Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2730 (2.10.1926)
- Date
- 1926-10-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Dien, SamStag S. Oktober 1929 Gelte 4 tr-.. . Letzte Nachrichten. SusamMoarKit der deutsche« «rbetter «nd Uuieruehmer. Eine zweite Rede Dr. Silverbergs. Düsseldorf, 1. Oktober. Der Industrielle Dr. Sildertbery, dessen Rode in Dresden vor dem Präsidium des Äeutschen Jndnstriellettverbandes großes Aufsehen erregt hotte, da sie eine Orientierung der Politik nach links empfahl, führte beute in einer Rede auf der Haupttonfernz des Vereines, zur Wahruüg der Wirt- Wrstsinteressen im Meinland u. a. aus: In meiner Dresdner Rode liabe ich das p o l itische Gebiet gestreift, und Miar mit Absicht. In Deutschland ist eine Trennung all jener Fragen, die für das wirtschaftliche mtb kulturelle Leben unseres Volkes von Bedeutung sind, von politischen Dingen unmöglich. Dies ist eine Fo l g e der Revolution. Wir müssen uns darüber klar sein, daß die das deutsche Unternehmertum und die deutsche Wirtschaft betreffenden Frc^en von einer Stelle entschieden werden, die sich nach rein politischen Gesichtspunkten zusammensetzt. Es ist eine Taffache, daß in D e n t s ch l a n d'al l e wirtschaftspolitischen Fragen im politischen Sinne entschieden werden.. Darin liegt Kr die Unternehmer eine große Gefahr, und diese würde noch größer werden, wenn wir nicht den Mut hätten/uns mit diesen Dingen zu befassen^ Es geht nicht an, eine große Partei, die von großen Arb Htermasscn gewählt worden ist, von der Regierung auZKuschlietzen. Ich habe meine Dresdner Reibe sieben oder acht Herren des Präsidialrätes des Reichsverbcmdes der Deutschen Industrie vorgelegt' und sie wären damit einverstanden. Ich habe die Auffassung, daß das Wertvoll st e, was wir in Deutschland haben, die Arbeiterschaft ist und daß in ihr ein guter 'Kern steckt.' Ich hoffe, daß sich das U n't'e r n e hmer tum und die A r b e i t e r s ch a s t a u's e i n e r L i n i e z u s a m m e n s i n d e n werden, wenn E n ts cheid ungen fallen, die für unser garrzes Wirtschaftsleben und für das politische Leben von fundamentaler Bedeutung sind. Fufion der rumSmschen Rattoualdartei «ad der Bauerudarlei. Bukarest, 30. September. Vorgestern fanden hier zu gleicher Zeit die Sitzungen der Exekutivkomitees der Nationalpattei und der Bauernpartei statt, in beiten die Fusion der beiden Parteien, Mm Mschlussd erhoben wurde. Wählend der Beschlüßen'.d^ r Ba,üe.r n.p ärtei mit 35 gegen fünf Stirnmen rmd -zwei Stimmenenthaltungen gefaßt wurde, hat sich die Exekutive der Natwnalpartei einhellig für die Fusion ausgesprochen. Nach der Sitzung erklärte der Führer der Nationalpartei, Manru, daß die vereinigte Partei die stärkste politische Gruppe des Landes geworden ist. AugMcher Aufschub der Hafendauer von Port Fuad. London, 1. Oktober. Wie der Londoner Korrespondent des ,/Haaretz" erfährt, soll, das Colonial Office zur Usbevzeugung gelangt sein, daß der Ausbau des Hafens von Port Fuad geeignet fei, die Entwicklungsmög- LDkeiten der Häfen in Palästina wie auch die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zu benaä-teiligen. Deshglb sei jetzt das Colonial Office gewillt, den .Hafenbau in Port Fuad vorläufig zu v e r s ch r c b e n. Pollrei uud Verbrechen. Die Schlnßrescratc des Berliner Polizeikongrefses. Aus Berlin wird berichtet: Im Verlaufe der Tagung des Polszeikongresses, der Donnerstag geschlossen wurde, wurde eine Reihe weiterer