Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2731 (3.10.1926)
- Date
- 1926-10-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Gelte 4 Men. Somttag wollen Ihre Wäsche sauber haben sollen Ihre Wäsche schonen müssen daher waschen lassen bei der FEIN WASCH AMSTA LT BIANCA XIII., LINZERSTRASSE 29», TELEPHON Sl-3-31 hoten und stallen jedes Quantum Wäaehe kostenlos zu. waschen Ihre Wäsche ganz separat, schonend und blütenweiß, halten Ihre Wäsche gegen jedes Risiko vollversichert. 156 vermögen allerdings nicht nnr die Nervenkranken, son dern auch gesunde Menschen aus der Fassung zu bringen. Um ein Uhr nachts nehmen Lärm und Gejohle En den Straßen noch immer kein Ende. Die heimatlosen Kinder führen die unerhörtesten Tinge ungestraft auf. Da stehen zwei Mädchen im Alter von znwlf und 14 Jahren vor einem Sptegelgeschäft^ Ein „Kavalier'' von 16 bis 17 Jahren nähert sich ihnen. Die Burschen benehmen sich schamlos - nnd die Mädchen dulden es. Es sind Prostituierte. Und die Passanten sehen alle diese widerlichen Szenen, ohne die geringste Benterkung zu machen. Man nimmt das hin wie eine natürliche, ge wohnliche Erscheimlng. Zwei Uhr nachts. Tie Gassen sind verödet. Eine aus etwa acht Mann bestehende Truppe Huligans kommt gröhlend heran. Tie Huligans stellen jeden Passanten. Wer ihrer ansichtig wird,. weicht ihnen aus, flüchtet in eine Seitengasse. Endlich - erreicht einer der Wegelagerer einen friedlichen Passanten, einen Arbeiter- und beginnt ihn zu verprügeln. Dem Arbeiter gelingt es, davonzulausen' er wird aber verfolgt, obgleich der Verfolger von seinem Genossen angerusen wird: Zaß ihn lausen, Saschka, das ist kein interessanter Falls' Aus der Ferne hört, man noch die Ruse des. ge prügelten Arbeiters: ,Warum schlägst dn mich eigentlich? Warum?' Min Matrose ist hier-sichtbar und selbst der einzige abgemarterte Milizsoldat ist verduftet.. Um drei Uhr früh ging ich zu Bett, aber lange hörte ich noch geilende Rufe von der Straße: ,Hilfe! Rettung!' Und die Hilferufe klangen wie Ruse in der Wüste, ohne sm Echo zu erwecken..." Sine Tragövie auf der Landstraße. Ei« Karabinieri und ein Landstreicher erschossen. Tie „Jnubnicker Nachrichten" melden: Am .-itt. September hielten zwei Karabinieri auf der Straße w ischen Brisen und B v z-e n in Äeidbrnck zwei junge Leute an, die sich Eduard Singer und Eduard Ko fl er nannten und angnbcn, aus Jnnsorii'ck zu fein und sich auf der Wanderung nach Italien zu befinden. D-a sie keine Ausweispapiere hatten, wurden sie - von den Karabinieri aufgefordert, in die Kaserne mitznkommen. Auf dem Wege dorthin zog Singer plötzlich einen Revolver nnd schiß einen Karabinieri nieder, der. ■ lebensgefährlich verletzt wurde. Danach ergriffen die. beiden die Flucht. Der zweite Karabinieri schoß ihnen nach und tötete Koster, während Singer entkommen konnte.