt, sondern cs begannen Unterhandlungen zwischen den kettenden Persönlichkeiten beider Organisationen; man hielt Beratungen in Berlin mrd Paris, kam jedoch m keiner Einigung. Die „Jca" hatte ihre Arbeit bei der Hilfe für die Lech- Und Sparkassen fortgesetzt» welche sich in einem Verband der jüdischen Kooperativeil konzentrieren. Der „Ort"' hatte spezielle lokale Komitees eingesetzt. Die „Jca" untersagte dem Verband der jüdischen Kooperativen die Bermittlungsmrd Jnkassooperationen -es „Ort" durchzuführen. Dies schuf wieder dem „Ort" Schwierigfeiten und er mußte sich an Privatbanken wenden oder an Etnzeilpevsvnen, die jedoch die Ausgabe nicht so erledigten als wie die Leih- und Sparkassen. Diese Unstimmigkeit ist bis heute noch nicht beseitigt. Beide Organisationen sind einander feindlich gesinnt. Der stille, aber heftige Kampf hat nicht ansgchört, auch nicht in den letzten Jahren der Mißernte. Bessarabien hat jetzt . ein Hungerjahr drmtzgemacht. Die Bauern haben nicht einmal die Saat Lee Srev Mchm 3ra n«J Lrt. Lütt Dr^ MtchitÄ Kißchüeew. ernten Kmren» die sie an^kEküt haben. Dir Regi^mrg- WM die Dauern mtt Mais unterstützt, aber es genügte nicht. Hungrig und nackt ist ein Teil — Bulgaren, Russen Md deutsche Kolonisten — nach Brasilien auSgewandert ünhdort in Kaffoeplantagvr versklavt worden. Ein anderer Teil ging für kurze Zeit nach Mtrumänien zur Lohnarbeit. Die jüdischen Bauern und die Einwohner der. kleinen Städtchen, welche von den Bauern lebten, hatten van der Regierung nichts bekommen und dje Not dieser Leute war schrecklich, Tvril sie nicht nur von „Mameliga" leben konnten. Dann kam der Winter und der Notschrei von Tausenden Hungriger ließ sich hören. Es kanten Fälle von SelSsttnorden und Hmcgcrwahnsinn vor; Epidemien waren ausgebrochen und man mußte rasche Hilfe organisieren. Die erste Statistik bewies, daß es mehr als 20.000 Erwachsene waren. Dazu kamen noch .6000 Kinder, die man besonders pslegc»c mußte. Bessarabien ist überhaupt arm, dic kfeinc Zahl kleiner Leute ist geizig wie überall und der Mittelstand leidet selbst Mangel. Unter solchen Umständen war es schwer, die Hilfe zu organisier^'. Es war ein nationales Unglück hereingebrochcn, das man mit allgemeinen Opfern und Anstrengungen beseitigen mußte. Hier hatte sich die Wichtigkeit des Verbandes der jüdischen .kooperativen und der L-eih- und Sparkassen erst recht erioiesen. Der Verband der jüdischere Kooperativen, welcher erst seit fünf Jahren besteht, wird von dem bekannten Fachmann Nachum M. R o t h m a n n geleitet. Der Verband hatte die Arbeit ohne Geldmittel sofort begonnen, bloß in der Ueberzeugung, daß die jüdische Orffentsichkeit ihre Pflicht tun tverde. Der Joint urrd die jüdische Bevölkerung aus Aü» vumänien sandten große Spenden; bis August 1026 kiArren etlva 10.000 englische Pfmrd, die Hälfte vom Joint. Die Durchfnhrmrg der Hilfsarbett war den Leih- und Sparkafferr anvertraut, so daß fast keine Kosten für. Organisationszwecke ausgei;cbcn werden rnußterr. Dic Sanierungsarbeit kam gut zustande und es verblieb noch ein Uobevschuß von 600 Pfmrd, welcher' zur Bevfiigung der Joints geblieben ist. Man kann allerdings heute noch nicht behaupten,,' daß sich die wirtschaftliche Lage der Juden in Bessarabien Viel gebessert hat. Der jüdische Bauer hat auch dieses Jahr kerne große Ernte gehabt, aber er wird doch keinen Hunger leiden. Im allgemeinen kann man sagen, daß für den' jüdischen Bauer eine große Aufbauarbeit noch.notig.ist. Wenn.sie zustande kommt, dann wird curch der jüdische Kaüfman". der jetzt unter schweren Steuern zu leiden hat, sich erholen» In dieser Hinsicht stehen noch große Anstrengungen für die 'jüdischen Kredit-Genossenschaften bevor, welche derr Wucher aus der Crttwicklung des Bauern, des Handwerkers und des Kaufmannes bekämpfen müssen. 8» Samt mtfi Seide, den Prinzessinnen auü den Märchen bou „Tauseuds und eine Nachts gleich, sieht man allenthaWen die moderne, elegante Tome, Kleid,. Mantel und Hut —> eure entzückende .FarbenharmoUic, dic als lvandelnde Blume das Stmßeu-, bild Wiens verschönert. Der herrschenden Mode foIgett&, muß die Tarne ebenso wie der Herr in Anbetracht bei Be* rcit^ merklich kalten Temperatur an die Neüänschaffmrgen für Herbst und Winter denken. Es ist auch hoch an der ZeH, daß die Hausfrau ihr Heim traut und gemütlich für büe langen Abende einrichtet. 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