Referate von Wiener Polizeifunktionären gehalten. Polizeidirektor Dr. Schulz sprach über die Bekämpfung der G e l.d z e i ch e n f ä l.s ch u n g c. r, wobei er die neue Errungenschaft der sogenannten internationalen Zentralstelle für die Bekämpfung der Geldzeichenfälschuugen hervorhob, die er als hervorragendes Jntelligeuzdelikt bezeichuete. Ueber „S ch e ck b e t r u g u n d S ch e ck s ä l s ch e r" hielt Negierungsrat Dr. Vetters vom Wiener Sicherheitsbureau ein lehrreiches Referat. In seinem Thema „Die Mängel aus dem Gebiete des Auslieferungswesens" besprach Dr. Schulz eingehend die Verhältnisse aus diesem Gebiete, die einer Neuerung bedürfen. Er plädierte dafür, daß gewisse besonders verwerfliche Straftaten als asylunfähik erkannt werden sollen. Der Wiener Polizeidirektor Doktor Brandt sprach über die Bekämpfung des A l k o h o l i smus durch polizeiliche Fürsorge. Er bemerkte, daß der Staat, der im Grunde alle Schädlichkeiten aus dem Volkskörper austilgen sollte, aus der Neigung des Menschen zum Alkohol und zum Nikotin ungeheuren Nutzen zieht. Vom Ministerium bes Inner» in Kairo hielt M. Schair Bey ein längeres Referat über die neuzeitlichen Polizeieinrichtungen in Aegypten, dem trotz aller modernen Einrichtungen noch eine ausgesprochene Ikriminalpolizei fehle. Er erwähnte auch die W üsten Polizei, das sind Tromedarberiitene, die nur aus sudanesischen Schutzleuten und Bedniiren bestehen und 500 wiener Mokgenzeriimg Nr. 2780 Kn Monfter.Pogromprozetz in Ungarn. »in saure, S,rf uuter Auflage. - Lar Opfer fordert 3 Milliarde» Schadenersatz. Aus Bubape st wird uns berichtet: AirfangS Sdovember wird vor dem Gzolnoker Bszir'kSgericht ein Monsterprozeß von großer prinzipieller Bedeutung seinen Anfang nehmen. Der ehemalige Kaufmann Leopold K an-i tz in IasK Karajerwhat gegen 237 Bewohner dieser Ortschaft eine 'Schadenersatzklage auf fünf Milliarden Kronen für den ihm bei einem .Pogrom zugeftigten Schaden angestrengt. Die Klage führt folgenden Tatbestand an: Leopold Kanitz wohnte seit 1888 in I a s z K arajenö bei Szolnok. Er lobte mit den Dorfbewohnern im besten Eiiwernchmen und war sehr beliebt. Da er sehr fleißig war und solid lebte, erwarb er sich im Laufe der Jahre ein ansehnliches Vermögen. Sein Sohn Eugen »var Sokdat, machte den ganzen Weltkrieg nnt: Am 2. November 1018 rotteten sich plötzlich die Bewohiwr der Ortschaft vor dem Hause des Kanitz zusammen, demolierten und plünderten alles was im Geschäfte und in den Räumen zu finden 4var. Mehrere Bairern waren mit ihren Wägen gekommen und führten die geraubten Gegenstände fort. Die Plünderungen dauerten von 8 Uhr früh bis 10 Uhr nachts. Die Gendarmerie hatte. » ich t eingeschritten. Erst als Eugen Kanütz von der Front heimkehrte und die Einleitung von Erhebungen forderte, gingen die Gendarmen von Haus zu Haus und fanden fast i n j e d e m Ha u s e Teile der Plünderungsbeute. Die Gendarmerie erstattete an das Szolnoker Gericht einen Bericht.