- <»«W« «MfriV«"« ' '*%. ÖftoS« WS üfi. &Toi fllmabbtoet Sr. $> Mes Mio 3ahre alt. Am SS. Tischri des Jahre« 5637 wurde Hirsch Perez E a j e s in Brody geboren. Tr vollendet mithin am he«- tigen Tag sein fünfzigstes Lebensjahr. Auch bei gewöhnlichen Durchschnittsmenschen bildet in der heutigen, rasch-* lebigen Zeit der fünfzigste Geburtstag einen Anlaß, Mm RüMick auf das im Leben Dollbrachte und zu einem.Ausblick auf Wollen und Wünschen in der unbestimmten Zukunft. Der Wiener Oberrahbiner Prof. Dc. H. P. C'Y aj e s hat aber das Glück, schon heute auf ein LebenStverk zurücksckanen zu können, da« ihn über seine Mitmenschen erhebt, ihn. sein Schaffen und Wirken, sein Sinnen und Trachten zu einem der wertvollsten Menschen- und Gcistesgütrrit des jirdiscku'n Volkes uyd der gesamten Äulturmenschheit geformt hat. „Jeder Tag meines Lebens, jeder Schlag meines Herzens. jeder'Teil meiner Kraft, jede Frucht.meines Geistes gehört dem Judentum und seiner geschichtlichen Aufgabe, dem Befreiungs-Werk der Menschheit!" Mit dieser Selbstcharattetistik führte sich Dr. E Hajes am 2-i. April als Obcrrabbiner von Wien ein und die Arln'it zur Bevtvirklichtjijgdieses .'freiwillig gewählten Lebensprogramms hat fast die. ganzen fünfzig Lebensjahre dieses jüdischen Idealisten ausgefnllt. . Einer altberühmten.jüdischen Gelehrtenfamilie,- die ihren Stammbaum bis in« 14. Jahrhundert zurückzuverfolgen vermag, entstammend, fiel Chajes schon.rri gauzjungen Jahren durch sein phänomenales Gedächtnis, feine ans Wunder grenzende rasche Auffassungsgabe und eine' scharfe, zu kritischer Verarbeitung des Erlernten neigende Logrk ans. Als er zu. Beginn der Neunzigerjahre die Wiener Universität , und die theologische. Lehratistalt. be.^og, genoß er bereits den Ruf eines die wichtigsten Gebierc des. hebräischen Schrifttums vch er eschen den Gelehrten, Roch als Hochschüler und später als Professor an der llnivcrsität. und, amRabbinerseminar in F l o r e n u.nb als Oberrabbiner von T r i c st und Wien schenkte Dr. C h a. s e S der hebräische» Brbelforschu.ngslitcratur eine Anzahl epochemachender, gver auch vielnnlsiriliencr Werke und Aufsätze,, die von dem smpcnden Wissen und dem tiefsckürsenden Geist ihres Versasscrs Zeugnis: ablegcn. . :. .. . Der Jude, der.Zionist, der Mensch in Chose? aber vftenvürtc sich der Weit-inseiner vollen. Enisattung erst luden Fahren, während.-welcher ihn' ein dem. Iudentnm gii-; iiges Geschick - in Wien seinsegetlsveichss -Wirken' entiatte.irl.icß, Ep war eine schwere, aber-für ideale Kraf-tiiattiren,- füe- Männer, die von einer wncfest.^Bcrnnuig.. zu entscheidendem, die.Gemüter nnfrüttclitdem Handeln errüllt sind, gün stigc Zeit, in der Dr. Eäa jcs sein Aint als Oberravviiier. der drittgrößten . Iudengcine-inde ----- 1 tt 15! >r-ar-Wien noch die ziue'ttgrößte jüdische Getneinde- — der Well an trat. „Meinem Volt^ zu dienen bin'ich chi Cuck gekommen. Meiir Eigenstes, Höchstes, Tiefstes und Persönliches, mein Gewissen keimt keinen anderen Herrn ,rts—die göitlickte Stiinine, die ich-in mir vernehme . . .Das ivar keine, dm lajidlniäigcn .Antrstlspredigten, der diese Worte Dr, .Chajes! entnonnncn sind. Sie klangen wie Schofartöne. die die Zagenden zu Taten aufrüttelten, die bösen Geister ans»-ihren Scklupfwinkctn auffcheuchien.. Und Oberrabbiner Dr. Chase» hat sein Wort gehalten. Ec hat in Wien nicht bloß ein Amt ausgesülll. sondern eine Mission erfüllt, die in der Geschichte der Wiener Inden als ■ fi der Beginn einer der glänzendste-n Vcrclvigt bleiben wird. Dr. Chajes hat die