über die gepflogenen Erhebungen. Es wurden auch einige Verhöre vorgenommen. Die Beschuldigten waren geständig, dennoch wltrdc das Strafverfabren nicht zu E nde ge füh r t, angeblich weil es vom damaligen 'Nationalrat mit Rücksicht aus die allgemeine erregte Stimmung niedergeschlagen wurde. Da die Angelegenheit nicht verjährt war, wurde das Verfahren über Betreiben des K a n i tz wieder ausgenommen; darauf wurden dve Plünderer im Jahre 1922 amnestiert. Vier Jahre lang lebte Kanitz, der ganz zu« g r u n'de g eg a ng e n rvar, von den Unterstützungen seiner Verwandten in Budapest. Im Jahre 1922 gelang ed ihm schließlich, sich Kredite zu verschaffen; er kehrte in sein Dorf zurück, restaurierte sein Hans und eröffnetc wieder sein Geschäft. Da geschah es (wir berichteten seinerzeit hierüber ausführlich. — Die Red.), daß der Budapcister Führer der Erwachenden Ungarn, Keö-Kucsera eine Gruppe junger Erivächendcr mit dem Auftrag nach Jasiz Karajenö beorderte. das Haus des Kanitz und des jüdischen Schankwirtes mittels Bomben in die Luft zu sprenge». Kanitz mußte abermals flüchten. Er ist inzwischen völlig verarmt. Da seither der Oberste Gerichtshof in Ungarn, die königliche -Kurie, in anderen Fällen Pogromopfern den eingeklagten Schadenersatz zubilligte und Kanitz im Besitze einer genauen Namensliste der Plünderer seines Vermögens ist, strengte er jetzt die Schadenersatzklage gegen 237 Insassen von Jasz Karajenö von neuem an.- Zu dem Monsterprozeß ist -nahezu - das ganze Dorf als Beklagte oder als Zeugen vorgelaüen. Mann stark sind. Ten großen Vorteil „Internationaler. Evidenzen" illustrierte an praktischen Fällen (Moransky, die Holeldiebe Brüder Ruckenstein, Barry und Morrison) der Vorstand des Wiener Sicherheitsbureaus Hvfrat Wahl. Ter Generälprokürator Tr.-Höppler aus Wien hielt einen Vortrag über Presse und WahrheÜserforschung. Der Kongreß wurde vom oBorsitzenden Präsidenten Dr. Schober geschlossen. Seine Ergebnisse kommen in einer Anzahl Resolutionen zum Ausdruck, die das Resultat ber Beratungen und Referate sind. Unter anderem' beschloß der- Kongreß--daß die Telegietten in shrrn Ländern dahin..wirken»sollm, daß -der. Besitz vom: Feuerwaffen. sch ärfcr kon:rolltert und der Mißbrauch unter. Mvere/Ahndung gestellt werde. Bezüglich des Auslieserungs Ve r sah r e n s wird mit Befriedigung auf den-bereits erfolgten Vertrag zwischen Oesterr e i ch und P o l e n hingewiesen. Anläßlich - ber Beendigung des Kongresses wurde , dem Präsidenten Schober eine von der preußischen Regierung gestiftete Porzellan- Ehren Plakette überreicht. zwei Fahre „Aadia Wien' . DaS neue Vrogramm der Ravag. *. Radio Wien ist gestern in daö dritte Jahr des Bestandes getreten. Aus der als Wunder bc-staunten drahtlosen Telephonie, die auf der vom jüdischen Gelehrten M e r h ausgestellten Wellencheor:e beruht, ist eine sprechende Zeitung geworden. Oesterreich nvmmt an Dichte seines Na-dionehLs mich England den zweiten Platz in Europa ein und übertrifft prozentuell Deutschland. 226.962 Teilnehmer wurden in Lesierreich bis Ende August gezählt. Vom Markt- und Wetterbericht, von Mitteilungen der Polizei, deren Wicldergabe durch daS Radio schon oft zur Ergreifung von Verbrechern geführt bat, zu gelehrten Vorträgen. Sprachkursen, Bühnenaufführungen und Musitreprodlrktioncn erstreckt sich die Welt des mitteilsamen R-undspruches. Das H e r bstp r o g t a-ln-m des Wiener Senders weist, wie gestern einer Pressekonferenz liutgcteilt wurde, wieder große Bereicherungen auf. Der Beginn der Opern Übertragungen kennzeichnet den Monat Oktober. Am 6. d.. soll mit dem R o s c nka v a l i e r angefangen werden. Monatlich worden zwei ganze Opern und Awei Owierturen gesendet werden können. Die akustischen Proben in der Oper haben ergeben, daß für das Orchester das günstigste Ergebnis durch Aufstellung eines einzigen Mikrophons beim D i r i g e n t e n p u 11 erreicht wird. Alle bedeutenderen Konzerte werden gleichfalls den Abonnenten zugänglich gemacht