Wiener ^nden ihr ^ndcnkum lieben, für ihr Freden tum kämpfen und opfern gelehrt. Dr. Chajes hat dm Wiener Juden Erez Israel förmlich entdeckt, sic mit dem Laisdc der Väter vermählt. Dr. Chajes ist -der Lehrer der .Meinen und der Großen, der Jungen und der Men geworden. In hunderten Kanzel- und Vcrsammlungsredcn hat.Dr. Chajes schon bisher feiner Gemeinde jüdisches Denken. nutz jüdisches Fühlen ancrzogen, hat den Zionismus als Krtternim eines selbstbewußten Inden in das allgemeine jüdische Botvußtscin getragen. Nickt seine hohen Ehrenämter in der zionistischen Organisation, sondern diese seine beispiellose Volkslehrtätigkeit hat ihm schon bisher die 'grenzenlose Liebe seiner ungezählten Anhänger und die in der Geschichte der Wiener Inden einzig dastehende Verehrung auch derjenigen gesichert, die nicht imrner denselben Weg. yiU ihm gehen. ,Mer mir meine Freiheit, meine Unabhängigkeit nimmt-, macht mich zu ein ein unbrauchbaren Werkzeug..." Möge er noch viele Jahre frei und unabhängig, mit seinem reine», nur fiir sein Volk schlagenden Herzen das brauchbare ^Werkzeug zur Veredlung des jüdischen Volkes bleiben und möge ihm das von ihm heiß ersehnte Glück bc» schieden-sein, die Erlösung unseres Landes zu sclsanen! bin Ungläubiger >,» E Kaaba. .- Ein Zwischenfall beftn-Bettam in. Melke Kairoer Blätter erzählen von einem Zwischenfall beim letzten Beiramfest in Mekka, der für den Helden der Szene leicht hätte verhängnisvoll werden können. Den Kuliiiinationspiiiikt dieses Festes bildet der Aufmarsch der Gläubigen bei Musik-.und Tanz-'»m den heiligen Stein der Kaaba. Wer an diesem Akt einmal teilgcuommen hat, ist berechtigt, sich den'Cchrennamen Hadschi beizm znlegen. Ties-gilt jedoch nur für den Fall, wenn sich bei dem Akt der Verehr ring des heiligen Kaaba kein lin* gläubigerin die Menge der verzückten Gläubigen einsthlichifst hat. Beim tetzien Btstramfest ging alles in Ordpuistg vonstaitcii, die Gläubigen''hatten vorschriftsmäßig um die Kaaba Aiissiellung genommen, als ptötzlich ame der Menge ein Wittgeschrei das Fest, störte: j,Ungläubiger Hund!- Schlag t i h n t o t!" Zum Glück, mar rasch-ein Schutzmann zur Stelle, dsr den Andersgläubigen vor den Kadi brachte. Der Kadi betrachtete den. Mann, und sagte: „Ich m'rstche eure- Erregung nicht. Meiner Mei-mmg nach ist-dieser Maün ein Gläubiger." Der Borgesührte legitimierte sich als der a«s England üam>nende Horace Hi llh, ein. Schüler des ber-ühMten indischen Orientalisten Armin Bambery. „Mein Meister" sagte er —, „riet mir schon vor Jahrzehnten: mich, wenn ich den Orient gründlich studieren will, in die Sitten und Gebräuche der Orientalen hineinzuleben und auch davon nicht, znrückznschrecken, den niohannnedauischen Glauben anznnehmen. Ich habe seine« Rat befolgt, bin u m M n h a m m e d a n i s m us üb«r- Aus dem Buch Namen. Veedeutscht von Martin B n b e r gemeinw'" im. - Franz R o s c n z w c i g. .otrr Erlaubnis des Berlages Lainbert. Schneider enlitehmen wir" nächftcheirdes'Stück aus dem soeben erschienenen zweiten Bande der Bibelübersetzung B«-' - . bcrs und Rosenzwcigs. . Ein Mann aus dein .Hause Seim auar gegangen stnd ircthni sich die Tochter Lewis. ------ - Die Frau ward schwanger n-nd gobar einen-John.