werden.' Vierma-l im Monat werden Operettenaufführungen mit großem: Orchester vermittelt werden Die literarische Abteilung kündigt für die nächste Zeit die Aufführungen von „Don Juan" und „Faust" von Gvcrbbe durch die Jugenbbühne an. Zyklen österreichischer Vollkestücke, Märchen, Ueberdragungcü, Sprachkurse, Vortragsserien, „Das Buch", die „Stunde-der Frau", die „Erde" sowie vielseitige populärwissenschaftliche Vorträge werden das kommende Radiopragramm interessant und attocchslungSreich gestalten. Die Vorführung deö originellen FilmS „Ein Tag bei Radio-Wien" beschloß die gosttige Konferenz. Sie Bilaur der Wiener Erdbebens. Die meteorolo-gische Zerrtralanstatt gibt nunmehr aus Grund ihrer eigenen Beobachtungen und der ihr übermittetten Angaben genaue Mitteilungen über die Ausdehnung des Erdbebens vom 29. September. Dieses umfaßte auf. österreichischem Boden eine Fläche von , mehr als 30:000 Quadratkilometer. DaS am stärksten enchütterte Gebiet lag nördlich des Semmeringpasses. Die wesentlichsten Orte, in denen Las Beben noch , sühlbar/wv, .sind. Ischl, Gnmnden, Waitzenkirchen ny-d Laiu-bach, die . nördlichsten Weitra. Groß-Sieghktrts,, Schattau, die östlichsten Hainburg und Steinamanger, die südlichsten-FHrrngWch Graz.,In Wien wurde das; Beben i n a l l e n B e z i r kd n, '-in einzelnen sogar in beträchtlicher Stärke "gespürt und der 'meteorologischen Zentralänstalt kamen säst 800 Einzelberichte aus Wien zu. wonia Ignatiew. Der Juwelenraub in der Tauentzicn-Straßc.?.er in Breslau verhaftete Jnwelenräuber Johannes Spruch hat nach seiner Verhaftung angegeben, daß sein Mittäter bei dem Einbruch kein Mann, sondern ein Mädchen namens Sonja Jgnatiew sei. Nach den Erhebungen existiert diese Dame wirk-ich. Sie ist in Warschau geboren, von Berns Tänzerin. Spruch schildert sie als ein sehr schönes Mädchen mit Bubikopf. Sie wird gegenwärtig eifrig gesucht und es sind schon einige schöne Mädchen mit Bubikopf in- Haft geiwmmen worden. Die Polizei glaubt, daß sich Sonja Jgnatiew noch in Berlin befindet. ^Indessen istsie jedoch in Beuthen gesehen worden und dürste die polnische Grenze bereits überschritten haben. Johannes Spruch, der keinen festen Beruf hat, ist durch die verschiedensten Beschäftigungen gewandert. Er war Grubenarbeiter, diente im Weltkrieg als Freiwilliger, später in einem Freikorps der schwarzen Reichswehr. Er hatte keinen Freund und'beschäftigte sich viel mit Magnetismus und Okkultismus. Spruch selbst gab jetzt bei seiner Veritehmung eine genaue Darstellung über die Tat und stellte zum ersten Male die Behauptung auf, daß sich au dem Raub auch sein Freund „Paul" beteiligt habe. Spruch weigcrte^ sich, dessen Personalien anzugebcn, und sagte nur noch, es handle sich um einen gewissen Paul H o f s m a n n, der in Verbrccherkrcisen unter dem Spitznamen „Heyn" bekannt ist. Tie Polizei glaubt jedoch, daß es sich nicht unr einen Paul Hoffmann, sondern um den wegen verschiedener Verbrechen vorbestraften Paul G e r l a ch handelt Schlagende Wetter. Schwere Explosionskaiastroplic in einem ungarischen Bergiucrk. Budapest, 1. Oktober. Wie aus F ü n f t i r ch e n meldet wird, hat sich heute int Kohleubergiverk von Billany-Köv'end, Koiu-ilat Bamnya, ein schlveres Grubenunglgück ereignet." Durch schlagende W e tt e r erfolgte eine Explosion, wobei 2 G r u b e n a r b e ite r getötet u-nd m c h r c r c s ch w er verletzt wurden.. Nähere Einzelheiten'fehlen. Ins jadlsdie Haus - das jadlsdie Dlatt! i