- Da siesah, daß er ein Gutes war, suchte sie ihn zu «rbergen, -drei Monate. Länger konnte sie ihn nicht verborgen -hatten, so nahm sic ftir ihn ein KÄstlein aus Paphrusrohr. fie verleintte es mit Asfalöleiinen und mit Pech uzrid legte den^Zbnaben darein, und legte es in >das Schilf am Ufer des Flusses. Seine Sckstoester aber stellte sich Vvn fern, zu er. wahren, was chm geschähe. Pharaos Tochter stieg herab, am Fluß zu baden, - dieweii'ihre Jungfranen sich zu seiten des Flusses ergingen. Da sah sie das Kästtein mitten im Schilf. Sie schickte ihre Magd nnd ließ es holen. Sie öffnete, sah es, >das 5bind: da, enr iveinender Knabe! - Es dauerte sie sein, sie sprach; Won den .Kin>dern der Ebräer ist dieses. ' Tg sprach seine -Schwester zur Tochter Pharaos: Soll ich gehn uad dir ein sün-gendes Weib von dvn Wräerinnen rufen, daß sie das Kind dkr säuge? Phamos Tochter sprach m ihr: -So ging «da» Mädchen nnd rief die Mntter des Kruges. Pharaos Tochter sprach zu ihr Bring «dies Kind fort und säuge es mir,' ' leinen Lohn gebe. ich. Die Frau nahm das Kind und säugte es. Als das Kind hemn-wuchs, führte sie es zu Pharaos iLochter, jt-nd es wand ihr zum Sohn. Sie rief' seinen. 9-ümen: -Mosche.-.Der. herauszieht.. Nnd sprach: Denn aus dem Wässer habe ich ihn ge^. sogen. Es gescha-h m der Zeit dami. als Moschst erwachsen tvar? da ging er aus zu s-emen Brüdern und erscch ihre' Lasten. Und er sah, wie ein ägpptiifcher Mann einen. ebvinscheu Mann, von seinen Brüdern eilten, schlug/ Er wandte sich hierihm nnd dorMn, und . scchr da war kein Meitzsch, und ecschl-ng den Aegypter. Danrr verscharrte er i.'hn int 'Sand. Am andern Tage ging er aus, da raubten sich zwei sbräische Männer. Er sprach zum Schnldigen: Warm» schlägst du deinen tAenosfer»? Der -sprach: Wer hat dich Kl eimom Obmann Mid R-ich^r Wer rms gesetzt? Uteinft du mich iMrMbvMHem, wie du den ÄsgtzMrmngebrächt halft? Da evschvaik MoWe und Wrach: tAo ist bas BeMn'is LunÄbar. Pharao hörte Gejvs BogÄmG mch twchtere MoM mngubringen. /Aber Mosch- Mck' vor -Phsmo!M---v«wMe «ft 4m am Brunnen verweilte er. . , Der Priester von Midjan -hatte sieben Töchter. Die kamen und'wollten -schöpfen und die Rinnen, füllen, ihres Bakers Schafe tränken. Da kamen -die Hirten und wollten fte verjagen-. - Aber Mofche. enhoib sich, er »rächte sie frei -mtd, tränkte ihr/Schafe. „ Als sie zu Rtrel chrem Vater kanten, sprach-ev: Warum, kommt ichr heute so babd? Sie sprachen: '-Ein ägyptischer lMw^n -hat . uns aus der Hand der Hirten gerettet, er schöpfte auch, -schöpfte- Kr uns und 5MM.M Schckfe. ' . ' ' . Er sprach z« seinen DiWevm Wo ist er denn? Warum -'habt ihr de»t Mann gmWgÄaD«^ R-rrft ichn, dgtz er evt Macht esse.'! . Mosche wAligte ein, bei 'dem Mm« $n AMvn. Uwd er gab Mosche seine Tochter Zippova. Sie gebar einen Sohn, und er rief seinen Minen: Gerschom. Oedvgcrst, -dewt er sprach: Mist bvn ich gewoadan in sreM«m Land. Ihr jener langen Zeit. geschah: der König von Aegypten MO. --- Die Söhne aber ferMen sie schrieen anf, . ihr HiLferrrf. stieg W Gott - - Gott aber hörte chr Gestöhn, - Gott aber gedachte sem-es mM Wtmt, mk uni) mit Jaakoib, Gott aber sah die Söhne BWmnM